Hollywood schaut in den Spiegel und blickt in die eigene déformation professionelle.

Das ist nicht unbedingt erbaulich. Es handelt sich bei diesem Film um ein Extrakt aus der amerikanischen HBO-Serie gleichen Namens, die vom Hollywood Star Mark Wahlberg mitproduziert wurde und in die er eigene Erlebnisse und Beobachtungen des beruflichen Umfeldes hat einfließen lassen.

Die Hauptfigur ist Vince Chase, ein smarter, lockenköpfiger Mann. Auf dem Weg seiner Karriere begleiten ihn Kumpels aus Schulzeiten, Eric und Turtle, ferner sein größerer Bruder Johnny „Drama“, Schauspieler.

Die Erfolgsebene, auf der Vince sich befindet, wird im Film dargestellt mit Yachten, rasenden Fahrten übers Meer, jeder Menge Groupies in Bikins, viele, viele, gesichtsrevidierte Schönheiten, Orten wie Ibiza, Swimming Pools und hippe Villen, schicken Autos, so wie Lieschen Müller sich das Startum vorstellt, so wie es uns eine Veronika Ferres für eben dieses Lieschen Müller vorlebt.

Storybildend für den Film aus der Serie ist die Situation, dass Vince, der jetzt total gefragt und angesagt ist, bei seinem nächsten Projekt selbst die Regie übernehmen will. Es ist ein 100-Millionen-Dollar-Projekt. Das Geld reicht bei weitem nicht.

Der Produzent von Vince, Jeremy Piven als Ari Gold, das jüdische Element darf in Hollywood nicht fehlen, fliegt zum Geldgeber in Texas, um mehr Geld locker zu machen. Er stößt auf Schwierigkeiten. Der Geldgeber möchte sehen, was bis jetzt gedreht worden ist. Dazu schickt er seinen unreifen Sohn Travis nach Hollywood.

So kommt es zu einer Screening-Party, bei der – nichts gezeigt wird. Viel Aufwand mit aufgebretzelten Groupies. Die Entourage ist ständig dabei, Frauen zu schwängern.

Überhaupt liegt das Hauptaugenmerk dieses Filmes weniger darauf, eine spannende Geschichte zu erzählen, im Grunde genommen ist es wurst, was aus dem Film im Film wird, ob und wie die Restfinanzierung zustande kommt; vielmehr suhlt sich Hollywood in der fixen Idee, sich selbst bei seiner aufgekratzten Selbstdarstellung zuzuschauen.

Die Wahrheit dieses Filmes liegt eher unfreiwillig in der Ehrlichkeit dieser Nabelschau und weniger in bös-kritischer Betrachtung wie bei David Cronenbergs Maps to the Stars oder im überdrehtem Graffitti wie bei Inarritus Birdman.

Bei Ellin geht es um den Ernst des anekdotischen Gehaltes. Wie Leute, die keine Ahnung haben, versuchen, sich im Glamour-Business Macht unter den Nagel zu reißen, der Sohn des Financiers, der selbst den Film zu Ende drehen will und gleich den Bruder des Regisseurs raushauen will oder wie ehemalige Pizzabäcker, bloß weil sie Buddelkastenfreunde sind, im Windschatten eines Stars zu wichtiger Funktion in seiner Entourage kommen. Ein Kapital, womit Hollywood wuchert, ist die vor (scheinbarer) Selbstsicherheit strotzende Selbstdarstellung.

Prototypisches Beispiel, der vom Typ her ein Alter Ego von Mark Wahlberg sein könnte, ist der Bruder Johnny, der vor allem mit seinem Applomb und seiner heiseren Stimme punktet, so die Figur in die Nähe der Karikatur eines Hollywoodstars rückend – mit dem Wichstape auf Youtube als Johnny Banana gräbt er sich aber selber eine böse Grube.

Der Film, um den es geht, heißt „Hyde“, könnte Hype assoziieren oder Hide, wie das Versteck. Selbstverständlich ist der so nach Erfolg aussehende Ari mit seiner Frau beim Therapeuten.

Hollywood ist kein Kunstwerk, und so kann es sein Spiegelbild auch nicht sein. Oder die Angst von Vince, er könnte nur noch als Hologramm eingesetzt werden. Dieser Film kommt mir vor wie ein irrlichterndes Hologramm. Und: es gibte viele Cameo-Autritte von Promis. Das gehört genauso zu diesem Hollywood-Portrait wie eine schwule Hochzeit.

Hinterlasse einen Kommentar

XHTML: You can use these tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>