Archiv für 2. Juli 2015

Der deutsche Titel trifft insofern zu, als er klar macht, dass es sich eher nicht um eine RomCom handeln dürfte; er ist aber auch irreführend, weil er Assoziationen weckt, die mit dem Film so gar nichts zu tun haben, dessen französischer Titel heißt „les Combattants“, die Kämpfer.

Denn die Hauptfrage in diesem Film von Thomas Cailley, der mit Claude Le Pape auch das Drehbuch entwickelt hat, ist, ob das Leben planbar sei, nicht ob es die große Liebe für einen bereit hält. Hier kommt die Liebe nebenher, bricht sich mehr sinnbildlich die Bahn, auch durch die Nähe zu einer großen Naturkatastrophe.

Der Film biedert sich in keiner Weise an den Zuschauer an. Cailley interessiert sich konsequent nur für seine Figuren und deren Handeln, ohne sich um den puvbikumsverführerischen Effekt zu scheren, wobei ihm ein Tornado gerade recht kommt, von einer Zugfahrt aus gesehen.

So wird der Film in keiner Weise vorhersehbar, wirkt nonkonformistisch, stachelig; auch der Zuschauer wird zum Kämpfer, der dem Film schließlich obliegt – und erst im Nachhinein zeigt sich, wie die Bilder einem noch im Kopf herumturnen.

Zur Bebilderung seines Themas baut Cailley einen wenig erratbaren Bilderbogen, der eine Veränderung durchmacht und die Protagonisten dabei auch. Es fängt mit einer Szene in einem Bestattungsinstitut an, wer fängt eine Liebesgeschichte schon so an. Zwei Söhne eines verstorbenen Schreinermeisters diskutieren ausgiebig die Holzqualitäten der angebotenen Särge und entscheiden sich frustriert, den Sarg selber zu schreinern.

Die beiden Brüder Manu und Arnaud Labrède wollen das Geschäft ihres Vaters fortführen. Sie wohnen im Südwesten Frankreichs, an der Atlantikküste, einem Ort, der wie gemacht ist zum Urlauben, was auch schöne Sommerfrischeszenen der Jugend ergeben wird. Aber Manu und Arnaud wollen Gartenhäuser in Villen verkaufen und aufstellen.

Die Armee ist gerade mit einer Werbeaktion für einen Selbstverteidigungskurs vor Ort zugange. Dort stößt der eine der beiden Brüder, Arnaud, Kevin Azais, auf Madeleine Beaulieu, Adèle Haenel, eine taffe, junge Frau, nicht zum Flirten gebaut, sondern zum Kämpfen und Überleben. Die beiden sollen einen Kampf austragen. Arnaud kann nur durch einen Biss sich gegen ihre Umklammerung wehren, das Weib ist so stark.

Prompt begegnet er ihr wieder, denn sie ist die Tochter eines betuchten Kunden, der sich zum Kauf eines Gartenhäsuchens überreden lässt. Arnaud ist irgendwie fasziniert von dieser Frau. Aber, man kann das Leben nicht lernen, man kann es nicht planen. Man kann versuchen, sich fit halten, wie Madeleine, die zum Tauchen sich einen Rucksack umschnallt und mehrere von den Dachziegeln, die die Gebrüder Labrède fürs Gartenhäuschen aufgeschichtet haben, reinstopfen.

Beim Versuch der Nacherzählung fällt mir auf, wie es sprudelt, wie die Bilder, wie eine Neuigkeit, weiter erzählt werden wollen, wie gesetzt die Szenen doch sind und auch wie unique.

Weiteres Bild, was raus muss, wie Arnaud ein Frettchen aus dem Swimming Pool zieht, und Madeleine es nicht aufziehen möchte, aber Arnaud weiß genau, dass es wegen dem Chlor im Wasser von der Mutter verstoßen würde und also Pflege braucht. Gut, das Frettchen ist somit aus dem Spiel. Aber das Symbol Pflege gegen Chloreinflüsse ist eingebracht.

