Zielgruppen- und damit kundenfreundliche Deskription der Magie der erwachend, erwachsenden Zwischenmenschlichkeit, genannt Liebe und junge Familie. Bella und Edward haben jetzt ein Kind. Er ist sowohl der leibliche als auch der Adoptiv-Vater. Rensmee ist ein traumhaft schön hergerichtetes Baby, es könnte aus einem Gemälde von Raffael stammen. Und es wird im Film in kurzen Abständen einige Jahre älter, ein auch wieder filmhübsches (filmverzogenes?) kleines Mädchen, das kurz mal in den schneienden Himmel fliegt, um sich eine Schneeflocke zu angeln. Dieser kleine Akt alarmiert in San Gimigniano (Vermutung) die Volturi, ein Vampirgeschlecht, das sich wie einsten die Römer, für das größte und wichtigste der Welt hält. Und die ein kleines Kind an der fernen nördlichen amerikanischen Westküste, von dem nicht klar ist, ob es Mensch oder Vampir ist, als große Gefahr empfindet. Somit sind Kind und Clan gefährdet.

Wie immer bezieht die Twilight-Saga ihren Reiz aus dem spießigem Rahmen, der Ordentlichkeit, der Angepasstheit heranwachsender, und den gewaltig gegen diesen Rahmen arbeitenden Kräfte der innerlich elementaren Umwandlungen, die sie durchmachen, auch als junge Eltern, was nochmal ein fundamentale Umwälzung der Persönlichkeit, ein fundamentales Anderswerden bedeutet, was sich in der gewalt- und naturbildhaften Verarbeitung, wie in so einem Film, seinen Weg bahnt, seine tiefenpsychologisch bildadäquate Formulierung findet.

Das Gezähmt-Beherrschte und das Wilde. Das Zivilisiert-Zivilisatorische und das Naturhafte. Das Tier im Mensch. Das Menschliche und das Tierische. Das Elementare und das Bürgerliche. Das Konsenshafte und das konsensignorierend Zerstörerische. Das Kriegerische, das Feindliche und das Friedliche. Sterblichkeit gegen Unsterblichkeit. Das Bekannte und das Unbekannte, das Vertraute und das Neue (was nicht nur dem Römer Angst macht). Das Kind als Monster Nessie. Das Problem mit der Veränderung. Wunderbar, wenn der Vater von Bella, der einfache Polizist, erfährt, dass seine Tochter sich verändert habe, wissend, dass sie sich in ein Tier verwandeln könne; wie er mit Widerstand sie besucht und ihr dann gegenüber tritt. Ein anrührender Moment. Die Tochter ist aus seinem Fleisch und Blut. Aber woraus ist das engelhafte Enkelchen? Das Eigene und das Fremde. Urängste des Menschen, weit über das eng bemessene Gebiet von Rassimus und Nationalismus hinaus.

Maskierung und Kleidung der Clans wie Popgruppen.

Die große Disziplin der Akteure. Ihre stilisiert-stilisierende Maske, aber kaum als Maske erkennbar.
Andocken an die Klassik. Klassische Kriegsaufstellung im Countdown auf dem Schneefeld gegen die Volturi.

Der Kaufmann von Venedig, Shylock, der bei Antonios Unfähigkeit das Geld zurückzuzahlen ein Pfund Fleisch von ihm verlangt. Ein Wechsel auf ein Pfund Fleisch. Vampire habens doch eher mit dem Blut.

Die große Opern- und Drama-Szene auf dem verschneiten Schlachtfeld, in shakespeareschem Sprechduktus gesprochen.

Dagegen gesetzt wilde Schlachtenfantasien mit viel Köpferollen. Das Leben als ein Kampf ums Überleben.
Und immer sensible Streichermusik unter den Szenen, um den Erotikzusammenhang von Liebe und Gewalt nicht vergessen zu machen.

Nach all den verunsichernden Fantasien und Vorstellungen ein schönes Familienbild – forever.
We will not fight today.

Ein Entspannungsende haben auch die Zuschauer verdient, die diese Wechselbäder von Mensch zu Tier, von clever kalkulierten und inszenierten Wechselbädern von menschlich zu tierisch und vice-versa, von beamhaften Bewegungen gespannt mitgemacht haben.

