Das ist der Film der Hauptfigur, der Film von Paulina Garcia, die als Gloria mit traumwandlerischer Sicherheit den Parcours meistert, den ihr Sebastian Lelio, der mit Gonzalo Maza auch das Buch geschrieben hat, ausgelegt hat.

Eine 58-jährige Frau hat sehr wohl ein Recht auf ein Leben, das nicht nur aus Büroalltag und Gymnastikstunden besteht, sie hat sehr wohl ein Recht, Männer kennenzulernen, Abenteuer zu erleben.

Gloria ist seit 12 Jahren von ihrem Mann geschieden. Die Kinder sind längst aus dem Haus. So frequentiert Gloria in ihrer Freizeit Single-Partys, tanzt und flirtet, ist zu haben zum Pferdestehlen.

Mit Rodolfo scheint es allerdings mehr zu werden als nur einer der üblichen One-Night-Stands. Eine Beziehung bahnt sich an. Schnell schon nimmt sie Rodolfo, Betreiber des Vergnügungsparkes „Vertigo“, mit zu einem Familienfest. Mit Rodolfo verlustiert sie sich ausgiebig, genießt abenteuerliche Spiele, wie Pumpgun-Schießen oder Bungeespringen. Lebenslust und Vergnügen.

In der beliebt lateinamerikanischen Erzählweise, die gerne von den Telenovelas geprägt ist, nah bei den Figuren bleibt und sich viel Zeit lässt, da muss auch mal Platz für ein Gespräch über Perurinal-Anästhesie sein, eine gepflegtes Abendessen zu viert, wo es um Chile geht oder um Facebook und virtuelle Massen und Revolution; aber auch die Geschichte vom unglücklichen Nachbarn, der über Gloria wohnt, bekommt ihr Plätzchen – und sie dafür das Kätzchen ohne Fell; auch die Augentropfen wollen nicht vergessen werden.

Mit den Jahrzehnten auf dem Buckel ist das Beziehungs-Building allerdings nicht mehr so leicht. Der Mensch ist nicht unbedingt freier als in seiner Jugend. Rodolfo lebt erst ein Jahr in Trennung und hat das Gefühl, er sei noch verantwortlich für seine Familie, lässt sich immer wider telefonisch aus Tête-á-têtes mit Gloria herausreißen. Um dies Problem zu lösen, machen sie es nicht anders als junge Paare, sie fahren für ein paar Tage ans Meer, sie fahren nach Vina. Und wie sie das Kuscheln anfangen wollen, klingelt Rodolfos Telefon. Gloria will schon wieder abreisen. Kurz vor der Tür stellt sie ihr Gepäck ab, dreht sich um, legt einen dezenten Striptease hin und die Sex-Action kann heftig beginnen. Später Swimming-Pool, Bar. Plötzlich verschwindet Rodolfo. Gloria verbringt eine von jener Sorte Nächte, wo man morgens irgendwo aufwacht und nicht mehr weiß, was geschehen ist. Aber solche Erlebnisse können auch Entwicklungsschübe bedeuten. So dass der Schluss des Filmes ein einziges, Optimismus verbreitendes Fest mit Tanz und Gesang für die befreite Gloria wird – ansteckend.

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