Man stelle sich vor, junge Männer, allesamt begabt, kräftig, motiviert, voller Tatendrang, alle mit Starpotential, alle mit dem Ziel, großes Kino zu machen. Junge Männer mit Kinodrang und Kinowillen in einem Land, in dem die Kinokultur längst zu einer kinoerstickenden Gremienkultur verkommen ist. Sie sind ganz heiß drauf – auf Kino (und nicht auf Gremien). Man stelle sich vor, man sperre diese Männer für kurze Zeit in ein nicht allzu großes Zimmer: dieses würde sehr bald sehr dämpfig werden, es müsste dringend gelüftet werden.
Im hier zu reflektierenden Film ist nicht gelüftet worden. Wodurch sich die hier geballt versammelte Ladung an Kinowillen und Männerenergie zu einem undurchdringlichem Mief komprimiert.
Die Männer um Regisseur Toke Constantin Hebbeln, der mit Ronny Schalk auch das Drehbuch geschrieben hat, bringen eine verdammt dichte Atmosphäre auf die Leinwand, man spürt jeder Faser der Akteure an, dass sie voll engagiert sind für den Film, dass sie das Thema Freundschaft und Verrat, das hier in die Zeit der DDR- zurückprojiziert wird, fesselt, dass sie gewillt sind, es rüberzubringen ins Publikum.
Die Protagonisten unter den Schauspielern bieten beachtliche Belegstücke ihrer Schauspielerphilosophien, für welche emotionales Spiel und physischer Einsatz keine Fremdwörter sind. Diese jungen Stars, sie heißen Alexander Fehling, August Diehl und Ronald Zehrfeld, erwecken durchaus den Eindruck, dass sie noch nicht glauben, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben, mit Routine alles meistern zu können, dass sie durchaus am Suchen sind.
Allerdings erdrückt dieser Enthusiasmus fürs Kino sowohl vor als auch hinter der Kamera leider die Geschichte. Es entsteht der Eindruck, dass Sounddesign, Kamera, Licht, Maske all das nochmal erzählen wollten, so dass die Continuity der Figuren darunter zu leiden beginnt. Es entsteht der Eindruck, dass hier „großes“ Kino des großen Kino halbers gemacht werden soll.
Vielleicht war es gar nicht gut für den Debütanten, wie man einen Erstlingslangfilmer wohl nennen darf, dass er so viel Unterstützung von all den wohlmeinenden Onkeln und Paten und Tanten sämtlichen Förderinstitutionen inklusive Degeto erhalten hat, dass er nicht gezwungen war, sich mit aller Energie auf das Wesentliche seiner Geschichte, die er erzählen wollte (welche?), zu konzentrieren.
Das Wichtigste an einem Film ist noch immer die Geschichte. Und Geschichten lassen sich heute mit geringem technischen Aufwand schon skizzieren. Warum muss ein Anfänger im Langfilm gleich mit so großer Kelle anrühren, bevor die Geschichte in einer skizzenhaften Variante, für die die Förderer viel intelligenter einiges hätten springen lassen sollen, ausprobiert worden ist?
Das Kino, was diese jungen Leute uns hier vorführen, hängt meines Erachtens aber auch einer Kinovorstellung nach, die altväterlich anmutet, bei allem bereits vorhandenen Können und Talent. Ein Kino, was gleich in die alte Pinakothek in einen Saal mit schweren alten Schinken gehängt zu werden verdient. Hier wundert mich, ob es wirklich die Förderstruktur ist, die diese jungen Männer, die mit den modernen, beweglichen Medien aufgewachsen sind, keine wachere Vision von Kino haben, keine leichtere, keine griffigere, keine pfiffigere, keine Vision, die den heutigen Zuschauer, der ja auch nicht unbeleckt ist von den modernen Medien, ansprechen kann.

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