Archiv für 31. Mai 2012

Tibet-, Frauen- und Mutterschaftssehnsüchte gepaart mit Sehnsucht nach Mitleid für unterdrückte Menschen scheinen sich in diesem Film von Maria Blumencron nach der Methode „wahre Geschichten muss man umschreiben“ artikulieren zu wollen.

Zwei Geschichten müssen zur Beschreibung dieser Gefühle herhalten.

Zum einen eine Art Kinderabenteuerfilm, der zwar unter der Prämisse „Flucht aus Tibet“ steht mit ganz unzimperlichen Politik- und Natureinflüssen, aber meist lachen die Buben doch, so als hätten sie mächtigen Spass an den Dreharbeiten oder als wollten sie der Regisseurin gefallen. In diesem Geschichtsstrang geht es darum, den „Golden Boy“, der zum nächsten Dalai Lama ausersehen ist, aus dem von den Chinesen okkupierten Land zu bringen. Diese spielen die Schurken in dem Stück, sind einerseits recht freundlich zur Hauptfigur der anderen Geschichte, können aber auch ganz rabiat und herzlos foltern.

Die andere Geschichte ist die einer suchenden jungen Frau (Hannah Herzsprung als Johanna), einer Deutschen die weder Mann noch Kind hat, und die in Richtung Himalaya und Tibet unterwegs ist aus durchaus diffusen Gründen. Ihre Mutter war, wie sie erzählt, Extrembergsteigerin, zum anderen hat sie eine Art Erweckungserlebnis, wie sie in eine Gletscherspalte fällt und darin zwei tote Kinder findet. Sie fühlt plötzlich Mutter-, Beschützer- und Verantwortungsinstinkte in sich erwachen und die Gelegenheit dazu in Form der anderen Geschichte kommt ihr gerade recht.

Die beiden Geschichten greifen jetzt ineinander oder vagieren nebeneinander her. Plötzlich findet sich Johanna in einem flohbestückten Hotelzimmer mit einem Spielkameraden vom Golden Boy, der in der Anfangsszene des Filmes drachenspielend auf einem Dach angeschossen worden ist, weil er von den Chinesen für den Golden Boy gehalten wurde. Nebst Flohstichen beschäftigt Johanna auch die Wunde vom sehr glücklichen Streifschuss an der Stirn direkt am Gehirn vorbei. Später im Film, wenn sie dem Jungen wieder begegnet, wird sie glücklich feststellen können, dass beider Flohstiche verheilt sind.

Diese beiden ineinandergreifenden und auseinanderdriftenden Geschichten werden zusammengehalten durch die wunderbare Kamera von Jörg Schmidt-Reitwein, der uns später, wie das Drehteam in die Schweiz übergesiedelt ist, noch eine Schneesturmszene schenkt, die an „Die weiße Hölle vom Piz Palü“ von Arnold Fanck erinnert. Wobei die Darsteller allerdings noch ein Mü authentischer wirken, wenn sie wirklich am Himalaya auf 4000 Metern Höhe oder mehr drehen und nicht in der im Vergleich dazu gemütlichen Schweiz.

Stichworte: Razzia, Flüchtlingstrecks in Schneegebirge, Zug mit Tragesänfte mit dem Golden Boy drin, Wildwest-Polizistenmord in Selbstjustiz, Statement von Schmuggler, der keine Arbeit mehr hätte, wenn Tibet ein freies Land wäre.

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Ein Tabu-Thema tabulos zu behandeln, das scheinen sich die Autorin Ursula Mauder und der Regisseur Christoph Stark vorgenommen zu haben. Die Geschwisterliebe dargestellt als normale Beziehungskiste mit Seitensprungqualität. Es ist insofern keine gewöhnliche Geschwisterliebe, als es sich bei den handelnden Personen um Prominenz handelt, um literarische Prominenz. Georg Trakl und seine Schwester, die ficken hier mehrfach miteinander, tabulos, wie die Filmemacher vorgeben. Das wäre vielleicht recht apart, wenn dafür schöne, erotische Körper ausgewählt worden wären, vor allem hinsichtlich des männlichen Darstellers wären da noch Wünsche übrig, die Frau, die passt schon auf die Leinwand.

Aber vielleicht ist mal wieder die Degeto schuld, die die Finger mit im Spiel hat und einmal mehr den Versuch startet, großes mainstreamtaugliches Bildungskino zu machen.

Die Darsteller sprechen miteinander so, als wären sie auf der Bühne, sehr deutlich, sehr prononciert, damit auch die hintersten Ränge es verstehen, einzig Trakl macht ein zwei Ansätze zum Mikrosprechen – als gäbe es noch keine hochempfindlichen Richtmikros oder Mikroports.

Das Drehbuch reiht wie eine Chronik Szenen aus dem Leben von Georg Trakl und seiner Schwester und deren Liebe aneinander. Es gibt, stöhn, einmal mehr im subventionierten deutschsprachigen Kino, was ja die große Chance fürs Kino wäre, nicht den subjektiven Point of View einer Figur, keine Identifikationsmöglichkeit mit der Hauptfigur noch mit irgend einer Nebenfigur. Der Film betreibt Themenkino.

Der Film setzt irgendwann im Leben der Familie Trakl, die nicht in Wien wohnt, ein. Ein bürgerliches Haus, es gibt Gesellschaften. Man ist gebildet. Georg lebt schon in Wien. Was er genau macht, ist nicht klar, denn den Durchbruch hat er noch nicht, da ist er weit davon entfernt. Weiteres Bruchstück aus dieser Geschichte: Seine Schwester Grete darf zuhause dem Herrn Komponisten und Musikprofessor Brückner aus Wien vorspielen und er nimmt sie in ihre Klasse auf. Die Mutter ist dagegen und soviel zu sehen ist, tut sie so, als sehe sie die Geschwisterliebe nicht.

Der Film verzichtet allerdings auf die Möglichkeit, in einer Nahaufnahme einen inneren Monolog der Mutter, zum Beispiel nach einer Begegnung von Sohn und Tochter, und, was im Film möglich wäre, zu zeigen, wie sie darüber denkt. Da bräuchte es nicht einmal einen sprachlichen Text dazu. Aber die kinofernen Macher verzichten auf solche Reaktionen, die für ein zentrales Verhältnis in einem Film unbezahlbar sind, weil sie es in einem bestimmten Licht erscheinen lassen.

