Archiv für 17. Mai 2012

Armutsflüchltingsthemengestützte Abschöpfung von Filmförder- und Fernsehgeldern mit zwei mager ausgearbeiteten Geschichten, die fürs Kino schlicht zu dünn sind.

Man versuche einen Film über folgende Sachverhalte zu machen: ein spanischer Cop hat eine drogenabhängige Schwester und weil sie einen Arm im Gips hat, muss er ihr das Dope verabreichen. Eine Deutsche macht Urlaub auf dieser Insel vor Spanien, deren Namen nie erwähnt wird, sie wartet darauf, dass ihr Freund aus Deutschland nachfliegt, denn es sind die Tage zwischen den Jahren. Sie wird von einem Flüchtling aus Afrika um Geld für die Überfahrt aufs Festland gebeten.

Der spanische Cop, der nun wirklich ein fabelhaft aussehender und cool agierender Spanier ist, er heißt Alex Gonzales, ist im Film José und handelt aus ruhig überlegenem Habitus, der möchte einerseits nicht, dass seine Kollegen mitkriegen, was mit seiner Schwester los ist; andererseits ist er mit angelandeten Afrikaflüchtlingen befasst, führt Befragungen durch und ist nicht unbedingt freundlich zu den armseligen Kreaturen.

Die Deutsche ist in der ersten Szene als Bikini-Schönheit am Strand unterwegs, wie ein Boot mit ausgedürsteten und teils toten Afrikanern eben gelandet ist. Einem von ihnen hat sie ihre Telefonnummer gegeben. Von diesem, es dürfte Zola sein, gibt’s anschließend auch eine kleine Geschichte: wie er mit seinem Sohn unter Vorwänden und Lügen ins Leichenschauhaus gelassen wird, um von dort auszubrechen.

Dann zeigt uns Maggie Peren, so heißt die Schreiberin des Buches, die auch die Regie geführt hat, wie die Polizisten diskutieren, dass der Ausbüchser versuchen werde, zum nächsten Parkplatz durchzukommen, um dort in den Abfalltonnen nach Trinkwasserflaschen zu suchen. Wie er sich dann tatsächlich dran machen will, kommt ihm die Polizei zuvor und transportiert die Müllsäcke ab.

Anhand von Zola wird ein Flüchtlingsschicksal angetippt, das uns zeigen soll, wie schlimm das alles ist. Es ist schlimm. Nur ist es für einen Spielfilm wiederum sehr wenig, dieses als Hauptabsicht zu haben und darumherum ganz dünne Handlungsfäden zu spinnen, die vermutlich kaum jemanden ins Kino zu locken vermögen. Denn wer will im Kino schon darüber aufgeklärt werden, wie brutal mit diesen Flüchtlingen umgegangen wird.

Der Film ist in fernsehasthmatisch kurzen Szenen mit teils harten, noch dazu akustisch verdeutlichten Übergängen gar nicht besonders kinoaffin gedreht. Eher Fernsehware würde ich sagen. Gutmenschenkino, das versucht Misstände aufzuzeigen statt eine spannende Geschichte zu erzählen; Kino eines geringen Aufwandes.

Von der Sprache her ist verwunderlich, dass spanische Polizisten makellos-langweiliges Synchronhochdeutsch sprechen, während einige afrikanische Flüchtlinge original französisch sprechen.

Zum Thema scheint von Regieseite her wenig geistiger Input geleistet worden zu sein. Fehlt nur noch, dass als Werbegag gebracht wird: 1 Euro vom Kinoeintritt kommt illegalen Afrikanern in Spanien zugute.

Die Geschichte steht da, wie ein Baum ohne Wurzeln. Man weiß nicht, wieso die Deutsche hier Ferien macht. Man weiß nicht, was José gegen die Flüchtlinge hat. Man weiß nicht, wieso die Flüchtlinge diese lebensgefährliche Flucht unternehmen. Auch sie lernt man kaum näher kennen. Bis auf den Moment, wo Zola die Geschichte erzählt, die die Begründung für die Titelgebung hergeben soll, dass es um sterbende Wale gehe. Ja, ja, afrikanische Flüchtlinge sind sterbende Wale. Oder wie?

