Ein in der Art einer Boulevardkomödie von Jon Hurwitz und Hayden Schlosser gekonnt und temporeich gemachter Problembewältigungsfilm: die Probleme des Älterwerdens (der Schulabschluss liegt über zehn Jahre zurück), der Routine in der Ehe und der trotzdem ständig sich meldenden Lust auf Sex und Liebe.
Nach einigen eher lieblos, fast wie ein Signal hingeklotzten ersten Szenen, fangen die Charakteres (dafür zeichnet Adam Herz verantwortlich) schnell an, einen für sich einzunehmen. Vielleicht ist das ein Charme, der auch darauf beruht, dass das Team aus denselben Protagonisten besteht wie schon 1999 im ersten Film der Reihe. Dass der Dreh zum „Klassentreffen“ selbst zu einer Art Klassentreffen geworden ist. Und dass die Probleme im Film durchaus auch die Probleme der Darsteller sein könnten.
Es scheint sich im Team sowas wie bei einem Klassentreffen abgespielt zu haben. Dass sich alle gefreut haben, wieder miteinander, mit denselben Figuren, die jetzt alle etwas in die Jahre gekommen sind, teils Bäuchlein angesetzt haben, zusammenzuspielen. Das überträgt sich positiv auf den Zuschauer, der Effekt des Eins plus Eins ist im Team eben mehr als Zwei.
Die Autoren haben die Problemlage der Altersgruppe ernst genommen, sie mit komödiantischen Mitteln überhöht gezeichnet und auf die Spitze getrieben, haben Träume wahr werden lassen, wie sie dem normal 30-jährigen, der seine Lebensschiene sowohl im Beruf als auch als Ehemann/Ehefrau gefunden haben dürfte, wohl verwehrt sind. Es sind die nicht nachlassenden Träume auf wilden, spontanen Sex. Davon ist auch die Elterngeneration nicht gefeit, Jims Dad mit Stiflers Mom, die zeigen, dass sie, die noch mehr Lebens- und Schauspielererfahrung haben, durchaus in der Lage sind, mehr zu bieten hat als die halbwegs gesättigten 30jährigen.
Die Sehnsucht der erwachsen sich glaubenden 30er, wieder soviel Spass zu haben wie auf dem College. Es ist vielleicht auch insofern wie im richtigen Leben, es gibt ja Untersuchungen, wie oft am Tag ein Mann an Sex denkt, und hier im Film, da denkt er eben nicht nur dran, da tut er auch was dafür, ihn eventuell zu bekommen. Aus diesem Motiv heraus kann er in diverse verfängliche Situationen geraten oder gar mal ganz deftig in die Getränkekiste eines vermeintlichen Rivalen kacken und dessen Wassermoped als Autoanhängsel in einer zackigen Fahrt zerschreddern.
Die Gag- und Humorlage wird von Anfang an eindeutig zweideutig und markant kundgetan mit der eingangs erwähnten Szene. Die Frau von Jim hat Sehnsucht nach Sex. Aber da ist schon seit Jahren nichts mehr gelaufen. Jeder schaut für sich. Sie zieht sich ins Bad zurück und hantiert mit der Brause zwischen den Beinen. Derweil hockt Papa auf dem Bett vorm Computer, befriedigt sich chattender Weise. Der kleine Sohnemann kommt ganz unschuldig rein, fragt naiv, was Papa mache, vor lauter Schreck klappt dieser den Laptop zu und klemmt seinen kleinen Freund schmerzhaft ein. Kurz darauf steht er in seiner Pyjamahose, auf der ein Blutfleck zu sehen ist, vor dem Kind und entdeckt seine Frau im Bad. Hier fühlte ich mich noch irgend wie fremd, und ich denke, dass es vor allem die Liebenswürdigkeit und Glaubwürdigkeit der Charaktere sind, die einen die weiteren verfänglichen Situationen ganz gut gelaunt ertragen lassen. Weil ein Ernst dahinter steckt, der die Figuren nie denunziert. Weil das Thema bei aller derben, die Gürtellinie gezielt ignorierenden und gar nicht neuen Filmkomödiantik ernst genommen wird. Weil die Macher die Mittel der Komödie, eben nicht nur der Gags und Witze, sondern auch der Charakterisierungen der Figuren beherrschen, dürfte es für viele zumindest eine Angelegenheit zum Ablachen sein, aber eben zu einem qualitativ durchaus akzeptablen Ablachen, vielleicht könnte man sogar sagen von einem erleichternden wenn nicht gar reinigenden Ablachen sprechen.

Einträge (RSS)