Archiv für 2. Februar 2012

Was dieser Film ganz krass offenbart, wie weit die Kunst von Helmut Dietls Polit- und Gesellschaftssatire im Kino hinter der rasanten Entwicklung, resp. dem Erblühen der Skandalkultur in unserem Lande zurückgeblieben ist.

Keine Figur in diesem Film, die auch nur annähernd an aktuelle Politakteure wie zu Guttenberg oder an den aalglatten, sich hinter juristischen Leerformeln unerträglich unangreifbar verschanzenden Bundespräsidenten auch im entferntesten herankäme. Dagegen erscheinen die Figuren in diesem Film von Helmut Dietl, der mit Benjamin Stukrad-Barre auch das Drehbuch geschrieben hat, wie aus einer Welt von vorgestern und der Cast kommt einem in diesem Zusammenhang altbacken vor, was durchaus Qualitäten beinhaltet, die jedoch in einem so liebevoll gewirkten, sorgfältig geprobten, eingeübten und inszenierten Bilderbogen eher an die Hingabe eines Carl Spitzweg an den armen Poeten erinnert als an eine radiologische Durchleuchtung unschlagbar charakterloser Polit- oder Gesellschaftsglücksritter.

Altbacken wirkt vor allem der Humor in dieser Komödie: der japanische Maler im Büro, das ist dann fast die Schlusspointe nach 110 Minuten, erklärt, und auch das hat Dietl bestimmt minutiös und mit Einsatz geprobt, „allein die OP für die Schlitzohren hat mich mein ganzes Sparschwein gekostet“. Das Team dürfte sich dabei gebogen haben vor Lachen, dem Publikum bleibts im Halse stecken. Sunny Melles wird als dümmliche Moderatorin in Szene gesetzt, sie, wie auch viele andere der Figuren, kriegen selten ein Wort auf Anhieb richtig hin, auch das dürfte exakt geprobt worden zu sein, glücklich wer das lustig finden kann, statt „warmherzig“ sagt sie zuerst „warmeres“. Auch dabei dürfte sich das Team bucklig gelacht haben. Von solchen und ähnlichen Versprechern gibt es massenweise in diesem Film, der eher eine Aneinanderreihung von netten bis bemühten Miniaturen ist, und nicht einer der Versprecher, der witzig ist, aber sie sind sowieso nur die fade Garnitur auf einer Geschichte, die so nicht funktioniert.

Der Chauffeur Zettl wird von seinem Boss, einem Schweizer Investor mit einem merkwürdig verzerrten Dialekteinschlag, zum Chef einer neu zu gründenden Zeitschrift ernannt, die in Berlin erscheinen soll, einer Berliner Variante des New Yorkers. Dieser Zettl wird von Bully Herbig gespielt, der mir beim ebenfalls verunglückten Film „Hotel Lux“ von Leander Haussmann ganz gut gefallen hat. Hier nun versucht Helmut Dietl aus ihm sowas wie einen Klon des Helmut Fischer zu machen, zumindest lässt mich die Diktikon von Herbig das vermuten. Es ist genau dieses knappe, staubtrockene Bayerisch, was einem vom Fischer so geblieben ist und was man an ihm so gemocht hat.

Nun ist aber Bully Herbig nicht Helmut Fischer. Noch ist er ein Schauspieler, der einen inneren Drang nach einem Wohin ausstrahlt, ein Need, das in jeder Sekunde spüren lässt, dass die Figur voller ungelöster Konflikte ist und darum Wege, die sich auftun, unbedingt gehen muss ohne Rücksicht auf Moral; der Kroetz hätte diesen Grundpegel an Aggressivität; und genau den müsste eine solche aufstrebende Figur haben.

Insofern funktioniert das bisschen an Geschichte nicht, was Dietl zwischen den liebevollen politischen Hinterhofidyllen, die er vielleicht auch inspiriert von Heinrich Rudolf Zille zeichnet, erzählen will, kann nicht ein Minimum an Spannung erzeugen.

Noch ein Beispiel für die ungemeine geistige Regsamkeit, die Spritzigkeit, den Witz von Dietl und Stuckrad-Barre: eine Figur darf an einer Stelle die bauerntheatererprobte Verwechslung von Historiker und Histeriker bringen. Wat haben wir jelacht. Ein bescheidener Witz wird dadurch, dass er minutiös inszeniert ist, nicht inspirierender.