Der Film wird niemandem weh tun, er wird niemanden aufrütteln. Er kommt mir mehr vor wie ein Flüchtlingsploitation-Movie. Denn das gute Geld damit verdient Maggie Peren und ihr Team, Subventions- und Fernsehgeld. Auch sehen die Szenen nicht unbedingt nach gründlicher Recherche aus. Mag sein, dass die Autorin ein bisschen Anekdoten gesammelt hat vor Ort. Wie die Geschichte mit dem Wasser im Mülleimer. Insgesamt kommt mir der Cast auch sehr strange zusammengewürfelt vor. Am meisten beeindruckt wie erwähnt José, dem bessere Filme zu wünschen wären.

Es ist der ganze Aufwand für die Katz, wenn die Geschichten nicht gut genug gebaut sind. Und das Werk hier lässt den Exploitation-Verdacht aufkommen, dass da jemand ein Thema gesucht habe, was Förderer, die glauben Gutmenschen sein zu müssen, nicht ablehnen können. So autmatisch sagen sie zu, wie das berühmte „Negerlein“ aus den früheren Sonntagsschulen nickte, wenn ein Kind ein Groschen eingeworfen hat. Insofern vermutlich sogar ein recht rückständiges Kino, das es nicht schafft, die Thematik verbindlich und so schmerzhaft, wie sie sein soll, zu präsentieren, sondern lediglich als Förder-Schnorrer-Produkt.

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Mit Kinderfilmen kann man alles machen. Da muss man weder viel von Regie noch viel vom Drehbuchschreiben verstehen. Man nehme ein berühmtes Buch, das ist schon die halbe Miete; wie man das dann bearbeitet ist relativ wurst, Hauptsache die beiden Identitfikationsfiguren, Hanni und Nanni kommen darin vor und sie sind in einem Internat. Und da das zwei Mädchen im zuckersüßesten Teenie-Alter sind, so darf der Film eine zielgruppenübersüßte zuckersüße Sauce sein. Es müssen noch die Freundinnen vorkommen.

Man hole sich aus den Kinderbüchern noch das eine oder andere Sujet heraus. Hier zum Beispiel das Gerücht, dass unter den drei Neuen eine Prinzessin sei. Man besetze Katharina Thalbach als Mademoiselle Bartoux – sie ist immer ein Clown, aber eher für die Kleinen – mit einem herrlichen Akzent und als überforderter Ersatz für die Schulleiterin, die wegen einer dringlichen Angelegenheit den Hauptteil des Filmes nicht anwesend sein kann (dafür darf man einen Star wie Hannelore Elsner engagieren und sie „als Gast“ in den Credits aufführen – vom Auftritt her besehen erklärt sich die Sondernennung nicht so ganz – vielleicht möchten sich die Macher mit solchen Sperenzien „großes“ Kino beweisen?).

Man lasse einen Hühnerfarmer eine Ladung Hühner ins Internat anliefern. Die kann man dann für den Rest des Filmes als lustig sein sollende Requisite überall hinstellen, wo gerade Platz ist.

Ferner engagiere man eine Kamera mit eigenen Ambitionen.

Über das alles streue man einen scheußlich süßen Musikguß.

Zu guter letzt bringe man am Rande noch etwas Scheidungsproblematik in die Story, in der Geschichte der Eltern von Hanni und Nanni.

Wobei dann doch verwundert, da ja Hanni und Nanni die Hauptfiguren sind, wie die Szene plötzlich in Berlin bei den Eltern ist, und nicht in dem Internat im Schloss.

Dann engagiere man noch einen mittpubertären, blonden schlacksigen Bengel von Franzosen, der eine Zeit auf dem Mädcheninternat verbringen soll. Da ist schon vom ersten Auftritt an abzulesen, wie die Regisseurin die Schmachtblicke der Mädels zeigen wird. Er kann ja auch fechten.

Wenn man also ein bekanntes Kinderbuch und genügend Geld von diversen Filmförderanstalten und vom ZDF hat, ist es gar nicht mehr so wichtig, eine stringente Geschichte zu schreiben, gar eine, die Tiefe hätte. Man möchte schön auf der mädchenhaften Oberfläche bleiben, keine Figur richtig ernst nehmen, ein bisschen Trallala und obendrein noch Songs dazu. Und da, wenn einer keine richtige Geschichte zu erzählen hat, auch viel Zeit übrig bleibt so engagiert man auch noch Schafe und zum Schluss muss noch eine quälend lange Concert-Nummer her. Friede, Freude, Eierkuchen-Kino für Mädchen, denen der Weg zur Frauwerdung keine Probleme bereitet. Ach ja, fast hätten wirs vergessen, eine ganz nette Entführung spielt hier auch noch eine Rolle.

Für das Drehbuch stehen Christoph Silber und Jane Ainscough, für die Regie Julia von Heinz.