Und doch kaum mehr als ein massentauglich aufgepepptes, zeitgemäßes Nachfolgeprodukt des röhrenden Hirsches, den unsere Urahnen noch als Farbreproduktion oder gar als Gemälde an der Schlafzimmerwand hängen hatten.

Melissa Rosenberg hat das Buch nach dem Roman von Stephenie Meyer geschrieben und Bill Condon hat inszeniert.

5 Antworten zu “Breaking Dawn – Bis(s) zum Ende der Nacht – Teil 2”
  1. „Und doch kaum mehr als ein massentauglich aufgepepptes, zeitgemäßes Nachfolgeprodukt des röhrenden Hirsches…“ Ich wage zu behaupten – einen anderen Anspruch als diesen gab es auch nicht. Weder für die Bücher, noch für die Filme. Sie sind schön. Bewegend, magisch, anrührend – aber simpel. Manchmal reicht das völlig aus, und mehr zu erwarten würde die Enttäuschung wohl vorprogrammieren. Entsprechend ist es auch schwierig mehr Tiefe zu beschwören, als eigentlich vorhanden ist.

    Aber für den Abklatsch eines röhrenden Paarhufers ist es ein sehr schöner, mitreißender Film geworden, der im Gegensatz zu seinem Vorgänger (Teil 1) wesentlich angenehmer zu schauen ist. (Meiner Meinung nach.) Ausserdem ein würdiger Abschluss der Geschichte – im krassen Gegensatz zum allerersten Film der Reihe, der den geneigten Fan schon fast wieder verschreckte. (Na ja. Mich zumindest.)

    Der Konflikt „Unsterblich gegen Sterblich“ hat sich jedoch vor allem im ersten Teil des Breaking Dawn-Filmes abgespielt (Wolf gegen Vampir/Vampirbrut), im zweiten geht es dann eher „Unsterblich gegen Unsterblich“ – wenn auch zum Schutze oder zur Vernichtung einer Sterblichen. Na gut.

    Aufgefallen ist mir ausserdem folgendes: die Volturi ziehen nicht los, weil nicht klar ist, was Renesmee ist – sondern weil sie sicher sind zu wissen, was sie ist. Und trotzige Vampirkinder aus historischer Erfahrung heraus eher nicht zur Wahrung des Vampirgeheimnisses fähig sind.
    Das sich diese Lage im Laufe des Filmes ändert ist mir bewusst, doch der ausschlaggebende Grund für die Aktivität der Volturi war nun mal nicht die Frage, ob Renesmee als „Hybrid“ gefährlich sein könnte.

    Weiterhin: Die Volturi – nicht nur irgendein Vampirgeschlecht das sich für allmächtig hält, sondern DAS Vampirgeschlecht, das seine Allmacht bisher immer erfolgreich aufrecht erhalten hat – sind sesshaft in Volterra. (Was zwar in direkter Nachbarschaft zu San Gimignano ist, aber dennoch – nur der Korrektheit halber. 😉 )

    Weg vom Inhaltlichen:
    Der zweite Absatz – der nur aus einem einzigen Bandwurmsatz besteht – ist wirklich fürchterlich zu lesen. Das letzte Mal habe ich mich solchen Satzmonstern freiwillig bei Kant unterworfen, aber ich hatte eigentlich nicht vor, es wieder zu tun. (Nichts gegen die kant’ischen Aussagen. Aber stilistisch war er stark gewöhnungsbedürftig.) Es macht das Lesen einfach unnötig schwierig, und dabei sollte das doch zumindest erhellend, wenn nicht sogar angenehm sein.

    Beste Grüße,
    Zae

  2. vielen Dank, Zae, für Ihr kundiges, präzisierendes Feedback.
    Das stimmt, dass in diesem letzten Teil der Sage die Auseinandersetzung unter Vampiren den größeren Teil einnimmt, also die Auseinandersetzung unter Seinesgleichen; diese mündet in der Aufstellung einer ordinären Schlachtordnung zu einem hundsgemeinen Krieg.

    Es mag wohl sein, dass die Volturi die größten sind, wobei mich mehr fasziniert, dass sie sich auch für die größten halten; was meiner Meinung nach nicht zwingend ist.

