Archiv für April 2012

Heute vor fünf Jahren ging filmjournalisten.de online, hier der erste Post. Schon interessant, wie sich der Blog seit damals gemausert hat.

Ursprünglich wollte ich einen News-Bereich für meine damals auf dem Weg zur Wiedereröffnung befindlichen Rechercheagentur speziell für Filmkritiker einrichten. Dies war im Budget für die Seite nicht drin, daher entschloss ich, das eben parallel und etwas unabhängiger als Blog laufen zu lassen.

Zu dieser Zeit war ich mächtig enttäuscht, denn im Jahr zuvor war meine Geschäftsidee vorerst gescheitert, nicht zuletzt weil sie kurz nach der Eröffnung (die war übrigens genau heute vor 6 Jahren) von einem Neider anonym torpediert worden war. Ich musste jede Menge Schadensbegrenzung bei jeder Menge Filmfirmen betreiben, bei denen ich ungerechtfertigterweise angeschwärzt worden war, teilweise mit wenig Erfolg.

Als die Wiedereröffnung meiner Seite sich aus Gründen weiter und weiter verzögerte, begann ich eben, im als News-Bereich geplanten und angelegten WordPress zu bloggen, quasi aus Langeweile. Und zwar viel eher über die Zusammenhänge zwischen Filmwirtschaft, Film-PR und Filmkritik als über Filme selbst. Bisweilen eckte ich damit an, bei Kollegen wie bei Filmfirmen, doch zum einen bin ich noch mit allem angeeckt, was ich jemals angefangen habe, und zum anderen habe ich hier nie gelogen.

Natürlich war ich lange Zeit noch grün hinter den Ohren. Heute gehe ich Texte und Berichterstattung völlig anders an, manche meiner eigenen Texte würde ich so jedenfalls heute nicht mehr veröffentlichen. Das Internet war zwar nicht neu für mich, ebensowenig das Bloggen selbst (ich hatte seit 4.2.2006 mit meinem Brottcast erste Blog-Erfahrungen gesammelt), aber das Publikum von filmjournalisten.de war ein völlig anderes.

Über die Jahre mäanderte die Seite thematisch zwischen Filmkritik und Branchenkommentaren. Heute liegt der Fokus stark auf der Filmkritik. Zum einen liegt das daran, dass zu Branchenthemen so gut wie alles gesagt ist, zum anderen hatte ich doch glatt jede Menge Beschwerden, warum es so wenig Filmkritiken auf der Webseite gibt.

Seit Stefe an Bord ist, ist das anders. Nun haben wir jede Menge Filmkritiken, und jede Menge Diskussionen zu diesen.

Ich finde das interessant. Die Nullachtfuchzehn-Filmkritik von der Stange ist nämlich ganz einfach strukturiert: Plot Summary, aber nur bis zu einem gewissen Punkt, so dass der weitere Handlungsverlauf offen bleibt (“wird er die Bombe rechtzeitig entschärfen, um seine Tochter retten zu können?”), dann Kritik in der Form, dass einzelne Aspekte des Films beleuchtet werden, also Takt, Dialoge, Licht, Effekte, Ton und so weiter. Viele Kollegen machen hier den Fehler, ihre persönliche Meinung zu sehr einzubringen. Am Schluss gibt es ein Fazit, meist etwas plumpes in der Art, dass man gut was geboten bekommt für seinen Eintritt oder dass man den Film wohl mögen wird, wenn man diesen oder jenen anderen Streifen mochte. So sieht die normale Kritik aus, das lesen die Leute.

Stefe macht das nicht so. Stefe schreibt über Filme in einer Weise, als wenn Kinobesucher sich nach dem Film unterhalten. Stefe schreibt keine Kritiken, sondern wahrliche “Re-Views”. Auch sind sie massiv von der Autorenmeinung durchtränkt, sie bilden daher ein ganz eigenes Genre der fachlichen Besprechung eines Filmes. Diese Meinung ist jedoch nicht an den Text drangeklatscht, sondern aus den Erfahrungen mit dem Film entwickelt und ebenso im Text geäußert. Und es gibt jede Menge Diskussionen um Stefes Texte, inklusive persönlicher Antworten, teilweise melden sich die Filmemacher selbst zu Wort. Ich finde diese Texte toll, denn sie ermöglichen dem Leser einen anderen Blickwinkel auf die aktuellen Filme, abseits von dem üblichen “Es war einmal”-Geschwurbel. Und ich bin begeistert, dass über die Filme diskutiert wird.

Wie soll es weitergehen? Sollte ich diese Webseite monetarisieren? Die Klickzahlen ließen dies gerade so zu, die Einnahmen würden wohl ungefähr die Hostingkosten decken. Zweimal habe ich bezahlt gebloggt, diese Einträge sind übrigens mit “Kooperation” gekennzeichnet. Die Gegenleistung war gering, aber ich war jung und brauchte den Amazon-Gutschein. Tendenziell bin ich gegen sowas, auch gegen Werbung, aber irgendwie muss die Butter ja aufs Brot. Sollte ich sonst was ändern? Inhaltlich, optisch? Habt Ihr Wünsche oder Vorschläge? Sagt es in den Kommentaren!

Für die Zukunft habe ich noch keine konkreten Pläne. Nicht, weil ich alles perfekt finde, wie es ist. Sondern, weil man natürlich erst mal ein Ziel braucht, wo man hin will. Also bleibt erstmal alles, wie es ist. Um es mit einem geflügelten Wort meiner schwäbischen Vorfahren zu sagen: “Nur id hudla!”

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Es gibt so Tage, da bekommt man einen Anruf von einem alten Freund, von dem man lange nichts mehr gehört hat, und der einen dann ganz plötzlich fragt, ob man nicht in einem Kinofilm mitspielen möchte, den dieser gerade dreht. So oder ähnlich geht es zu, wenn Freunde und Bekannte sich zusammentun, um “was eigenes” auf die Beine zu stellen. Immer wieder hört man Geschichten von Independentproduktionen, die so independent sind, dass selbst die Presse erst Wind davon bekommt, wenn schon fast alles im Kasten ist.