Grete geht nach Wien, sehr deutlich inszeniert ist der Vorfall, dass sie den Anfang ihres Studiums bei Professor Bruckner verpasst, weil sie mit ihrem lange nicht gesehenen Bruder in innigen Liebesszenen zugange ist. Allerdings scheint mir gerade eines zu fehlen in diesen Liebesszenen, was sie vielleicht einzig prickelnd machen könnte, das ist doch der von Geburt auf vertraute Umgang von Geschwistern miteinander. Darauf scheinen weder die Akteure noch die Regie ein besonderes Augenmerk geworfen zu haben.

Der Professor weist seiner Schülerin erst die Tür, sie habe die Einschreibung verpasst, und dann, das ist recht stereotyp inszeniert, dass erstens Grete was Besonderes sei, nicht wegen der Geschwisterliebe, das hätte ja Reiz, sondern wegen musikalischen Genies und sie bittet und bettelt, dass der Professor sie aufnehmen möge. Er nimmt sie, weil er sie für was Besonderes hält, musikalisch.

Zum Darsteller des Professors. Da ist wohl ein Chargenspieler ausgesucht worden, der immer so spricht als sei er ein Subalterner, der jetzt ganz ordentlich und ohne eigenen Geruch oder Couleur was von sich geben dürfe, womöglich ohne Speichel. Eine schlichte Fehlbesetzung meiner Meinung nach.

Trakl veröffentlich seinen ersten Gedichtband. Das wird bildlich verdeutlicht dadurch, dass er große Überseekisten mit Büchern drin durchwühlt und endlich ein Exemplar seines ersten Gedichtbandes findet und stolz ist.

Im Rhythmus von etwa alle Viertelstunde, im Sinne telegener Cliffhänger-Paxis rezitiert der Trackl-Darsteller Trakl-Gedichte, und er tut es mit so getragener Stimme, das Degeto-Publikum wird sich glücklich wie in der Degeto-Kirche fühlen, dass man glaubt ein verehrender Schauspieler würde lesen; wer einmal eine Dichterlesungen erlebt hat, welche Hemmungen so einer mitunter hat, wird sich wundern.

Die Zimmerwirtinnen sind in diesem Film, der sich schwer tut, einen Handlungsbogen zu spannen, auch wichtig. Denn sie dürfen nicht hinter die Geschwisterliebe kommen. Die Wirtin von Trakl, die lässt sich wenigstens bestechen. Es könnte allerdings sein, dass die Zimmerwirtin von Grete einmal gesehen hat, wie Georg von ihr rausgegangen ist. Aber diese Zimmerwirtinnendinge sind so dick aufgetragen, damit ja keinem entgeht, dass hier eine Geschwisterliebe, die im Film noch dazu als hochunerotisch dargestellt wird, auffliegen könne. Statt Spannungsbogen durch eine solide Struktur von Geschichte, die den Konflikt der Hauptperson zur Spannungserzeugung einsetzt, muss also Spannung dadurch gekünstelt werden, dass Zimmerwirtinnen hinter die Geschwisterliebe kommen könnten. Ein eher einfältiges Verständnis von Kinodramaturgie scheint mir.

Ein Szenenfaden ist der mit Ludwig, einem Studienkumpel von Trakl, der ihn vom Koks wegbringen möchte und ihn zur Moral drängt. Mit ihm scheint er auch zu besprechen, wie er es mit der Dichterlesung in Bayreuth bei Wagners auf dem Grünen Hügel halte.

Ferner gibt es diffus dazwischen geschnittene Szenen mit Oskar Kokoschka, dessen Muse abgehauen ist.

Gegen Ende zu lichtet sich der Inszenierungs- und Schnittnebel etwas. Trakl macht eine Lesung in Bayreuth. Dort taucht seine Schwester auf, kurz vor Ende steht sie hinterm spärlichen Publikum und entsprechend bescheidenem Applaus, den Trakl für gigantisch hält. Wie die Blickfolge der beiden, wie er sie sieht, abläuft, das ist auch so was von vorhersehbar und dazu noch schwerfällig inszeniert; nie davon gehört hat, wie schnell ein Augenschlag sein kann. Hier kann man im Kinofoyer gefühlt noch eine Tüte Popcorn holen bis diese schwere Aktion vorbei ist.

Es gibt dann wieder eine Szene, wie sie halbangezogen vor einem Spiegel steht und sich eine Zigarette anzündet – überhaupt rauchen die soviel, das dürfte der historischen Genauigkeit geschuldet sein, während das Hauptthema „Tabu“ gleich vollkommen durch die Enttabuisierung weggeholzt worden ist, also man kapiert nicht, wie lange sie vorm Spiegel steht, denn es gab keine besonders emotionale Szene vorher, die sie hätte verarbeiten müssen, zumindest zeigt das das Kino von Christoph Stark-Degeto nicht. Ja, dann kommt, kommt der Bruder und es wird wieder gefickt, gefickt, gefickt.

Die Storyline, die geht dann so weiter, sie ist schwanger, das hat sie vorher auf dem WC sitzend mit dem Messteil im Mund herausgefunden. Vorher gabs noch ein Gespräch mit ihrem Mann in ihrer weißen Villa vor einem Fenstergeländer und die haben darüber geredet, dass das mit den Kindern halt dauern kann.

Eine Zeitorientierung gibt’s nirgends in diesem Film, also schwanger, sie kommt einmal mit einem Korb mit Maiskolben unbekannter Herkunft (das war ganz gewiss die Requisite!) drin, es gibt null Handlungszusammenhang, warum sie das bräuchte, da bricht sie zusammen und stolpert.

Sätze: „Stell mich nicht bloss vor den Leuten, er dirigiert das Auftragskonzert“.
Professor Brückner, Degetosatz: „Ihre Technik ist brilliant, aber es ist das Herz, was sie über andere hinaushebt.“
Zu Georg: „Dein Vater hat auf Dein Vordiplom gewartet. Und jetzt, Du hast ihn ja gesehen.“

Sie: „Ich kann nicht bis zum Winter warten.“
Degetosätze: „die sind alle verkauft … Heute lesen die Leute auch jeden Schund“ (einen ähnlichen Satz hatten wir neulich schon bei der Literaturverfilmung von Kehlmanns „Ruhm“).

