Die kurze, hemdsärmelige Wäsche fürs Grobe alltäglicher Lebensbewältigungsmodelle mit allerlei Themen, die nicht allzu lebensfern sind. July Delpy hat diesen Film geschrieben, hat die Regie geführt und auch noch die Hauptrolle der Marion gespielt, die einer Fotografin, die einen Beziehungsclinch mit Trennung hinter sich und einen Mann, Mingus und ihren eigenen Sohn neben sich hat.
Ganz früh im Film dürfen wir, das wiederum wird den Co-Produktionsverhältnissen geschuldet sein, Daniel Brühl als Protestler auf einem Baum in Central Park von New York erleben, der Mann der nicht wieder runtersteigen wollte, der als Eichenfee bezeichnet wurde und von dem später in den Nachrichten zu hören ist, dass er runtergestiegen sei, dass er aber nicht fliegen könne. Ein Drehtag für einen Deutschen in einer internationalen Koproduktion, als Koproduktions-Quotendeutscher, damit das deutsche Geld nicht ganz so stupid bleibt.
Die Fotografin erhält nun Besuch aus Frankreich, ihr Vater, ihre Schwester und ihr Ex-Freund reisen an und wenn amerikanische und französische Kulturen aufeinander treffen, so kann es sehr lustig zu und her gehen, vor allem wenn die Regisseurin von ihren Schauspielern eine Art Improtheater zu erwarten scheinet. Das erweckt, weil die Laune zum Spiel sehr deutlich wird, zuweilen den Eindruck eines sehr privatistischen Filmes, der auch dank der Kamera, die sich dokumentarisch gibt, die also tut, als kenne sie das Drehbuch nicht, vielleicht kennen es ja die Schauspieler auch nicht genau und werden einfach in die Szenen geworfen, was der Lebendigkeit keinesfalls Abbruch tut.
An Humor und guter Laune wird nicht gespart. Papa, der Franzose, bleibt schon an der Zollkontrolle stecken, denn er wollte kiloweise französische Wurstwaren in die USA einschmuggeln, bis in die Unterhosen hinein hat er sie verstaut, was beim späteren Verzehr ein leichtes Problem mit der Appetitlichkeit zeitigen könnte.
Ein Film, wie die kleine Wäsche zwischendurch, sich mit dem Gröbsten beschäftigen. Dann ist der störende Ex-Freund mitgekommen, der sich unmöglich benimmt, oder das Töchterchen von Mingus, sieben, das mitten in New York Gras verkaufen will, während der Vater das als Kunstaktion verstanden wissen will, wie hier sowieso vieles als Theater, als Kunst verkauft wird.
Oder man spielt selbiges vor. Ein Film aus heutiger Lebens- Liebes- Erziehungs- und Umweltpraxis. Marion zum Beispiel lügt einer Nachbarin im Lift vor, sie habe einen Tumor, ja, Themen, wie sie das Leben hjer anspült; ein französisiertes Amerikanisch zu hören ist, veri fönni.
Marion erfindet nun spontan, Aufgabenstellung wie im Improtheater, wie kann sie eine sich aufregende Nachbarin los werden, eine, die sich über Gestank und vor allem über Rauch von Shit im Lift aufregt. Der Akteurin fällt im Moment nur besagter Gehirntumor ein, nichtsahnend, dass der Gatte der Dame, die sich beschwert, Arzt ist und kurz darauf in unserer Protagonistenwohnung auftaucht, sich dann aber zum Glück doch mehr für das was unter dem ungemein kurzen Rock der Schwester von Marion zu sehen ist, interessiert als für Röntgen-Bilder und Tumoriges. Abgesehen davon, dass auf den Bildern nicht die Spur eines Gehirntumores zu erkennen ist.
Die äußere Handlung hat eine Foto-Ausstellung von Marion zum Ziel. Bis dahin ist ihr Exgatte wieder nach Frankreich zurückgeschickt worden. Gespräche über die Mikropisse des kleinen Buben, dessen eines Teil, wie die Damen finden, sehr, sehr klein geraten sei. Lustig, lustig. Papa, wenn Du beim Yoga mitmachst, darfst Du nicht furzen. Könnte auch beim Improtheater entstanden sein. Aber hier gibt ja auch keiner vor, große Kunst machen zu wollen, hier soll es lebendig zu und her gehen, hier soll frisch und fröhlich von einem kleinen französisch-amerikanischen Culture-Clash (und nebenbei auch von einem Generationen-Clash) berichtet werden. Und es darf über Kunst philosophiert werden. Das wäre die Message des Filmes von Marion oder von July Delpy, sich die Zeit bis zum Tod wenigstens in Momenten mit beautiful People angenehm zu gestalten. Oder als Kunstaktion, sicher auch als PR-Aktion, will Marion auf der Vernissage ihre Seele verkaufen. Es findet sich auch ein anonymer Käufer
Opa zerkratzt protzige Autos und war wie die Eltern von Mingus, man trifft sich auf der Vernissage, in den 60ern politisch aktiv, die Eltern von Mingus in der Bürgerrechtsbewegung. Gesinnungsgenossen, das verbindet und macht Sinn. Mingus ist übrigens ein Radiomoderator und Redakteur, führt fingierte Interviews mit einem Papp-Obama. Da Marion auf der Vernissage aber gefrustet ist, dass nur ihre Seele und sonst kein Bild verkauft wurde, fetzt sie sich noch mit einem Kritiker, der süffisant anmerkt, das Thema ihrer Bilder gefalle ihm, aber die Umsetzung nicht.
Vincent Gallo heißt der Künstler, der ihre Seele gekauft hat und sie nun nicht mehr zurückgeben will. Aber auch dieses Thema kann man bei der Wäsche zwischendurch nicht weiter vertiefen. Genau so wenig wie das des Verhältnisses von Kunst und Ökonomie. Die Fotos von Marion sind wirklich nichts Besonderes, sie haben was Spontanes, zeigen gerne Menschen oder zwei Menschen Und zu guter Letzt muss auch noch der Reimwitz von Mingus auf Cunnilingus gemacht werden.
Ein frisch-frech-fröhlich-freies Kino, was uns July Delpy hier appetitanregend serviert.

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