Tibet-, Frauen- und Mutterschaftssehnsüchte gepaart mit Sehnsucht nach Mitleid für unterdrückte Menschen scheinen sich in diesem Film von Maria Blumencron nach der Methode „wahre Geschichten muss man umschreiben“ artikulieren zu wollen.

Zwei Geschichten müssen zur Beschreibung dieser Gefühle herhalten.

Zum einen eine Art Kinderabenteuerfilm, der zwar unter der Prämisse „Flucht aus Tibet“ steht mit ganz unzimperlichen Politik- und Natureinflüssen, aber meist lachen die Buben doch, so als hätten sie mächtigen Spass an den Dreharbeiten oder als wollten sie der Regisseurin gefallen. In diesem Geschichtsstrang geht es darum, den „Golden Boy“, der zum nächsten Dalai Lama ausersehen ist, aus dem von den Chinesen okkupierten Land zu bringen. Diese spielen die Schurken in dem Stück, sind einerseits recht freundlich zur Hauptfigur der anderen Geschichte, können aber auch ganz rabiat und herzlos foltern.

Die andere Geschichte ist die einer suchenden jungen Frau (Hannah Herzsprung als Johanna), einer Deutschen die weder Mann noch Kind hat, und die in Richtung Himalaya und Tibet unterwegs ist aus durchaus diffusen Gründen. Ihre Mutter war, wie sie erzählt, Extrembergsteigerin, zum anderen hat sie eine Art Erweckungserlebnis, wie sie in eine Gletscherspalte fällt und darin zwei tote Kinder findet. Sie fühlt plötzlich Mutter-, Beschützer- und Verantwortungsinstinkte in sich erwachen und die Gelegenheit dazu in Form der anderen Geschichte kommt ihr gerade recht.

Die beiden Geschichten greifen jetzt ineinander oder vagieren nebeneinander her. Plötzlich findet sich Johanna in einem flohbestückten Hotelzimmer mit einem Spielkameraden vom Golden Boy, der in der Anfangsszene des Filmes drachenspielend auf einem Dach angeschossen worden ist, weil er von den Chinesen für den Golden Boy gehalten wurde. Nebst Flohstichen beschäftigt Johanna auch die Wunde vom sehr glücklichen Streifschuss an der Stirn direkt am Gehirn vorbei. Später im Film, wenn sie dem Jungen wieder begegnet, wird sie glücklich feststellen können, dass beider Flohstiche verheilt sind.

Diese beiden ineinandergreifenden und auseinanderdriftenden Geschichten werden zusammengehalten durch die wunderbare Kamera von Jörg Schmidt-Reitwein, der uns später, wie das Drehteam in die Schweiz übergesiedelt ist, noch eine Schneesturmszene schenkt, die an „Die weiße Hölle vom Piz Palü“ von Arnold Fanck erinnert. Wobei die Darsteller allerdings noch ein Mü authentischer wirken, wenn sie wirklich am Himalaya auf 4000 Metern Höhe oder mehr drehen und nicht in der im Vergleich dazu gemütlichen Schweiz.

Stichworte: Razzia, Flüchtlingstrecks in Schneegebirge, Zug mit Tragesänfte mit dem Golden Boy drin, Wildwest-Polizistenmord in Selbstjustiz, Statement von Schmuggler, der keine Arbeit mehr hätte, wenn Tibet ein freies Land wäre.

Hinterlasse einen Kommentar

XHTML: You can use these tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>