Closzene und Schwangerschaftstest und Arschfick. Sie zeigen genau das, was ein Tabuthema langweilig macht.

Trakl: “das darf nicht sein. Das ist die größte Sünde“
Über die wahre Vaterschaft: Grete über Brückner: „Er weiß es nicht, er darf es nicht wissen“.

Brückner zu Trakl: „Sie haben sie mir doch nur geliehen“.

Überschminkt-verschwitzte Gesichter beim Gespräch Trakl/ Brückner
„Sie sind ein Monster“
Degeto-Satz von Grete: „Egal was ich mache, ich kann immer nur verlieren“.

Eindrücklich: die Autoreifenspuren eines modernen LKWs im Rasen vorm Haus von Prof. Brückner.

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Das ist zweifellos alles ganz seriös gemachte Action und wer Action mag, bekommt auch die Action geboten und die seriösen oder auch sehr grob skizzierten Gangstergesichter, die Anzüge, die Krawatten, die Limousinen, die Schusswechsel, die passende Buntheit, die New York als Hintergrund bietet, Clubs und Salons, Hotels, und ein kleines Chinesenmädchen, das für diverse Mafia-Gruppierungen, egal ob russische, chinesische oder halbseidene Cops aus den Staaten, deshalb von Interesse ist, weil es ein Mathegenie ist, das sich die längsten Zahlenreihen nach nur einem kurzen Blick drauf merken kann; was, wenn es sich um den Code zur Öffnung eines Safes handelt, in dem 30 Millionen in Bar liegen, durchaus von Interesse sein kann.

So ein Bijoux von Mädchen soll man nicht allein in einer großen Stadt wie New York lassen. Zu leicht gerät es in Gangsterhände. Es in Gangsterhänden zu sehen, macht jedoch nicht glücklich. Da es aber schnell von Begriff ist nicht nur in Zahlendingen, hat es auch sofort kapiert, was „Geschäft“ ist und was das so alles mit sich bringt. Und nutzt die erstbeste Schießerei um abzuhauen.

Da wir das Mathemädchen nicht lange allein in New York umherirren lassen wollen, so haben wir auch noch den Actionhelden Jason Statham engagiert, der hier Luke Wright spielt, und im Moment nicht gerade in bester seelischer Verfassung ist. Eben ist ihm von den Hintermännern eines gekauften Boxkampfes, den er gegen die Verabredung nicht verloren hat, vorgeführt worden, dass sie seine Frau erschossen haben, er musste so wie die Kardinäle vorm Papst vor den Ganoven niederknien. Aber sie fanden es lustiger, ihn gedemütigt am Leben zu lassen, um ihn weiter schikanieren zu können. So ist er in gewisser Weise auch ein alleiniges Mädchen, was die Seelenverwandtschaft betrifft und, da kennt eine logische Dramaturgie keine Gnade, lässt die beiden verlorenen Seelen aufeinander stoßen.

Wobei Statham inzwischen einen Heldentypus entwickelt hat, dem die Seriosität, dass er ein ehrlicher Held sei, auch noch in der beschissensten Situation anzusehen ist; nie würde man Mitleid mit ihm bekommen; das erlaubt sein inneres schauspielerisches Need keinesfalls. Immer strahlt er aus, dass er an die Sinnhaftigkeit seiner Figuren glaubt. Immer strahlt er aus, dass er die Sache, auch die Erniedrigung im Griff habe. Dass ihm mal etwas entgleitet, das könnte so eine Figur nie zulassen, ich meine, echt entgleitet, so dass im Zuschauer die bange Frage entstünde, hm, wie wird er da wohl wieder raus kommen.

Er kommt hier dadurch raus, dass er durch das Mädchen immer tiefer hineingerät in die Machtspiele um die Zahlenkombination und um eine geheime CD mit verräterischen Daten über Triadenhandel und –wandel.

Statham wird also dadurch, dass er immer weiter in den Strudel um diese Geheimnisse und die rivalisierenden Gruppen hineingerät, er selber war mal Cop, hat also auch Drähte zu dieser hier auch nicht lupenreinen Seite, dadurch also kann er all seine Actiontalente ausleben. Das ist schon interessant, wie ein erwachsener Mann, zumindest so wie er sich kleidet mit Anzug und Hemd, wenn dieses auch offen und ohne Krawatte und immer piekfeiner Haarschnitt und gut rasiert, wie so einem nichts anderes einfällt, als schnell mal ein paar andere zu erschießen, die selbst auch nicht viel anderes angezogen sind, sogar meist mit dicken Krawattenknoten, und die auch nicht allzu nuancierte Gesichtsausdrücke haben, und genau so schnell um sich ballern, nullkommnichts fangen sie an und an einem Ort voll ruhiger Menschen, ob Hotel oder Club bricht in einem Moment die große Panik aus. Das setzt ein Gerenne. Also alles äußerlich Gentlemen aber sie haben nicht viel anderes im Sinne, als rumzuballern und hinter einigen Geldscheinen, die in einem Safe drin sind, her zu sein. Ziemlich einfach gebaute Gemüter also. Vielleicht ist das das Entlarvende an diesem Genre. Weil wie würde das aussehen, wenn diese Akteure nicht so fein angezogen wären?

Das ist vielleicht dieser Widerspruch: aussehen tun alle diese Gangster, auch der ehrliche Hauptheld, wie seriöse Geschäftsleute oder Politiker, aber verhalten tun sie sich alle durchs Band wie Selbstjustizler, primitiv gleich zur Knarre greifen. Ein merkwürdiges Menschenbild. Denn der Hauptheld möchte Vorbild sein. Er ist einer, der sich zu wehren weiß. Und will durch die vom Buch her gegebene Verzweiflung noch klarer herausstellen, was für ein toller Kerl er doch ist, der sich eines solchen Mädchens annimmt. Strahlt dazu noch Sendungsbewusstsein aus. Er müsse der Menschheit diesen Typen vorspielen. Was soll diese von ihm lernen bittschön? Ehrlichkeit? Wer ehrlich ist, darf gerne Unehrliche abknallen? Ist der Actionheld á la Statham, wie er hier vorgeführt wird, überhaupt noch zeitgemäß? Reicht es aus, ihn erst kurz auf den Knien zu zeigen, um dann die ganze alte, ausgebeulte Ballerei damit zu rechtfertigen?

