Catharina Roland nennt ihren Film „Awake“ einen „Reiseführer ins Erwachen“. Man könnte den Film auch eine subjektive Dokumentation nennen, gar, um in heilsgeschichtlicher Dimension zu sprechen, vom Zeugnisablegen spirituellen Erwachens mit filmischen Mitteln.

Frust im Leben, Burn-Out, Stress als alleinerziehende Mutter, Verlust des Einsseins, Lähmung durch eine Überzahl an Problemen, Rückzug in Winterstarre und schließlich frägt der Bub auch noch, wenn ich groß bin, sind wir dann noch hier, wenn wir alles kaputt machen?

Das war für die Regisseurin der Zeitpunkt, aufzuwachen, sich aufzumachen auf die Suche nach der verlorenen Einheit. Aus dieser Reise in alle Welt, die sich über mehrere Jahre erstreckte, ist als Resultat der vorliegende Film geworden, „Ein Reiseführer ins Erwachen“.

Außerdem schrieb Roland ein Tagebuch: das wird im Film oft gezeigt, sie sitzt angenehm auf malerischem Wurzelwerk oder singulären Baumstrünken, im Boot oder zu Füßen eines Buddhatempels oder mitten unter Affen an einem Affendenkmal und schreibt. Idyllen für sich, Bilder vom Beisichsein, von Zufriedenheit mit sich und der Welt, immer auch in angenehm temperierten Weltgegenden, am Meer oder vor Wasserfällen, so dass leichte Gewandung, die luftig und frei erscheinen lässt, möglich war.

Ihr filmischer Reisebericht ist ein hochkonzentrierter Ineinanderschnitt von Interviews mit Schamanen, Gehirnforschern, Klangtherapeuten, Ärzten, Zukunftsforschern, Advaitalehrern, spirituellen Lehrerinnen, Transformationscoaches, Herzlehrern, Filmemachern, viele davon Autoren und Bestsellerautoren. Sie alle sind in angenehm eingerichteten Wohnsettings zu sehen, oft naturnah. Sie alle sprechen im Gestus des Wissenden über die Zusammenhänge zwischen All und Individuum, die ihnen plausibel erscheinen. Sie sehen sich als Bestandteil des kollektiven Erwachens, von dem die Rede ist und das nach einem alten Mayakalender noch Ende 2012 passieren soll.

Ferner geht es um die Zeit der Transformation, um den Herzschlag der Galaxie, um Synchronizität und Telepathie, um das Potential, das der Mensch nur einschalten muss, denn 95 Prozent seines Gehirnes lässt er ungenutzt; um die atemberaubende Aussicht auf die Freiheit, die sich der Filmemacherin bot, um Perzeption, um den Sitz des Bewusstseins, um Programmierung in der Kindheit (Anmerkung des Autors: das nutzten schon die Jesuiten: gebt uns die Kinder bis 6 Jahre und sie gehören uns), um Magiertum und Vibration, um Tools (“warum leide ich und wie kann ich was dagegen unternehmen”), um das JETZT, um revolutionäre Erkenntnis, Liebe, um den Tropfen, in dem die ganze Welt enthalten ist (Anmerkung des Autors: da könnte man schon beim guten alten Leibniz fündig werden, in der Monadenlehre), dass alles Energie sei (Max Planck wird zitiert).

Auf jeden Fall beweist Catharina Roland mit diesem Film auch einem Skeptiker des spirituellen Gewerbes, dass es sich lohnt bei Frust und Burn-Out den Finger rauszunehmen, auf Reisen zu gehen, sich ein Thema vorzunehmen, gezielt auf Menschen zuzugehen, Tagebuch zu schreiben und einen Film zu machen; dass es sich lohnt den Cocon zu verlassen, und wenn es ihr gelingt, die DVD gut zu verkaufen, so hat sie so ganz nebenbei auch noch einen Beweis der calvinistischen Prädestinationslehre geliefert.

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