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Kunst und Diktatur. Wenn Günter Grass sein Israel/Iran-Gedicht schreibt, „Was gesagt werden muss“, wenn er die Guten zu Bösen macht, dann jault die intellektuelle und politisch sich verantwortlich gebende Welt auf und will ihm schier an die Gurgel. Wenn Sascha Baron Cohen einen Film mit einer großen Schnittmenge zum selben Thema mit umgekehrten Vorzeichen macht, wenn er den Bösen zum Guten, zum Salonfähigen macht, dann brüllt das Publikum im Zoo, Verzeihung, im Kino. Zu toppen wäre das zumindest in Deutschland nur noch, wenn jetzt Günter Grass den Diktator spielen würde, dann wäre der Film vielleicht abgrundtief komisch, so ist er immerhin noch professionell mechanistisch-komisch.

Humor und Professionalität. Sacha Baron Cohen, der die Hauptrolle des Diktators Aladeen spielt, die er sich mithilfe von Alec Berg, David Mandel und Jeff Schaffer auf den Leib geschrieben hat, treibt sein Spiel des Versuchs der Befreiung von der Schwere politisch erstarrter Feindbildbegriffe, indem er konsequent politisch inkorrekt die Begriffe umwertet. Sowas ist als Lern- und Spielprozess bei Kindern zu beobachten, wenn sie dabei sind, Moral zu lernen. Spätestens im Räuber-Hotzenplotz-Alter muss sich die Sache geklärt haben. Bis Sacha Baron Cohen auftritt.

Diktatur ist was Feines, Vergewaltigung ist gut angesehen, Köpfen ist eine Art Dankeschön (dumm nur, dass der Henker für die Freiheit ist und alle zu Henkenden in New York im Anti-Aladeen Kaffee versammelt), Kinderarbeit nicht schlimmer als ein Job vom Jobcenter. Diese politisch konsequente Umwertung der Werte wird erotoschlüpfrig angereichert mit ständigem Fingern und Blasen und Manipulieren in der Nähe der Gürtellinie. Was ist ein Mensch, dem nicht andauernd das Lustteil in die Quere kommt.

Das Seichte, was den Menschen doch immer und immer wieder juckt in sämtliche Richtungen, es mit dem gleichen Geschlecht versuchen, mit sich selber, um anschließend strahlend mit dem Wichsprodukt auf einem Toilettenpapier wie mit einer Siegestrophäe triumphierend im Ökoladen aufzutrumpfen. Noch ein Tick politisch unkorrekter die groteske Szene bei der Geburt.

Die Geschichte orientiert sich an orientalischen Vorbildern, ähnlich wie die Geschichte vom König, der für einen Tag einen Bettler auf den Thron setzte. Hier läuft es leicht anders. Der Diktator will einen Atomsprengkopf bauen. Sein Chefingenieur präsentiert ein Modell, das an der Spitze rund ist. Das findet Aladeen doof, er hätte lieber eine spitze Spitze. Deshalb macht er die kleine Geste am Hals. Der Ingenieur soll also gehenkt werden. Aber wie alle anderen findet er sich in New York im Anti-Aladeen-Lokal wieder und wird noch sehr wichtig für Aladeen werden.

Da Aladeen verständlicherweise viele Feinde hat, setzt er klugerweise für riskante Auftritte ein Double ein. Hops zu gehen, das ist ihr Job.

In New York soll Aladeen vor der UN-Versammlung reden. Da passiert ihm das Malheur, dass er plötzlich auf der Strasse steht, ohne irgendwas und sein Double soll die Rede halten, das ist im Sinne der Hofintrige.

Sein Problem ist jetzt, so zerlumpt wie er aussieht, durch all die Sicherheitskordons wieder in sein Hotel und an seinen Position zurückzukehren. Wie ihm das gelingen wird und all die Komplikationen auf dem Weg dahin, erotischer wie politischer Natur, das ist das Story-Material, das darauf abzielt das Publikum von der Starrheit der Bösbegriffe für kurze Kino(kinder)zeit zumindest zu erlösen, zu befreien, was es dann mittels Lachen auch bereitwillig tut, dem Publikum die Chance zu geben, im dunklen Raum des Kinos sich politisch korrekt mit dem Bösen identifizieren zu dürfen.

Systematische, mechanisierte, auf Lacher getrimmte political Uncorrectness. Vielleicht lacht der Zuschauer einzig aus dem Grund, weil er sich dabei ertappt, dass ihm das Böse gar nicht so fremd ist, weil er sich bei seiner eigenen Faszination durch das Böse ertappt.