Buch und Regie: Boaz Yakin

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Ein mächtiges Monumentalgemälde, wert im Grimmschen Vatikan aufgehängt zu werden, falls es einen solchen gibt, geben sollte.

Wie die Amis es so halten, sonst wären keine zwei Stunden aus einem kurzen Grimmschen Märchen zu machen, angereichert oder geräubert aus x anderen Geschichten, an Herr der Ringe erinnert der Film, im „Dark Forest“ erinnert Schneewittchen, wenn ihr Haupt von Schlangen umringt ist, an das Medusenhaupt und wenn sie das Reiterheer zur endgültigen Schlacht gegen die böse Königin mit Ritterrüstung anführt, so muss man unweigerlich an Jeanne d’Arc denken.

Eine Gagdoppelung gibt es, der an die kürzliche „Spieglein Spieglein“-Verfilmung ebenfalls aus Hollywood erinnert: die Zwerge hier haben die genau gleiche Methode, Menschen zu fangen und ihr Handwerk ist auch das Wegelagern. Hier erwischt es Schneewittchen und den „Huntsman“, den anderen Protagonisten des Filmes, während es beim Spieglein-Film den rettenden König und seinen Knappen am Seil kopfüber hochschnellen liess.

Die Machart ist meisterhaft, hat Staatstheaterklasse von der Schauspielerführung her, auch wie sie sprechen, hat aber alles auch die inhaltliche Schwere des Monumentalen. Man müsste das direkt messen, wie viele Minuten in diesem Film Schlachtengetümmel sind. Auch der Spiegel, der schien mir in der vorhergehenden Inszenierung leichter. Hier schmilzt eine große Edelmetallplatte; aus dem zähen Teig formt sich eine Menschenskulptur, die mit männlicher Stimme zur Königin spricht. Unglaublich monumental, opernhaft.

Überhaupt wurde der Märchen- und Opern- und SciFi-Fundus, den Hollywood zu bieten hat, gründlich geplündert. Kostümschinken könnte er teilweise auch genannt werden. Die prunkvollen Aufzüge am Hof, mit Statisten en Masse. Aber was will die Geschichte uns nun erzählen? Wieso ist die neue Königin verärgert über Schneewittchen. Warum kerkert sie sie ein? Schneewittchen unternimmt auch hier lauter Aktionen, die wenig mit weiblicher Schönheit oder Reinheit zu tun haben.

Sie entflieht dem Kerker und ab durch die Kloake in eine meerumbrandete Felsenwand, und Sprung in die Gischt und ab ans Land: dort wartet schon ein weißes Pferd. Ab durch die Mitte gewissermassen. Bis die Häscher der Königin hinter ihr her sind. Flucht durch den Dunklen Wald, der ein wirklich fantastisches Bühnenbild abgibt. Mythenrankig.

Stellenweise droht die ganze Inszenierung, die Geschichte in der Schwere von Pomp und Prunk und Staatstheatralik schier zu ertrinken. Da war „Spieglein Spieglein“ deutlich leichter. Aber hier ist das Können der Schauspieler vorrangiger, ihre Sprache, ihre Stimmen, ihre Typisierung.

Wobei man über Schönheit nachdenken müsste, ob es nur noch diese hollywoodsch zurechtgerichteten Karriereschönheiten gibt, die so gar nichts Reines mehr haben. Obwohl doch Schneewittchen genauso eingeführt wird  wie bei Grimm, die Königin verliert Blutstropfen, die fallen in den Schnee und dann wünscht sie sich das entsprechend (reine) Kind.

Im Gegensatz zum „Spieglein Spieglein“-Film fehlt hier der Humor. Und ob der Film für Kinder geeignet ist, obwohl doch die Küsse, die zu sehen sind, puritanischer geht’s nicht, ganz sanft nur die Lippen berühren. Oder die böse Königin stürzt sich auf den König, diesen erdolchend, noch bevor Liebe stattfinden kann.

Pomp auch die Kerzen vorm Spiegel, wie ein Altar in einer Kirche.
Das Setting bei der Flucht durch Schlamm und Gewürm lässt momentweise an Hieronymus Bosch denken. Hollywood räubert wie immer, aber was erzählt es uns Neues mit diesem eklektischen Verfahren?

William mit Pfeil und Bogen wie Wilhelm Tell oder der Huntsman mit der Axt (die Axt im Haus erspart den Zimmermann).

Inszenierung ist fesselnd gemacht, die Ausstattung auch, auch das vergessene Fischerdorf, wie ein Pfahlbaudorf. Hollywood scheute keinen Aufwand, keine Kosten, um uns was zu erzählen?

Es geht um einen ganzen Themenmix, um Treue und Verrat, um Liebe, um Gerechtigkeit, sogar Rache am Vater und auch um die Selbständigkeit der (Schneewittchen)Frau. Folksmusik im Zwergenland.
Szene im Birkenwald, William und das schöne Schneewittchen: Love always betrays us.

Die flammende Schneewittchen-Rede nach der Auferstehung, die wieder an Jeanne-d’Arc erinnert oder pompös gotisch die Aufbahrung in der gotischen Kathedrale.

Endet als schweres Schlachtengemälde, das sich zum Teil in reinen Effekten auflöst.

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Der Titelzusatz dieser Dokumentation über den Künstler Mark Lombardi „Kunst und Konspiration“ scheint mir nicht das zu treffen, was nachher im Film zu sehen ist.

Nie ist davon die Rede, dass Lombardi sich irgendwie konspirativ verhalten würde. Er war ein hellwacher Rechercheur von Finanzbeziehungen zwischen Banken, Politik, Terrorismus. Er hat sich öffentlich zugänglicher Informationen bedient, das Internet spielte zu seiner Zeit noch kaum eine Rolle. Er hat seine Erkenntnisse zuerst eifrig auf Karteikarten gesammelt und sie dann in Form von bestechend schönen Graphiken dargestellt.

