L’ Ultimo Terrestre (Fimfest München)
Geschrieben von: Stefe in Allgemein, Film, Filmfest, ReviewNach dem Screening dieses Filmes habe ich mich kurzfristig gefragt, ob ich hier auf einem Filmfest oder auf einem Flohmarkt mich befinde, auf einem Flohmarkt, wo ein wahlloses Kuddelmuddel zu finden ist an einzigartigen, abartigen, fremdartigen und auch nur Gewohnheitsdingen. Nein, wir sind auf einem Filmfest.
Warum dieser Film hier aber gezeigt werden muss, erschließt sich mir nicht. Er hat anfänglich durchaus gewinnende Momente: die Hauptfigur ist ein Kellner, eine eher abstrakte Figur am Rande zum Komiker, der manchmal so schiach schaugt, wie die Bayern sagen würden, der einen verschlossenen Eindruck macht, der seit drei Jahren in einer rein geometrisch anonymen Siedlung wohnt und der in einem Bingo-Lokal arbeitet, wo die Kellner sich einbilden, sie seien hervorragende Kellner à l’Américaine.
In einem anonymen Industriequartier geht unser Kellner aus, er telefoniert, es ist Nacht, kein Mensch unterwegs, man hat den Eindruck, er befinde sich in einer leeren Studiolandschaft oder in einem Bild von Edward Hopper. Aus dem Handygespräch wird klar, dass er mit einer Nutte telefoniert. Sonderbar, ungewöhnlich ist einzig die Räumlichkeit, in der sie ihre Dienste anbietet und wie sie stur seinen Beruf wissen will und das auch mehrfach wiederholt: sie residiert in einem Möbelgeschäft und erzählt auch, wie diese Möbel von ihrem Vater alle einzeln hergestellt worden seien, obwohl das Geschäft doch eher wie so ein Billigmöbelanbieter ausschaut.
Der Geschlechtsverkehr, der Zuschauer bekommt die Vorbereitungen des partiellen Ausziehens bis zur Unterwäsche des Kellners mit und wie er sich dann neben die Dame setzt, findet in einem der Ausstellungsbetten statt. Und das war vorher auch eine Diskussion, in welchem Stil man es treiben wolle. Tja, das war jetzt originell, spleenig, italienisch oder was?
Unser Kellner beobachtet von seinem Reihenhaus aus auch seine Nachbarn. Eine Nachbarin gegenüber hat einen Kerl zu Besuch und nachher ist die weiße Katze tot. Diese in eine Plastiktüte gepackt klingelt der Kellner, der offenbar seine Nachbarn kaum kennt, obwohl er schon drei Jahre hier wohnt, bei einigen und fragt, ob sie eine Katz vermissen. Aber bei der Frau klingelt er nicht.
Unvermutet stellt sich auch heraus, dass der Kellner aus ganz irdischen Verhältnissen kommt – obwohl schon am Radio von einer Landung von Außerirdischen gesprochen worden ist – denn er besucht seinen Vater auf dem Lande, der in einer ungraphischen, uncleanen Umgebung wohnt, entlegenes Einzelgebäude mit viel halbverwahrlostem Umschwung. Der Vater wird bald Besuch von einem Außerirdischen erhalten. Und der oder die wird auch bei ihm schlafen und kochen und servieren.
Und weil der Kellner eine Freundschaft zu einem Transvestiten hat, wollen seine Kollegen dem Americano mit diesem Transvestiten, von dem sie ihn als von einer Nutte erzählen, einem Kollegen einen Streich spielen, den sie auch mit Handykamera filmen. Dieser Streich wird sehr irdisch, sehr blutig enden. Aber am Schluss dann gibt’s doch keine Leiche. Denn eine Gruppe der Außerirdischen hat sich des Opfers angenommen.
Ich weiß nicht recht, vermutlich ist dieser Film ein Liebhaberprojekt von Gian Alfonso Pacionotti, der das Buch nach einer eigenen „Graphic Novel“ geschrieben und dann inszeniert hat; er ist sonst Comic-Autor mit dem Künstlernamen Gipi. Vielleicht muss man Comic- oder Italien-Kenner sein, um diesem Film etwas abgewinnen zu können.
An einem Filmfest und in einer Demokratie steht es natürlich jedem/jeder frei, sich an so einem Film zu ergötzen.

Einträge (RSS)