Mit diesem Prinzip dürfte Sacha Baron Cohen ein um einiges besseres Geschäft machen als Günter Grass mit seinem Gedicht. Ob einer von beiden die Welt dabei verändert, das ist eine andere Frage, oder ob sie sie nur für ihre eigenen Zwecke benutzen.

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Martin Witz verabreicht uns mit seinem Film über das LSD durchaus eine kleine Dosis dieses Wirkstoffes, den Albert Hofmann, ein Schweizer Chemiker, am 16. 4. 1945 erstmals entdeckt und in einem Selbstversuch ausprobiert hat. Er scheint ihm nicht schlecht bekommen zu sein, er ist 102 Jahre alt geworden und hat im Alter von knapp 100 Jahren Martin Witz für diesen Film noch ein Interview in seinem Schweizer Haus gegeben.

Witz zeichnet recht kurzweilig und immer versuchend den „Flow“ des Rausches sei es in Bildern, Tönen und deren Montage anzudeuten, den Weg dieser Droge von den Behandlungsversuchen an psychisch Kranken bis zur Hippy-Timothy-Leary-Kultbewegung und Flower-Power bis zur Dämonisierung durch die Politik und dem praktischen Verschwinden von Droge und Thema 30 Jahre nach Entdeckung.

Der Bilderrausch von Martin Witz endet denn auch etwa zehn Minuten vor Schluss wie er als Epilog noch anfügt, dass erst seit dem Jahr 2000 wieder mit einem ähnlichen Mittel, mit Pylocybin gearbeitet wird. Die Verabreichung des Mittels an psychisch Kranke wird hier als ein feierliches Ritual gezeichnet fast wie ein Sterbehilfe-Ritual.

Heute ist die ehemalige Modedroge dröge geworen. Da gibt’s auch drum herum eher dunkle Wolken und Bilder von dunklem Meer. Ganz zum Schluss darf Albert Hofmann anmerken, dass wir uns doch der Schöpfung bewusst werden sollen und nicht blind durchs Leben gehen wollen.

Früher schon hatte er LSD mit einem technischen Vergleich zu erklären versucht, dass es die Wirkung eine Mikroskopes oder eines Fernrohres habe. Dass es uns Regionen sichtbar macht, die wir offenbar ohne dieses nicht sehen können.

Die Frage, die nach dem Film bleibt, ist allerdings, wieso die Droge so dämonisiert worden ist, ein Beispiel wird mit Ronald Reagan eingeblendet. Und wieso diese Dämonisierung so erflogreich war. Allerdings war Albert Hofmann selbst zumindest verwundert oder nicht begeistert, wie die Droge, die er nur als Mittel zur Erforschung und Heilung der Psyche gesehen hat, zum Element einer Jugend- und Popkultur wie der Hippie-Bewegung verkommen konnte. Andererseits fragt man sich, wieso die Politik dann nicht auch Koks oder Heroin, die – offenbar im Gegensatz zum LSD – abhängig machen, wieso die nicht genauso erfolgreich dämonisiert und bekämpft wurden und werden. Das sind Fragen, die nach dem Film im Raum stehen bleiben.

Der Ausgangspunkt für die Forschung war das Mutterkorn, der schwarze Pilz auf Roggen. Das Lydergic Acid erzeugt in der Psychiatrie das Modell einer Psychose.

Es verwundert weiter nicht, dass sich bald auch Geheimdienste und die US-Armee für die Droge interessierten. Es gibt lustige Gedankenspiele, die sollte man vielleicht mal wieder aufnehmen, den Feind so zu bekämpfen, indem man ihm die Droge, wie auch immer, verabreicht. Als Illustration dazu wurden Ausschnitte aus einem kleinen Film der Armee eingespielt, in welchen einer Gruppe Soldaten vor dem Exerzieren LSD verabreicht worden war und wie daraufhin das Exerzieren jeglich Facon verloren hat und in Lachanfällen untergegangen ist. Das wäre doch sinnvolle Feindbekämpfung ohne Blutvergießen. Und glücklich wären die Leute nachher auch noch.

Martin Witz hat für seinen Film vielfältiges archivarisches Material verwendet, aber auch wunderbar, fast halluzinatorisch die Möglichkeiten des Kinos genutzt, um eine Ahnung von so einem Rausch zu vermitteln. Das Kino als Rauschfabrikant.

