Im Kinotal der Ahnungslosen.

Vielleicht einfach eine unglückliche Kombination. Der Wurm drin von Anfang an. Wir wissen es nicht. Eindruck eines schwatzhaften Konglomeratsproduktes aus Ahnungslosigkeit was Kino betrifft, sowohl von Produzenten- und Förderseite als auch von Buch und Regie, von Casting, Kamera und Schnitt – oder vielleicht sind sie alle fernsehversaut, am meisten der Hauptdarsteller des Basti, Sebastian Bezzel, der doch einen guten Ruf hat, der ein guter Fernsehschauspieler und Tatort-Kommissar sein soll und auch im Kino wohl eine Durchbruchsrolle gehabt habe, aber hier ist davon nichts zu spüren: vielleicht eine kaum überzeugend darzustellende Rolle: ein Single und Weiberer, der aber unfruchtbar ist, Rikschafahrer in München dazu (der Bezug der Darstellers zur Rikscha ist irgendwie auch vollkommen unter die Räder gekommen). Eines Tages taucht eine vorgeblich leibliche Tochter von ihm auf, von der er nichts weiß und die es doch wegen seiner Unfruchtbarkeit gar nicht geben darf, im Gepäck den kleinen Paule, seinen leiblichen Enkel. Das könnte durchaus die Ausgangslage für eine brauchbare Kinokomödie sein, die Amerikaner machen das pausenlos vor, wie sich mit abstrusen Plots und ohne allzu viel Inspiration aber mit viel Kinohandwerk verkäufliche Produkte herstellen lassen.

Nichts davon hier. Wohl ein grundlegendes Missverständnis von Kino sowohl in der Auswahl des Protagonisten, der unglücklicherweise auch immer ein bisschen größer ins Bild gerückt wird als der übrige zusammengekrampfte Cast. Nun ja, Kinoprotagonist erfordert vermutlich eine ganze Menge mehr Softqualities, als diejenigen, die für einen Fernsehkommissar schon genügen.

Das große schauspielhandwerkliche Missverständnis scheint mir zu sein, dass Bezzel glaubt, weil er eine Rolle kinoernsthaft spielen soll und noch dazu wie mir scheint gar einen vom Leben gefrusteten Menschen, dass er in einen Pseudorealismus sich verirrt, dem jeglicher nötige Kino-Charme abgeht und der leinwandimpermeabel rüber kommt.

Zu vermuten, dass die ganzen Darsteller nicht so schlechte Darsteller sind, wie sie sich hier geben, daran dürfte das schwache Buch von Thomas Bahmann und Ralph Hertwig sowie die kinoahnungslose Regie von Ingo Rasper nicht unbeteiligt sein, dass die Figuren viel zu oft einfach im Stich gelassen dastehen, selbst ein ausgbuffter Profi wie der Heiner Lauterbach, der die Rolle eines Schwulen zu spielen hat – und es sich sehr einfach macht, es schmerzt direkt. Dieser Film kommt mir vor wie ein Fernsehredaktionsonanie-Produkt, vollkommen kinofremd. Weil sie fernsehbrav gewesen sind, dürfen einige Leute jetzt Kino machen.

Notizen:

Bezzel hier ein leinwandnonaffiner Typ im rosa Morgenmantel, unfruchtbar und mit gesichtsharmonisierter Tochter.

Ein Billigjoke jagt den nächsten. BilligTV-Satz: ich kenne ein paar Russen, und die machen keine Gefangenen (Geldeintreiber: der Opa soll für die Gören aus Bitterfeld Geld rausrücken, aber das Thema wird nicht richtig durchgeführt und immer mal wieder fallen gelassen)

Will Bezzel einen Ekeltypen spielen?

Dialog: Er: „Zicke“, sie „Depp“.
„Dein Papa, der alte Hinterlader.“
„Eine Überdosis große Schwester, das ist mein Kindheitstrauma“ (daher die Zeugungsunfähgikeit?). Oder war dieses Trauma die Leitidee für die Figur Basti.

Das originellste am Film ist das Signet des Rikschabetriebes von Basti: die Radlbeißer und der Dackel.

Dialog zwischen Leuten, die schon Jahrzehnte auf dem Buckel haben: „Und was machst Du, wenn Du mal groß bist?“
„Sie bleiben schön hier .. und wenn ich geh, dann reg ich mich auf (Irm Herrmann).

„Bei mir siehts aus wie Sau“.
Bestenfalls ein fahrlässiger TV-Klamauk.

Zeitrafferaufnahmen sind für mich meist Anfängersignale.

Bestenfalls TV- und gremiengefälliges Kino-Mus.
Dann mehrfach die Frage, immer wenn die Autoren ihrer Geschichte nicht trauen: Was ist denn hier los?

Und dann plötzlich hat laut Dialogtext der Basti eine Entwicklung durchgemacht – und keiner hats mitgekriegt.

Netter Gag, aber auch vollkommen verschenkt, vielleicht gerade gut für den Trailer: das Baby, das an den Luftballons in die Luft fliegt.

Es gibt so gut wie nie glaubhafte Reaktionen der Figuren aufeinander, es wird übertrieben agiert, als hätte der Herrgott Affen statt Menschen geschaffen.
Dann noch der Dialekt- und Hochdeutschverhau, der einem die Ohren zum Platzen bringen möchte.

Vielleicht erzählt dieser Film mehr aus den Innereien von Fördergremien und TV-Redaktionen als denen lieb sein mag – denn es ist öffentliches Geld was dermaßen versaut wird.
Gremienreduziertes Menschenbild mit gremiengenehmen Darstellern.

Treffender Ausdruck im Film: „Vollversammlung der Superdeppen“ – aber nicht mal die haben sie überzeugend rübergebracht.

Im Bauerntheater geht’s meist zu Ende, wenn alle auf der Bühne sind; wenn hier das Ensemble fast vollzählig versammelt ist, können die sich leider noch lange nicht trennen von der Leinwand.

Überforderte Dapartments: Buch, Regie, Casting, Kamera, Schnitt. Sprachencoach.

Unheiteres, gremienkompatibles, verbraucherfeindliches Kino von höchst begrenzter Haltbarkeit und ohne Herzlichkeit.

2 Antworten zu “Vatertage – Opa über Nacht”
  1. leon wetzke sagt:

    wan komt der film auf dvd heeraus?

  2. Lieber Herr Wetzke,
    wieso stellen Sie die Frage hier,
    wir sind ja nicht die Produzenten.

Hinterlasse einen Kommentar

XHTML: You can use these tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>