Arnaud und Madeleine machen beide das militärische, das paramilitärische Survival-Camp mit. Das wird wiederum so detailliert und glaubwürdig geschildert, dass man sich fragt, soll das jetzt eine Werbung für die Armee sein? Nein, ist es überhaupt nicht, denn die beiden hauen gemeinsam ab.

Es folgt eine Art Robinson-Part, Arnaud und Madeleine mogeln sich aus dem Camp, beinah wie aus dem realen Leben, in eine reine Natur hinein, in einen Traum von Natur, die nur grün, grün, grün ist – für die Liebe gemacht.

Wenn da nicht der Hunger wäre. Und wie gegrillter Fuchs, der sich in einer Falle verfängt, schmeckt, das ist eher nicht zu empfehlen. Später folgt eine Tankstellenszene, das ist Kino pur, die Faszination des Kinos von Tankstellen – Metaphorik auch im Liebeszusammenhang.

Je größer die Liebe oder die Zuneigung der beiden, die aber nie als RomCom gezeigt wird, eher als der Rettungsakt einer Frau mit verdorbenem Magen, desto wilder spielt die Natur. Nichts ist planbar.

Leider ist die deutsche Synchro von einer abtörnenden Routine, die wohl jegliches Verständnis für diesen Film vermissen lässt, dem man sich nur behutsam nähern kann, und die den Humor, der darin steckt, glatt wegsynchronisiert.

Überlebenstipp: wer von einer Lawine verschüttet ist, sollte pinkeln um so festzustellen, was oben und unten ist, denn ein Verschütteter verliert sofort die Orientierung und gräbt dann womöglich in die falsche Richtung. Oder, ähnlich gelagert, die Frage im Film: wer hat den Kompass? Denn jeder Mensch erlebt sein Leben zum ersten Mal – Orientierung wäre dabei von Vorteil.

Comments Keine Kommentare »

Dieser Themenfilm der systematischeren Art von Dominik Locher führt uns mit der unbeschwert aufspielenden Florentine Krafft als Dominique in 5 Kapiteln durch die Irrungen und Wirrungen einer modernen, jungen Frau – geboren zur Zeit des Mauerfalls – zwischen Liebe, Mutterschaft und Autorenkarriere und katapultiert uns von Berlin in den hintersten deutschsprachigen Zipfel der Schweiz, ins Wallis, dorthin wo düstere Ramuz-Dramen spielen, und wo uns Originalsprachsound empfängt, der der Untertitelung bedarf.

Im Prolog stellt Locher Dominique vor, ihre Prägung, ihr Selbstdarstellung als Generation Krise, in der alles möglich sei, aber nichts zwingend. Dazu ein „Scheiß Schnee im April“ in Berlin, pennen kann sie bei einer Freundin auf dem Sofa. Beim Verleger erlebt sie eine Abfuhr mit ihrem Manuskript und von den ewig gleichen Discobesuchen mit ihrer Freundin hat sie die Nase voll. Nichts hält sie mehr in Berlin.

Mit Deniz, José Barros, der hier einen Kebab-Türken voll knuddelig und gegen jedes Klischee spielt, ein liebender Mann mit Hund, haut sie Hals über Kopf ab in die Schweiz. Dort steigen sie in einem Bergtal in eine stillgelegte Tanke ein. Offenbar ist diese bewohnt. Sie finden Sexzeitschriften und -Videos. Vorher schon sind ihre Augen und die der Kamera an einem Table-Dance-Laden hängen geblieben.

Umgebung: Landstraße und wilde Berge. Deutlich signalhaft: die riesige Lauschstation, die die Amerikaner gekauft hätten, um damit die Schweizer auszuspionieren. Schönes Symbol für den ambitionierten Anspruch des Regisseurs, Sprachrohr einer Generation zu sein, der sich im Zusatz zum Filmtitel „die Geschichte einer Generation“ niederschlägt oder im Satz der Hauptfigur „Generation Krise, Du kannst alles erreichen; nichts muss, alles kann“. Der im hintersten Winkel kriegt alles mit, der hat die größten Lauscher.