Zitat von Albert Hofamnn: ein Chemiker, der kein Mystiker ist, der ist kein richtiger Chemiker. Auch der Hinweis, dass bei indigenen Völkern zum Beispiel in Mexiko diese Art von Drogen schon ewig bekannt sind, dass die aber nur im Rahmen genau einzuhaltender Rituale verabreicht werden. Das fehlte bei Timothy Leary und seiner Hippie-Bewegung. Von ihr gibt es viele Bilder, Massenekstasen. Auch Footage aus Millbrook, dem schlossähnlichen Anwesen mit 10 Quadratkilometern Umschwung, in das sich Dr. Leary nach seinem Rausschmiss aus der Uni mit seinen Jüngern zurückgezogen hat, sind zu sehen.

Das LSD soll die Menschen auf die spirituelle Ebene bringen.
Aber ist die Menschheit seither friedlicher geworden? Wieso gab es doch den Afhganistan-Krieg, den Irak-Krieg, die Kriege Israels gegen Palästina etc?
1967 war der Summer of Love.
Hoffmann erstaunt über den massiven Missbrauch. Dadurch kam die Forschung gänzlich zum Erliegen.
Psylocybin gegen Depression. Davon zeugt ein Mann und ist erstaunt, dass offenbar eine einzige Behandlung reicht.

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Dieser Film mit dem laut IMDb vergleichsweise kleinen Budget von etwa 5 Millionen Dollar hat allein in den USA am Eröffnungswochenende über 7 Millionen Dollar eingespielt und innert der ersten drei Monate schon fast das Fünffache des Budgets. Man könnte daraus schließen, ein kleine Geschichte gut erzählt kann ein lohnendes Geschäft sein.

Ein Typengeschichte, die sich vor allem für das interessiert, was zwischen den Menschen passiert und weder für großes Sounddesign noch wilde Kamerfahrten oder Schnittbrillanz. All das technische Drumherum wurde pragmatisch angegangen, so dass es der Story dient, denn die verdient auch alle Aufmerksamkeit.

Ned Rochling, ihn spielt Paul Rudd, ist ne haarige Type und die Titelfigur, unser idiotische Bruder. Er ist das schwarze, ehrliche Schaf der Familie. Seine Mutter und seine drei Schwestern Liz, Miranda und Natalie mögen ihn zwar, aber er bringt ihre Leben, ihre Glücke, die sie nur mit Tricks aufrechterhalten können, schnell und leicht durcheinander.

Am bedingunglosesten hält sein Hund zu ihm. Den kriegt er nach seinem Knastaufenthalt, der früh im Film passiert, jedoch nicht mehr zurück.

Seine ungeschickt ehrliche Art erfahren wir zum ersten Mal, wie er an seinem Gemüsestand einem Polizisten in Uniform umstandlos eine Packung Hasch zum Rhabarberstängel verkauft. Wie kann man nur! Es war eine Falle. Knast. Was tun mit ihm, wie er wieder rauskommt? Er hat kein Zuhause mehr, ist auf Bewährung und kommt abwechselnd bei der einen, dann bei der anderen Schwester unter, kann ihnen mit kleinen Jobs dienlich sein; zum Beispiel auf den Buben aufpassen – und prompt schaut er mit diesem Pink-Panther statt ihn zu Bett zu bringen oder übt mit ihm eine absurde Kampfsportart. So was macht bei Kindern beliebt und bereitet den Erziehungsverantwortlichen Probleme.

Oder die andere Schwester engagiert ihn aus der Not heraus als Chauffeur. Sie muss zu einem wichtigen Interview mit der Millionen-Skandal-Erbin Stuart. Dass die Regieanweisungen, die sie ihm vorher erteilt, nicht funktionieren werden, darauf kann sich der Zuschauer genüsslich verlassen. Oder auch, wenn er sich als Helfer beim Schwager für Filmaufnahmen bereit hält.

Ein Film für Kinofreunde und die Spaß daran haben, zu sehen, wie ein Filmemacher, der Autor und Regisseur heißt Jesse Peretz, mit viel Können und Neugier sich eine solche Menschenkonstellation vornehmen und durch viel Improvisation am Set und das Durchdenken der Szenen und Handlungsweisen der Figuren eine große Glaubwürdigkeit erzeugen können und damit Substanz für die Zuschauer.