Und genauso läuft es seit einigen Jahren in Bad Tölz. Im Jahr 2006 fand sich eine bunte Truppe von Filmverrückten zusammen, um Tödliche Verbindungen zu drehen – basierend auf einer wahren Begebenheit, entnommen dem True Crime-Buch Mordsgeschichten aus Bad Tölz und dem Isarwinkel. Das Filmprojekt fand jede Menge wohlwollende Unterstützer in der ganzen Gegend, und wurde schließlich erfolgreich ins Kino gebracht. Die Entstehungsgeschichte ist abenteuerlich und eigentlich ein eigenes Buch wert.

Nun haben sich die Jungs vom Oberland wieder zusammengefunden, um eine weitere wahre Geschichte der Mordsgeschichten zu verfilmen: Pension Freiheit spielt 1988 und dreht sich um Menschenschmuggel aus der DDR, die Stasi und die Tölzer. Auf die Handlung will ich gar nicht weiter eingehen, denn das Filmprojekt selbst ist derart bewundernswert, dass man sich einfach selber ein Bild machen sollte.

Sicher, die Schauspieler könnten professioneller sein, der Takt ausgefeilter, das Drehbuch ebenso, aber das ist alles egal. Hier haben wir ein weiteres Zeugnis dafür, dass man selbst einen Kinofilm drehen kann, wenn man nur möchte. Die durch die Bank hochsympathische Riege von Cast und Crew erlaubte uns, einen Tag am Set zu verbringen. Völlig ohne Berührungsangst durften die Journalisten einfach überall dabeisein, ihre Fragen stellen, ihre Kameras draufhalten und so weiter. Keine inszenierte Show für die Presse (von der Gelegenheit für ein Gruppenfoto einmal abgesehen), sondern ein echter Setbesuch.

Mein Fazit: Guckt Euch den Film an (Tödliche Verbindungen zu kennen, ist nicht nötig, aber wäre nett). Und das nicht nur, wenn Ihr das Gefühl habt, selbst noch irgendeine Spur auf diesem Planeten hinterlassen zu müssen. Dieses Team macht Euch vor, wie es geht und wie man dabei tierischen Spaß hat. Geht auf einen der Termine der Kinotour und fragt den Leuten Löcher in den Bauch. Ihr werdet merken, die kochen auch nur mit Wasser. Und in Full HD filmen heute sogar schon die Handys, also gibt es keine Ausreden mehr.

Hier ein Video vom Setbesuch, das ich gemacht habe – leider sind mir einige Szenen unscharf geworden. Aber ich schaffe wohl eh bald die Nikon D3200 an. Viel Spaß!



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Wieviele Schauspielerinnen es doch in Frankreich gibt, die auch noch Filme machen. Valérie Donzelli gehört dazu. Sie hat für diesen Tumorfilm zusammen mit Jérémie Elkaim das Drehbuch geschrieben und auch die Regie geführt. Das ist ein ganz persönlicher Film. Die filmische Verarbeitung persönlicher Erlebnisse im Zusammenhang mit einer bösartigen Krebserkrankung eines Kindes.

Der Kurzinhalt aus dem Pressematerial liest sich wie folgt: „Ein junges glückliches Paar, Roméo und Juliette. Ihr kleines Kind, Adam. Eine starke Bewährungsprobe. Und die grandiose Liebesgeschichte einer kleinen Familie“.

Was der Film in jedem Moment durchblicken lässt, dass Valérie Donzelli das Thema umtreibt, dass sie eine Dringlichkeit in sich spürt, die Geschichte zu erzählen. Was allerdings nicht ganz klar ist, was sie nun ganz genau erzählen will oder, wie ich an manchen Stellen dann doch den Verdacht gekriegt habe, ob sie nicht doch mehr zu „zeigen“ versucht, wie furchtbar doch der ganz bösartiger Tumor Rhabdoid im Kopf eines Kleinkindes sei. Oder will sie uns doch eher zeigen, wie zerbrechlich doch die Liebe ist?

Andererseits muss ich nun nicht unbedigt im Kino sehen, wie die Eltern die ersten Asymmetrien im Gesicht des Kindes feststellen, wie sie besorgt sind, wie sie zum Arzt gehen, zu Frau Dr. Prat, ein lustiger, heftiger Name für eine Kinderärztin. Ich muss das wirklich im Kino nicht so detailliert sehen, welche Untersuchungen nun gemacht werden. Was der Spezialist in Marseille sagt. Die Vorbereitungen zur Operation.

Die Erzählerin hat die Umgebung auch im Auge. Die Großeltern, die ängstlich auf das Resultat warten, die Eltern natürlich auch; wie eine Flasche Sekt vorbereitet wird zur Feier für die erwartete gute Nachricht von der gelungenen Operation. Das sind Momente, wo Donzelli sich durchaus der Mittel der Parodie oder Groteske bedient.

Auch bei einigen Szenen des Elternpaares Romeo und Julia im Spital. Die sind oft ganz unkonventionell; die Mutter am Anfang viel zu hysterisch. Auch die Entscheidung, bei welchem Arzt man operieren lassen wolle und dann die Suche in der Ärztegruppe, welcher nun der heilende Gott sei. Bitterscharfes Licht auf eine Realität, die sogar lachen machen kann, so gewichtig, wie sie sich gibt.

Was die Dringlichkeit des Erzählens auch unterstreicht: es wird mit minimalen Aufwand gedreht, mit einer sehr beweglichen Kamera, mit nicht allzuviel Lichtsetzungen; dadurch und auch durch den Wechsel in den Haltugen, von humoristisch bis todernst, von wissenschaftlich bis künstlerisch, entsteht der Eindruck einer raren Spontaneität, als ob sie erzähle, wie es ihr grad einfalle und es sind Details, die als merkwürdige Details unbahängig von der Story stehen bleiben können. Genauso wach und lustig und fast chaotisch könnte sie einen Film über Hygieneprobleme drehen.