In einem Kreis steht zum Beispiel von Hand geschrieben der Name George W. Bush. Vom Kreis aus gehen verschiedene gebogene Linien zu anderen Kreisen mit anderen Firmennamen, mit Bankennamen. Es gibt verschiedene Arten und Richtungen der Linien. Je nachdem, was zwischen den Figuren am Ende passiert ist. Ob kurz vor einem Firmenzusammenbruch noch massiv Aktien abgestoßen worden sind, wie es bei Bush Junior mehr als einmal zu lesen ist.

Kurz vor dem Attentat von 9/11 hat Lombardi sich in seinem Atelier in New York erhängt. Es gibt Verschwörungstheorien. Viele zweifeln daran, dass es sich um einen freiwilligen Freitod gehandelt habe. Aber so genau geht der Film dieser Frage nicht nach. Er zitiert Galeristen, die sich wunderten, dass nach seinem Tod sich plötzlich Geheimdienste nicht nur für seine Zeichnungen, sondern auch für seine Karteikartensammlungen interessierten.

Zur Dokumentation selbst. Sie bringt diese Informationen über den Künstler. Man bekommt von ihm das Bild eines sehr wachen Mitbürgers, der die Gegenwart sehen wollte, der wahrnehmen wollte, was sich tut auf der Welt. Es gibt Archivaufnahmen von ihm, wie er seine Zeichnungen macht; er gibt einige Auskünfte.

Sonst ist es der übliche TV-gängige Interviewmix, Vater und Mutter, Geschwister, andere Künstler, Galeristen, Kunstexperten und –funktionäre geben ihre Statements ab. Da die alle unglaublich ruhig und brav sind, wird ein erschütternder Gegensatz zum hellwachen Mark Lombardi markant und der Film mutiert unfreiwillig zu einer Doku über einen netten, schläfrigen Kunstbetrieb. Wie weltfremd doch diese Galeristen, Kunstexperten, Kunstfunktionäre sich verhalten im Gegensatz zum weltneugierigen, wachen, offenen Künstler Mark Lombardi.

Mareike Wegener, die Dokumentaristin, scheint dies jedoch nicht bewusst eingesetzt zu haben, sondern eher durch eine gewisse, fast möchte ich sagen, untertänige Haltungslosigkeit dem Objekt ihrer Neugierde oder Verehrung gegenüber. Eine liebe, nette Doku fürs Nachmittagsfernsehen konzipiert und wohl nur dort zu verwenden. Im Kino dürfte die Energie nicht mal für eine Sonntagsmatinee taugen.

Die müden Kunstverwalter. Keine cineastischen „Grandes Machines“, wie das größte Bild von Lombardi von einem Experten genannt wird. Abseits vom Thema kommt die kleine Geschichte aus der UN vor, wie die das Bild „Guernica“, von Picasso eine wahrhaftige „Grande Machine“, zwengs der Irakkriegserklärung mit Stoff zugehängt haben.

Ein bescheidenes Filmlein. Über einen spannenden Künstler.

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Der Film ist das amerikanische Remake des gleichnamigen, französischen Filmes derselben Autorin und Regisseurin Lisa Azuelos, bei der Bearbeitung für das Buch hat ihr Kamir Ainouz geholfen.

Im französischen Original von 2009 hatte Sophie Marceau die Mutter gespielt, hier wurde sie herber mit Demi Moore besetzt, was vielleicht ganz signifikant ist für den Unterschied der beiden Fassungen. Im Original dominierten noch Charme und Kurzatmigkeit, welche wohl mit Tempo verwechselt worden ist. Hier ist gründlich über den Stoff gegangen worden und wie mir scheint, hat die Autorin/Regisseurin diesmal den Stoff gezielt auf ein Feel-Good-Movie zum schnellen Ablachen getrimmt, ohne Rücksicht auf Charme, Story oder Charaktere.

Da die Klasse diesmal in Amerika lebt, geht der Schulausflug nach Frankreich und die Franzosen werden extrem karikiert. Eine französische Gastgeberfamilie ist Jeanne-d’Arc-Fan, überall hängen Portraits der Heldin, im Flur steht eine Ritterrüstung, das kleine Mädchen heißt Jeanne und ist nach dem Portrait der Heldin frisiert, eine Heizung scheint es in dem Haus nicht zu geben, was die Girls zu dem Kommentar veranlasst, hier sei alles so wie bei der Heldin, und eine Heizung sei ja wohl nicht nötig, denn sie habe doch den Scheiterhaufen gehabt. Dies vielleicht ein gutes Beispiel, wie hier der Humor um des Humors willen eingesetzt wurde.

Die Story geht um Coming-of-Age, es geht um das erste Mal, die Verliebtheit in den Mathe-Lehrer oder in diesen oder jenen Lümmel, der eine scheint mir eine recht aufgespritzte Lippe zu haben und macht Musik dazu.

Die Szene mit dem Mathelehrer, wie Emily diesen anhimmelnd vor ihm steht und er in einen Apfel beißt, und das Crack-Geräusch dazu, ziemlich wenig subtil, ziemlich überdeutlich. Sozusagen kleine Gags auf die Spitze getrieben, kleine Witze groß gemacht.

Auch die Psychiatrin ist wie aus einem Karikatur-Album, die immer nur ähäm sagt, was die Patientin, die Mutter von Lola ziemlich nervt. Viel Raum braucht auch der kleine Gag mit der Frage nach dem Nachfolger des amerikanischen Präsidenten Jimmy Carter, die Lehrerin versucht zu helfen, Ro, Ro, Ronald… und die Schülerin antwortet Ronald MacDonald.

Die erwachsenen Männer, bis auf die beiden schnuckeligen Lehrer (der Mathelehrer und der Antidrogenlehrer), die sind alle wie Dumpfbacken gezeichnet. Die erwachsenen Frauen, andere Mütter oder Lehrerinnen, dürfen nie weniger herb als Demi Moore sein.

