Dafür, dass es in Deutschland so gut wie keine kinotaugliche Drehbuchkultur mehr gibt, ist dieses Sushi in Suhl, wozu Jens-Frederik Otto das Buch geschrieben und Carsten Fiebeler die Regie geführt hat, doch einigermaßen genießbar.

Nun ja, so geniessbar und würzig in etwa wie der Ingwer, der in einer Szene vorkommt, in der der Japaner dem DDR-Koch ein Stück Ingwer bringt, der riecht daran und findet nichts besonderes, der Japaner aber besteht darauf, dass es was besonderes sei, aber zu diesem Behufe müsse er den Ingwer eben aufbrechen. So kommt es mir mit diesem Film vor.

Die Macher haben tatsächlich einen exotischen, einen sensationellen Stoff gefunden. Aber sie geben sich mit der Gewissheit zufrieden, ein solcher Stoff allein reiche schon für ein leckeres Kino-Menü, sie müssten den nicht noch ganz besonders zubereiten, oder eben, sie brechen den Ingwer gar nicht erst. Das ist schade, denn die Geschichte ist extraordinär, die die Macher hier nach einer wahren Geschichte, vielleicht mit einem zwinkernden Auge auf die DDR-Klischee-Figuren, die sie dazu brauchen, als Spielfilm erzählen, es ist die von Rolf Anschütz, dem Koch des Lokals „Waffenschmied“ in Suhl, einem DDR-HO-Betrieb, wobei im Film leider nie erklärt wird, was HO bedeutet.

Anschütz kam durch Zufall auf den Trip mit der Erforschung und Erprobung der japanischen Küche. Wurde damit nicht nur in der DDR berühmt, sondern auch in Japan. Er konnte den Betrieb, der für die DDR ein genialer Devisenbringer war, auch gegen alle Intrigen behaupten, wurde sogar nach Japan eingeladen und dort gefeiert. Und er hat in Suhl das japanische Essen nach japanischem Zeremoniell zubereitet.

Die Geschichte wird aus der Perspektive seines einäugigen Sohnes, der in der Zeit, in der der Film spielt, noch ein Bub war, erzählt. Durch diese Perspektive beraubt sich der Drehbuchautor allerdings der Möglichkeit, in Anschütz hineinzuschauen, Spannung von seinen Needs her zu erzeugen. Insofern reicht auch die Besetzung der Rolle mit Uwe Steimle vollkommen aus, um das Interesse an der Figur wachzuhalten, denn immerhin spielt er den Koch glaubwürdig, was in einem subventionierten deutschen Film nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit ist. Er hat vielleicht etwas zu konstant diesen etwas treuen, leicht introvertierten, schüchternen Blick drauf.

Wenn im Abspann dann allerdings ein Originalbild folgt, so ist schnell ersichtlich, dass das Original doch eine deutlich komplexere Figur gewesen sein muss, mit viel mehr Hintersinn, Weisheit, verborgener List als hier im Film dargestellt. Konflikte in Szenen eskalieren hier meist zu abrupt und wirken zu laut, zu gestellt. Oh Drehbuchkultur, oh Drehbuchkultur.

Warum das Exotische an dem Film im Film auch eher rührselig exotisch wirkt, dürfte daran liegen, dass gar nicht erst versucht worden ist, eine realistische DDR, dieses Grau-in-Grau als dialektischer Gegensatz, zu welchem das Exotische erst aufregend wirkt, zu inszenieren.

Sympathie gewinnt die Anschütz-Figur aber durch Sätze wie diesen, dass er (wie er auf die japanische Küche stößt) das erste Mal im Leben das Gefühl habe, seiner Bestimmung zu folgen (und die Familie hatte gegenüber dieser Bestimmung das Nachsehen, aber das tut auch überhaupt nicht weh, weil die Figur seiner Frau von Anfang an nicht zu ihm passt, weder besetzungsmäßig noch schauspielerisch noch vom Drehbuch her). Steimle scheint durchaus ein Schauspieler zu sein, der das Gemüt des Zuschauers anzusprechen vermag. Ihm dürfte die Sympathie des Publikums sicher sein sowohl vom glaubwürdigen Spiel als auch vom Stoff her.

Lehrsatz vom Japaner: Du musst die Augen hungrig machen, nicht den Magen. Würde jeder Kochsendung gut anstehen.

Der Original-Anschütz scheint eine Figur mit ganz anderem Pfiff gewesen zu sein, als hier dargestellt. So wie auch das Drehbuch weitgehend den Pfiff vermissen lässt, den eine raffinierte kulinarische Spezialität verlangt. Vielleicht noch der Joke: wie es um die Dekoration des japanischen Speisesaales in Suhl geht, ist die Antwort auf die Frage, was das sei: so eine Art Deko hm hm Take On Do…

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