Der Bewohner der Tanke taucht auf, er vermietet seine Behausung gleich für drei Monate. Bei ihrer Suche nach Beschäftigung und auch nach Kreativität wird Dominique ab jetzt von der Nachbarin, Regula Imboden als präsente Salomé, begleitet.

Dominique lernt Table Dance als Inspiration und Grenzüberschreitung kennen und verdient so den Lebensunterhalt für sich und Deniz. Die Liebe zu Deniz, der das erste Kapitel gewidmet ist, und die auch gezeigt wird, bleibt nicht ohne Folgen, so dass Kapitel 2 mit „Mein Baby“ überschrieben werden kann. Mit Baby-Bauch ist allerdings schwer Table-Dance zu machen. Deniz will das Kind. Die Karriere spricht dagegen.

Für die Abtreibung, für die sich Dominique entscheidet, schneidet Locher ein hartes Stück Schwarz-Weiß-Doku-Film aus Alexander Kluges „Gelegenheitsarbeit einer Sklavin“ rein, das eine reale Abtreibung zeigt (in der Szene aus Kluges Film ist der krasse Moment der, wie die Ärztin nach Entfernung des Embryos reflexhaft einen Schluck Kaffee sich einführt). In diesem Moment könnte der Film als Anti-Abtreibungsfilm durchgehen. Konsequenterweise heißt das nächste Kapitel „Meine Karriere“. Das ist für Deniz schwer zu verdauen. Es kommt zu Auseinandersetzungen mit ortsansäßigen Typen, zu einer Autoabfackelei und auch zu einem Schusswechsel. Den löst Locher so, dass er auf den Schuss mehrere Sekunden Rotbild einblendet und den Zuschauer im Unklaren über den Ausgang und das Opfer lässt.

Nachdem bei der Abtreibung sowie zwischen den Männern Blut in Schwarz-Weiß und in Rot geflossen ist, scheint der Weg frei für die beiden abschließenden Kapitel „Mein Song“ und „Mein Geständnis“.

Der lehrhafte Anspruch von Locher hat eine seltene Klarheit von Drehbuch und Regie zur Folge; gerade bei einem zweiten Anschauen des Filmes fällt auf, wie genau hier alles gesetzt und inszeniert ist. Das fällt dort am stärksten auf, wo es nicht ganz gelungen scheint, in den Szenen mit dem Verleger, der sich sichtlich unwohl fühlt bei den präzisen Anforderungen – vielleicht fällt er deshalb in der Abspannnennung auch raus aus dem Ensemble; während dieses sich sichtlich aufgehoben fühlt in den Händen von Locher und dadurch glänzt.

Der Begriff Generation scheint mir ambitiös: es geht um das künstlerische Segment einer Generation, jene jungen Menschen, die sich nicht mit vorgefertigten Lebensentwürfen zufrieden geben; die gibt es in jeder Generation und jede Generation bringt die Autoren und Regisseure hervor, die dieses Thema behandeln, die Suche nach Identität und Selbstverwirklichung.

Comments Keine Kommentare »

Hier verspottet der Däne Anders Thomas Jensen grimmig des Menschen Forschungsbemühungen zur Weiterzucht der eigenen Rasse, indem er die hasenschartigen, misslungenen Söhne aus den Experimenten eines längst mumifizierten Stammzellenforschers zu seinen Hauptfiguren macht. Vom humanistischen Menschenbild ist ihnen immerhin der Gedanken erhalten blieben, sie sollten sich vielleicht mal über einen zivilisierten Umgang miteinander unterhalten, hat doch der Mensch die Sprache und nicht nur das Wallholz erfunden. stefes Review anlässlich des Filmfestes München.

Comments Keine Kommentare »

Die Kleinen, die Stöpsel, wollen wie die Großen, die Kleinen wollen, was die Großen, die Kleinen suchen dafür einen Boss. Und fallen dauernd auf die Nase und rappeln sich wieder auf. Standardlustig. Die tauchen wie Urtiere aus dem Meer auf mit Taucherbrillen, die den Rest des Filmes ihre Gesichter charakterisieren.

