Die mit dem Wolf fickt.

Nicolette Krebitz dekoriert sozusagen ihr Mädchenzimmer mit Bildern von einer Kohabitation einer jungen Frau mit einem Wolf, inklusive Abschlabbern von unten bis oben, wenn blutig desto lieber. Sie versucht mit dieser versponnnen Bidlcollage, die sie mit ernsthaft bemühtem Sound unterlegt, die Erinnerung an die Jungfrauenbefindlichkeit zu artikulieren, dieser auf die Spur zu kommen.

Bei Männern heißt es, der mit dem Wolf tanzt, bei Krebitz heißt es, die mit dem Wolf fickt.

Die Frau geht schon zu einer Arbeit auf ein Büro, Design oder so. Aber Krebitz interessiert nicht das große Ganze, sie interessieren Nahaufnahmen, Intimaufnahmen, bei der Arbeit, zuhause, im Bett und mit dem Wolf. Die junge Frau bewegt sich zwischen ihrer Hochhaussiedlung über einen Park zum Arbeitsplatz.

Vielleicht intendiert die Filmemacherin ein Portrait der Künstlerin als einer jungen Frau. Angelehnt an Stunde des Wolfes von Ingmar Bergman. Vielleicht auch nicht; schlüssig ist der Gedanke nicht. Gut an diesem deutschen, vielfach geförderten Film ist, dass es kein Tumorfilm (allerdings auch kein Humorfilm) ist, kein Themenfilm zu sozialen Problemen, kein Naziaufarbeitungsfilm und auch keine deutsche Komödie.

Es kommt eine Fabrik vor, in der Altkleider sortiert und recyclet werden. Einige der Frauen machen aus den Stoffen Bahnen, die sie an einen Strick knoten und diesen zwischen Bäumen aufhängen. Esoterisches Kunstgewerbe.

Man muss bei so einem Intuitionsfilm nicht alles verstehen. Er zeigt uns auf, was für Bilder die Filmemacherin beschäftigen. Wie sie versucht, mit dem Bild einer jungen Frau klar zu kommen. Ein weiblicher Selbstsuchefilm, auf der Suche nach den tiefen Gefühlen und Ängsten. In einem Angsttraum saust die junge Frau durch die hausinterne Müllentsorgungsanlage in den Keller; Ängste, die Hochhäuser schüren.

Die Motive, mit denen sie ihr Kinderzimmer tapeziert sind unter anderem: der Wolf und das Ei, das Karnikel in der Baugrube, der Wolf und die Waschmaschine, der Wolf und ihr Menstruationsblut, die junge Frau im Schießstand, die junge Frau und ihr todkranker Opa, der Wolf und die Schutzkleidung gegen ihn, junge Frau, die in Unterwäsche auf dem Treppengeländer runtersausend Gefühle entwickelt.

Die Bilder sind im TV-asthmatischem Kurzrhythmus geschmackvoll aneinandergehängt wie auf einer Wäscheleine – mit Eigensinn.

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