Das verborgene Gesicht – La cara oculta
Geschrieben von: Stefe in Allgemein, Film, ReviewGepflegtes kolumbianisches Spiel um Liebe und Eifersucht von Andrés Baiz.
Ein Dirigent, ein Finsterling und gleichzeitig ein Frauenliebhaber mit der entsprechenden Barttracht wie auf einem Gemälde von Velasquez steht im Mittelpunkt dieses doch leicht ironischen Melodrams, das wunderbar klar erzählt ist, gelegentlich zwar am Rande der Schnulze, um im letzten Moment vor dieser Klippe noch die Kurve zu einer neuen Unerhörtheit zu kriegen.
Adrián ist Spanier und Dirigent und darf für ein Jahr das symphonische Orchester von Bogota leiten, eine große Ehre für sein jugendliches Alter. Er nimmt seine Geliebte Belén mit. Sie wohnen in einem großzügigen und individuell eingerichteten Landhaus, das Deutschen aus Berlin gehört. Der Schäferhund Hans gehört zum Inventar und zu dem muss auch geschaut werden. Der wird ganz selbstverständlich als bestandteilhabendes Klischee an dieser Szenerie eingeführt.
Belén ist oft allein im Haus. Und sehr eifersüchtig. Einmal ertappt sie Adrián im Büro wie er mit der ersten Geige anstößt – statt zu proben. Belén will ihm eine Lektion erteilen. Und wenn das alles glatt gelaufen wäre, dann hätten wir diesen Film nicht gebraucht.
Hier werden die Figuren dezidiert als malerische Schönheiten eingeführt, der Dirigent eine finsterer Schönling, voll mutmaßlich dunkler Geheimnisse, und nicht nicht nur musikalischer Art (zu diesem Bild lässt sich nicht nur künstlerischen Wahnsinn assoziieren). Ein schöner Finsterling, ein Fiesling gar? Die Frauen die er haben kann, sind nur die schönsten. Mehr darf man eigentlich gar nicht verraten hier.
Außer dass das alles sehr packend und schön auch geschildert wird, dass die Szenen sehr präzise und mit gutem Gespür und Gefühl inszeniert sind, so dass man sich im Falle von Rückblenden auch sofort wieder orientieren kann.
Meine Interpretation wäre die, Andrés Baiz, der Autor und Regisseur, macht sich – und das mit bestem Benimm und bestem Instinkt dafür, was sich gehört, sowohl in der Gesellschaft als auch im Kino – der Manager des Orchesters heißt übrigens Tito – Baiz also amüsiert sich, scheint mir, fast ein bisschen darüber, wie unter der Maskerade der Gesellschaft die simplen Instinkte, die primitiven Instinkte und andere Ängste und Verdrängungsmechanismen wie Eifersucht ungezügelt ihr Spiel treiben.
Ein Film, den man sich durch seine Einfachheit gut merken kann und der einem beim Reflektieren darüber, mir zumindest, noch das eine und andere Lächeln und Schmunzeln und Nachgenießen vergönnte – wie bei einem guten Tropfen Wein, nachdem man ihn „gebissen“ hat, sollte man ihn auch nachwirken lassen.

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