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Xiaolu Guo, die Autorin und Regisseurin dieses Filmes, möchte viel. Sie will den rapiden Wandel eines verschlafenen chinesischen Dorfes zeigen, in dem plötzlich Bildung, Geld und Bauwut Einzug halten. Dann möchte sie die Geschichte von Kwok Yun, gespielt von Shi Ka zeigen, die schon etwas älter ist und immer noch nicht verheiratet, die aber eine Affäre mit dem verheirateten Lehrer im Dorfe hat und diesen so weit treibt, dass er die Scheidung einreicht, so dass für die Bürgermeisterin eine Hochzeit stattfinden kann, die ihr bei den nächsten Wahlen helfen wird, nämlich eine politisch erwünschte Liaison zwischen einer ungebildeten Analphabetin und einem Intellektuellen, was der herrschenden Ideologie entspricht.

Guo fängt mit einem Bild der wunderbaren Gegend mit den vielen zuckerstockförmigen Bergen an, ein nackter Knabe spielt an einem Fluss, zieht etwas hinter sich her und wie die Kamera sich nähert, bewegt er sich von ihr weg, läuft dem Fluss entlang. Dann erfasst die Kamera eine Frau mit einer roten Bluse (die sich bei näherem Sehen als ein Poloshirt entpuppt), die auf dem Fahrrad durch die Gegend fährt. Sie trifft einen Mann. Die beiden schauen sich um. Sie suchen in der freien Natur einen Platz, wo sie sich ungestört lieben können, was sie dann auch heftig bis kunstgewerblich dargestellt tun. Eine Kuh muht im Hintergrund. Dazu ein aufgeregter Trommelrhyhtmus auf der Tonspur. Die Liebenden ziehen sich wieder an.

Dann ist die Frau allein. Sie findet einen Kristall. Jetzt lösen sich die Bilder wieder in kunstgewerbliche Fantasiegebilde auf, die Frau taumelt, es gibt Hintergrundgeräusche, die an einen Helikopter erinnern, es kommt der Titel. Wir sind am Ort „3-köpfiger Vogel“; jetzt verändert sich die Erzählweise. Sie wechselt ab zwischen Schwarz-Weiß-Sequenzen, in denen verschiedene Bewohner des Dorfes vorgestellt werden anhand einer Befragung durch eine Amstperson.

Unsere Frau hat nämlich im Dorf erzählt, sie habe ein UFO gesehen und das muss recherchiert werden. Was haben sie am 11. September getan? Das ist die Frage an den Wanderarbeiter, der Fahrräder repariert, an den Schlachter, der von Hygienevorschriften nichts weiß, an den Bauern, den Vater von Kwan, an die Bürgermeisterin, an den Lehrer, an den Computermenschen (der als einziger Kommunist ist).

Der Fahrradmechaniker wird politisch als subversiv eingestuft. Der wird später auch zu seinem Papieren kontrolliert und der Schlachter muss seinen Laden schließen. Der Vater der Frau des Lehrers hat sich im Karpfenteich umgebracht, ganz grausam umgebracht, weil der Lerher sich von der Tochter hat scheiden lassen; die Loverin des Lehrers sei schuld.

Es gibt aber noch andere Geschichten. Kwok hat nämlich einen verletzten Amerikaner gefunden, den spielt der Udo Kier gewohnt professionell und lebendig, der ist von einer Schlange gebissen worden und Kwan versorgt ihn in ihrer bescheidenen Hütte. Sie will Medikamente besorgen und wie sie zurückkehrt, ist der Amerikaner verschwunden. Der wird später, da fängt noch eine Geschichte an, 3000 Dollar an die ihm unbekannte Retterin schicken und sie wird die Heldin des Dorfes und das Geld soll in die Bildung investiert werden.

Die Bildung fängt an, Investoren anzuziehen. Es soll ein Hochhaus gebaut werden, ein Golfplatz, ein Ufo-Denkmal. Manche Projekte erlebt man im Film und wie gebaut wird, andere werden wieder vergessen. Der Karpfe, so nennen sie den Fischer, der fängt kaum mehr Fische. Zwischendrin gibt’s ein kunstgewerbliches Impressionen-Potpourri aus der Gegend. Das Hotel ist plötzlich fertig. Das UFO-Museum wird eingeweiht.

Wie im amerikanischen Film schwebt der Amerikaner mit einem Helikopter ein. Später gibt’s die Hochzeit zwischen dem Lehrer und Kwan. Parallel dazu gibt’s einen Aufstand der Bauern gegen die Bauarbeiter. Xiaolu Guo möchte einfach alles erzählen, was so passieren kann in einem Dorf und vor lauter vielem, weiß man nicht recht, auf welche der Geschichten man sich konzentrieren möchte, denn die brechen auch wieder abrupt ab.

Ein buntes Gemisch aus Spielhandlung, Landschaftsimpressionen, Informationen über das Leben in China. Nicht ganz klar ist, für wen Xiaolu Guo den Film überhaupt gemacht hat. Für die Westler, die Europäer, damit sie etwas über China erfahren? Oder für die Chinesen, damit die etwas über ihr Land erfahren können? Oder vor allem für die westlichen Förderer aus Deutschland und den Hubert-Bals-Fonds des Filmfestivals Rotterdam? Offenbar aber nicht für jenen Zuschauer, der eine spannende Geschichte im Kino erwartet, die ganz nebenbei vielleicht auch noch was über China erzählt. So ist der Film jedenfalls ganz schön anstrengend, wenn durchaus interessant.

