Hier geht es um ein Testament. Ein klein bisschen vergiftet ist es schon, denn die Familienverhältnisse von Duke White (Harvey Keitel), dem Testamentsverfasser, sind in etwa das Gegenteil von „geordnet“. Duke will sich umbringen, was will er noch, fünf mehr oder weniger misslungene Söhne aus fünf verschiedenen Liebesverhältnissen. Ein Haus, ein klein bisschen Vermögen. Und eine Last aus der Vergangenheit, die es in sich hat, resp. die drei seiner Söhne in sich haben sollen. Was gibt es da noch an Zukunft? Die Lösung für Duke heißt also erst das Testament handschriftlich verfassen, was er für die Kaputtheit, die er behauptet, erstaunlich sorgfältig macht, was fast den Eindruck von „geordnet“ erweckt. Dann einen Strick um den Hals gelegt, die zerzausten langen, ungepflegten Haare über dem abgefuckten Gesicht zu kämmen ist unwichtig, einen dicken Holzprügel an das Seil geknotet, damit der sich im Gestein am Boden des Flußes verfängt und Duke nicht mehr an die Oberfläche lässt, nachdem er sich in denselben geworfen hat. Es ist der Niagara-Fluß kurz vor den Niagarafällen. Im Vergleich dazu, wie sein Leben verlaufen ist, scheint das der Erlösung versprechende Abschluss. Eine Anfängerlektion übers Aufhören, wie der Titel verspricht. Was ein Mensch im Leben daneben setzen kann, das hat Duke daneben gesetzt – hoffentlich nicht auch noch sein Ende! Seine fünf Söhne stehen nun da mit dem Vermächtnis, das an die Geschichte vom Bauern erinnert, der seinen Söhnen einen Acker versprach, in dem sich ein Goldschatz befinde, und sie gruben und gruben… Es werden viele Sprüche geklopft in diesem Movie, die handeln von den einfacheren Instinkten kaputter Männer, von ihren Träumen und Niederlagen; zur Rezeption am ehesten geeignet in brüllender Männerrunde in einem rauchigen Hinterzimmer und dort auf Großbildschirm. Lob der angeknacksten Männlichkeit, ein Hohelied auf die Kaputtheit, die sich aber doch nicht ganz abfinden will damit.
Archiv für 22. Mai 2012
22
05
2012
DVD: Magic Beyond Words – Die zauberhafte Geschichte der J.K. RowlingGeschrieben von: Stefe in Allgemein, Film, ReviewEin Feel-Good-Biopic über das Leben von J.K. Rowling, der Erfinderin und Autorn der sieben Harry-Potter-Bücher, die sie zu einer der reichsten Frauen Englands gemacht haben. Von der Sozialhilfe zur Multimillionärin, das ist die Strecke, die dieser Film zurücklegt, die Wikipedia-Angaben über die Autorin auf wenige klischeehaft vereinfachte Stationen verknappt, Sätze wie: „Schlampe, wo willst Du hin“ (Mitschülerinnen, die was gegen die hochintelligente Jeanne, wie sie noch hieß, hatten, und die im Unterricht zeichnet und auch noch alles mitkriegt, was der Lehrer sagt), „Mein Gott, sie fehlt mir so sehr, ich kann nicht einmal atmen, ich will sie wieder haben“ (über die tote Mutter), „ich zeige dir etwas, das macht mich glücklich“ (wie sie zum ersten Mal ihrer Schwester das Harry-Potter-Manuskript zu lesen gibt), „ich habs geschafft, Mom“ (mit dem ersten gedruckten Exemplar in der Hand vor dem Portait der Mutter), „Dein Leben wird sich dramatisch ändern“ (nach dem Vertrag mit Amerika). Das Ganze in ein zähe Feelgood-Musik-Sauce getunkt und insgesamt mit wenig wenig bis null „magic beyond words“.
22
05
2012
DVD: KJB – Das Buch, das die Welt veränderteGeschrieben von: Stefe in Allgemein, Film, ReviewIn jakobinisch-puritanisch luzider Manier und mit Liebe zum Detail präsentierte “Schulstunde” über ein Kapitel englischer Geistes- und Machtgeschichte. John Rhys-Davies führt in der Rolle eines gebildeten und mit breitem Wissen ausgestatteten Moderators oder Tour-Guides mit didaktischer Verve durch die Räume, Geschehnisse und die geistigen Auseinandersetzungen des jakobinischen Zeitalters. Im Zentrum des Interesses steht die King James Bible. King James VI. und I. von Schottland und England hat diese Übersetzung veranlasst, und wie er das zustande gebracht hat, dass 50 Gelehrte aus zerstrittenen religiösen Fraktionen sieben Jahre lange gemeinsam gearbeitet und ein Jahrhundertwerk geschaffen haben, das sich auch wunderbar laut vorlesen lässt, das grenzt an einen geistig-machtpolitischen Hattrick, der hier spannend nachgezeichnet wird mit Spielszenen, kurzen Statements von Historikern und Experten und den verbindenden Erläuterungen unseres Tour-Guides. Auch die deutsche Fassung ist überzeugend, nicht das hekitsche Lippensynchrongeschäft verströmt Unruhe, sondern ein Voice-Over in cooler und respektvoller Distanz zu den Akteuren, dazu kann man noch deutsche Untertitel haben und im Hintergrund hört man die britischen Originalstimmen, ein für die Rezeption angenehm hilfreiches Verfahren. |

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