17 französische Schulmädchen werden an der französischen Atlantikküste schwanger. Das wird so leicht hingepinselt wie ein Aquarell. In Frankreich sind oft auch kleine Filme, die überhaupt keine Meisterwerke sind, bemerkenswert. Vielleicht allein wegen der Haltung der Franzosen und der französischen Filmemacher zum Kino. Die beiden französischen Filmemacherinnen Delphine und Muriel Coulin haben sich von einer Geschichte aus den USA inspirieren lassen.

Allein wie sie ihre Mädchen in den ersten Szenen schildern – die Autorinnen interessieren sich nicht besonders darum, eine stringent von A bis Z gebürstete Geschichte zu präsentieren – egal, was die Mädchen tun, ob sie schwimmen, sich im Sanitätszimmer untersuchen lassen müssen, ob sie rumhängen, ob die Mutter sich mit der Tochter beim Wäschezusammenfalten kabbelt, ob die Mädels sich mit Marienkäfern am Wasserrand beschäftigen, wie die dort den Tod suchen würden: es liegt Empfängnis in der Luft, wie es wohl eher selten in einem Film zu sehen ist. Diese Filmluft vibriert vor Empfängniserwartung. Denn die Macherinnen konzentrieren sich auf den Kern ihrer Geschichte: dass 17 Schulmädchen beschlossen haben, schwanger zu werden. Dass das ihr eigener Wille sei und dass ihnen da niemand drein reden könne.

Die Männer spielen für die Mädchen nur ganz am Rande eine Rolle. Diese interessieren sich lediglich für die Schwangerschaft und weder für Beziehung noch für Liebe. Sie wollen Schwangerschaft erleben. Natürlich muss man sich dafür für kurze Zeit einen Kerl angeln. Das wird auch in ein zwei Fällen so ganz nebenbei gezeigt. Und selbstverständlich können die Schwangerschaften nicht unentdeckt bleiben. Die Schwangerschaften halten die Mädels zusammen. Sie träumen von einer Grossfamilie, von Unabhängigkeit. Denn pro Kind kriegt man so und so viel Geld. Das müsste zu machen sein. Das ist natürlich vom realistischen Standpunkt her gesehen unrealistische Träumerei. Denn im „richtigen“ Leben ist eine Schwangerschaft eben nicht und nie isoliert zu betrachten.

Je weiter der Film und damit die Schwangerschaften fortschreiten, desto mehr weicht dieses ungeheure Gefühl der Unbändigkeit und des einzigen Existenzsinnes der Bereitschaft zur Schwangerschaft dem Gefühl mit dem dicken Bauch, Ultraschalluntersuchungen, oder vorher Einkaufen von Schwangerschaftsteststäbchen.

Der Film ist vielmehr eine Collage von vielen, vielen Szenen aus dem Leben dieser Mädchen, es kommt auch Weihnachten vor, mal ein Gespräch mit einem Freund, die Mädels diskutieren die Namen, die sie den Kindern geben wollen, eine nimmt Fahrstunden, es gibt aber auch einen Elternabend an der Schule, die Schulleitung ist nicht begeistert von der Schwangereninvasion, nein, gar nicht entzückt, aber das kann den jungen Frauen in ihrem Abenteuer am Ohr vorbei pfeifen, denn „wenn man immer nur auf Erlaubnis wartet, tut man nie was“. Sie fahren im Auto, singen ein Lied von Schokolade, Heroin und Wodka, sind sehr aufgedreht, spielen am Strand mit einem Feuerball.

Es schleichen sich auch dunklere Töne in den Film. Einerseits kann dieser Film gesehen werden als ein Loblied auf die Unabhängigkeit, die diese jungen Frauen zelebrieren, die Unangepasstheit; kann aber mit dem weiteren Verlauf des Filmes doch genau so gut interpretiert werden als ein Mahnung, diesen Regungen nicht allzu sorglos nachzugeben.

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