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Irakkriegstrauma-Süssholzverarbeitung à l’Américaine. Schon die nervig drüber gelegte Musik säuselt einem ständig ins Ohr, Krieg, das ist doch nicht so schlimm, Schicksal ist Schicksal, aber wir nehmen es in die Hand, so weit es geht. Und wenn es im Krieg nach so einem Raid, bei dem die martialisch ausgerüsteten amerikanischen Soldaten nachts brachial in die innersten Gemächer islamischer Familien eindringen, einen erwischt, so gibt’s einen Buddy, der dann im Verlaufe des Filmes die trauernde Hinterbliebene trösten kann. Aber so weit sind wir noch nicht.

In einer merkwürdig zusammengeschnittenen Art wird nach einem Bild mit Schiff über wunderbarer Flusslandschaft einer dieser berühmt-berüchtigten Raids im Irak gezeigt, es wird nicht ganz klar, ob das jetzt ein Vorfilm zu etwas sein soll oder ein Trailer. Der Raid wird immerhin in einiger Brutalität gezeigt.

Ein Soldat findet kurz vor einer weiteren Explosion ein halbes Foto mit einer blonden Frau drauf und einem markanten Turm im Hintergrund. Dann schleudert ihn die Explosion in die Bewusstlosigkeit. Es ist unser Marzipantörtchen von Mann, Zac Efron, Schwarm sicher vieler leicht entzündbarer Frauen, weil er kein angsteinflößender Mann in männlicher Hinsicht ist, ein Mann, den man in seinen Träumen wunderbar in die eigene Puppenstube einbauen kann.

Er kehrt zurück zu seiner Familie. Der Hund erkennt ihn sofort. Er leidet unter posttraumatischen Störungen, die sich in Panikattacken bei den kleinsten Geräuschen äußern, was für seinen Neffen recht gefährlich werden kann. In der familiären Umgebung fühlt er sich nicht wohl.

Er hat das Bild mit der Blondine gerettet. Er will die Frau suchen. Das ist immerhin dramaturgisch eine einleuchtende Geschichte. Er marschiert zu Fuss von Colorado bis in jene Flussgegend, die mir nicht näher identifizierbar schien. Er findet den markanten Turm. Er fragt Leute nach der Blondine. Er wird auf ein Hundeheim verwiesen. Er stößt auf die Blondine und ihm fehlen die Worte. So lässt er sich, statt vom Krieg zu berichten, als Helfer anstellen.

Im Haushalt ist noch die Oma der Blondine und ein Junge. Weil Zac Effron, der hier Logan heißt, immer mal ein bisschen ungeschickt in der Gegend rumsteht, macht das einen bedrohlichen Eindruck. Denn die Störung könnte jederzeit über ihn kommen. Der kriegsidelogische Kitsch verlangt nun, dass Blondine und Zac sich zu lieben anfangen; dass es noch den Vater ihres Buben gibt, einen richtig unsensibel und bös gezeichneten Polizisten, der es gar nicht gern sieht, dass Logan plötzlich bei den Hunden, den zwei Frauen und dem Buben arbeitet und nach dem rechten sieht.

Im Rhyhtmus wie es die Fernsehsender normalerweise verlangen, werden jetzt auch alle paar Minuten gesellschaftliche Ereignisse eingeblendet, ein Charity-Event, ein Markt, ein Fest, ein Tanzanlass.

Das Design der Bilder, vor allem wenn Natur vorkommt, ist sehr romantisch gehalten. Eine einhüllende, einfangende, beschützende Natur meist in warmem sonnigem Lichte bis goldherbstig, es sei denn, dass vorher gerade ein Sturm getobt hat. Schöne Bilder, immer im Grenzbereich von Feelgood und Romantik. Und immer diese beschwichtigend zupf-säuselnde Musik drüber, wie ein Zuckerguss, ob dem einem übel werden kann, die uns ständig suggeriert, es sei alles halb so wild, das Schicksal habe es letztlich gut gemeint.

Man plaudert auch gar nichts aus, wenn man erzählt, dass nach einem theatralisch heftigen Sturm endlich das Happy-End erreicht wird.

Das Bild mit der blonden Frau drauf hat Logan beschützt. Es sollte einen anderen beschützen. Aber das Schicksal wollte es so. Das muss man annehmen. Ein Film mit Gemütssauce aus allen Departments: dem ideologischen, dem bühnenbildnerischen, dem musikalischen, dem drehbuchmässigen, dem schauspielerischen. Kriegsheimkehrer-Melo aus dem tiefsten Süden. Zac Efron soll vermutlich das darstellen, was nach heutigen Life-Style-Magazinen ein schöner, attraktiver Mann zu sein hat.

Zum Brüllen komisch sind die Kussversuche zwischen Efron und der Blondine. Man sieht ihnen förmlich die Panik vor Tröpfcheninfektionen oder Schleimvermischungen an.

Verantwortlich für diesen Film zeichnen Will Fetters für das Drehbuch nach dem Roman von Nicholas Sparks und für die Regie Scott Hicks.

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Mit dem heiligen Ernst eines jungen Fassbinders setzt Darioush Shirvani, der Autor, Regisseur und Produzent dieses Filmes seine Message ins Zentrum. Es geht ihm nicht darum, irgend eine geleckte Pseudoprofessionalität an den Tag zu legen, es geht ihm nicht darum, einen Augsburgfilm zu machen, auch wenn die Haupthandlung in Augsburg spielt. Er richtet hundertporzentige Konzentration auf das Spiel und das Zusammenspiel der Darsteller, auf die Dialoge, auf das einfache Einfangen der Situationen mit der Kamera ohne Sperenzien, auf seine Message.

Was aber ist diese Message, die er mit einigen Randfiguren unserer Gesellschaft, Pennern, Alkoholikern, Obdachlosen, Prostituierten, Zuhältern erzählen will? Welche Message will er mit seiner ganzen Leidenschaft verbreiten? Es scheint mir die zu sein, dass Obdachlosigkeit dem Menschen nicht die Menschlichkeit, nicht die Würde rauben soll, dass Alkoholikertum behandelbar ist, dass auch Prostituierte Menschen sind, dass auch diese Randgruppen Aufmerksamkeit verdienen. Dass auch sie Gefühle und Träume haben wie wir anderen Menschen auch.

