Es gibt Bücher über Paartherapie. Die können sich ganz spannend lesen. Bei den Beispielen läuft es praktisch immer darauf heraus, dass die Partner nicht miteinander reden, dass sie jahrelang Sexualpraktiken ausüben, die keinem von beiden behagen, aber beide glauben, dass es dem Partner gefällt und zwingen sich ihm oder ihr zuliebe dazu. Oder vielleicht noch häufiger ist möglicherweise zu hören, „dass der Ofen aus sei“ in der Ehe. Niemand ist gezwungen sich damit abzufinden. Dafür gibt’s den Paartherapeuten. Oder diesen Film.

Das liest sich in einem Buch sicher schon spannend, wie ein Ehepaar die Liebe wieder entdecken kann nach 31 Ehejahren, aber wenn man so fantastische Schauspieler wie Meryl Streep als Kay, Tommy Lee Jones als Arnold und Steve Carell als Paartherapeut Dr. Bernard Feld im Kino haben kann und wenn diese noch von einem Regisseur wie David Frankel, der uns schon den bemerkenswerten „Der Teufel trägt Prada“ zubereitet hat, so ist der Kinobesuch sicher nicht die schlechtere Alternative, auch wenn Meryl Streep hier Biederkostüme der Sonderklasse ab Stange trägt. Wie das Ehepaar sowieso in einer Art Gruft feiner Furnier-Möbel vom Möbelhaus „Schwer, Prunkig und Unwohnlich“ haust. Denn auch Meryl Streep muss arbeiten. In einem Damenkleidungsgeschäft. Viel Geld kriegt sie nicht auf die Seite damit. Aber die paar Tausend Dollar, die ein mehrtägiger Therapieaufenthalt in Maine, wohin man erst fliegen muss, kostet, die kann sie von ihrem Konto abheben und damit ihrem Mann und sich diesen Therapieaufenthalt schenken. Statt irgendwelche dummen Gegenstände, die nur die Gruft noch gruftiger machen würden. Für den Aufenthalt im Econo-Lodge jedenfalls reichts.

Mehr möchte ich über die Geschichte gar nicht ausplaudern, außer dass diesen fabelhaften Darstellern im Kino zuzuschauen, ein Hochgenuss ist, denn auch die Bearbeitung des Stoffes durch Vanessa Taylor gibt der Geschichte und ihrer Entwicklung eine plausible Linie und nie machen die Protagonisten einen auf Betroffenheit und es wäre schade, auf das schelmische Lachen der Streep, was oft eine kleine Differenz zum Real-TV signalisiert, verzichten zu müssen. Ein pures Vergnügen, das doch in der einen oder anderen Ehe einiges wieder zum Leben erwecken könnte. Gerne auch oraliter.

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