Angenehm kulinarische Dokumentation über eine Weinlese in Frankreich, die Anlass zum Nachdenken gibt über das Leben, die Arbeit, den Genuss (den Wein), über Arm und Reich. Denn wer wird den Wein nach den Mühen der Lese und Produktion genießen?

Hier in der Dokumentation von Paul Lacoste, der die Weinlese in einem Weingut in Gaillac vom ersten bis zum letzten Tag, also von etwa Anfang September bis Ende Oktober begleitet hat, trinken ihn nur die etwa 20 Saisonarbeiter.

Es ist eine bunt zusammengewürfelte Gruppe von Männern und Frauen, die im Leben schon etwas hinter sich haben und die alle ihren Grund haben, diese anstrengende Arbeit auszuführen. Wobei uns der Filmemacher über die wirtschaftliche Seite nicht informiert, ob die Stundenlohn erhalten, wenn ja, ob Mindestlohn, oder ob pauschal.

Sie haben Gründe, die über das Wirtschaftliche hinaus gehen. Sie mögen die Geselligkeit, den Teamgeist, die frische Luft, das Grün und nicht zuletzt den Wein.

Lacoste versucht, mehr die erfreuliche Seite dieser Saison-Arbeit herauszustellen, wie sie Spaß haben im Team, wie sie scherzen miteinander, wobei er auch Momente der Müdigkeit, der Erschöpfung nicht verhehlt.

Er beobachtet die Arbeit im Weinberg, die Anleitungen des Chefs persönlich, der eine faszinierende Figur ist, der so ein verantwortungsvolles Lächeln im Gesicht trägt wie Minister Steinmeier.

Es gibt Aussteiger, Rentner, Familienväter. Lacoste lässt einige in ihrer privaten Umgebung erzählen. Die ehemalige Fabrikarbeiterin, die die Fabrik besucht, die vor 12 Jahren geschlossen worden ist, die sie am Schluss noch sauber gemacht hat, nachdem sie über 20 Jahre lang dort beschäftigt war. Der Rentner, der keine Einsamkeit möchte, der Algerienkriegsveteran, der findet, 35-Stunden-Woche sei nichts für ihn und der noch in einem Pneu-Handel arbeitet.

Der Familienvater, der sich von saisonalen Arbeiten ernährt, dafür nicht so viel Geld hat, aber mehr Zeit für die Familie und nur 8 Monate im Jahre arbeitet; der Rentner, der keine Lust auf Einsamkeit hat; der Junge, der später mal ein Haus bauen möchte und als nächstes an einen Fabrikjob denkt; die eigenwillige Frau, die in einer Steinhöhle interviewt wird und der Ansicht ist, nur Einsame würden diesen Job machen.

Domaine Playeole. Vom 15. September bis zum 27. Oktober. Der letzte Schnitt ist eine Ehre, die fällt der Doyenne aus dem Team zu. Zwischendrin dachte ich an das Oktoberfest, das ist auch für viele Bürger ein Anlass, ins Bedienugsfach zu wechseln und in den 14 Tagen aus dem Alltagstrott auszubrechen und dazu noch relativ viel Geld zu verdienen; auch hier scheinen die Beweggründe vielfältig.

Lacoste erzählt so, dass der Zuschauer Teil der Gruppe wird, diese Lese intensiv miterlebt, allerdings ohne Schweiß, andererseits auch ohne finanzielle Entlohnung. Einmal gibt es eine Dikussion über die Schönheit des Weinbergs, dem wird die Sicht einer jungen Städterin, die schwanger ist, gegenüber gestellt, die die Gegend nur öde findet und das Leben in der Stadt braucht. Es gibt die Hobbymalerin und Parisrückkehrerin, die ihr Haus bewohnbar machen will.

Und es ist eine Reise in die Domaine von Gaillac, ein Frankreich milder Hügel und von viel Grün. Die Kappen und Mützen der Leser wirken von oben gesehen wie Fremdkörper und Farbtupfer in der Natur; sie dürften nicht den Ernst an der Sache haben, wie Generationen vor ihnen, die am Schluss noch auf einzelnen Fotos zu sehen sind.

Einer ist ein Arbeitsphilosoph, der hält einen Monolog über die Eigenschaft von Arbeit, träufelt uns den berechtigten Skeptizismus gegenüber solcher, sozial auch schlecht abgesicherter Arbeit ein, hm, wenn Wein nur nicht so ein feiner Tropfen wäre … irgendwer muss ihn lesen; die mechanische Lese mit einem riesigen Traktor, der gezielt die Trauben von den Stauden reißt, wirkt nicht tunbedingt antörnend.

Ein guter Wein muss von Hand gelesen sein, besonders in der späteren Phase der Lese, wenn einzelne Beeren zu faulen anfangen, die dürfen unter gar keinen Umständen in den Eimer, die müssen einzeln entfernt werden.

Was also ist das gute Leben, ohne sich zu bücken, ohne dreckige Schuhe zu bekommen, ohne Schmerzen im Rücken? Eine Prise Kalenderblattfilm mit dem Titel Weinlandschaft Gaillac.

Das Thema ad-hoc-Gemeinschaft. Ist nicht das ganze Leben eine solche ad-hoc-Gemeinschaft?
Thema Weinberg – auch biblisch.
Ein nachhaltiger, nachhallender Film.

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