Mädchen, Pubertät und Pferde, Begriffe, die unzertrennlich scheinen, beispielhaft in Ostwind von Katja von Garnier dargestellt. Der Vergleich zeigt interessante Differenzen zu diesem Film von Dagmar Seume nach dem Drehbuch von Caroline Hecht. Hier dürfte die Ttielfigur Wendy (Jule Hermann) etwas jünger sein. Sie steht kurz vor Beginn der Pubertät. Sie ist noch sehr verträumt. Dieser Eigenschaft verleiht der Film Gewicht mit einer Schönwolke von Musik und mit Bildern von intakter, naturnaher Landschaft von Drohnen eingefangen.

Auch hier geht es darum, ein Pferd vorm Schlachter zu retten. Nicht aber um das Erlernen der Reitkunst. Hier geht es darum, dass Wendy wieder Vertrauen zu den Pferden (und damit zu sich selber) fasst.

Wendy fährt anlässlich des Todes von Opa mit ihren Eltern (Nadesha Brennicke und Benjamin Sadler funktionieren prima) und ihrem Bruder Tom (Julie Hotz) auf das heruntergekommene Gut „Rosenborg“. Die Familie soll einige Wochen bleiben. Der ältere Bruder Tom fühlt sich ‚klosterisiert‘.

Der Geist auf dem Gut ist der von Oma (Maren Kroymann), lebenslustig und unkompliziert zupackend. Nur die Finanzen hat sie nicht im Griff. Die Tiere bewegen sich überall in der Küche, im Flur, Hühner, Schweine. Es gibt auch das Gegenmodell des feinen, wirtschaftlich erfolgreichen Reiterhofes.

Wendy entdeckt bei der Ankunft einen Schimmel. Sie wird Zeuge, wie der aus einem provisorischen Verhau vom Metzger abgeholt werden soll. Sie befreit das Pferd und versteckt es, kümmert sich darum. Sie selbst möchte nicht mehr reiten, da sie im vorigen Jahr einen schlimmen Unfall hatte; sie trägt immer noch eine Schiene am Bein.

Die Beerdigung des Opas schildert die Lebenseinstellung der Oma, statt Blumen gibt es Kohlrabi aus dem Garten auf dem Sarg, denn die liebte der Opa.

Es zeigt sich bald auch eine Gegnerin von Wendy. Es ist Vanessa (Henriette Morawe) vom feinen Reitergut, eine gerade erblühende junge Frau mit gelegentlichen Blicken à la Femme fatal. Sie ist neidisch auf Wendy. Sie kommt hinter das Geheimnis mit dem Schimmel und versucht, das sich anbahnende Vertrauen zwischen Wendy und Dixi, wie sie ihn nennt, zu zerstören.

Es gibt auch Hinweise darauf, dass es zu einem Pferderennen kommen könnte, dass es um das Siegen und Besiegtwerden geht. So weit sind wir hier aber noch nicht. Hier kommt es zwar zu abenteuerlicher Verfolgung und am Schluss landen beide Mädchen im Moor, gemeinsam in einer bedrohlichen Lage. Es ist also nicht knallharte Action-Münze, die dem jungen Zuschauer zugemutet wird, sondern pastellen skizziert mögliche Konflikte, Ansätze zu Boshaftigkeit. Noch ist der Ernst des Lebens, wo solche Dinge verbissen ausgetragen werden, nicht in Reichweite. Noch darf geträumt und sich versöhnt werden. Noch darf die Jugend ungebrochen toben und sich wieder vertragen. Noch gewinnt die Lebenskunst von Oma die Oberhand, die Philosophie des Lebenlassens und nicht der geschäftliche Ehrgeiz und der Sinn nach Perfektion.

Der härteste Text in herzlicher Abneigung lautet: „Schluck Schnecken du Broccoli“. RomCom wie es sie das Poesiealbum ersehnt, das präpubertäre, das noch augenzwinkernde Abenteuergeschichten mag.

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