Archiv für 23. Juli 2015

Die Männer, die in diesem Film das angepeilte weibliche Sommerabendpublikum als Stripper zum Kreischen bringen sollen, sind alle außerordentlich muskulös, grenzwertig zu Bodybuildern, versuchen jedoch nach dem Buch von Reid Carolin und in der Regie von Gregory Jacobs auch sensiblere Seiten zu zeigen, tanzen sie doch und bringen momentweise sogar Nachdenkliches (im Gespräch über eine kaputte Beziehung beispielsweise); dies eher als Gewürz gedacht auf dem Wege des Warmups zu einer ausufernden Stripshow, der Stripper-Convention 2015 in Myrtle Beach.

Da ein ganzer Film reiner Stripshow ziemlich fad bleiben dürfte, wird eine Geschichte erfunden, die dahin führt, von Tampa in Florida bis Myrtle Beach. Es ist eine Gruppe von Strippern, die es nochmal wissen wollen, weil Mike, der in der Liebe gescheitert ist und, ach wie rührend, ein kleines Transportunternehmen mit einem Angestellten betreibt, Zuflucht bei seiner früheren Strippergruppe sucht und findet.

Mike überredet sie zur Teilnahme an dem Wettbewerb. Bis dahin wird viel geflachst und Stroh gedroschen und über Männer geplappert und Frauen und aller beider Schwächen, bis sie endlich in ihrem Trailer losfahren. Zwischenstopps sind immer in den richtigen Locations, die schon mal einen Vorgeschmack auf das Finale bringen. Nach einer selbstverschuldeten Blindfahrt mit dem Wohnmobil in den Wald rollen die Muskel-Baby-Boys stattdessen im Rolls Royce in Myrtle Beach ein. Über Nacht stemmen sie eine rekordgierende Show, als ob das das Einfachste von der Welt sei, während der Kinobesucher sich leicht einen Tinnitus einfängt vom fortwährenden Frauengekreisch auf der Leinwand.

Die Frauen dürfte der Film an lauen Sommerabenden in Wallung bringen. Denn es kommt eben doch auf die Größe an, das indiziert schon das XXL im Titel. Die Männer sind eine Mischung aus grazil und klobig, aus Mann und Kind, aus Mann und sogar ein bisschen Frau (Thema Drag-Queen), na ja, so wie Frauen Männer mögen und vor denen sie keine Angst haben brauchen, die sie nicht so richtig ernst nehmen müssen. Der Mann als haptische Projektionsfläche für auf Physisches beschränkte Lustfantasien.

Zwischendrin gibt es viel Meer und Sand und Strand und muskulöse Bodys in Shorts und Shirts. Dazu Männer-Wohnwagen-Roadmovie-Romantik. Dabei wird sogar eine Methodendiskussion geführt, man möchte keine lahme Show, keine Routine, man möchte sich für die Chicks reinhängen, ja ganz wichtig, das ist der gewichtige moralische Impetus der Stripper-Gruppe, man möchte, dass die Frauen sich begehrt und verehrt und geachtet fühlen wie Königinnen, denn jedermann verdiente ein bisschen Zuneigung. So besehen fehlt nicht mehr viel zum Ball Paradox der Old-Gentleman-School.

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Wozu Ameisen alles fähig sind, dafür öffnet uns dieser Film weit die Augen. Dass sie fleißig sind und wahre Wunderwerke an Bauten zustande bringen, das weiß jedes Schulkind. Was sie aber in diesem Film zu leisten imstande sind, das dürfte die Fantasie von so manchem Schulweisling übersteigen. Dass ein Mensch sie dazu bringt, lediglich mit Gedankenkonzentration einen Zuckerwürfel aus der Dose in den Tee zu bugsieren, wer diesen Film gesehen hat, kann das bezeugen.

Aber auch das sind quasi Ameisenkindereien gegen das, was sie später bieten werden, wenn es anfängt heftig, actionhaft ausladend zu und herzugehen in diesem Film der Marvel-Studios, zu dem neben Edgar Wright sieben weitere Autoren höchstsorgfältig auf der Basis des Comics die Figuren entwickelt und das Drehbuch geschrieben haben, damit Peyton Reed diese Fantasy-Geschichte unterhaltsam und vor allem ohne Anstrengung nachvollziehbar inszenieren kann.