Typische Teenie-Bemerkung über eine dicke Mitschülerin: dieser Arsch ist ein Fulltimejob für sie. Hier geht man lieber über die Essenz der Story für eine Pointe. Auch die Oma ist eine reine wie in Stein gehauene Karikatur, die zuviel Alkohol trinkt, wie LOL während der Abwesenheit von Mutter zuhause Party macht.

Der Spielort ist Chicago und die Auslandsreise geht nach Paris. Beim ursprünglichen Film ging es von Paris nach London. Es gibt auch ein Kapitelunterteilung. Die erste Stunde läuft unter „1. Halbjahr“ und die letzten knapp vierzig Minuten unter „2. Halbjahr“. Auch der Vater von Kyle ist grobschlächtig gezeichnet, wie er dem Sohn die Gitarre zertrümmert. Und wie er dann beim Konzert am Schluss im Saal auftaucht und plötzlich strahlt, nun, das ist doch ziemlich billig. Der Film ist gegenüber dem Vorbild handwerklich besser gearbeitet, aber ob die Verbesserungen da stattgefunden haben, wo der Film hätte gewinnen können, bleibt zumindest eine offene Frage.

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Ein genüsslicher und gekonnt gemachter Untergangsfilm. Ein Film fesselt mich immer dann, wenn die Struktur des Erzählten wie eine Folie auf meine Erfahrungs- und Erlebniswelt übertragbar ist, wenn sie möglicherweise hier etwas sichtbar machen kann. Egal in welchem Jahrhundert, in welcher Weltgegend der Film spielt. Die Franzosen können das einfach.

Jetzt machen wir mal wieder einen Film über die französische Revolution, um die vier Tage um den Sturm auf die Bastille, wird sich Benoit Jacquot, der Autor und Regisseur gesagt haben. Diesmal, weil es das Tagebuch gibt von Sidonie Laborde, „dem Landei aus verarmtem“ Adel, das seit vier Jahren am Hofe von Louis XVI im Hofstaat von Marie-Antoinette, einer Rolle wie für Diane Kruger auf den Leib geschrieben, als Vorleserin und Lieblingszofe von Marie-Antoinette dient. Ihre Sicht auf Welt und Hofstaat ist eine wache, unvoreingenommene, aber ihre Haltung ist voller Gehorsam und Disziplin.

Der Film fängt am 15. Juli 1789 an und hört am 17. Juli wieder auf. Er fängt also am Tag des Sturms auf die Bastille an. Bis die Nachricht sich ins ausladende Schloss Versailles fortgepflanzt hat und in den innersten Gemächern angekommen ist, das dauert. Hier geht vorerst das höfisch exakt austarierte Leben seinen Gang als sei nichts geschehen.

Sidonie wacht fast pünktlich auf, schafft es fast pünktlich bis zur Kammerzofe, die sie dann zur Königin reinlässt; vorher wird noch drüber diskutiert, was sie ihr vorlesen solle. Sie sei aber augenblicklich nicht an Literatur interessiert, das eine sei ihr zu traurig, das andere zu schwer. Sie will Modezeitschriften zusammen mit Sidonie lesen. Sie träumt von Kleidern, von Stickereien, von einer gestickten Dahlie.

Da Sidonie sich ständig kratzt, befiehlt die Königin Rosenholzwasser zu bringen und liebevoll massiert sie damit der Vorleserin den flohzerstochenen Arm. Das erbittert die Kammerzofe, darüber wird noch geredet werden müssen, dass sie sich kratze vor der Königin. Aber die Unterkünfte fürs Personal im riesigen Schloss sind nun nicht gerade erster Klasse, auch Ratten gibt es hier.

Der Gondoliere Paolo bezirzt alle Frauen, und will ihnen seinen Cazzo zeigen. Sidonie weiß nicht mal, was das Wort bedeutet. Ein Hofgespräch sind die 80 Desserts, die es eben beim Kardinal gegeben habe (die Bastille dürfte schon gestürmt worden sein). Der Hoftratsch, dass der König um zwei Uhr nachts geweckt worden sei, verursacht einen Aufruhr beim Hofstaat, der sich oft wie eine irre Herde in den Gängen von Versailles drängelt.

Sidonie kommt das alles wie ein Traum vor. Dieses Leben in der fast hermetischen Hofgesellschaft. Aber sie ist ja auch eine Privilegierte. Sie stickt ab und an mit der Stickerin und wird die Dahlie für die Königin selbst sticken.

Eine der Figuren am Hofe, die sich eine gewisse Eigenständigkeit bewahrt haben ist Moreau, der Bibliothekar, der bis an sein Lebensende, Revolution hin oder her, sich Notizen machen wird.

In die Adelige Gabrielle de Polignac ist Marie-Antoinette, die schon zwei Kinder hat, unsterblich verliebt. Auch um dieses Verhältnis herum bilden sich Hofintrigen.

Wie die Revolution der feinen Hofwelt immer näher auf die Pelle rückt, wie sich erste Absatzbewegungen vom Hofe und vom König zeigen, kommen die Charaktere von so manchen Hofschranzen unverhohlen an den Tag, wie sie sich teure Kostbarkeiten untern Nagel zu reißen versuchen.

Wie sich Marie-Antoinette selbst mit Fluchtplänen nach Metz trägt und man schon zu packen beginnt, die Edelsteine müssen aus den Fassungen gerissen werden, dann brauchen sie weniger Platz; da bittet Marie-Antoinette Sidonie, die anstelle der sich erhängt habenden Stickerin die gewünschte Dahlie gestickt hatte, dies aber verleugnete, gebeten, sie möge, verkleidet als die Polignac mit Polignac und ihrem Mann, diese verkleidet als Zofe und Page, in die Schweiz fliehen.

Auf dieser Kutschenfahrt passiert man kurz die Revolution. Am Strassenrand taucht flüchtig eine widerliche Fratze mit Kapuze auf, die das Zeichen des Halsabschneidens macht.