Die Frage, die sich mir allerdings stellt, ob sich viele unserer Wohlstandzeitgenossen bereit finden werden, ins Kino zu gehen, um so eine Message zu vernehmen. Denn Shrivani hat seine Message also solche direkt in das Drehbuch eingearbeitet. Sie wird in den Gesprächen der Figuren ausgesprochen. Weil Shirvani offenbar mehr an seiner eigenen Message interessiert ist, hat er also, statt die Figuren ganz genau zu studieren und entsprechend zu zeichnen, sie viel mehr dafür hergenommen, seine Message (die damit eine der Figuren über sich als Figuren selbst wird) zu artikulieren. Die Figuren handeln also weniger ihren Alltagsneeds, ihren Problemen der Alltagsbewältigung gemäss. Die Idee von Shrivani dürfte die gewesen: nicht dokuähnlicher Spielfilm, der uns den Alltag dieser randständigen Figuren näher gebracht hätte, sondern künstliche Situationen, die diesen Alltag zwar markieren, ihn aber, Augsburg gleich Brecht, in gewisser Weise verfremdet darstellen.

Alltagssituationen kommen eher des Arrangements halber, denn aus der Notwendigkeit einer Spielhandlung vor. Mal als ein kleiner Flash die Obdachlosen beim Flaschensammeln oder Paul, der weißhaarig Weise unter ihnen, der immer einen Spruch oder eine Lebensweisheit über das Feuer und die Leidenschaft und das Vergehen bereit hat, und der einmal erklärt, für den Winter habe er eine kleine Hütte organisiert.

Da die Message des Filmes zum Thema der Gespräche der Figuren wird, steigen sie sozusagen gleichzeitig auch aus ihrem Figursein aus – werden aus der filmrealistischen auf eine theatralkünstliche Ebene gehoben. Das erinnert an Obdachlosenzeitungen. Die kauft man zwar aus Mitleid und aus Anerkennung, dass Verkäufer nicht bloss wie Bettler rumhängen oder jammern, sondern, dass sie was tun. Nur leider drehen sich ihre Texte meist nur um ihre Lage und um sich selbst, schaffen es kaum, gesellschaftlich verbindliche, womöglich gar schmerzhafte Statements abzugeben. In manchen Momenten entsteht der Eindruck, ein Sozialarbeiter erarbeitet sich mit „Betroffenen“ ein Stück über ihr Leben. Das verweist das Produkt in die Nische von Bekannten, Verwandten, Projektunterstützern oder Gutmenschen.

Wenn ich jetzt ein Bekannter des Regisseurs wäre, ein Freund, wenn ich die ganze Mühe dieses Proejektes über mehrere Jahre ohne jede Förderung zu stemmen hautnah miterlebt hätte, er würde bei der Premiere von mir mit Komplimenten überschüttet werden. Erst später, in einer ruhigen Stunde, würde ich ihm dann das sagen, was ich jetzt oben geschrieben habe.

Der zahlende Kinozuschauer will aber weder über Obdachlose aufgeklärt oder belehrt werden, noch über Prostitutierte, noch will er ein wohltätiger Projektunterstützer sein wie der Käufer einer Obdachlosenzeitung. Es sei denn, so ein Film wird dezidiert zur Unterstützung eine sozialen Projektes gezeigt. Auch in dem Rahmen wäre ihm ein großes Echo sicher. Aber im normalen Kinoprogramm sehe ich den Film weniger, so wohltuend es ist, einen Film zu sehen, der nicht infiziert ist von der grassierenden Sterilität geförderter Projekte. Und das kann man von Darioush Shiranis Film nun garantiert nicht behaupten.

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Ein in der Art einer Boulevardkomödie von Jon Hurwitz und Hayden Schlosser gekonnt und temporeich gemachter Problembewältigungsfilm: die Probleme des Älterwerdens (der Schulabschluss liegt über zehn Jahre zurück), der Routine in der Ehe und der trotzdem ständig sich meldenden Lust auf Sex und Liebe.

Nach einigen eher lieblos, fast wie ein Signal hingeklotzten ersten Szenen, fangen die Charakteres (dafür zeichnet Adam Herz verantwortlich) schnell an, einen für sich einzunehmen. Vielleicht ist das ein Charme, der auch darauf beruht, dass das Team aus denselben Protagonisten besteht wie schon 1999 im ersten Film der Reihe. Dass der Dreh zum „Klassentreffen“ selbst zu einer Art Klassentreffen geworden ist. Und dass die Probleme im Film durchaus auch die Probleme der Darsteller sein könnten.

Es scheint sich im Team sowas wie bei einem Klassentreffen abgespielt zu haben. Dass sich alle gefreut haben, wieder miteinander, mit denselben Figuren, die jetzt alle etwas in die Jahre gekommen sind, teils Bäuchlein angesetzt haben, zusammenzuspielen. Das überträgt sich positiv auf den Zuschauer, der Effekt des Eins plus Eins ist im Team eben mehr als Zwei.

Die Autoren haben die Problemlage der Altersgruppe ernst genommen, sie mit komödiantischen Mitteln überhöht gezeichnet und auf die Spitze getrieben, haben Träume wahr werden lassen, wie sie dem normal 30-jährigen, der seine Lebensschiene sowohl im Beruf als auch als Ehemann/Ehefrau gefunden haben dürfte, wohl verwehrt sind. Es sind die nicht nachlassenden Träume auf wilden, spontanen Sex. Davon ist auch die Elterngeneration nicht gefeit, Jims Dad mit Stiflers Mom, die zeigen, dass sie, die noch mehr Lebens- und Schauspielererfahrung haben, durchaus in der Lage sind, mehr zu bieten hat als die halbwegs gesättigten 30jährigen.