Der Cast wurde sorgäfltig ausgewählt und es wurde sehr genau mit ihm gearbeitet, wie eine Figur auf einen Text reagiert. So werden die Szenen lebendig, lassen uns teilhaben an der Geschichte von Scott, Paul Rudd, der wegen Einbruchs im Gefängnis sass. Er war ein außergewöhnlicher Einbrecher, der cleverste überhaupt. Aber Knast in der Vita, das macht sich nicht gut.

Beim Schnellimbiss, bei dem er arbeitet, kommen sie schnell darauf und entlassen ihn. Auch seine Tochter Cassie, ein Wonnepfropfen im Zahnlückenalter, kann er nicht sehen, dann Mama lebt mit einem anderen Mann zusammen. So hängt Scott perspektivenlos mit den Kumpels rum.

Das entgeht Dr. Hank Pym, einer extrovertiert-faustischen Glanzrolle für Michael Douglas, nicht. Er, der Forscher, hat nämlich das Ameisenkostüm entwickelt. Ein Mensch, der es anzieht, kann mit Knopfdruck auf Ameisenformat schrumpfen. Und kann mit dem Goodwill von Heerscharen dieser Spezies rechnen und bald schon darauf angewiesen sein und davon profitieren. Denn einmal mehr gilt es in einem amerikanischen Film, die Welt zu retten.

Pyms langjähriger Assistent und inzwischen Rivale Darren Cross ist dabei als gefährliches Konkurrenzprodukt zum Ameinsenanzug das Yellow-Jacket zu entwickeln, möchte sich aber auch das Geheimnis um den Ameisen-Anzug aneignen. Der Wirtschaftskrieg ist somit ausgebrochen. Dieser wird später im Film lustig bis brutal massiv in Kämpfe ausarten. Verkompliziert wird dieser Krieg durch die Tochter von Pym, Hope, Evangeline Lilly, die zuerst mit Cross ihren eigenen Vater aus der Firma ausgebootet hat, bis Cross sich selbstständig gemacht hat. Sie steht zwischen den Lagern.

Dr. Pym möchte diese Machtverschiebung und Machtramassierung verhindern. Dazu braucht er einen raffinierten Einbrecher, der ins Innerste der Industrieanlagen von Cross eindringen und diese unschädlich machen kann. Das soll Scott als Ameise getarnt vollbringen. Pym will Scott als Ameise trainieren. Das ist ein unterhaltsamer Strang in der Geschichte. Und auch hierbei ist die Tochter von Pym, Hope, einerseits nützlich, also involviert, andererseits aber auch für eine Verkomplizierung gut.

Der Entwicklung der Geschichte und deren Verwicklungen zuzuschauen, macht durchaus Vergnügen, weil das nicht ohne Humor geschieht und weil die Figuren gut und dialektisch ausgearbeitet sind. Die Endschlacht zieht sich für meine Begriffe in die Länge, da wird der Reiz der Dimensionssprünge von Groß zu Klein und vice-versa unter gängigen, massiv gewalttägien Actionmustern begraben, entfernt sich deutlich vom Charme des Comic-Genres, das es doch mit lebenden Bildern evozieren will.

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Kino ist Nähe. Kino ist Intimität. Kino ist Bewegung. Kino ist Wagemut. Kino ist Reise. Mit diesem Film ermöglicht uns Jafar Panahi, der doch gar keine Filme machen dürfte in seinem Heimatland Iran, eine über einstündige Taxifahrt durch das pulsierende Teheran. Allein dieses Erlebnis im Kino erspart aufwändige und teure Reisevorbereitungen und vermittelt den Ruch des Unerlaubten.

Hauptsächlich ist die Kamera vorne im Taxi, es muss eine GoPro sein, diese ganz kleinen, unscheinbaren Dinger, die eine hervorragende Bildqualität bei einzigartiger Nähe zum Objekt garantieren. Nähe und Intimität im Inneren einer Taxe.

Der Regisseur Jafar Panhi fährt sie selbst und reflektiert über die Texte seiner Mitfahrer, die meisten dürften gebrieft sein, sie betreffen diese Situation als auch seine Situation als unerwünschter Filmemacher in Teheran. Ein sicher nicht ganz ungefährliches Unterfangen. Auch das wird verbalisiert. Also ein recht geschickt gebauter Film, der auch ein zwingendes und überraschendes Ende konstruiert hat, das hier nicht verraten werden soll.