Im Schloss zirkuliert bald nach dem Sturm auf die Bastille die Liste mit den 286 Köpfen, die rollen sollen auf. Blut war bislang allerdings nur an den Kratzwunden von Sidonie zu sehen. Dem Zuschauer Einblick in eine weitgehend bekannte historische Situation zu geben aus ungewöhnlichem Blickwinkel, meisterhaft geschildert; und der weiß um den Aufruhr in der Stadt, kennt die Revolutionsbilder von Gemälden und Filmen zur Genüge und ist fassungslos über dieses merkwürdige Personengefüge der Abhängigen, das sich um die Macht gebildet hat und zu wissen, wie endlich diese Macht sei und sich fast zu freuen, was mit all den Wichtigtuern und Hofschranzen beim Zusammenbruch der Macht passiert.

Wir haben es seit einem Jahr nachrichtennah miterlebt, Tunesien, Ägypten, Libyen, wie lange bleibt Assad noch. Oder ich sehe auch diesen Hofstaat um die 300 Millionen Subvention beim Deutschen Film herum; wie die Leute sich Zugang zu verschaffen suchen zu den wichtigen Geldgebern, das Getue und Gerede um die sogenannt Wichtigen. Dabei ist alles eine aufgeblasene Sache, möglich nur dank dem Wohlwollen des Staates, der dummerweise dabei noch primär an Wirtschaftshilfe denkt, und wie so ein Kino zustande kommt, was keinen interessiert, wie Popanze aufgeblasen werden, die kaum fiele die Förderung weg, in Nichts zusammenkrachen würden, so wird hier grandios sowohl der Hofstaat, seine Aufgeblasenheiten und Mechanismen wie auch dessen panischer Zusammenbruch geschildert. Zur These der deutschen Film-Fernsehlandschaft als eines aufgeblasenen Hofstaates fand sich in der FAS vom Pfingstwochenende ein passender Abschnitt in einem Interview von Jakob Buhre mit Katrin Sass, der damit endet: “Was die für Bücklinge machen, um die Karriereleiter hochzukomen, da wird mit zum Teil kotzübel” (vorausgegangen ist die Frage nach der Einflussnahme (und nach der Quote), und dass darüber nicht offen geredet werden dürfe … “Und wenn mir mal jemand aus dem Westen sagt “bei Euch war ja jeder Dritte bei der Stasi”, dann denke ich, man könnte das Ganze doch mal umdrehen. Wer heute vom kleinen Aufnahmeleiter zum Produktionsleiter seine Karriere macht, da sind Leute dabei, wo ich denke: “Du wärst der  Erste, der für die Stasi gearbeitet hätte.” Was die heute für Bücklinge machen, um die Karriereleiter hochzukommen, da wird mir zum Teil kotzübel”.)

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Das Gütesiegel für die Recherchequalität haben diesem Film des Österreichers Christoph Mayr unfreiwillig einige der Großen der Lichterzeugung und des Geschäftes mit dem Licht gegeben: Osram, Philips, Vito, ELC. Sie alle haben, so steht es im Abspann zu lesen, Interviewwünsche von Christoph Mayr für diese Dokumentation abgelehnt. Aus unguten Gründen, wie zu vermuten ist, weil sie wohl nicht allzu viel Licht in ihre Lichtgeschichten bringen wollen.

Osram, Philips, Vito, ELC waren offenbar auch nicht bereit, das Gegenteil seiner Behauptung zu beweisen, dass die EU-Verordnung zur Einführung von Energiesparlampen einzig das Resultat der Lobbyarbeit der Lampenindustrie und zu ihrem Nutzen und zum Nachteil des Verbrauchers sei.

Nicht nur, dass das mit Demokratie nichts mehr zu tun hat, sondern diese EU-Verordnung zu Einführung von Energiesparlampen gefährde auch noch die Gesundheit der betroffenen EU-Mitbürger. Denn in den verordneten Energiesparlampen ist hochgiftiges Quecksilber drin. Was nicht nur ein Entsorgungsproblem darstellt. Es stellt ein ernstes Gesundheitsproblem dar, besonders wenn eine der Lampen zerbricht, während sie brennt.

Ein solcher Unfall mit einer von der EU verordneten Energiesparlampen ist für Christoph Mayr der emotionalen Ankerpunkt für den Zuschauer. Mayr fährt ins bayerische Land zum Buben Max, dem alle Haare und die Augenbrauen und Wimpern ausgefallen sind, nachdem eine brennende Energiesparlampe zu Brüche gegangen ist, so was kann nun wirklich jedermann und überall passieren, und der Bub muss Quecksilber inhaliert haben. Wie die Folgen des Unfalles offenbar wurden, hat die Familie eine Ersatzwohnung gesucht.

Die Frage, die Mayr in Brüssel stellt, ob das der Sinn dieser neuen Verordnung sei, die Familie zu gefährden, um die Erde zu retten. Gegen einen solchen Unfall gibt es tatsächlich ein Sanitätskästchen, das alle Utensilien zur Bekämpfung eines Quecksilberaustritts enthält. Es kostet 130 Euro und einige Teile sind zum einmaligen Gebrauch bestimmt. Es erinnert an Atom-Dekontamination.

Andererseits hantieren in Indien in Kleinbetrieben Angestellte mit zerbrochenen Energiesparlampen und recyceln sie ohne besondere Schutzvorrichtung und ihnen scheint nichts zu passieren. Ist also der Fall von Maxi übertrieben? Ein Spezialist aus Konstanz, der lässt, und das muss er sicher aus Gründen der wissenschaftlichen Seriosität, durchaus offen, ob es andere Einflüsse gebe und ob bei Maxi eventuell eine bestimmte Veranlagung für den Haarausfall verantwortlich sei. Es ist aber nicht nur der Haarausfall, zusehends kriegt er auch Zitteranfälle, so dass er beispielsweise den Frühstückskakao verschüttet.

Bei Günter Oettinger, dem zuständigen EU-Kommissar, wird Mayr mit der faulen Ausrede abgefertigt, die Verordnung habe sein Vorgänger zu verantworten.

Eine besonders aparte Reaktion auf diese EU-Verordnung hat Rudolf Hannot, der Erfinder des Heatball. Der lässt in China die hier inzwischen verbotenen Glühbirnen herstellen und deklariert sie als Heizkörper. Was sie ja auch sind. Allerdings hat die EU eine Sendung dieser „Heizkörper“ an der Grenze beschlagnahmen lassen. Wegen der von der Lampenindustrie betriebenen höchst fragwürdigen, garantiert nicht bis zur Entsorgung des Quecksilber durchdachten Energiesparlampenverordnung.

