Archiv für 29. Juli 2015

Ein wunderbares Beispiel für die Verzichtbarkeit einer Sendung für die Programmreformer beim BR, ein Exempel für die Festgefahrenheit und Verpfründetheit und Bequemlichkeit eines erstarrten, öffentlich-rechtlichen Rundfunk-Systems, das sich um seine Einnahmen nicht kümmern muss und glaubt, die kommen vom lieben Gott, und sie, die Empfänger, seien die Auserwählten.

Peinlicher Pfusch im deutschen Text: Godfather des Disco wird mit Disco-Gott übersetzt (Prädikat von Giorgio Moroder). Oder, sic!, „New York war zwar die Hauptstadt der Bewegung“, ups!

Eine Sendung, die überflüssig ist wie ein Kropf; reine Music-Business-PR-Sendung, ein Laufsteg für Labels und Bands und Titel, wobei einzig die Hintergründe, wer da wieso dabei ist, wer da wieviel verdient daran, wer da auf Gratis-Werbung im BR hofft und wer auf Zwangsgebührenzahlers Kosten eine kleine Amerikareise machen kann, von Interesse ist. Zumindest demjenigen Zwangsgebührenzahler, der sich die Gebühr von seinem Haushaltsgeld absparen muss, schulden die hier Beteiligten noch eine Begründung, warum das für ihn so wichtig sei, dass Herr Moderator Egner und Frau Moderatorin Wolf sich auf dessen Kosten eine Amerikareise leisten. Als Zwangsmitfinanzierer solcher für ihn nicht einsichtigen Unternehmung verlangt er eine Veröffentlichung der Abrechnung. Denn dass so eine Kuddelmuddel-Sendung und ihr Reiseetat im Einklang mit dem Grundauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunkes stehen, ist diesem Zwangsmitfinanzierer nicht einsichtig; er hat den Eindruck, er wird hier von Gesetzes wegen gezwungen, eine Werbebühne mit viel, viel Geschwätz für eine Musikindustrie, die garantiert nicht der Beihilfe des öffentlich-rechtlichen Zwangsfunkes bedarf, zu unterstützen. Zudem ist die Sendung vollkommen unkritisch. Aber Literatursendungen will der BR absetzen.

Ein altgedienter Moderator darf eine Reise zu alten Freunden in die USA machen, Fritz Egner, und eine Moderatorin, Christina Wolf, darf sich in New York ohne jeden Zusammenhang oder inhaltlichen Mehrwert fotografieren lassen und dazu noch mit einem DJ-Altstar und Schwätzer sich abmühen – für diesen dünnflüssigen Ertrag bräuchten die beiden wirklich nicht nach New York und Miami jetten. Das könnte genauso gut vor einem Bluescreen im Studio gemacht werden. Und die Fragen, die die beiden Moderatoren den alten Freunden und irgendwelchen Musik-Business-Leuten stellen, das hätten sie genau so gut über Skype oder Telefon machen können, wenn sie überhaupt von Interesse gewesen wären; dann hätten sie sich mehr auf den Inhalt der Sendung konzentrieren können und nicht so viel schwafeln müssen und rein fragmentarisch einige beliebige historische Ereignisse rauszupfen; da hätte mit gründlicher Archivarbeit möglicherweise eine auch für einen Außenstehenden spannende Sendung entstehen können, wenn es nicht nur ums Treffen alter Freunde und nette Reminiszenzen gegangen wäre – und das ist definitiv zu wenig; solche Sendungen sind in Zeiten der sozial unausgewogenen Haushaltszwangsabgabe durch nichts mehr zu rechtfertigen. Die Redakteure Kathrin Pötzsch und Walter Schmich (Leitung) möchten bitte nicht nur die Kosten detailliert offenlegen, sondern auch eine plausible Begründung für Produktion und Ausstrahlung dieser Sendung nachreichen.

„Giorgio ahnte zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass er mit diesem Song Gold in Händen hielt“. Ahnt der BR, dass er mit solchen Sendungen kein Gold in Händen hält?

Am Schluss schieben die Macher noch hurtig eine Begründung für ihr irrlichterndes Tun nach, um dem Titel ohne jede weitere Vertiefung vermeintlich plausibel werden zu lassen: sie würden „eine Brücke zwischen dem Heute und Gestern zwischen dem Now and Then“ schlagen. Vielmehr scheinen sie erfolgreich eine Brücke zwischen privatem Reisewunsch und öffentlich-rechtlicher Finanzierung geschlagen zu haben. Eine Produktion der Wickmedia GmbH im Auftrag des BR. Kein Ruhmesblatt.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers.

Comments Keine Kommentare »