Rapid Eye Movies hat eine Filmreihe „Freie Radikale“ ins Leben gerufen. Jeder dieser Filme wird von der Arbeit eines Künstlers begleitet, so die Info im Presseheft. Für diesen Film konnte der Künstler Phil Collins gewonnen werden.

Collins entwirft in seinem Film ein kaleidoskopartiges Portrait von Glasgow.

Zur Interpretation mag der Titel helfen, wenn Morgen immer zu weit weg ist, so zählt das Heute, das Heute der kleinen Leute, der Leute, die nicht ihr Morgen planen können. Das Heute dieser kleinen Leute sind ihre Sehnsüchte nach dem Glück, ist die Angst vor der Einsamkeit, ist ein Bewusstseinsstrudel aus den Fernsehelementen Spiele, Talkshows und Gymnastik.

Dazwischen tauchen animierte Scherenschnitte als fratzenhafte Dunkelgebilde auf, als Echo, als Durchleuchter, also Angstsymbole oder Drohungen.

Teils spielt das Originalleben mit, auch Originalfootage von Demos gegen die Aufrüstung, gegen die Arbeitslosigkeit. Unverhofft werden aus Lebenssituationen Songs, Songs von Hoffnung, von der Sehnsucht nach Liebe, vom Durchhalten. Wenn es nur das Heute gibt, kann es auch gesungen und getanzt werden.

Die Teleshop-Wahrsagerin kommt zu einer pessimistischen Weltansicht der Menschen im Umgang mit dem Internet. Die Verkäuferin von „Search Me“ ersinnt tausend Listen, damit sie bei Sicherheitschecks gescannt wird, dass sie berührt wird. Der junge Mann auf dem Talk-Sofa hat eine uralte Persönlichkeit von Dame, Gila, kennengelernt, die Liebe hat sie wie ein Blitz getroffen, sie liest diese Geschichte mit einem stark alemannischen Akzent vor.

Ein junger, rothaariger Gefangener wird vom Eintritt in den Knast und dem Prozedere begleitet, bis er in der Zelle zu singen anfängt – und später wieder entlassen wird. Ball der einsamen Herzen. Ein Ehepaar bekommt endlose Lachanfälle, wie die Frau erzählt, wie viele Männer sie schon überlebt hat und der fülligere ältere Herr von einem Vorsichtschild auf der Stirn erzählt. Ein Schotte präsentiert den Elvis-Sandwich.

Alles ist künstlerisch. Collins, scheint es, lässt sich ins Treiben des Glasgower Lebens ein, lässt sich inspirieren, versucht zu formulieren, was die Glasgower Menschenwelt im Innersten zusammenhält, versteht so Kino als ein Ort von Entertainment über das Leben. Der Dialekt aus Glasgow gibt die Würze dazu (mit Untertiteln).

Ein Teleshopper verrät seine Technik, das Interesse zu erwecken, die Leute zum Kauf zu animieren und wundert sich selbst darüber, dass das funktioniert. Collins blättert wie in einem Skizzenblock, den er bei seiner Erkundungsreise durch Glasgow angefertigt hat, mit einigen Veränderungen, Ergänzungen, Verfremdungen, Rähmchen.

Ein Film, der im Kunstmuseum vermutlich besser aufgehoben ist als im regulären Kinoprogramm, obwohl er dort ja nicht schlechter ist und dem Kunstfreund sicher Spaß und Freude bereiten wird.

Titelinterpretation: der schnelle Sex, die schnelle Triebbefriedigung, keine Reserve für größere Aktionen; so baust du dir nie ein Haus.

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