Zu vermuten ist, dass die Darsteller improvisiert haben dürften in den Szenen, dass aber die Themen abgesprochen waren, so dass sie nicht beliebig rüberkommen wie manche Doku.

Das Gespräch der ersten beiden Fahrgäste, eine Herr vorne, eine Dame hinten, zentriert sich um Hinrichtungen, und dass es viel zu viele davon gebe. Verschiedene Leute kommen hier zusammen, weil es sich um ein Service-Taxi handeln dürfte, das Leute für eine bestimmte Strecke aufnimmt. Allerdings wundert sich ein Herr, was das für ein Taxifahrer sei, der nicht mal wisse, wo der Spital sei. Das ist ein ausgezeichneter Trick, um von der Fake-Situation abzulenken.

Der dritte Fahrgast erkennt den Regisseur, denn er habe für diesen einmal einen Botengang gemacht; damit signalisiert er auch, dass er bekannt sei, erklärt uns somit nochmal die Grundsituation. Sowieso wird immer wieder übers Kino und über die Filme gesprochen. Aber auch das Thema Zensur hat Panahi raffiniert verpackt. Er erfindet eine Nichte, die er von der Schule abholen soll, eine unglaublich geschwätzige Göre mit durchdringender Stimme (damit es im Taxi nicht allzu gemütlich wird und die Zuschauer womöglich bei so viel Wohlgefühl wegdämmern). Sie hat eine Kamera dabei und filmt dauernd. Das ermöglicht Panahi eine Ausweitung der Perspektiven. Das Mädchen soll für die Schule einen Kurzfilmbeitrag realisieren. Aus ihrem Schulheft liest sie einige der Anforderungen an einen iranischen Film vor, wie die Guten zu kleiden seien und wie die Bösen und dass Berührungen zwischen den Geschlechtern tunlichst zu unterlassen seien.

Dann sind da die beiden Frauen mit dem Goldfischaquarium und den Fischen drin, die sie zur Quelle zurückbringen wollen, wo sie sie vor einem Jahr geholt hatten und dass sie um genau 12 Uhr dort sein müssen und welche symbolische Bedeutung das alles habe. Es passiert das Malheur mit dem Glasgefäss und der vergessenen Geldbörse, die bauen für die Schlussequenz vor.

Es kommt auch eine Geschichte mit einem Diebstahl vor. Und CDs, sicher verbotene, die im Straßenhandel angeboten werden. Ein Verunfallter muss dringend in ein Spital gebracht werden. Seine Verletzungen sind eindeutig als geschminkt zu erkennen. Seine Frau klagt und weint bitterlich. Der Schwerverletzte möchte dringend sein Testament in die Kamera sprechen.

Auch das Thema Gentrifizierung wird kurz angesprochen, man kenne ja die Leute im angestammten Viertel nicht mehr, erzählt einer. Oder die Szene, in der die Nichte eine Hochzeit filmt und wie der Flaschensammlerjunge das Geld findet, das der Bräutigam bei der Fotosession verloren hat. Die Nichte des Taxifahrers meint, er müsse das Geld unbedingt zurückbringen, weil sie sonst den Film nicht zeigen dürfe, weil er dann vollkommen vergeblich sei. Oder die Anwältin, die eine Gefangene in Varnak mit einem dicken Strauß Blumen besuchen und sie vom Hungerstreik abhalten will.

An allen Ecken und Enden platzt der Unrechtsstaat Iran in die intime Atmosphäre dieses Filmes und dieser Taxe hinein und ist einem nach der kurzen Zeit dieser Filmlänge so vertraut ist, dass man noch lange in dieser Taxe durch Teheran kutschieren möchte, in diesem geschützten Raum, in den keine Polizei und keine Spitzel eindringen.

Leider erlaubt das zuständige Ministerium keinen Abspann, das heißt, der Film ist nicht genehmigt und läuft ohne Abspann. So bleiben die Darsteller ein Stück weit geschützt. Aber sie bleiben auch nicht weiter identifizierbar oder nennbar.

