Hat die Idee „Europa“ Erica Darnell und Kohorten von Co-Autoren, Co-Regisseuren, Animateuren, Story-Line-, Figur- und Gag-Schreibern so angeregt, dass dieses dritte Sequel von Madagascar frischer daher kommt als seine beiden Vorgänger? Oder will Hollywood noch schnell ein paar Euro abkassieren, solange es diese Währung noch gibt – und da ihnen möglicherweise bewusst geworden ist, dass hier ein kritisches Publikum ist, dem längst nicht mehr jeder Shit erfolgreich verfüttert werden kann, sie sich besonders angestrengt haben?

Jedenfalls unterhalten uns der Löwe, das Zebra, die Giraffe und das Nilpferd als die Hauptakteure in diesem Animations-Abenteuer-Zirkus-Zoo-Spektakel aufs beste und über lange Strecken direkt atemberaubend, weil immer noch der kleinste Gag und jede kleinste Nebenwirkung eines Unglückes, einer Flucht, einer Katastrophe, diese nochmal und oft ziemlich verrückt toppt oder spiegelt.

Der Grundplot ist der, dass die vier in Afrika gestrandet sind und zurück in ihren Zoo in New York wollen. Sie sitzen in der Wüste, haben den geliebten Zoo als Lehmmodell rekonstruiert und räsonieren, wie sie dahin zurück gelangen können.

Eben sind die Affen und einige Begleitfiguren im Flugzeug voll beladen mit Gold und Diamanten nach Monte Carlo abgedüst und die zurückgebliebenen Zootiere kommen sich verraten und verratzt vor. Das wollen sie sich nicht bieten lassen. Auf nach Monte Carlo, lautet also die Devise.

Das Casino, das Ziel (mag sein dass der Film in den 70er Jahren spielt, es kommt einmal ein für die Zeit typisches Kassettenrecorder-Radio vor – und damals war Monte Carlo auch noch eine Filmtraumstadt, wie auch die Côte d’Azur). Durch die Lüftungsschächte wollen die vier in das Gebäude eindringen. Es gibt vier Schächte. Allein die Frage, wer passt durch welchen, wird zu ziemlich grotesken Folgen führen.

Und siehe da, am Spieltisch ist eine merkwürdig verkleidete Figur, in deren Inneren die Affen fuhrwerken, am Gewinnen und am Gewinnen und am Gewinnen. Was nun beim Kidnapping der Spieler, die unser Team zurück nach New York bringen sollen, schief gehen kann, geht schief und am Ende haben sie noch die Flics und an deren Spitze die besessene Polizistin Chantal Dubois am Hals.

Chantal Dubois, die ist nun vom härtesten Holz und lässt gar nicht locker, denn ein Löwe ist genau das, was ihr in ihrer Trophäensammlung noch fehlt. So stehen uns rasant-verrückte Verfolgungsjagden erst durch Monaco ins Haus, man denkt gelegentlich an ein überdrehtes Formel-Eins-Rennen, und dann weiter mit dem Zug und dem Zirkus drauf, auch da gibt’s schwierige Verhandlungen und Vorurteile und Klärungen bis die Rettung nach Rom gelingt.

Aber ein Zootier ist nun mal kein Zirkustier, ein Zirkusprogramm mit Zootieren, das kann nur vollkommen daneben gehen. Und führt zu einer gruppendynamischen Diskussion, dass der Zirkus in Routine erstarrt sei, dass die Artisten, also die tierischen, alles geben müssten, dass sie kreativ sein müssten, erfinderisch. Es wird im Grunde genommen das diskutiert, was mich bis dahin im Film verwundert und erfreut hat, wie wunderbar frisch und ohne jeden Mief von Routine die Story bis dahin erzählt worden ist und gerne auch respektlos, dass dem Papst sein Ring geklaut wird, dem steht noch eine ganz besonders exquisite Nummer mit dem russischen Leoparden bevor!

So zieht sich der Zirkus im Glauben, vor Chantal Dubois sicher zu sein, in die Alpen zurück, um Nummern einzuüben. Merkwürdigerweise wird’s ab da, ab dem Moment der Selbstreflektion des Movies, deutlich braver und gemütlicher. Die Verfolgungssituation und auch das Ziel New York geraten aus dem Blickfeld. Der Zeichentrickfilm routiniert sich mit plötzlichen Sprüngen in der Geschichte via London nach New York, verbiegt sich leider dabei amerikanisch total überzuckert auf Harmonie und Glück und eine geballte Zimmer-Final-Musik über visuell feuerwerksmässig-überbordenden Effekten in die Kategorie des austauschbar-amerikanischen Kommerz-Denkens. Das mindert jedoch den Spaß an der ersten Hälfte in keiner Weise.

Übrigens: 3D halte ich hier für reine Geldmacherei, die paar Effekte, die dem Zuschauer ins Auge springen, sind nicht gerade die geilsten Sachen. Es gibt ausgewählte Kinos, die ihn auch in 2D zeigen.

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