Hier kommt nie jemand in eine Szene und muss als erstes fragen, wie so häufig im deutschen subventionierten Kino, was ist denn hier los. Ein kleines Beispiel für genaue Beobachtung gibt die erste Szene mit dem Bewährungshelfer Officer Omar Coleman, wie er anfangs überdeutlich und langsam prononciert, bis Ned Rochlin ihm zu verstehen gibt, dass er keinen Idioten vor sich habe. Wobei mir allerdings genau in der Szene aufgefallen ist, dass die Inszenierung des Filmes mit etwa der leichten Überdeutlichkeit vergleichbar ist, mit der der Offizier seinen Bewährling zuerst anspricht.

Es sind die Prinzipien offenherzige Menschlichkeit gegen opportunistisch-pragmatisches Handeln oder gegen Zielführung und Bestandswahrungsverhalten oder gegen das Prinzip „Siegermann“ (was in einer Therapie- oder Sektenszene, Heilerszene im „Schicksalshaus“ angesprochen wird) oder vielleicht das Prinzip Gewinnstreben gegen das Prinzip „Leben“, die hier fröhlich aufeinander losgelassen werden.

Ein prächtig aufgestelltes Ensemble hat sich ganz offensichtlich von den guten Ideen des Buches und der Regie von Jesse Peretz anstecken lassen. Der Film spielt an der Ostküste.
Auch schöne Erkenntnis, dass die Familie ein zerbrechliches Gut sei.
Anderes schönes Wort „fickbar“. Ist es dieser Film nun oder ist ers nicht?

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Ein amüsant-charmantes Amuse-Geule der Liebe, eine leichte Etüde zum Thema Liebe, wem sie gehören soll (doch allen!), wann der richtige Moment da ist, von der Wichtigkeit der Blicke und der Gedanken und der Fantasien, die doch den ganzen Reiz der Liebe ausmachen.

Wie ein meisterhaftes Baiser richtet Emmanuel Mouret diese Erwägungen über die Liebe leicht an; perfekt in der Dosierung von Ernst und Leichtigkeit, von Gedanklichkeit und Körperlichkeit, von Denken, Reden und Handeln, zwischen Overstyling und Stillosigkeit seiner erstklassigen Darstellerinnen und Darsteller und begleitet seine Fingerübung mit beschwingter Piano-Musik.

Es sind verschiedene Paarungen, die für die Liebe in Frage kommen oder glauben auf sie zu stoßen oder glauben sie erst mal wegstoßen zu müssen oder die sie suchen und partout nicht dort finden, wo sie suchen.

Nein, Julie Depardieu, die hier Isabelle heißt, findet sie in einem dunklen Hotelzimmer, vollkommen abgedunkelt; sie vertritt ihre Freundin Amélie, die das Begehren ihres Verehrers Boris, Laurent Stocker von der Comédie Francaise, nur so auf Distanz halten kann, indem sie ihm Dates, die in einem Hotelzimmer nach ganz präzisen Vorschriften ablaufen müssen, anbietet. Statt ihrer schickt sie Isabelle. Isabelle muss eine Viertelstunde vorher im Zimmer sein. Es muss zappeduster abgedunkelt sein.

Dann kommt Boris. Und exakt nach einer Stunde, die von einem vorher gestellten Wecker angezeigt wird, muss er im Dunkeln das Hotel wieder verlassen. Die Täuschung bemerkt er nicht. Im Finstern sind die Triebe nicht sehr wählerisch. Beide finden jedoch Gefallen an dem Spiel und Amélie kann den Lover nur abwehren, indem sie ihm immer neue Dates gewährt. Bis dann eines Tages … – tja was Fliegen in Hotelzimmern so alles anrichten können.

Selbstverständlich kann Amélie es nicht lassen, die beiden eines Tages unbekannterweise zusammenzubringen, herrlich, wie sie sich überhaupt nicht für einander interessieren. Wenns nach den Blicken ginge und dem was das Hirn bei Anblicken anrichtet, dann wäre wohl aus Isabelle und Boris nie ein Paar geworden.

Francois Cluzet spielt Achille, einen etwas besseren, elegant eingerichteten Herrn mit einer blonden, leicht verkopften Nachbarin, die aber auch nur von der Liebe träumt, Frédérique Bel: herrlicher und trockener war die Liebe, die in der Luft liegt, im Kino sicher schon lange nicht mehr zerredet worden.

Dann sind da noch ein altes Paar, das die Liebe neu entdeckt, indem es sich Seitensprungfantasien hingibt oder das junge Paar, das sich vom Buddelkasten auf kennt und endlich Erfahrungen machen möchte.