Die Kleinen, das sind die entzückenden, knuddeligen, abstrakten, animierten Wesen. Sie stehen für die Kleinen unter den Menschen. Sie wollen die Evolutionsgeschichte durchseuchen, sie suchen einen Dinosaurier als Boss und reiten auf den Dinos. Sie landen in der Arktis oder in der Eiszeit oder in der Steinzeit und ziehen sich in eine Höhle zurück.

Die Kleinen erleben (den kleinwüchsigen) Napoleon und den Vampirismus. Sie lassen nichts aus, was die Erwachsenen im Film schon geschaffen haben. Aber sie suchen einen Boss. Der einäugige Stuart, der auf Bananen steht, Bot und Kevin machen sich auf den Weg aus der Höhle heraus. Sie suchen einen Führer und wollen alles erleben. Sie sprechen eine herrliche Kauderwelschsprache aus Nonsense, Britsense, Frenchsense, Spanischsense, Italosenf, sie gelangen übers Meer auf einen Tanker und sind plötzlich im New York von 1968, von Hippies, Peace und Flowerpower, sie landen in einer TV-Show, die den bösesten Bösewicht sucht und haben so ein detailliertes Motto für ihre Reise, die pausenlos von leichter Musik und auch mal von den Beatles betröpfelt wird, damit das Popcorngeräusch des Sitznachbarn im Kino nicht ganz so lästig knirscht.

Die Kleinen trampen nach Orlando zur Villaincon, wo der größte Schurke von Scarlet Overkill auserkoren werden soll. Die Kleinen finden auf jeden Fall den Bilderoverkill im Kinderfilm. Sie fahren im Sci-Fi-Raumschiff von Scarlett nach London, sieht schneller aus als die Concorde und bereiten langsam den Count-Down des Filmes vor, den Raub der Kronjuwelen.

Tja, die Kleinen wollen, was die Großen vorgeben zu können und zu sein. Die Kleinen lassen standardlustig nichts aus, was die Großen auch nicht auslassen. Die drei Kleinen schummeln sich als eine Große verkleidet in den Tower, darüber haben wir uns neulich schon bei Shaun das Schaf amüsiert, nichts Neues unter der Sonne also, auch nicht die Anleihe an der Übergröße eines Godzilla, und die Queen wird veräppelt als „ein Schluck lauwarmes Wasser“; aber später muss die Queen dann doch ernster, royalistischer und staatstragender agieren, sie wird einen der Kleinen, Kevin, zum Sir schlagen, für den Teddy hält sie eine Krone bereit und der Dritte erhält eine Schneekugel.

Vorher schon gab es Anleihen bei Gulliver durch die Stretchkleidung und die ganze Geschichte wird auch noch als Gutnachtgeschichte nach den Gebrüdern Grimm als Geschichte in der Geschichte verbraten und magische Waffen werden bemüht, – wäre alles nicht passiert, wenn die Kleinen damals in den Vulkan gestürzt wären, aber da waren das Drehbuch und ein Dinovogel davor; sonst hätten Kyle Bald und Pierre Coffin in der Regie von Brian Lynch womöglich eine andere Geschichte, aber genau so standardlustig, erzählen müssen. Hauptsache: eine geballte Ladung von Kinderblödsinn. Und auch die Kettensäge haben die Macher bemüht für dieses bunte Märchenkompott.

Comments Keine Kommentare »

Nachdem im Vorgängerfilm Insidious Chapter 2 Leigh Whannell nur für das Buch zeichnete, hat er hier zusätzlich auch die Regie übernommen. Ob das ganz so gut fuktioniert wie Chapter 2, das wird sich zeigen.

