Die Reise der Erkenntnis auf der Suche nach dem Glück. Was ist Glück? Gemeint ist das private Glück.

Der Psychiater Hector, Simon Pegg, die Kamera streift in seinem Sprechzimmer prominent Bücher von Jung und Freud, ist durch die dauernde Konfrontation mit der Hoffnungslosigkeit seiner Patienten in eine Krise geraten (da es eine deutsch-kanadische Koproduktion ist, darf Veronika Ferres eine seiner Klientinnen mimen; sie tut es mit so überzeugend männerverschlingend bösem Blick und penetranter Angriffigkeit, dass man allein dadurch die Verzweiflung des Mannes bestens nachvollziehen kann).

Ein Angsttraum, der leicht und locker am Anfang inseniert wird, bestätigt ihm seine Krise: er fliegt im Doppeldecker mit einem bebrillten und behelmten Hund (und Freund vermutlich) auf dem Sitz hinter ihm beschwingt über und durch die Wolken, er unterhält sich nach hinten mit dem Hund; er fliegt einen Looping. Aus Distanz sehen wir, dass dabei etwas aus dem Flugzeug fällt. Es muss der Hund sein. Mit einem nun erwartbaren Double-Take-Blick nach hinten stellt er das entsetzt fest. Doch da wird er schon von einem geheimen Mitfahrer angegriffen und gewürgt.

Das Flugmotiv dürfte er seinem Hobby, dem Modellfliegen, entnommen haben. Hector wird showhaft vorgestellt als ein ganz Penibler, Korrekter, der mit seiner Freundin Clara, die befreiend schöne Rosamund Pike, in einem blitzsauberen, steril sauberen Haushalt wohnt und lebt. Die Vorstellung dieser Eigenschaften erfolgt überaus deutlich, fast lehrhaft deutlich, in kinematographischen Großbuchstaben gewissermaßen. Man bleibt als Zuschauer auf interessierter Distanz, denn es wird auch gar nicht um Empathie geworben, es wird wie in einem Seminar ein Fall wie im Reinraum vorgestellt.

Die Cleanheit hat allerdings den Vorteil, dass man nicht mühsam aus einem Bildertrubel heraus die Message destillieren oder gar erraten muss. Alles ist gesetzt vom Regisseur Peter Chelsom, der mit Tinker Lindsay und Maria von Heland das Drehbuch nach einem Roman von Francois Lelord geschrieben hat. So pingelig wie die Zeichnungen, die in der ersten Phase des Filmes ein wichtiges Element sind.

Der Entschluss, sich auf den Weg zu der Recherche zu machen, was Glück sei, der kommt überraschend und plötzlich. Gleich wird eine Seite auf dem Showblatt umgeblättert, schon ist er auf dem Weg zum Flughafen. Es gibt noch ein kleines Stimmungssignal für China. Im Moment, wo davon die Rede ist, setzt erstens die entsprechende Musik ein und in nächster Nähe fällt ein blechernes Küchentablett zu Boden und scheppert täuschend echt (ur- oder alt)chinesisch, wie ein Wegweiser auf der Autobahn. Von so kleinen Dingen, die der Trockenheit der reinen Lehre auf der Suche nach dem Glück die Würze erteilen, gibt es noch viele.

Der theoretische Teil der Lektion ist Hectors Tagebuch, was ihm seine Freundin fürsorglich geschenkt hat. Hier kommen die Lehrsätze, was Glück sei (ob es auch ein Glück sei, dem Unglück aus dem Weg zu gehen) in sauberer Handschrift hinein. Bis zum nächsten Lehrsatz passieren wieder Dinge, die zu einem solchen kondensiert werden können. Die ereignen sich im Flugzeug, in China im Hotel, beim Feiern, in der Disco, mit einer verführerischen Chinesin, bei einer Bergtour nach Tibet und zack wird die nächste Station aufgeschlagen. Es folgt Afrika, dort gibt es eine Begegnung mit einem Guerillaführer, Jean Reno als Diego, durch Kidnapping, mit einem befreundeten Arzt (Glück ist, wenn man als das genommen wird, was man ist, folgert Hector aus dem Hinweis, dass dessen Liebe ein Afrikaner sei). Dann geht’s nach L.A. Dort wird das Thema von Hirnforscherseite aufgedröselt. Und es kommt neu die Bueddelkastenfreundin Agnes ins Spiel, die jetzt glücklich verheiratet ist. Die Genauigkeit der Erzählung kann sich allerdings, da sich abzeichnet, worauf die Erkenntnis zum Glück hinausläuft, auch als sich ziehende Langsamkeit bemerkbar machen.

Und die Moral von der Geschichte? Über die Ehe geht doch nichts.
Witzige Wortspielereien, allerdings schwer auf Deutsch vorstellbar: bei einer Patientin ist sprachlich bei der Suche nach Glück nie richtig zu unterscheiden, ob sie Happines oder pines, Penis meint; hier grenzt die psychische Erkrankung an Dadaismus.

Ein persönlicher Bericht.
Beispiele von Glücksmöglichkeiten: reich und wichtig zu sein, Zukunft, Polygamie, Unwissenheit (nicht die ganze Geschichte zu kennen), unter den tibetischen Fahnen im Wind sein, das Sweet Potato mit Stew oder auch Feiernkönnen.
Titulierung: der Indianajones of Happiness.
Während das Hängen an der Vergangenheit, also an Agnes, nicht zu den Glückskomponenten gehören dürfte.

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