Geronimo Arevalos ist als Hauptheld ein Glücksfall für einen Dokumentaristen wie er ein ebensolcher Glücksfall für die Campesinos zuhause in Paraguay ist in der Auseinandersetzung zwischen hochindustriellem Soja-Anbau und dem herkömmlichen, vielfältigen Betreiben eigener Landwirtschaft. Sein wacher Geist und sein heller Verstand tragen das ihre dazu bei, dass diese Dokumentation von David Bernet und Bettina Borgfeld bei aller Sympathie, die sie für die Campesinos weckt, kein simpler Agit-Prop geworden ist, sondern den europäischen Zuschauer, bei dem sich generell in 80 % seiner Nahrungsmittel auf die eine oder andere Weise Soja befindet, eher reflektierend zurücklässt, sogar mit dem nicht unberechtigten Gefühl, auf der Seite jener zu stehen, die durch ihre Nahrungsmittelgewohnheiten die weltweite Nachfrage nach Soja fördern, mithin Geronimo und seinen Mitstreitern das Leben schwer machen.
Geronimo ist mit seiner artenreichen Landwirtschaft, die er mit seiner Frau und seinen Kindern betreibt, umgeben von endlos riesigen Sojafeldern, die industriell bearbeitet werden. Wie das staubt und stiebt wenn eine ganze Armada von Megatraktoren über die Felder rattert um das nahrungsreiche, genveränderte Getreide zu ernten. Welches Gift die weit auf den Boden der benachbarten Landwirte versprühen mit dem Wind, wenn sie das Glyphosat flächendeckend über die Natur verteilen.
Eine Campesina zeigt ihr Erdnussfeld: alle Wurzeln schwarz, Ernte kaputt. Jedes Jahr sprühen die öfter. Aber das Unkraut wird resistent, wie das hochgezüchtete transgene Soja es ist. Das Unkraut holt auf. Ein ewiger Wettlauf: ausrotten des Nicht-Gewollten und privilegieren des agroingenieurhaft veränderten Sojas.
Auch Agroingenieure kommen zu Wort. Sie leben in ihrer Welt. Verdienen sich ihr Geld mit der Genveränderung von Soja. Auch das sind Arbeitsplätze. Haben ihre Probleme mit dem längst resistenten Unkraut Margosa. Die Anlagenmanager wiederum, die im weltweiten Sojahandel tätig sind, die interessieren sich vor allem für stabile politische Verhältnisse. In Paraguay soll der Präsident Fernando Lugo dafür sorgen. An die Macht gekommen ist er mit den Stimmen der Campesinos. Jetzt, wo er an der Macht ist, äußert er sich nebulöser, wolkiger und distanzierter zum Konflikt Großkapital-Sojaindustrie gegen indigene Landwirtschaft.
Gerade zur Aussaatzeit können die Probleme eskalieren. Die Campesinos haben sich organisiert. Sie blockieren landwirtschaftliche Maschinen auf dem Weg zu Aussaat. Sie haben ein Camp errichtet. Davon betroffen ist auch ein brasilianischer Einwanderer, Valerio Eichelberger. Den kann man jetzt nicht reich nennen. Er verspricht sich für sich und seine Familie eine bessere Zukunft als in Brasilien. Seine Frau träumt von einem schicken Haus, wie andere es auch haben. Er ist finanziell besser dran als die Campesinos. Wohnt aber auch sehr einfach. Hat nur wenige Maschinen und einige Hektar Feld gekauft. Er hat für 50’000 Dollar bei der Bank Schulden gemacht, um genmanipuliertes Soja und das Unkrautvertilgungsmittel Glyphosat zu kaufen. Wenn er nicht aussäen kann, was macht er dann? Er scheint nicht gerade der Kämpfertyp zu sein. Er sieht sehr unglücklich aus, wie er wegen der Proteste der Campesinos nicht aussäen kann. Ihm könnte der Schuldenberg über den Kopf wachsen. Er sucht ja auch nur sein kleines Glück.
Das Unkrautvertilgungsmittel Glyphosat ist für den Menschen hochgiftig. Ein Junge, der in glyphosatverseuchtem Wasser gebadet hat, ist von einem Moment auf den nächsten erblindet. Auf solche Probleme dürfte Eichelberger nicht vorbereitet gewesen sein.
Wie die Situation vor der Aussaat zu eskalieren droht zwischen Polizei, Zeltdorf und den industriellen Sojabauern, den Großgrundbesitzern, da ist Geronimo clever genug, seine Leute zu beruhigen; sie können mehr tun, wenn sie diesmal nachgeben als wenn sie im Gefängnis landen. Obwohl der Staat sein Wort bricht und dann doch einige der Campesino-Anführer einkerkert. Dagegen organisieren die Campesinos eine große Protestdemo in Asuncion, die in Gewalt endet.
Die sympathische Weisheit, die Geronimo schon am Anfang im Film verbreitet: er sei früher ein Mann ohne Ziele gewesen, aber ein Mann ohne Ziele sei ein toter Mann. Längst hat er sein Ziel gefunden. Und kämpft inzwischen, auch mithilfe dieses Filmes, weltweit für sein Anliegen. Industriell angebautes Soja ist für ihn und sein Leben wie eine Bombe.
Ein wichtiger Dokumentarfilm, der eine der Grundlagen unserer Ernährung als hochproblematisch erscheinen lässt.

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der Film kriegt aktuell zusätzlich Brisanz durch den bedrohlich steigenden Soja-Preis.