An einem regnerischen Ferientag kommt der Horrorfreund bestimmt auf seine Kosten; denn der Film ist nach allen Regeln der Kunst und des Genres gebaut, mit den richtigen Typen besetzt und er versucht das Irreale, den Spuk, den Horror in einem realistischen Alltg zu verankern und gewinnt somit einen wichtigen Glaubwürdigkeitspunkt, der in manchen Momenten auch nicht der Komik entbehrt, vor allem mit dem Auftritt des Internet-Startups „Spectral Sightings“ der beiden Laien-Gespensterjäger, die nachher mit der pensionierten Professionellen Alice gleich Pläne für möglicherweise eine weitere Fortsetzung (der Filmreihe) schmieden.

Die Hauptperson ist die bildhübsche Stefanie Scott als reine, naive Quinn Brenner. Sie möchte unbedingt zu ihrer vor einem Jahr verstorbenen Mutter Kontakt aufnehmen und sucht deshalb gleich zu Beginn des Filmes Alice auf, die erst skeptisch ablehnt, dann aber erwartbar – das ist auch so schön an diesem Film, dass er wirklich durchgängig verständlich ist und sich mit einer Laufdauer von 100 Minuten zufrieden gibt – sich doch interessiert. Alice ist eine berfusmäßige Gespenster-Kontaktiererin. Auch sie hat ein Jenseitsproblem mit ihrem verstorbenen Gatten.

Allerdings stellt sich schnell heraus, dass der Fall für Alice zu anstrengend ist. Sie macht einen ersten Versuch, mit der Mutter von Quinn in Kontakt zu treten. Bringt damit andere Geister, einen Usurpaten, auf die Spur von Quinn, deren Leben fortan zur Hölle wird. Denn, so erklärt es uns Alice, wenn man mit einem Toten in Kontakt trete, so hören alle anderen Verstorbenen das auch. Insofern war es ein Fehler, diesen Versuch zu start. Das treibt Alice um und sie wird bald schon eine Wiedergutmachung versuchen, wie im Haushalt von Brenners die Spukerei nicht mehr in Griff zu kriegen ist.

Auch der Vater von Quinn, der Witwer, mit einem vierschrötigen Gesicht wie eine Maske passt wunderbar in diese Geschichte und auch in das Spuk-Mehrfamilienhaus mit den langen Korridoren, die an „Shining“ erinnern. Hier wohnt auch die alte Frau im Rollstuhl, die einen Draht zu den Gespenstern hat; sie stirbt und ihr hinterlassener Ehemann darf eine anrührende Szene spielen. Sie wirkt wie ein beseeltes Ausstattungstück, was zur gruseligen Stimmung trefflich beiträgt; ein Begleitakkord.

Der gute Geisterbahnspukeffekt gehört ebenfalls dazu, wird allderings wohldosiert nur angewendet. Wenn Alice der Spur des Usurpator-Gespenstes nachgeht, das Fußabdrücke wie aus Teer hinterlässt.

Absolut im Rahmen des Genres ist auch der Unfall, den Quinn nach dem misslungenen Vorsprechen für die Schauspielschule erleidet, was dazu führt, dass sie über weite Strecken im Film mit zwei Gipsbeinen ans Bett oder an einen Rollstuhl gefesselt ist, was die Gespensterjagd noch gefährlicher erscheinen lässt. Auch dieser Geschichtsfaden wird später zu einem schönen Ende gesponnen. Souveränes Rezeptkino.

Quinn terrorisert und gebeutelt von den Gespenstern.

Das Realistische an diesem Film, was ihm eine gewisse Spukglaubwürdigkeit verleiht, ist, dass er davon erzählt, wie reale Menschen mit dem Spuk versuchen umzugehen und weniger, dass der Film den realen Zuschauern angsteinflößenden Spuk serviert. Diese Bemühung, speziell bei den Séancen, an denen alle Teilnehmer und Allice sich die Hände halten und Alice in ihrer Konzentration ihren Körper in jene andere Welt schickt und dort versucht den falschen Geist zu bekämpfen, entbehrt nicht der Komik, gerade aus der Diskrepanz zwischen realer Alltagssitutaion und Eindringen in die Jenseitswelt.