Die Sehnsucht der erwachsen sich glaubenden 30er, wieder soviel Spass zu haben wie auf dem College. Es ist vielleicht auch insofern wie im richtigen Leben, es gibt ja Untersuchungen, wie oft am Tag ein Mann an Sex denkt, und hier im Film, da denkt er eben nicht nur dran, da tut er auch was dafür, ihn eventuell zu bekommen. Aus diesem Motiv heraus kann er in diverse verfängliche Situationen geraten oder gar mal ganz deftig in die Getränkekiste eines vermeintlichen Rivalen kacken und dessen Wassermoped als Autoanhängsel in einer zackigen Fahrt zerschreddern.

Die Gag- und Humorlage wird von Anfang an eindeutig zweideutig und markant kundgetan mit der eingangs erwähnten Szene. Die Frau von Jim hat Sehnsucht nach Sex. Aber da ist schon seit Jahren nichts mehr gelaufen. Jeder schaut für sich. Sie zieht sich ins Bad zurück und hantiert mit der Brause zwischen den Beinen. Derweil hockt Papa auf dem Bett vorm Computer, befriedigt sich chattender Weise. Der kleine Sohnemann kommt ganz unschuldig rein, fragt naiv, was Papa mache, vor lauter Schreck klappt dieser den Laptop zu und klemmt seinen kleinen Freund schmerzhaft ein. Kurz darauf steht er in seiner Pyjamahose, auf der ein Blutfleck zu sehen ist, vor dem Kind und entdeckt seine Frau im Bad. Hier fühlte ich mich noch irgend wie fremd, und ich denke, dass es vor allem die Liebenswürdigkeit und Glaubwürdigkeit der Charaktere sind, die einen die weiteren verfänglichen Situationen ganz gut gelaunt ertragen lassen. Weil ein Ernst dahinter steckt, der die Figuren nie denunziert. Weil das Thema bei aller derben, die Gürtellinie gezielt ignorierenden und gar nicht neuen Filmkomödiantik ernst genommen wird. Weil die Macher die Mittel der Komödie, eben nicht nur der Gags und Witze, sondern auch der Charakterisierungen der Figuren beherrschen, dürfte es für viele zumindest eine Angelegenheit zum Ablachen sein, aber eben zu einem qualitativ durchaus akzeptablen Ablachen, vielleicht könnte man sogar sagen von einem erleichternden wenn nicht gar reinigenden Ablachen sprechen.

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Kino als Voyeurismus pur. Wer einen gepflegten, intimen, aufreizenden bis melancholisch-wehmütigen Blick in ein Edelbordell des Paris von 1899/1900 werfen will, der ist hier richtig. Der ist hier aufgehoben in einer Welt mit engen Fluren, dunklen Vorhängen, düster gemusterten Tapeten, Frauen in jeder Sekunde malerisch gekleidet oder malerisch nackt und ebenso anzusehen. Hindrapiert mit ihren Freiern oder mit dem schwarzen Jaguar Vuitton wie auf einem schwülstigen Oelgemälde vergangener Zeiten.

Aus diesen Gängen und Räumen gibt es kein Entkommen. Zumindest für die Frauen nicht (aber im Grunde genommen auch für die Männer nicht; denn sie kommen immer wieder), für Samira, Clothilde, Julie, Léa, Madelein, Pauline. Denn die meisten sind hochverschuldet bei Madame, der mütterlichen Betreiberin des Bordells. Die Mädchen wohnen im Hause, in Gemeinschaftsräumen unterm Dach, wo normalerweise das Personal wohnt. In gewissen Sinne sind sie ja auch das Personal.

So diskret die Atmosphäre am Hause geschildert wird in diesem Film, so diskret wird sie musikalisch begleitet. Ausnahme bildet das große Maskenfest zur Auflösung des Etablissements, weil Bordelle verboten worden sind, da schmettert Pavarotti, der noch gar nicht auf der Welt gewesen sein dürfte, eine tolle Arie aus den Lautsprechern des Kinos.

Der Film versucht zum Vornherein den allfälligen Vorwurf des Voyeurismus, den ich aber aufrecht erhalte, muss ja auch nichts schlechtes sein und wer, wenn nicht das Kino, kann diesen besser und lustvoller bedienen, also der Film versucht diesen Vorwurf zu entkräften, indem er ein möglichst komplexes Bild aus dem Leben in so einem Gefängnis ausbreitet.

An Pauline erleben wir, wie ein Mädchen vom Lande von sich aus in dem Betrieb anheuert. Pauline darf als erstes in Champagner baden. Man sieht die Mädchen bei der ärztlichen Untersuchen, bei der Intimwäsche, ui das Sperma ist so klebrig, nach dem Verkehr, bei der Vorbereitung für die Arbeitszeit, beim Frühstücken, wenn Madames Schulkinder gerade aufgestanden sind und die Frauen endlich schlafen gehen sollten. Es gibt verschiedene Freier mit ihren speziellen Wünschen. Auch die Brutalität wird nicht ausgespart, Opfer ist Mathilde, deren Gesicht plötzlich von schweren Narben entstellt ist. Pauline muss Puppe spielen. Einer möchte sich vor allem unterhalten. Es wird auch gezeigt, dass es eine Stammkundschaft, Industrielle, Kaufleute, Banker gibt, die auch immer wieder die gleichen Mädchen buchen.

Der Traum von der Befreiung mittels Geschenk, Smaragd, eines Freiers fehlt ebensowenig wie die Gefahr durch Geschlechtskrankheiten, die Angst vorm Abstieg in einen billigen Puff zum Beispiel in Marseille.

