Das Stück vom Kuchen.

Nr. 8 (Alessandro Borghi) träumt von seinem kleinen Stück vom großen Kuchen, den Oberdrahtzieher Samurai (Claudio Amendola), Motto: jeder ist käuflich, in Ostia aufbauen will: ein Spielerparadies wie Las Vegas. Dort möchte Nr. 8 in Ruhe mit seiner Freudin Viola (Greta Scarano) seinen spießigen Traum im Halbweltmilieu leben, denn Nr. 8 kommt nicht an seinen Vater heran, er wird für kleinere Dienste eingesetzt.

Nr. 8 soll dem Zeugen einer Aktion, bei der eine Leiche entsorgt wurde, eine Lektion erteilen. Denn dieser hat sein Wissen keck auftrumpfend dem politischen Strohmann von Samurai, dem Senator Malgradi (Pierfrancesco Favino) gegenüber geschäftlich ausnutzen wollen; der Senator ist für die angemessene Gesetzgebung im Hinblick auf das Projekt zuständig.

Dem Senator stirbt, das ist der Ausgangsdominostein, der die Kettenreaktion hervorruft, bei einem kleinen privaten Treffen mit zwei Prostituierten in einem Hotel zur Feier des Gesetzeserfolges die jüngere der beiden, die noch minderjährig ist. Diese Leiche muss entsorgt und vertuscht werden.

Die Abreibung des „Stechers“, wie der Leichenbeseitiger heißt, durch Nr. 8 endet tödlich. Der Stecher ist der Bruder von Manfredi Anacleti (Adamo Dionisi), dem Chef des aus Süditalien stammenden Zigeunerclans. So kommt der Zigeuner-Clan überhaupt erst hinter das Projekt in Ostia und fordert seinen Anteil.

Die wahre Apokalypse aber dräut woandes. Sie gibt den Takt vor für den Countdown für die Woche im November 2011, in der der Film spielt. Es ist das Gerücht, dass Papst Benedikt zurücktreten werde. Im Film ist er eindeutig als Benedikt charakterisiert mitsamt seinem engsten Mitarbeiter Georg Genswein. Der reale Rücktritt fand 2013 statt. Das Gerücht kommt auf, weil Genswein die vertrauliche Ankündigung nicht für sich behalten kann. Samurai fürchtet um die Quelle Vatikanbank, denn auch von dort sollen beachtliche Beträge in das Ostia-Projekt fließen.

Figuren, Namen und Termine in diesem Film von Stefano Sollima nach dem Drehbuch von Giancarlo de Cataldo, Carlo Bonini + 8 sind fiktiv. Sie sind das Resultat gründlicher Recherchen. Autor Giancarlo de Cataldo ist als Richter tätig, hat also über seinen Beruf intime Kenntnisse der kriminellen Verflechtungen und hat schon Kriminalromane und andere Drehbücher zu dem Thema verfasst.

So entsteht eine Art fiktionaler Recherche-Thriller, das ist wie ein emotional hochaufgeheizter Durchgang durch die Akte dieses Falles, Spannung statt Aktenstaub, unterlegt mit aufheizender Musik und sowieso nutzt Regisseur Sollima nicht nur die machtvolle Kulisse Roms (aus anderer Sicht als La Grande Bellezza von Sorentino), sondern auch die verschiedensten Lichtquellen und Regen oder auch mal Sturm oder die laute und vielköpfige Familie des Zigeunerclans, um das brisante Thema auf hoher Flamme zu kochen.

Italien hat inzwischen das Genre des gründlich nachgeforschten Mafiafilmes mit hoher Fertigkeit entwickelt, von Stefan Sollima stammt auch Romanzo Criminale.

Der Titel rührt daher, dass das Stadtgebiet um Ostia, das hier im Zentrum steht, Suburra genannt wird. Italianita al meglio. Politmilieu, Prostitutiertenmilieu, Kirchenmilieu, Mafiamilieu, monumentale Architektur und zwischendrin Menschen, die träumen und keinen kriminellen Ehrgeiz entwickeln wie Seb (Elio Germano), der mitansehen muss, wie sein Vater, der dem Anacleti-Clan Geld schuldet, von der Brücke in den Tiber springt. Als Erbe der Schulden wird Seb vom Clan bedroht. Die Gefährlichkeit und dass nicht mit ihnen zu spaßen sei, demonstriert der Clan mit seinem Kampfhund, der in einem riesigen Gitter gehalten wird: „er war ein Lamm, Schläge machten ihn zum Tiger“. Bei Seb findet die überlebende Prostitutierte Unterschlupf, wodurch er mitten in die Geschichte involivert wird.

Selbst das ganz große Tier hinter den Kulissen, Samurai, der sich bei einem allfälligen Regierungswechsel einen neuen Politiker suchen muss, hat noch eine Mama zu versorgen. Allerdings dürfte es ihm schwerer fallen, unter dem neuen Papst Franziskus an die Geldquellen im Vatikan heranzukommmen.

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