Eine Begegnung, die einfährt.

Eine geballte Ladung Zappa, Frank Zappa pur, wie der Titel sagt: in seinen eigenen Worten, ein Hochkonzentrat Zappa aus über 20 Jahren Musikkarriere von 1967 bis zu seinem Tod 1993.

Diese Dokumentation von Thorsten Schütte kommt ganz ohne Blabla, ohne Geschwätz von Papas, Omas, Tanten, Nachbarn, Schulkamraden, Klatschkolumnisten, Kuratoren, Ärzten, Kritikern, Produzenten, Kollegen, Freunden, Feinden aus und was sonst noch in Biopic-Dokumentationen gerne aufgefahren wird, vom Frisör über den Anwalt und die Ex-Geliebten, die Kinder, die zerstrittenen Erben und den Hausarzt, das ist so angenehm an dieser Doku, das macht sie, wegen des Objektes ihres Interesses so stark, so tiefenwirksam.

Mit Zappa kann man sich das auch leisten. Er hatte genügend Grips und Schlagfertigkeit. Seine Äußerungen wirken geistanregend und haben im Hinblick auf das Kultur- und Politikgeschäft hochaktuelle Gültigkeit, aktuell hinsichtlich der Wahlen in Amerika.

Es gibt einen dreifachen Frank Zappa zu sehen, zu rekapitulieren oder zu entdecken.

Der Rockmusiker. Der Zappa, der Rockmusik macht mit Texten, die dem bürgerlichen Lager ganz und gar zuwider waren, mit ‚bizarren Shows“, wie dieses meinte, und die in Fäkalsprache vom Sex und der Penisgrösse oder vom Plastikmenschen handelten. Und zuwider dürfte diesem Lager auch gewesen sein, dass Zappa sagte, er mache diese Musik, um Geld zu verdienen („we are only in it for the money“).

Der Talkgast. In die Talkshows ist er wiederum nur gegangen oder hat Interviews gegeben, um seine Musik zu erklären; denn die meisten interessierten sich nicht dafür. Die Medien sahen in ihm nur den anarchistischen Bürgerschreck mit Löwenmähne, dem Riesen-Schnauzer, dem Minikinnbärtchen sowie knalligen Auftritten.

In den Interviews lernt man den klarblickenden, hochreflektierten Künstler kennen, der bald schon sein eigenes Label gründet, weil er sich nicht von den großen Musikverlagen zensieren lassen will.

Der Komponist. Der tiefste Zappa dürfte jener sein, der komponierte. Und wie! Stranwinsky, le sacre du printemps, war eines seiner Erweckungs-Erlebnisse, andere kamen hinzu, er versuchte Brücken zu bauen. Er komponierte leidenschaftlich Orchestermusik.

Frappierend ist speziell in der Frühzeit der Unterschied zwischen seinem anarchisch wirkenden Äußeren und den penibel, sauber gestalteten Notenblättern, fast wie bei Kupferstechers. Die nahmen die meiste Zeit in Anspruch.

Am Originellsten dürfte sein erster Fernsehauftritt gewesen sein, noch im Anzug als braver, äußerlich ordentlicher junger Mann, präsentierte er ein Fahrradkonzert, das er in kurzer Zeit ‚komponiert‘ hatte. Das war ein Knaller in die geordnete Vor-68-er-Welt.

Ein schlimmes Erlebnis hatte er in Berlin, da wollten linke Aktivisten sein Konzert stürmen, er hatte sie allerdings übertönt, so dass das Publikum den Eindruck bekam, das gehöre zur Show: er hatte da ein Faschoelement diagnostiziert (wer nicht so links ist wie diese Gruppe, der gehört gestört).

Zappa hatte früh schon Musikvideos hergestellt, früh schon sich mit Computermusik beschäftigt; bei all dem chaotischen Eindruck, den er mit Mothers of Invention zu erwecken schien, für ihn galt „Entertainment on time“, der Rahmen musste ganz präzise festgelegt werden, man darf dem Publikum nichts Schlampiges vorsetzen; wobei genügend Raum für Improvisationen blieb.

Drogen kamen für ihn nicht in Frage; Hasch hat nicht angeschlagen; allenfalls Penicillin bei eine Tripper, womit der Link zum von ihm cool angegangenen Groupie-Thema geschlagen ist.

Was immer noch weitherum gelten dürfte: people are not trained to Exzellenz. Den Satz verbindet er mit einem Rundumschlag gegen das amerikanische Erziehungssystem. Und dem Vorschlag der Politik, seine Musik mit Warnhinweisen zu versehen (dazu gibt es einen Ausschnitt aus einem Hearing) ist er selbst zuvorgekommen, mit Witz natürlich – und verkaufsfördernd.

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