In den Wartezeiten sitzen die Mädchen im Kontaktsalon, spielen ein Blasspiel, lassen sich die Karten legen oder reiben mit feuchten Fingern an den Rändern halbgefüllter Weingläser, was eine ganz eigene Klang-Musik ergibt, die sich anhört wie ein Klagelied über die ewige Wiederkehr des Gleichen.

Etwa zur Halbzeit des gut zweistündigen Filmes gibt’s sogar einen kurzen Betriebsausflug, ein Picknick der Liebesarbeiterinnen mit ihrer Madame im Grünen. So kommen wir in den Genuss viele gut gebaute nackte Frauen ins Wasser springen zu sehen. Ein kleine Delikatesse: ein paar Schamhaare der Prostituierten in einem Kuvert dem Freier gereicht bedeutet, dass sie von ihm die Nase voll habe (ein Vokabular, was so im Film selbstredend nicht vorkommen würde).

In so einem schweren Interieurfilm ist kein rasanter Rhyhtmus möglich, da geht alles im Gleichmaß seinen Gang. Dieses Gleichmaß kommt einer Gefangennahme gleich. Der Ehemann, der findet, mit Huren sei er glücklich und der nach dem Bordellbesuch gar nicht wieder nach Hause zu seiner bürgerlichen Familie will. Das Elend des Freiers wird hier gezeigt. Nach dem Tod einer der Frauen tanzen die Überlebenden einen trübsalschweren sentimentalen, schwülstigen Tanz. Dieser Film verweigert sich dem Politischen in Gänze. Er ist wie ein perfekter, undurchdringlicher Oelgemäldeteig. Bertrand Bonello hat ihn meisterlich angerichtet.

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Akademisches, snobistisches oder Fan-Vergnügen?

Auf jeden Fall ein Vergnügen und das ohne Not. Für Fans von Marilyn Monroe oder Sir Laurence Olivier oder von Michelle Williams oder Kenneth Branagh – die beiden letzteren spielen hier die beiden ersteren – oder von Colin Clark, der bei einem Dreh der beiden ersteren in London „Dritter“ also in der Regieassistenten-Hierarchie der Underdog war und der eine gewisse vertrauliche, seelentröstende Zeit mit Marilyn allein verbringen durfte und darüber ein Buch geschrieben hat, welches ganz zufällig am 19. März als Deutsche Erstveröffentlichung in den Buchhandel gelangen wird.

Auf jeden Fall ein feines Häppchen für die Freunde Britischer Schauspiel- und Inszenierungskunst, speziell hierfür steht das phasenweise von Kenneth Branagh überkandidelt snobistisch-überprononcierte Shakepeare-English, bei dem jede Silbe im Unterton fragt, na, hab ichs drauf oder nicht? Da darf das verständige Publikum dann verständlicherweise verständig Beifall nicken, denn es wird kapiert haben.

Auch die Figurführung durch den Regisseur Simon Curtis, das Buch nach Colin Clark hat Adrian Hodges geschrieben, lässt an Deutlichkeit und Verständlichkeit nichts zu wünschen übrig.

Der junge Colin Clark, gespielt von Eddie Redmayne, ein junger Brite aus bestem Hause, schlossähnlich zumindest, der im Schatten des Erfolges von Vater und Brüdern steht, ein Brite wie aus dem Bilderbuch. Der aber ausbüxt aus dem Wunschszenario seiner Familie und sich frisch, naiv, aber wach und schlagfertig beim Film bewirbt.

Auf Anhieb wird er „Dritter“. Der sich um die Macken von Frau Monroe kümmern soll. Es ist bekannt, sie hat ein Riesenproblem mit der Pünktlichkeit, unbekannt die Zahl der Stunden, die sie ganze Ensembles und Crews hat warten lassen. Jedenfalls schon einen seiner ersten Aufträge erledigt er ganz im Sinne seiner Auftraggeber: eine diskrete Unterbringung und standesgemäss für sie zu organisieren. Allerdings hat der Vermieter gleich geplaudert, finden die Produzenten heraus. Da zieht der „Dritte“ eine Alternative aus dem Hut, die er genau aus diesem Grund, weil er den Vermieter für schwätzig hielt, schon vorbeugend organisiert hatte.

Die Figurzeichnung von Marilyn Monroe lässt keinen Zweifel daran, dass sie ein höchst unsicheres Geschöpf und dazu noch keine besonders begabte Schauspielerin war, mit ihrem Leidenspäckchen, Tabletten und Alkohol, Angst vor den Menschen und den Kollegen, misstrauisch kein Wort dem Regisseur glaubend. Da Clark ihr aber, das dürfte Dreh- und Angelpunkt des Filmes sein, in einem Zwiegespräch offen sagt, was Sache sei, verkürzt gesagt, sie sei ein einmaliger Star, der nicht gerade viel könne und ihre Kollegen, die viel können aber keine solchen Stars seien, fasst sie etwas Vertrauen zu ihm und das dürfte ein Grund gewesen sein, dass sie bei der Stange geblieben ist.

Denn ihr aktueller Mann, Arthur Miller, hält es nicht lange aus in England und fährt zurück zu den Kindern nach New York. Eine weitere gut gezeichnete Figur ist Marilyns Coach Paula Strasberg, die fürs Method Acting zuständig ist, denn Marilyn kann nur spielen, wenn sie eine Rolle begriffen hat und auch drin ist – das kann dauern, da ist so ein Coach ganz nützlich, auch als Schutz.

Es gibt viele Szenen, wo man ihr diese Unsicherheit ansieht und fast zusammenbrechen möchte mit ihr, weil man spürt, sie schaffts wieder nicht, sie ist so leicht irritierbar. Hauptsächlich ist es aber auch ein Nähkästchenfilm, aus dem Filmnähkästchen plaudern, so wie es hinter der Kamera und hinter den Kulissen aussieht oder welch ein Volksauflauf zustande kommt, wenn Marilyn einmal unerkannt shoppen will. Aber man hat ja starangemessen einen Rolls Royce organisiert, in dem sie sich mit ihren Begleitern flüchten kann.