Eine Art Kinokassiber aus dem Teheraner Filmuntergrund für die westliche Filmfestivalwelt gedacht, die hier Dinge aus nächster Nähe erleben kann, die sie theoretisch längst weiß oder wissen müsste.

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Ein Produkt, was vermutlich nur dank funktionärsbestimmter Fördersysteme überhaupt möglich wird, eine Ausgeburt von Filmförderung mit internationalem Touch. Vielleicht sind die Rollenangebote von Kim Basinger nicht mehr so grandios, dass sie dieses europäische Mischmasch-Angebot angenommen hat.

Wer interessiert sich schon für den Kinderwunsch einer Frau, die ein makellos schönes Gesicht hat (wie auch immer das konserviert wurde), die aber offensichtlich längst im Oma-Alter angekommen ist.

Sie hegt immer noch den Kinderwunsch. Sie ist nicht etwa altersbedingt unfruchtbar, sondern wegen einer Narbe an der Gebärmutter. Das soll dem Drama die Kraft verleihen in diesem Film von Andreas Morgenthaler, einem dänischen Autoren und Regisseur.

Der Film versucht, sich diesem Thema mit vielfältigen, graphischen und kinematographischen Mitteln, mit dem Einsatz von Natursymbolik, von Schärfe/Unschärfe und Verzerrungen, von dezent gepflegter Sprache der Darsteller mit erstklassiger Synchronisation anzunähern; an die Befindlichkeit, den Zustand einer Person, für die sich das große Publikum eher weniger interessieren dürfte.

Der Film scheint aber sich selbst nicht zu genügen, misstraut seinem leisen Thema im Abseits und haut dann plötzlich einen knalligen, drogenabhängigen Zwerg rein, der nach dem Motto „trau keinem Junkie“ lebt; der im Film als Führer für Kim Basinger als Maria auf der Suche nach einem Baby gegen gutes Geld zur Seite steht. Denn sie ist CEO der MAG Shipping Company, die überall auf den Weltmeeren Container rumshippt. Wie sie hört, dass an der tschechischen Grenze junge Mädchen als Prostituierte arbeiten, dirigiert sie Transporte um, um Fahrer und Mädchen zu schützen. Der Zwerg beschafft ihr dort ein Baby mit verklebtem Mund, das eine minderjährige Prostitutierte im Schrank aufbewahrt.

Der Zwerg, Christian, klaut das Baby, bringt es der auf der Straße zurückgelassenen Maria. Jetzt ist der Film längst entgleist, und will es wissen, wenn schon dann schon, wird es im Hirn der Macher aus purer Aussichtslosigkeit der Lage gezuckt haben.

Maria gerät jetzt in ein Trash-Szenario von Zuhälter, Auge um Auge, er will das Kind zurück, sie bleibt vier bewusstlose Monate gefangen, bis sie sich nach einem nicht näher definierten Unglück selbst befreien kann. Sie rast mit ihrem Auto davon, nachdem sie vom halbtoten Zuhälter noch die Schlüssel entreißen konnte, blutig bleibt sie, bald wird sie glücklich sein, sie hält den Schwangerschaftsmesser in der Hand und sagt danke. Danke, dass wir solange ausgeharrt haben?

Kim Basinger ist trotz all dieser Abstrusitäten um sie herum eine bombige Schauspielerin, die noch den größten Mist mit Würde spielt. Dem Film ist das rätselhafte Wort vorangestellt, Schicksal sei die Verbindung von Bestimmung und Zweifel, ha ha, unbekannter Autor, aus verständlichen Gründen.

Viel graphische Pränatalindikationen und häufige Stimme des Babys an die Mutter, die keines haben kann. Wirkt wie bemühtes, bastelhaftes Illustrieren einer kopfigen These.

Solch ein Kino ist nur möglich mit dem Segen von Funktionärsknöterichen. Die Seelen ungeborener Kinder will der Film zeigen? Was in etwa heißt: Beschäftigung mit ungelegten Eiern.

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Hier stolpern Filmemacher einmal mehr über der Annahme, Erfolgsliteratur zu verfilmen sei einfach und bedürfe keiner besonderen Drehbuchentwicklung. Christian Ulmens Hauptfiguranstrengung erweckt im ersten Teil eher Mitleid und verläuft sich dann im engmaschig Ohngefähren. Kritik siehe Filmfest München,.

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