Aber die Spiele mit der Liebe sind riskant. Das hatte schon Alfred de Musset vorformuliert in „Man tändelt nicht mit der Liebe“. Das kluge Gespräch über die Liebe und die Erwägungen, was wäre wenn, die gehört zu Frankreichs Kultur wie ein guter Wein. Wo hört die Liebe auf und wo fängt die Massage an; wann ist der richtige Augenblick für den ersten Kuss, wie kann ich rational feststellen, ob ich spontan bin, wo ist das Risiko des Abenteuers Liebe, wie verstärkt die Vorstellungskraft den Trieb, was kann der Nutzen eines Seitensprungs sein, sind Ruinen nicht ideale Orte für einen Seitensprung mit einem Restaurator; wenn ich gewusst hätte, dass Du mich liebst, wäre ich nicht gekommen; wo ist die Differenz zwischen Abenteuer und Liebe, welches Quantum an Geduld ist das richtige für die Liebe, warum kann ich nicht vorher wissen, wie die Liebe sein wird, damit ich entscheiden kann, ob ich sie will, wo hört der Traum auf und wo fängt die Liebe an?

Die Nachbarin fängt den Nachbarn in dem Moment an zu lieben, wo er poetisch wird und die Liebeskraft mit dem Trieb der Blätter von den Bäumen vergleicht, aber statt ihm dafür um den Hals zu fallen, rennt sie weg, muss das notieren; schließlich hat sie auch ein Buch über die Komplexität der Gefühle gekauft. Liebe, Imagination und geistige Beherrschung.

Discurs intelligent et intellectuel.

Am Anfang wird noch ein anderes Thema angesprochen, nämlich der Zusammenhang zwischen Musik und Liebe, der verflüchtigt sich dann aber bald mit dem tumorbedingten Tod des Musikers, der dieser Forschung nachhing. Frankreich hat auch so genug Esprit zum Thema zu bieten.

Einer der seltenen kurzen, kurzweiligen Filme, der genau da aufhört, wo es am schönsten ist.

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Diesem Film sieht man förmlich an, welchen Spaß es allein schon dem Autor Simon Beaufoy gemacht haben muss, das Drehbuch nach dem Roman von Paul Torday zu schreiben. Mit einer gepfefferten britischen Administrationssatire anzufangen um schließlich über die verrückte Idee, den Lachs in Jemen einzuführen, damit der Scheich in seinem eigenen Land dem Fliegenfischen frönen kann und nicht nur vor seinem Schloss in Schottland, zu einer grandiosen Liebesgeschichte zu kommen, die überzeugend vor allem in ihrer Kleinheit ist, in ihrer Nebensächlichkeit, denn die Betroffenen kommen ja nicht wegen der Liebe, sondern wegen dem Lachs nach Jemen.

Genau so sieht man dem Film aber auch den Spaß und die heimliche Freude an, mit der Lasse Halström das inszenierte mit einem erstklassigen Ensemble, das gerade auch seine sprachlichen Trümpfe und den sparsamen Umgang mit Emotion britisch-cool ausspielt. Dass man nach fast zwei Stunden Film gerne noch weiter schauen würde, das kommt auch nicht allzu häufig vor heutzutage.

Vielleicht ist es dieses Konstrukt, was gar nicht unbedingt das einer Romantic Comedy ist, was diese hier so stark macht. Mit ansteckendem schauspielerischem Pep werden wir anfangs mitten ins Chaos von HMs (Her Majesty’s) also der Königin Presseamt in London eingeführt. Immer nur schlechte Nachrichten aus Afghanistan, Tote Briten, Explosionen.

Das Presseamt ist händeringend auf der Suche nach einer positiven Nachricht. Den ganzen Druck, der auf so einem Amt liegt, spielt Kristin Scott Thomas als Bridget Maxwell in einem brillianten Language-Bashing, sie haut ihre Texte weg, wie ein Meister der mechanischen Schreibmaschine früher seine Texte hochkonzentriert in die Tasten zu hauen pflegte. Hier ist allein die Performance ein Vergnügen, und die Texte, die sie spricht, die Pointen, nicht weniger. Perfekter Ausdruck der Haltung einer amtsgetriebenen Managerin. Very British. Very cool.

