Was hebt den legendären Münchner Barkeeper Charles Schumann von so vielen anderen Promis hervor?

Nicht unbedingt, dass er eine Promi-Bar betreibt, dass er sich mit Promis schmückt. Nicht unbedingt, dass er ein weltberühmtes Bar-Buch geschrieben hat, das sich im Lay-Out an Bibelausgaben orientiert, nicht unbedingt, dass er als Model für eine Modemarke über die Laufstege der Welt geschritten ist und sicher noch weniger, dass er ein alleinerziehender Vater ist (da ist er schon in einem anderen Film zu sehen gewesen), das alles sind Dinge, die andere auch tun und machen.

Am Augenfälligsten scheint zu sein, dass er ein denkender Mensch ist, der sein Handeln begründet, der seinen Weg geht, der für ihn stimmig sein muss – und da unterscheidet er sich doch von vielen, deren Weg sich allein an der angepeilten oder zu verteidigenden Position am Promigestirn orientiert, an der Spekulation auf Einschaltquoten, Auflagenzahlen, Klicks, allein darauf, im Gespräch zu bleiben, erwähnt oder zitiert zu werden.

Diese Denke scheint Schumann fremd. Richtig sympathisch ist es, wie sein Personal der Dokumentaristin Marieke Schroeder Auskunft über den Chef gibt, mit ungewohnter Offenheit, die Prägung durch den Chef ist sichtbar und dass sie sich wohl fühlen dabei und Stolz spricht aus ihnen.

Allerdings ist Schumann auch ein Mensch, der von ständiger Unruhe getrieben ist. Er selbst beschreibt das als Flucht vor sich selber. Er weist auf dunkle Momente in seiner Geschichte hin, die er auch gar nicht verbalisieren möchte (Priesterseminar in Regensburg). Er schaut lieber optimistisch nach vorne. Er habe „immer seinen eigenen Ticker gehabt hat“ meint ein Bekannter. Was Schuman betreibt, das tut er mit Leidenschaft und dem Ziel, der Beste zu sein. Er hat eine Philosophie zu seinem Beruf. Er ist ein Mensch mit Ecken und Kanten. Er kann Menschen auch stehen lassen mitten im Gespräch. Eigentlich passt so eine Dokumentation gar nicht zu ihm.

Schumann erscheint als eine Persönlichkeit, wie sie in unserer Karrierismuswelt höchstens mit der Lupe zu finden sind und der offenbar nicht nach diesem Fernsehauftritt gegiert hat, wie so viele andere es tun oder täten.

Ein Mensch, der die Einfachheit liebt (vielleicht zieht gerade das die aufgebrezelten Promis besonders an); er würde den Laden lieber kleiner halten. Er stammt aus einem Dorf mit 2000 Seelen. Für ihn war das Anpacken im Stall eine Selbstverständlichkeit, wie sein Bruder sagt, ein hilfsbereiter Mensch auch, der in der Bar immer alles im Blick haben muss.

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