Archiv für 20. Januar 2017

Bogensee, DDR, war ein Zentrum zur Schulung und Verbreitung sozialistischen Gedankengutes weltweit, eine top geheime Eliteinstitution mit 400 Studenten aus über 80 Ländern, die hier jeweils inkognito ein Jahr verbrachten und sich für den Kampf in ihrer Heimat schulen ließen. Sie waren alle mit Pseudonymen, mit Kämpfernamen ausgestattet, keiner kannte die Klarnamen.

Über 20 Jahre später macht sich die Finnin Kirsi Marie Liimatainen auf den Weg, einige ihre Kommilitonen und Kommilitoninnen von damals aufzusuchen. Sie möchte erfahren, was aus dem sozialistischen Traum von Freiheit und Gleichheit geworden ist. Die reale DDR ist kurz nach ihrer Rückkehr aus dem Institut als Höhepunkt der Perestroika zusammengebrochen.

Die Suche gestaltet sich nicht leicht (Problem: „Wie sucht man Menschen, die offiziell nie existierten und in einem Land studierten, das verschwunden war?“), da es in Bogensee kein Archivmaterial mehr gibt zu ihrem Jahrgang. Aber ein Kontakt ergibt den nächsten, Bilder werden herumgereicht und so kommen eine Anzahl von Begegnungen zustande in Chile, Bolivien, im Libanon, in Südafrika.

Eine Abenteuerreise mit viel Archivmaterial unterlegt von den Studienzeiten über die revolutionären Stationen in den verschiedenen Ländern und den verschiedensten Untergrundorganisationen.

Wobei sich der Kampf heute gewandelt hat. In Lateinamerika geht es inzwischen mehr um die indigene Bevölkerung, die Bewahrung ihrer Lebensweise, des Wassers und gegen die Konzerne. In Bolivien bekommt Kirsi mit ihrer Studienfreundin sogar ein Interview beim Präsidenten Evo Morales.

Die Ideale will keiner aufgeben, der bewaffnete Kampf hat sich nicht als sinnig erwiesen, in Südafrika herrscht faktisch immer noch eine Zweiklassengesellschaft, zu schweigen von den Verhältnissen im Libanon und in der arabischen Welt.

Bemerkenswert aber auch, dass keiner die damaligen Ideale vergessen will, wenn auch keiner mehr kämpft. Vom real existierenden Sozialismus in der DDR waren sie enttäuscht, das Spitzelsystem der Stasi haben sie nicht verstanden. Was ist aus all den Idealen geworden? Warum ist so wenig Freiheit real geworden? Warum ist die Umsetzung offenbar so schwer?

Kirsi selbt kommt aus dem Arbeitermilieu, ist in der Arbeiterklasse vor dem Hintergrund der kommunistischen Partei aufgewachsen. Für sie gehörte der Kampf der Arbeiterklasse zum Alltag, die Erkenntnis der Nicht-Privilegiertheit. Für so jemand war eine Institution wie Bogensee ein Traum. Den Satz gibt es noch: Transform the whole World in a better Place. Aber: Warum sind alle arabischen Revolutionen gescheitert? Wohin ist der Traum verschwunden?
Die Ziele konnten doch nicht falsch sein, die von Freiheit und Gleichheit.

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