    Mit dem Anführen des röhrenden Hirsches habe ich mir eher die Frage gestellt, wie weit und ob sich diese hier gewiss sehr geschmeidig eingesetzten Bildwelten über den Rahmen des technisch kinematographischen Fortschrittes hinaus überhaupt entwickelt haben seit unseren Vorvätern aus den Zeiten des noch nicht bewegten Bildes.

    Zu den Bandwurmsätzen. Sie entstehen aus der Angst heraus, einen Gedanken, eine Idee nicht schnell genug in die Tastatur eingeben zu können, aus der Angst, eine Einsicht, eine Formulierung könnte auf Nimmerwiedersehen verfliegen – und schon setzt der nächste Bandwurm an.
    Damit der Leser, ob freiwillig oder nicht, ob bezahlend oder nicht, sich nicht verschluckt, ist es gewiss ratsam, solche Sätze vor Veröffentlichung etwas zu büscheln. Warum das manchmal nicht passiert; da könnte ich zwei Gründe anführen, der eine betrifft mich selbst, dass ich schlicht keine Probleme habe beim Wiederlesen, dass mir der Bandwurm auch beim lauten Lesen flüssig von der Zunge geht, mit dem anderen Grund könnte ich die Schuld von mir abzuladen versuchen und sie jener Politik der Verleiher anlasten, die Pressevorführungen zu knapp vor dem Filmstart veranstalten, so dass schlicht nicht Zeit genug ist, die Sache sich setzen zu lassen und dann in Ruhe nochmal drüber zu gehen.

  3. Alles ab „warum das manchmal nicht passiert“ erklärt, warum diese Seite nicht passiert, Julian. Die hier genüsslich vorgeführte Attitüde ist plump, vulgär und unverfroren.

    Wirklich, war DAS der Grund, warum du diese Seite aufgebaut hast? DAS soll für deinen Namen stehen? Grauenhaftes Gewäsch, das Leser abschreckt und wenig vorteilhafte Rückschlüsse auf die Beteiligten zulässt?

    Hier ist der (Band)Wurm drin.

  4. Hi „Leo“,

    Antwortmöglichkeit 1: [Beleidigung ignorieren]

    Antwortmöglichkeit 2: [Beleidigung kommentarlos löschen]

    Antwortmöglichkeit 3: Antwortkommentar in der Art von: „Du gibst Dir ja ziemliche Mühe, mich zu beleidigen. Leider ist meine Haut viel zu dick und Dein Angriff viel zu plump, um damit Erfolg zu haben.“

    Antwortmöglichkeit 4: „Du warst für diesen Kommentar von Deinem Münchner Zuhause über T-Online (t-dialin.net) eingewählt, wie mir Deine IP 87.174.95.236 verrät. Aufgrund Deiner größenwahnsinnigen Email-ID kann ich mir sogar vorstellen, wer Du sein könntest. Ich rate Dir: Lass‘ es, ein für alle Mal.“

    Such Dir eine Antwort aus und dann verzupf Dich.

  5. Vielen Dank, Leo, für Ihr Interesse an unserem Blog.

    Antwortmöglichkeit 1:
    Lesen Sie Ihren Textversuch einmal laut sich selbst oder einer Ihnen vertrauten Person vor, und Sie werden sofort feststellen, von welch neidvoller Gehässigkeit Ihr Anwurf doch geprägt ist.

    Antwortmöglichkeit 2:
    Wenn ich Sie richtig verstanden haben, so sind für Sie Texte und Argumente zu einem Film nur verhandelbar, wenn Sie mit einer „Attitüde“ in Ihrem Sinne vorgetragen werden. Dazu darf ich Sie darauf hinweisen, dass es in diesem Blog keinerlei Vorgaben oder Leitlinien hinsichtlich Attitüde außer dem Interesse am Film gibt, siehe folgende Texte von Julian über diesen Blog
    http://www.filmjournalisten.de/uber-filmjournalistende/
    http://www.filmjournalisten.de/uber-filmjournalistende/mitmachen/
    Da Sie es allerdings im Dunkeln lassen, welche Attitüde Sie sich nun genau wünschen, so kann ich Ihnen leider bei Ihrem Problem nicht weiter behilflich sein.

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