Kino zum Zwecke der Vermittlung eines familären Erlebnisses.

Diese Weltall-Abenteuer-Fantasie-Liebesgeschichte wirkt so, als würde sie der Autor Schritt für Schritt auf die penetranten Fragen eines Kindes „und dann?“, „und dann?“ fortlaufend erfinden, als habe er zwar sein Ziel, eine Grundfrage zum Thema Liebe und Identität, wer ist dieser andere, diese andere, kann ich ihm, ihr trauen, ist er/sie, das was er/sie vorgibt zu sein, im Kopf, aber als müsse er auf dem Weg dahin, zwar nicht ganz bei Adam und Eva, aber ausschweifend lange vor der Geburt unseres Protagonisten Gardner (Asa Butterfield) anfangen und als nehme er sich, um Zeit zu gewinnen, ellenlang Raum für diese Vor- und Außenherumgeschichte und praktiziert so einen Story-Telling-Eklektizismus, der sich aus viel Gesehenem dies und das zusammenklaubt.

So fängt denn das Buch von Alan Loeb nach der Geschichte von Stewart Schill noch vor der Geburt von Gardener an. Seine Mutter ist Astronautin und steht kurz vor einer mehrjährigen Marsmission. Allerdings ist sie schwanger und kaum auf dem Mars gelandet, kommt ihr Sohn zur Welt. Sie stirbt nach der Geburt.

Bis dahin haben wir viele Details über die Firma Genesis Space Technologies erfahren, über ihren Direktor Shepherd (der zum Overacting neigende Gary Oldman), über den Countdown zum Start der Magellan 61.

Nach der Geburt von Gardener und dem Tod seiner Mutter an Kindbett Praeklampsie wird ausführlich diskutiert, wie umgehen damit, offenlegen oder vertuschen?

Der Erzählonkel muss dann, in der Regie von Peter Chelsom (Hectors Reise) einen Zeitsprung von 16 Jahren machen und herausfantasieren, was Gardener für ein Bürschchen geworden sein könnte, der nur mit Marswissenschaftlern und einer breitlippigen Ersatzmutter, Kendra (Carla Gugino), aufgewachsen ist, wie er mit Computern und Codes ziemlich gut umgehen kann und auch seinen Roboter-Spielkameraden Centaur umzuprogrammieren versteht, wie er mit einem Mädchen auf Erden chattet, wie er in die Akten seiner Mutter eindringt und ein Bild von seinem Vater findet, wie er schließlich erzwingt, dass er auf die Erde fliegen darf, um diesen Vater zu finden und auch das Mädchen, mit der er gechattet hat.

Die medizinischen Gründe, warum das möglicherweise für ihn gefährlich werden könnte, muss der Erzähler herbeiflunkern, auch wie sich ein Marsgeborener auf der Erde bewegt. Das ist ziemlich locker zusammengesteckt, aber en detail immer mit dem Untertitel „präzise“ versehen als werde es für ABC-Schützen erzählt, so dass der Zuschauer gar nicht erst anfängt zu zweifeln. Aber just dieses Hausbackene macht den familiären Charme des Filmes aus. Unwohl wird sich schon gar niemand fühlen dürfen, denn der Film ist getragen von einer überaus fülligen Wohlfühl-Klangwolke und die Bilder sind altbekannte, pittoreske Sujets, wenn es ins Freie geht, erst recht später, wenn Gardener das harte Mädchen Tulsa (Britt Robertson) gefunden hat.

Wie und dass Gardener und Tusla vor den Verfolgern der Firma in den Wilden Westen ausbüchsen, das kommt jedem bekannt vor. Da sind Vertrautheit, Sich-Heimisch-Fühlen gepaart mit einem Schuss abenteuerlichen Eskapismus‘ angesagt.

Erst nachdem eine gute Spelfilmlänge von 90 Minuten vorbei ist, kommt es zu einer romantischen, schnuckeligen Liebesszene im Wild-West-Niemandsland, romantisch wie für eine Zigarettenwerbung. Hier ist weder Provokation noch gründliche Abhandlung oder pointierte Beleuchtung einer menschlichen Fundamentalfrage angesagt, eher ein Anbiedern an ein Publikum mit einer Bildschrift, die diesem garantiert geläufig ist.

Dem Film vorangestellt ist das Motto „Courage“, aber dazwischen sind dem Erzähler so viele andere Dinge eingefallen, dass er das wohl wieder vergessen hat; das glaubt er aber mit der Erzählhaltung, ich will Dir Gutes tun und erklär Dir auch vieles (explikatives Kino), dass der Zuschauer nie das Gefühl bekommen soll, er verstehe etwas nicht, zu überspielen, dieses Kuschel-Element, was sicher von vielen Zuschauern als Familiarität wahrgenommen werden wird.

Aufs Auge gedrückt scheint mir der Gag mit dem Mars-Riegel, den Gardener als einen frühen Eindruck auf Erden vertilgen muss.

Vor lauter Details bleibt keine Zeit mehr, die Vater-Sohn-Geschichte, die doch der Antrieb für die Erdreise gewesen sein soll, zu vertiefen, denn zwei Stunden Erzählzeit, da gehen wir mit diesen Filmemachern einig, ist nun wirklich mehr als genug.

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