Comments Keine Kommentare »

Gedoppelte Optik ohne Kontaktlinsen.

Gesichtsoperationen zerstören den Charakter und Promikinder sind versaut.
Das ist eine Moral, die abzulesen ist, aus diesem insofern „typisch“ österreichischen Horrorschocker, den Severin Fiala und Veronika Franz erfunden haben, als er Abgründigkeit als Prinzip zelebriert. Produziert wurde er von Uli Seidl (zuletzt Im Keller gesichtet) und trägt damit dessen Stempel.

Fiala und Franz wollen vermutlich mehr zeigen als nur diesen Trivialsatz. Sie wollen es dem Zuschauer nicht zu leicht machen, ihre Geschichte zu analysieren und zu entziffern. Rätselhaftigkeit gehört hier zur Methode.

Die Hauptperson ist eine Fernsehmoderatorin, die mit ihren zwei Buben – ephebenhaft grazilen Zwillingen, die sind ein Castingcoup – in einer geräumigen Betonvilla in einem einsamem Waldgebiet wohnen.

Mama kommt erst als Mumie daher, das Gesicht dick bandagiert. Dass der Grund ein Unfall gewesen sei, steht zwar im Programmheft; während dem Screening bin ich von einer Schönheits-OP ausgegangen. Sie muss sich als Person sehr verändert haben, denn die beiden hübschen Buben wollen immer ihre Mutter sehen „Wo ist unsere Mama?“ fragen sie naiv rührend bis bösartig fordernd.

Sie wird als reine Negativfigur mit kopfbandagiert wunderschön langem Hals eingeführt. Sie ist durchgehend böse zu den Buben. Sie redet immer nur den einen der beiden an: Lukas. Später wendet sich das, nachdem die Buben ihr massiv zusetzen, sie auf ihr Bett fesseln und dieses als Folterbank benutzen, da spricht sie plötzlich nur noch Elias an. Elias sei nicht schuld, dass Lukas gestorben sei. Mama trägt Kontaktlinsen, könne aber nichts sehen. Titel des Filmes: ich seh ich seh. Doppelung ohne Kontaktlinsen.

Die Kinoschrift, das Stilistische, das ist sauber; und wenn man darüber verfügt, muss man sich wohl um letzte Klarheit der Geschichte nicht kümmern, denken die Macher. Es gibt traumhafte Bilder von den beiden Buben in der Natur, wie sie über vertrocknete Erdschollen über einem Sumpfgelände wippen, wie sie Trampolin springen, wie sie Hagelkörner einfangen, wie sie auf einem Gleis laufen, auf abgeernteten Kornfeldern oder durch den stehenden Mais jagen und was die Landidylle noch an schönen Bubenbildern hergibt.

Aber auch die Buben sind böse. Erst mit Kakerlaken. Zwei davon, Stuntschaben genannt, haben sogar einen Namen: Mathilder und Newal. Das fasziniert Buben, ein Brennglas zwischen die Sonne und den Kakerlakenpanzer zu halten. Aber das Brennglas lässt sich auch auf die Wange der gefesselten Mutter richten.

Mutter dagegen muss die in einem Gebeinhaus gefundene Katze Leo getötet haben. Eine Familie, die das Herz auf dem rechten Fleck hat. Zeigen, wie grausam der Mensch sein kann gerade am Ort der größten Zuneigung, in der Familie. So banal wie wahr.

Zum Kontrast singt Ruth Leuwerick aus einem alten Film mit sieben Kindern das Lied von den Sternlein am Himmel. Das wird später wieder aufgenommen. Die Sternlein sehen das Grausame nicht. Sie verniedlichen oder minimalisieren es. Was ist so ein menschliches Wehwehchen gegen die Größe des Sternenhimmels – was sind menschliche Quälereien doch für Kinkerlitzchen. Diese Behauptung wird akkordhaft untermalt durch das Trampeln der Mutter über Metalltreppen im Off.

Comments Keine Kommentare »