Asterix & Obelix – Im Auftrag ihrer Majestät
Geschrieben von: Stefe in Allgemein, Film, ReviewKino aus der Römerzeit.
Ach so, da gabs ja noch gar kein Kino.
Aber in dieser Römerzeit gabs in England schon Doppeldeckerbusse, die von Pferden gezogen wurden; das Rad war ja auch schon erfunden – aber die Bilder hatten das Laufen noch nicht gelernt.
Ein bisschen geht es auch so mit diesem Film. So richtig laufen tun die Bilder nicht. Es ist eher wie ein Umblättern bei Kinderbüchern, vielleicht sogar solchen aus Holz. Oder die dreidimensional aufgeklappt werden können. Hier versucht sich das Kino des Laurent Tirard, der mit Grégroire Vigneron auch das Buch geschrieben hat, in der 3D-Technik. Szene für Szene werden die Gallier, die Römer, die Normannen, die Briten in 3D gemeisselt, werden die Sketche nach den Comics „Asterix bei den Briten“ und „Asterix bei den Normannen“ in einfache, klare, statische Bilder gegossen. Das muss der Freude über den Witz der Comics keinen Abbruch tun. Wenn man die liest, blättert man ja auch immer wieder um. So bleibt allerdings eins plus eins immer nur gleich zwei und wird nie gleich drei.
Mit diesem 3D hier tue ich mich schwer. Obs an meiner Brille gelegen hat, dass mir dieses so überflüssig wie unbeholfen vorkam, auch wenn Heerscharen von ungarischen Animatoren redlich versucht haben Römerlager, britannische Dörfer, London, das Meer, die Klippen, das römische Heer und selbstverständlich unsere Hauptfiguren Asterix und Obelix dreidimensional erscheinen zu lassen.
Die Geschichte läuft in etwa so: die Römer sind dabei, Britannien zu erobern, es fehlt ihnen noch ein einziges Dorf; das leistet heftigen Widerstand. Um der Übermacht der Römer etwas entgegenzusetzen, schickt die britische Königin, die sich auch in diesem Dorf aufhält, ihren Haushofmeister Teefax zu den Galliern. Der soll sie um ein Fass des Zaubertrankes bitten, der übermenschliche Kräfte verleiht. Asterix und Obelix begleiten Teefix mit dem Fass zurück nach Britannien. Obelix trägt immer das Fass auf seinem Rücken und freut sich unbändig darauf, endlich mal wieder gscheit Römer zu verkloppen. Sie werden begleitet von Grautvornix, dem Vertreter einer friedlichen jungen Generation, ein Barde der Liebe und jeglicher Gewalt abhold gesonnen. Derweil hat Julius Cäsar die urwüchsigen und wilden Normannen gegen das renitente britische Dorf mobilisiert.
Jetzt ist die Ausgangslage für manche Klopperei und Kämpferei gegeben. Die Gallier gehen ihres Fasses verlustig. Asterix und Obelix verlieben sich noch dazu und vergessen den Auftrag. Aber Ende gut alles gut, der Zaubertrunk wirkt auch, wenn er nur Tee ist, den Asterix aus Blättern, die der Flüchtling Hatnix dabei hat, braut und so placebobeflügelt die Bauern mit ihren Holzgerätschaften wie Mistgabeln und Sensen auf die Römer los jagt, so dass die vor Schrecken davon laufen. Und dann ist auch Obelix trotz amoureuser Ambitionen hinsichtlich einer altjüngferlichen britischen Gouvernante, die sind wirklich rührend-schräg, wieder auf den Geschmack an den Römern gekommen und mischt deren tolles Schlacht-Dreieck von hinten her auf. Die Briten müssen ab da nicht mehr nur heißes Wasser, sie dürfen jetzt Tee trinken.
Charakterisierungen. Das Formelle der Briten wird sehr deutlich gemacht, selbst als sie noch keinen Tee kannten, da liessen sie punkt 5 Uhr nachmittags alles stehen, selbst einen Krieg, um ihr heißes Wasser mit abgespreiztem Finger zu trinken. Teefax ist eine voll übertriebene britische Karikatur im Schottenrock, der die höfliche Distanz zu seiner Geliebten unerträglich auf die Spitze treibt. Grautvornix steht für die unbefangene, friedliche junge Generation, die lieber der Musik und der Muse frönt als dem Krieg. Der Flüchtling Hatnix steht für das ganze europäische Migrantenproblem. Die furchtlosen Normann dagegen sind auf der Suche nach der Angst, weil die einem Flügel verleihen würde.
Die Briten sprechen in der deutschen Synchronisation alle ein britisches R, während die Gallier und die Römer und Normannen ein langweiliges Routine-Synchrondeutsch sprechen, was gegen die Asterix-Atmosphäre arbeitet.
Römerkino, obwohl die moderne Interpretation mit Verweisen auf die Heute-Zeit nicht spart, die Brieftaube wird von Julius Cäsar als Handy benutzt und dann weggeschmissen, weil sie nicht funktioniere; Personenkontrollen verlangen modernste fälschungssichere Ausweise; Geschichtsklitterung hat schon Cäsar betrieben, der seinen Sekretär Megacursus von einem Sieg über die Briten schreiben lässt – und von Gnade, die er hat obwalten lassen; beim Sturm der britischen Bauern gegen das hochmoderne römische Heer mit seinen geometrischen Schlachtordnungen denkt man unwillkürlich an den modernen Krieg hochgerüsteten Nato gegen die barfüßigen Taliban.
Die halbe Miete allerdings garantiert allein Gerard Depardieu als Obelix, ein wandelnde Comicfigur par excellence, obwohl mir in manchen Moment auch schien, dass er sich ein bisschen auf einer bestimmten Masche ausruht, große Augen, hilflos, fast apathische Gesten.

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