Das uralte Menschheitsthema, die Frau als Frau und als Nutte. Sabine Derflinger wirft einen ganz unprätentiösen, moralinfreien, stilvollen Blick auf das Thema. Sie führt Regie und hat mit Eva Testor das Buch geschrieben.

Zwei Freundinnen, Lea und Hanna, bewerben sich bei einem Escort-Service, bei dem die Frauen mehr bieten müssen, als nur gepflegt auszugehen. Die beiden Freundinnen rechnen sich aus, wie viel sie so nebst ihrem Studium dazu verdienen können, bei jeder dürften es monatlich 2000 Euro werden, macht zusammen 4000 Euro. Das ist sicher nicht zu verachten.

Der Film fängt mit einem Fotoshooting mit einem vollbusigen Weib an, der Fotograf schreit, give me your tits (die hat echt beachtliche Möpse), open your legs. Die beiden Freundinnen müssen erst einen Fragebogen ausfüllen, Lieblingsküche? Beim Essen kannst die Wahrheit sagen, meint die Freundin. Bei den Antworten zu anderen Fragen sind gelegentlich Erfindungen hilfreich. Lea studiere Jus, das gibt sie zumindest an.

Die Fotografie ist sehr stilvoll, auch die Innenräume sind es, nüchtern, elegant, nie überfüllt, eher klinisch rein weder dirty, herausgehoben aus der Gebrauchsalltäglichkeit. Damit wird das Thema auf die Ebene einer schön fotografierten Hochglanzzeitschrift erhoben. Da gehören auch einige Weisheitssätze dazu, Motto für Nutten, jede braucht eine Geschichte (egal welche) und Parfüm und Body-Lotion sollen eine Marke sein, denn ein Geruch gleich eine Geschichte, alles andere verwirrt die Männer. Die Zielgruppe des Filmes dürften demnach eher die Männer sein. Die beiden Freundinnen meinen, Männer kommen und gehen, aber wir zwei sind Königinnen.

Sabine Derflinger schneidet jetzt hintereinander diverse Begegnungen der beiden Frauen mit ihren Kunden. Die Männer, man sieht sie durchaus nackt samt Schniedelwutz, sind nun nicht gerade Prachtsexemplare. Einer ist sogar Professor an der Uni. Sie haben ihre diversen Wünsche. Der Professor trägt einen Stickerei-Büstenhalter und Strapse. Die üblichen Programme halt. Aber beim Escort-Service Wien, da geht’s nicht ums Gesicht, da geht’s ums Package. Der Professor referiert an der Uni über das Alte Testament, über Susannes Wahl zwischen Ehebruch und Todesurteil. Babylon.

Lea möchte übrigens Schauspielerin werden. Aber sie wird beim Vorsprechen nicht genommen. Ja, der Film ist richtig schön clean, es gibt keinen Schmutz, keinen Dreck. Und wenn sich eine der beiden Frauen einen Pilz geholt hat, dann wird das über einen Besuch in der sauberen Apotheke erzählt. Kunst kommt vor im Film, eine Bildbesprechung einer Jesus-am-Kreuz-Szene mit Maria-Magdalena mit dem offenen Haar und dem Ausschnitt drauf. Die Frau. Die Nutte. Das Thema geht also quer durch die Kunst und selbst die religiöse Ikonographie.

Im Pater-Noster wird heftig geküsst, im Lift wird gefickt, in der Sauna. Bis Hanna schier zusammenbricht. Denn auch das kann Folgen haben, dass man Sex ohne Kondom macht. Das findet ihr Bekannter, der hinter ihr Geheimnis kommt, heraus und bucht sie für drei Stunden. Für ihn dürfte das eine gewisse Ernüchterung gewesen sein. Für sie aber auch. Einer der Freier, der Bauunternehmer, der die Frauen dann gleich noch an den Vater weiter reichen will, zitiert Dostojewski: Geld ist geprägte Freiheit. Lea erlebt man anlässlich der Hochzeit ihrer Schwester im privaten Familienkreis. Mutter ist stolz auf die Tochter, die sich ihr Studium selbst verdient, sie brauche keine Einnahmen, sie stehe auf eigenen Füssen. Ach Du liebe Muttereinfalt.

Natürlich muss auch eine Szene rein, in der der Freier verlangt, die Nutte solle was Dreckiges sagen, sie solle sagen, sie reiße ihm die Eier aus und die Hand dabei gleichzeitig an seinem „Lumpi“ halten.

Interessant auch die Szene, wie Lea ihrem Bekannten Cliff, der geil wird, erklärt, sie ficke mit jedem, und das sei wohl das, was er wolle und nichts anderes, aber sie nehme Geld dafür. Da steht dann plötzlich so etwas wie ein begossener Pudel vor ihr.
Hauptsache für die beiden Frauen, dass sie ihren Spaß haben.

Dann eine Szene der Vertraulichkeit, die beiden Freundinnen kuscheln sich im Bett aneinander, die eine liest au seinem Buch mit Kochrezepten vor.

Selbst weniger schöne Szenen, wenn zum Beispiel der Bauunternehmern die Ohnmächtige fickt und schlägt, die kommen sehr distanziert, eher im Sinne, dass das auch dazugehört, als anklagend oder vorwurfsvoll rüber. Das gehört zum Geschäft.

Ein geschmackvoller Bilderbogen über die Frau als Nutte, weder verherrlichend (es wird nie gezeigt, was die zwei Frauen mit dem vielen Geld machen, was sie damit verdienen), noch dass sie große Lust an diesem Job hätten; aber auch nicht, dass sie darunter leiden.

So stil- und geschmackvoll die Settings sind, die Szenenextrakte, die Knappheit der Dialoge, so stil- und geschmackvoll sind die Schauspieler ausgewählt und so hat die Regisseurin auch mit ihnen gearbeitet.

Ein geschmackvoller, kulturbeleckter, kurzer Tour d’Horizon über die Frau als Nutte.

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