Eindrücke auf die Schnelle:

Tschernobyl und Grenoble, dass man die beiden aussprachetechnisch verwechseln kann, signalisiert die Spannbreite des Humors und den Grad der geistigen Ermüdungserscheinung (vollendet noch durch die lähmende deutsche Synchronfassung) der Erfolgsmarke „Stirb langsam“ über die Jahrzehnte. Der Zusatz im Titel „ein guter Tag zum Sterben“ sollten treffend abgewandelt werden in „ein guter Tag zum Aufhören“. Denn für einen Abgesang auf die Marke „Stirb langsam“ würde die Ausgabe von 2013 vielleicht gerade noch taugen, als Sterbebildchen könnte man die andächtig schönen Zeitlupenaufnahmen vom in Agonie taumelnden russischen Mil Mi-26-Hubschrauber in den Ruinen von Tschernobyl hernehmen.

Waren die ersten Stirb-langsam-Filme vielleicht noch so aufregend wie Tschernobyl anno 1986, so ist der Nachkomme von heute mit einem Bruce Willis im Rentner-Alter noch so filmergiebig wie eine Après-Ski-Party in Grenoble.

John McClane verbringt einige Abenteuer-Tage mit seinem Sohn Jack in Moskau. Sie spielen dort CIA-Agenten in einem den Zuschauergeist wenig fesselnden, routiniert hergestellten Böse-Russen-Gute-Amis-Weltbild (Buch: Skip Woods und Roderick Thorp, Regie: John Moore), ballern viel um sich und müssen sich selbst oft in Sicherheit bringen. Der Torso des Films besteht vornehmlich aus einer einzigen massenhaften Autoschredderei auf den Straßen Moskaus. Der Schlüssel zur Lösung des Falles liegt in Tschernobyl. Das angereicherte Uran dort mag zwar realiter noch Jahrtausende strahlen, cineastisch ist es längst angestaubt und wenig sinnstiftend, wird lediglich verwendet für ein moderates Leichenbegängnis im geistig entsprechend verlangsamten Rhythmus.

Es ist eine süß-sentimentale, konfliktfreie Vater-Sohn-Geschichte eingebettet in ein unehrliches, raues Milieu, dessen Schilderung durchaus belegt, dass das formal-technische Know-How für Action-Kino vorhanden wäre, das zeigt die flotte Eingangspassage.

Nostalgie-Urlaub eines Altstars. Dafür und für das Stehengebliebensein in einer anderen Zeit spricht, dass Bruce Willis auf seinem Flug nach Moskau eine uraltmodische CIA-Papp-Kladde mit sich trägt, was möglicherweise als Gag gedacht ist.

Bruce Willis zeigt: alte Helden können am Filmset sehr müde, aber glücklich strahlend wirken, selbst wenn um sie herum das Agenten-Actionalphabet gebetsmühlenartig durchdekliniert wird. Dekorativ wird ihm ein Sohn zur Seite gestellt, der dem Hollywood-Pensionär garantiert nichts entgegensetzen wird. Darüber können auch die hochprofessionell hergestellten Pointen nicht hinwegtäuschen, die immer in die heftigsten Gefechtslagen eingeschoben werden und gelegentlich eine Vater-Sohn-Differenz vortäuschen sollen.

R.I.P. John McClane.

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