In dieser ersten Phase des Filmes, der Vorbereitung und Expositon auf die abenteuerlichen Dinge, die ins Haus stehen, erlaubt sich Lasse Halström einige ganz abgedroschene Boulevard-Theater-Gags, aber so gekonnt wie mit einem augenzwinkernden Fingerschnipsen serviert und dazu bestens dosiert: wie die Maxwell sich in ihr eigenes Telefonkabel einwickelt und dabei noch ihre ganzen Kids zur Schule verabschiedet, wie unser Protatgonist, Fred Jones, ein eingefrorener Bürolist und Liebhaber der Lachsfischerei, der sogar eine eigene Fliege fürs Fliegenfischen erfunden hat, die sehr berühmt geworden ist, nur kleines Detail zu Aufhellung der Trockenheit der Figur, wie der nach der Besprechung mit Maxwell, wo er davon erfährt, was ihm mit dem Lachs und dem Jemen blüht, Freunde-der-Klamotte-mässig direkt in eine Glastür hineinläuft. Aber das wars dann praktisch schon mit solchen Gags, die nur die Sophisticatedness im Umgang mit dem Metier beweist und uns abhält, gleich im Gefühl zu ersaufen.

Oder der kleine Gag, wie Even Mc Gregor, der Fred Jones spielt, in seinem Büro mit einer Übungsangel das Portrait seines Chefs an der Wand mit einem Köder zu treffen sucht. Sein Chef wiederum, auch das fetteste Klamotte, wie er im Büro sitzt, Stullen schmatz, ja das Fischereiministerium, das hat halt seine Ruhe, an dem gehen die Winde der Weltgeschichte vorbei, wenn nicht, wenn nicht die Idee des Scheichs, den Amr Waked spielt, im Jemen den Lachs anzusiedeln vom Presseamt Ihrer Majestät als die rettende Gute Nachricht entdeckt worden wäre, die endlich den Afghanistan-Krieg aus den News verdrängen soll.

Das bringt nun Wirbel wie von einem Tornado in die ruhige Fischereiabteilung, rührt an den Existenzgrundlagen des in Unzufriedenheit erstarrten und unglücklichen Fred Jones – mit der Frau, mit der er lebt und verheiratet ist, die aber ihre eigene Karriere verfolgt, scheint er ganz und gar nicht glücklich, das zeigt eine ganz kurze Szene, wie sie nicht möchte, dass er sich überanstrenge beim Sex, aber so kommen keine Kinder zustande. Ein Mann, der wohl selbst nicht so genau weiß, was und wohin und der sich am liebsten mit den Goldfischen im Teich vor seinem Haus unterhält, indem er sie füttert. Auch das trostlos, einsame Szenen und doch am Rande der Groteske, wie er dasteht, die Fische füttert und seine Frau sich neben ihn stellt und ein Gespräch versucht.

Der Scheich, dem kein Betrag zu groß ist, im Jemen den Lachs anzusiedeln, der wirbelt diese Welten in abgesackten Bahnen gehörig durcheinander. Wobei schon die Klärung ein Problem ist, wie denn Lachs, der in den kalten Gewässern des regnerischen Schottlands lebt, in den heißen, wüstentrockenen Gegenden des Jemen aufleben und sich vermehren soll. Allein das ergibt jede Menge komischer Situationen, wenn Jones auf einem Board die Dinge zu skizzieren versucht, den angelnden Scheich, den Lachs und die Mitarbeiterin, das ist die nächste wichtige Person und noch eine wunderbare Schauspielerin, Emily Blunt als Harriet Tchedwode Talbot (die Namen ergeben die herrlichsten Assoziationen), zummindest findet, er habe zeichnerisches Talent.

Auch von ihr gibt’s kurze Einblicke ins Privatleben, sie musste gerade ihren Freund nach Afghanistan verabschieden und erhält bald schon die Nachricht, dass er dort verschollen sei. Diese schwierige Situation zwischen Hoffen und Bangen. Lohnt es sich mit einem anderen anzubandeln? Das wird fast nur unterschwellig präsentiert. Das schwebt in vielen Situationen einfach mit. Denn sie muss jetzt wegen der Lachs-Scheich-Geschichte oft mit Jones unterwegs sein, in Schottland beim Scheich oder in Jemen unterhalb des Staudammes, wo der Lachs dann tatsächlich angesiedelt werden soll. Zeit auch für private Gespräche, aber auch das so ganz nebenbei und selbstverständlich und der Scheich unterlässt es nicht, gelegentlich Kommentare zu den Beziehungen zwischen den Menschen loszulassen, schließlich habe er mehr als 20 Frauen gehabt. Oder Gespräche über Toleranz und die Fische, also den Glauben und die Fischer und auch die Hybris wird erwähnt. Aber auch das passiert völlig nebenbei. Ergibt sich wie von selbst.
Dieser Lachs flutscht wie von selbst den Hals hinunter.

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