Archiv für 10. Februar 2013

Eric England, der Autor und Regisseurs dieses Slasher-Movies, meint es nicht unbedingt gut mit seinen Protagonisten. Dabei sind James, Will, Brook, Jenna und Kyle nette junge Menschen aus einer ruhigen, gepflegten Siedlung in einem amerikanischen Kleinstädtchen. Will hat seinem Freund James einen Wochenendausflug vorgeschlagen, zu dem sie die Mädels Brook und Jenna mitnehmen wollten. Denn Will ist in Kontakt mit einem Schriftsteller, der einen blutigen Horror-Roman geschrieben hat. Dieser Autor hat insofern etwas Geheimnisvolles, als er weder über Mail noch über Telefon erreichbar ist. So müssen in langen Intervallen Briefe geschrieben werden. Und auf diesem Wege wurde auch das jetzt beabsichtigte Interview verabredet. Will kann das für seine Abschlussarbeit an der Uni brauchen.

James ist passionierter Fotograf und der hatte die Idee mit dem kleinen Trip, weil er dann auch Fotos von dem Schriftsteller schießen könne. Die beiden Mädels wurden eingeladen, weil die Herren es krachen lassen wollen.

Einziger Wermutstropfen gleich zu Beginn der Reise: der ältere Bruder von Brook, Kyle, kommt ungefragt mit, er hockt sich einfach ins Auto. Dass ausgerechnet der jetzt noch mitfahren will, als Anstandswauwau womöglich, das trübt die Aussicht auf ein ausgelassenes Wochenende etwas. Denn Kyle ist ein finster drein schauender Kerl.

Aber junge Leute können sich arrangieren, die lassen sich so einen Spaß nicht so leicht verderben. Sie wollen nach Madison County. Die Fahrt wird einige Stunden dauern und gegen Ende hin werde es bergig und recht kurvig, kündet der Fahrer an. Und tatsächlich, schon nach wenigen Kurven muss der, der hier als der stärkste, der männlichste charakterisiert ist, Kyle, sich erbrechen.

Man hält also auf einem kleinen, waldigen Parkplatz. Und das zeichnet Eric England durchaus als einen aus, der Ahnung hat von Horror, dass er sich für so einem Moment oder auch für Pinkelpausen, genügend Zeit lässt, genügend Ruhe. So können sich im Zuschauerhirn schon die Gespenster entwickeln, darf das Horrorgefühl angezurrt werden. Es gibt Andeutungen, dass da hinter den Bäumen noch wer ist. Ganz verschwommen.

Einmal sieht der Fotograf auf einem geschossenen Bild etwas Unklares. Um diese Stimmung der aktiven Neugier und Erwartung des Zuschauers noch zu steigern, hat England mit Igor Nemikovsky einen Komponisten engagiert, der sich mit diskreten, dunklen Streichertönen oder mit einigen einsamen Gitarrenzupfern begnügt, eher untertextmässig andeutend, oh, oh, da ist doch was im Schwange, Vorsicht wäre die Mutter der Porzellanschüssel. Statt den Horror noch akustisch zu unterstreichen und zu kommentieren oder gar vorwegzunehmen. Die Musik, die versucht im Zuschauer die eigenen Horrorsaiten zum Erklingen zu bringen. Auf Resonanz spekulierend.

Andererseits nimmt England ganz übliche Situationen her, altbekannte Muster, anders geht es ja auch nicht. Den OARK General Store zum Beispiel. Das Zentrum in der menschenleeren Gegend, schiere Wildnis. Der Laden ist gefüllt mit skeptisch und feindlich dreinschauenden Provinzlern. Obwohl bis jetzt doch alles so normal war. Aber Gäste sind nicht willkommen hier. Das wird deutlich. Und was unsere fünf Reisenden noch nicht wissen können, mit wem sie es nämlich wirklich zu tun kriegen werden, das dürfte demjenigen, der die DVD-Hülle in der Hand gehabt hat, bekannt sein und lässt noch einiges an Blut, das fließen wird, erwarten.

Eric England versucht nicht, das Horrorgenre neu zu erfinden; aber er spielt sein Standard-Repertoire entspannt und subtil animierend wie ein Barpianist auf seiner Klaviatur, die er ausgezeichnet beherrscht. Eine gelungene Etüde in Horror.

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