Hannot sieht die Produktion seiner Heatballs als Nonprofit-Kunstprojekt. Vielleicht sollte ihm ein Museum zur Hand gehen und diese Heatballs (mit anschließendem Abverkauf) ausstellen; vielleicht gibt’s dafür eine Einfuhrgenehmigung. Hannot ist hartnäckig und gibt sich nicht so schnell geschlagen.

Zum Film ist vom Kinostandpunkt aus zu sagen, schade, schade, dass er zwar in einem Irrsinns-Tempo mit häufig auch schnellen Fahrten zwischen den Rechercheorten ein Riesenpensum an Interviewpartnern und Positionen und Erkenntnissen und Informationen reinpackt in die 90 Minuten; dass aber wenig dafür getan wurde, den Film als eine im Kino spannende Geschichte zu entwerfen. Dafür wäre vermutlich ein nachdrücklicherer Focus auf eine Sache, sei es die Lobby in Brüssel oder alles um den Maxi in Bayern als Kern für eine möglicherweise auch kinostarke Geschichte, die dann umso massenwirksamer werden könnte, sinnvoll gewesen.

Aber auch so, ein wichtiger Film, wie denn überhaupt das Genre des recherchierenden umwelt- und antibürokratieengagierten Dokumentarfilmes, der sich die Machenschaften großer Konzerne vornimmt, die bis in die Politik hinein ihren eigennützigen Einfluss geltend machen und sich unter Inkaufnahme brutalster Opfer wie eine Krake ausbreiten, immer wichtiger wird. Film kann vermutlich mehr Unabhängigkeit riskieren als reines Fernsehen.

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Eine Dokumentation über den Pferdeerzieher Buck Brannaman. Er selbst war Vorbild für den Roman „Der Pferdeflüsterer“ und hat auch bei den Dreharbeiten zu dessen Verfilmung durch und mit Robert Redford mitgewirkt. Davon sind hier kleine Ausschnitte zu sehen.

Die Bilderwelt in diesem Film ist traumhaft wildwesthaft. Von den schönen Landschaften über die Pferdekoppeln, Lassoschwingen, Cowboyhüte, Cowboylederhosen, Jeans, aber auch die Trailer und die Pferdeanhänger. Viele Bilder auch von den Kursen, die Buck gibt. Er ist mit einem am Kopf befestigten Mikro ausgestattet, so dass die Teilnehmer mit ihren Pferden, die sich im Kreis um ihn herum versammeln, ihn auch verstehen. Das ist sein Lebenserwerb, mit dem Trailer und einem oder zwei Pferden von Ortschaft zu Ortschaft zu tingeln und die viertägigen Kurse, die „Clinics“, zu geben.

Die inhaltliche Seite dieses Filmes ist von weit härterer Natur. Denn Buck ist nicht einfach nach dem Prinzip, na, nun wähl ich mir mal nen Beruf aus, zu diesem Job gelangt. Er erlebte in seiner Jugend brutale Gewalt durch den Vater, er und sein Bruder.

Der Vater hat die Buben, praktisch kaum dass sie stehen und gehen konnten, schon zu Shows mit dem Lasso eingesetzt. Und immer wieder wurden sie geschlagen. Ein Weggefährte erzählt von einer Situation, in der die beiden Kids sich zum Duschen ausziehen sollten. Das wollten die nur widerstrebend. Denn ihre Körper waren voll von Striemen, Zeugnissen von Misshandlungen.

Eindrücklich ein Bild von einem der ersten Fernsehinterviews, das sie noch ganz jung gaben, die Jungs im Spotlight zu sehen und gleichzeitig zu wissen, wie ihr familiärer Background ist. Die Kids sind später ihrem Vater weggenommen worden und kamen in eine Familie, die sich ihren Lebensunterhalt mit Pflegekindern verdiente, denn die hatten sehr viele davon.

Buck hat seine jugendliche Leidenszeit positiv umgemünzt in eine Passion fürs Leben. Er hat seine Philosophie über das Spiel zwischen Mensch und Pferd immer weiter ausgebaut und sieht auch heute noch sein Leben als ein ständiger Lernprozess. Oft geht es eher darum, dass das Pferd etwas über den Menschen lernt. Aber selbstverständlich muss der Mensch dem Pferd auch Respekt beibringen. Das geht nur über Konsequenz des Verhalten und sicher nicht mit Gewalt.

Ein eindrückliches Beispiel über ein verzogenes Pferd kann der Zuschauer live miterleben. Eine Frau hat sich damit zum Kurs von Buck angemeldet. Es ist ein psychopathisches Pferd. Das muss bei der Geburt unter Sauerstoffmangel gelitten haben. Sei dann aber von der Besitzerin aufgenommen worden, die bereits 18 Hengste in ihrem Besitz hatte, was Buck zu einer galligen Bemerkung veranlasst. Die Frau scheint ziemlich gestört zu sein. Sie habe das Pferd in ihrem Haus mit der Flasche groß gezogen und muss es vollkommen verzogen haben. Ein einziger Mann kann dieses Pferd überhaupt an der Leine führen. Wir sehen, wie es selbst vor diesem den Respekt verliert und in einem Moment der Unaufmerksamkeit ihn anfällt und in die Stirn beißt. Blutig. Buck hat dieses Pferd einen Psychopathen genannt. Es musste eingeschläfert werden.

Sein Thema ist die Erziehung zum Respekt.
Sätze: man soll niemals Verachtung für ein Pferd zeigen.

Vom dramaturgischen her: es ist sicher schwierig, aus 300 Stunden Material einen 88 Minuten Film zu machen. Inhaltlich ist aber das Pulver praktisch von der ersten Sätzen an schon verschossen. Die Doku zeichnet also nicht etwa die Entwicklung, die Buck durchgemacht hat als eine Spannungsgeschichte nach, sondern illustriert Hintergrund und Lehre von Buck in verschiedenen Varianten.
Ein Lehrfilm zur Erziehung von Mensch und Pferd.

Cindy Meehl hat diese Dokumentation über dieses aufregende Thema gemacht.

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