Von der Krux der Staatsgründung Israels.

Vom Geiste des Dichters Amos Oz durchweht, gefühlvoll geschrieben und inszeniert zeichnet Natalie Portman das Portrait des Dichters als eines aufmerksamen Buben, der mit seinen Eltern im Krieg von Polen nach Jerusalem gezogen ist. Sie selbst spielt die Mutter des Dichters, Fania Oz.

Der Film richtet sein Augenmerk auf den Buben, mit Amir Tessler eine Traumbesetzung, zur Zeit der Staatsgründung Israels, die den Beginn des Krieges zwischen Israelis und Palästinensern markiert.

Gleichzeitig muss der Bub erleben, wie es seiner Mutter, und sie spielt das fabelhaft, die früher so viele Geschichten erzählt hat, zusehends schlechter geht, wie sie Tabletten nimmt, wie, so der Text des erwachsenen Oz, ihre Träume alle zerschmettert werden. Auch ein Aufenthalt bei ihren zwei Schwestern in Tel Aviv am Meer kann nicht helfen.

Der Vater war ein Büchermensch, der ein Buch über die „Novelle in der hebräischen Literatur“ herausgebracht hat. Dem jungen Amos bringt er viel über die Wichtigkeit und Bedeutung von Wörtern bei, über die Zusammenhänge zwischen den Wörtern, darüber, dass es wenig braucht an Gehässigkeit, um aus Menschen Böse zu machen oder an Gutwilligkeit, um aus Menschen Gute zu machen, die sich ein Paradies fertigen können. Eine Erkenntnis, die sich nicht bis in die Spitzen der Politik durchgesetzt zu haben scheint.

Es ist die Fassungslosigkeit auch darüber, wie der Traum vom Staat Israel von Anfang an mit Krieg getränkt ist. Es gibt eine Szene, da wird Amoz, das einzige Kind von Arieh (Gilad Kahana) und Fania, an kinderlose Eltern „ausgeliehen“ für einen Besuch bei Palästinensern. Er bekommt genaue Verhaltensanweisungen, spricht arabisch mit anderen Kindern, hält ein Versöhnungsgespräch.

Natalie Portman hat Archivmaterial aus der Gründungszeit von Israel eingebaut in den Film, die Übertragung der Abstimmung bei der UNO am 23. November 1949, und den anschließenden Kriegszustand.

Es gibt Szenen, in denen Kinder von einer Figur namens „Garibaldi“ paramilitärisch zum Guerillakrieg ausgebildet werden, um Flaschen zu sammeln zur Herstellung von Verteidigungsmitteln.

Amos ist in diesem Film ein Junge, der viel mitbekommt und alles registriert, der sich nicht aufspielt, der einen Überfall seiner Mitschüler schlagfertig mit wilden Geschichten, die er spontan erfindet, ins Leere laufen lässt.

Er bekommt Gespräche von Frauen unter dem Tisch kauernd mit, einen Seitensprung vom Vater, das Leiden der Mutter beginnend mit Migräne, da wird er ins Vertrauen gezogen, eine große Last, den Tod der Mutter („kein einziges Versprechen der Jugend ist ihr erfüllt worden“).

Auch ein trauriges Bild: der Vater will mit dem Buben im kleinen Garten Gemüse und Blumen säen: es gedeiht gar nichts. Kleiner Betrug des Vaters: er kauft Setzlinge und pflanzt sie – ein irres Symbol bezüglich der Staatsgründung Israels.

Für die grauenhaften Zustände, die im Nahen Osten heute noch herrschen, eher verbiesterter und schlimmer mit der unberechenbaren 3. Intifada heute und den grausamen benachbarten Konflikten, werden allerdings auch die ehemaligen Kolonialmächte in die Pflicht genommen, die Europäer, die die arabischen Stammeskulturen zerstört haben und die Deutschen, die das Judentum ausrotten wollten – und die heute zuschauen, wie die Parteien unversöhnlich sich das Paradies auf Erden zerstören.

Weiteres Bild über die Verantwortung, die der Bub schon fühlte (1947 ist er 8 Jahre alt), wie er dem Vater wortlos den Finger verbindet, nachdem der sich beim Brotschneiden verletzt hat.

Stellenweise lässt Portman den alten Amos Oz mit der Stimme von Moni Moshonov sprechen oder lässt ihn gar auftreten (Alexander Peleg), mit eindrücklich, sorgenvoll gefaltetem Gesicht.

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