Ein Film für Kulturmenschen. Sicher geeignet für die Sonntagsmatinée.

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Dass der Film um die 40 Millionen Dollar gekostet haben soll (laut IMDb) wundert mich nun doch ein bisschen. Die Geschichte scheint nämlich gar nicht so wichtig (junge Frau braucht Geld, heuert bei einem Büro an, das für die Polizei gesuchte Verbrecher beschafft und dafür Prämien kassiert, also eine Art Kopfgeldjägerfirma, und gerät in einen ziemlich verwickelten Fall).

Die Geschichte sieht nun so grad gar nicht darnach aus, als ob sie dringend erzählt werden müsste. Was der Film aber erzählt, das scheint mir, dass die Macher einfach einen großen Spaß daran haben, Kino zu machen, Typen zu stilisieren und ins Extrem zu treiben, Gegensätze aufeinander prallen zu lassen, ein hübsche Frau, die sorglos und mit nicht ganz unerotisch offenem Haar durch die Weltgeschichte stöckelt, in kriminelle Verhältnisse eindringen zu lassen. Da soll sie sich bewähren.

Wenn man kurz vorher einen farblosen, needlosen deutschen Film mit deutschen Subventionsschauspielern gesehen hat, so findet man diese amerikanische Ostküstenart-Filme direkt erholsam, erfrischend; auch wenn die Darsteller sehr deutlich zeigen, dass sie spielen und dass sie Spaß dabei haben; die Nutte mit dem breiten Hintern und der viel zu engen Leggins, die Mutter mit der Haarpracht im Stile eines billigen Frisiersalons, der Exhibitionist, der alte, der bei der Polizei abgeliefert wird, die Oma, die beim Essen unversehens die Pistole der dank ihrem neuen Job jetzt bewaffneten Enkelin rauszieht und prompt in die Luft ballert oder der Metzger oder der Cop oder wer auch immer.

Ganz werde ich aber, wenn ich das so versuche Revue passieren zu lassen, den Eindruck nicht los, als handle es sich eher um einen Acting-Workshop für Fortgeschrittene und für sehr ausgewählte Typen, Männer wie Frauen, die schon versuchen, aus jeder Szene des Drehbuches von Stady Sherman, Karen Reay, Liz Brixius (nach dem Roman von Janet Evanovich) und unter der Regie von Julie Ann Robinson das Maximum rauszuholen. Wobei vermutlich von einem stimulierenden Wettbewerb unter den Akteuren ausgegangen werden kann.

Man wird den Eindruck nicht los, dass da ganz genau überlegt worden ist, wie die Szenen aufgelöst werden, vor allem auch, wie die Schauspieler agieren, wie sie reagieren, welche Emotionszustände sie zu spielen haben. Auch wenn sie nur so anwesend sind und keinen Text haben. Aus welcher Nähe sie aufgenommen werden. Wie wohldosiert man mit Nacktheit einer schönen Frau, wie Katherine Heigl, die die Protagonistin Stephanie Plum spielt, umgeht, ob es köstlich sei, wenn sie von ihrem Ex-Verehrten, den sie nun jagt, in ihrer eigenen Wohnung beim Duschen überrascht und noch dazu mit Handschellen an die Wand gefesselt wird, nackt natürlich. Wie schwierig daraufhin das Handy vom Lavabo zu angeln ist, mit dem sie den offiziellen Cop zwengs Rettung anrufen kann. Wie züchtig sie sich ihm gegenüber in den Duschvorhang wickeln soll.

Der Film passt durchaus in die Ostküstentradition, dadurch, dass viel mehr durch ständige Dialoge stattfindet, die Frage wer wo sei, wer was gesehen habe, wer wem vertrauen kann und die Action sich auf wenige Momente reduziert.

Was mir auch gefällt, ist der direkte, schnörkellose Ton der Schauspieler, das signalisiert Sachbezogenheit, Themenbezogenheit. Kleine ausgedachte Spielereien beweisen die These vom Schauspiel-und Inszenierungworkshop. Sie macht mit einem Cop Schießübungen. Es wird auf Scheiben mit aufgezeichneten Menschenköpfen geschossen. Er ballert genau in die Mitte des Kopfes. Einmal durchlöchert er richtig diese Mitte. Dann gibt’s ein kleines Schau-durch-dieses-Loch-Spiel, sie schaut ihn durch dieses Loch an und möchte die Zielscheibe behalten. Doch eher Kleinmädchenfantasien. Aber für ihn hatte sie ja auch als kleines Mädchen geschwärmt. Zu breit wird das Thema Liebe aber nicht behandelt.

Die Figuren werden weder psychologisch analysiert noch verändern sie sich, sie werden eher filmskulpturhaft herausgemeißelt. Eine nette Szene, wie ihr Cop sie für eine Überwachung mit Mikroport verkabelt, auch das wird ganz genau inszeniert, das Hinpeppen des Mikros in der Mitte des BHs, wie er sie dreht, um den Mikroport festzustecken – nun, aus Distanz betrachtet fragt man sich aber doch, wozu. Soll das irgend an eine Ersatzerotik erinnern? Soll es einfach den wunden Punkt, dass sie allein ist und eigentlich mit keinem Mann wieder was zu tun haben will, erinnern? Ist es dann doch Frauensentimentalität, gar Kitsch, das so zu zeigen, zu erinnern, dran zu tupfen.

Film auf jeden Fall verstanden als Handwerk wie das Schreinern, der Versuch, alles zu feilen und vor allem alles ins Lot zu stellen nach mannigfachen Tests. Das mag den physisch starken Eindruck eines solchen Kinos hervorrufen. Das aber übers Handwerkliche kaum hinauslangt. Warum ich mich dann wie eingangs erwähnt wundere, dass der Spaß 40 Millionen Dollar gekostet haben soll. Solch solides Handwerk sollte doch günstiger zu haben sein.

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