Leid tun kann einem auch ein Dieter Hildebrandt, der von Senta Berger ständig im Rollstuhl rumgeschoben werden muss (in dieser Paarung schwebt der hübscheste Hauch von Nostalgie), dann noch sein dicker Bauch, und trotzdem wird die Figur irgendwie nicht klar. Es reicht nicht, um vom bekannten Kabarettisten zu abstrahieren. Bei Harald Schmidt funktioniert das gerade noch, da bleibt aber nach Abzug der Showmaster-Qualitäten nicht viel übrig; es soll ein Ministerpräsident sein, was er darstellt. Und ist ein Würmchen. Zu vermuten, dass Dietl doch recht bewusst das Häuflein Elend im berühmten Showmaster rauspuhlen wollte, wie praktisch bei allen anderen Figuren auch. Ist ihm gelungen. Bösartigkeit der Inszenierung auf der zweiten Ebene. Hildebrand darf zur Erklärung seiner Lähmung anführen, er sei von der Promiyacht gefallen damals in Monte Carlo vor 20 Jahren. Irgendwo dort ist der Geist dieses Filmes stecken geblieben.

Vielleicht möchte Dietl eine Art Berlin-Bashing betreiben, indem er die Figuren und ihre Texte so heillos veraltet aussehen lässt.

An sich kinofreundlich gedacht, die Figuren Dialekt reden zu lassen, aber diese merkwürdigen Dialekte bleiben oft in ihrer übereingeübten Künstlichkeit starr. Oder es ist eine typisch münchnerisch-grantlerische Liebeserklärung an Berlin: bildets Euch ja nicht ein, dass Ihr weniger dörflich seid als wir vom Millionendorf. Auch wir können rückständig sein. Spricht nicht geade für den Film, wenn er einen zu so seltsamen Spekulationen veranlasst, wenn man ihm was Gutes abgewinnen möchte.

Noch einer der Jokes: die Frage des Arztes an das großartig kranke Kanzlergespenst des Götz George, jener fängt an mit „Hirnströme“ und dieser darf unterbrechen mit „strömen nicht oder wie?“, dem kann wohl vorbehaltlos zugestimmt werden.

Noch ein Witz gefällig: einer sagt „wie Madonna“ und der andere, der wohl aus einer noch weiter entlegenen Zeit stammt, fragt, „von Michelangelo“? Wir fragen: von Helmut Dietl? Und wenn einer Mao sagen will, so muss er vorher mindestens zweimal mit „Mau“ „Mau“ ansetzen, auch dem ist nichts hinzuzufügen. Außer dem tragischen Hinweis, dass das noch dazu peinlich genau einstudiert wurde.

Diese Orgie aus lahmenden Geistesblitzen wurde durch Millionen von Steuergeldern überhaupt erst möglich gemacht. Bleibt abzuwarten, ob Millionen von Steuerzahlern sich dafür interessieren, was diese überwiegend gesättigten älteren Herrschaften in ihrem luxuriösen Seniorenresidenz-Planschbecken veranstalten und die Meinung war zu hören, dass sie mit solchen Projekten dem hungrigen Nachwuchs krass den Weg versperren – aber für die Kosten werden die Jungen eines Tages aufkommen müssen, denn auch bei der Kohle der für das Projekt geflossenen Filmförderung dürfte es sich um staatlich gepumptes Geld handeln, wofür der mit einem solch rückwärts gewandten Werk jetzt schon geprellte Nachwuchs dann eines Tages auch noch aufkommen darf. Der Vorgang “Zettl”:  ein bürgerliches Trauerspiel.

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Das Kino ist sicher einer der idealen Orte fürs Träumen, für die Imagination, für die Fiktion. Insofern ist der Stoff, den Hans Weingartner hier als Kinofilm zuzubereiten versucht, gewiss auch ein idealer Stoff fürs Kino: ein Mann aus desolatem sozialem Milieu, aber ein Mathe-Genie, verdaut den Tod seiner Mutter mit 10 Jahren schlecht, sie starb an einer Überdosis, wie im Film erwähnt wird, und der Sohn sehnt sich nach einem fingierten zehnjährigen Freund zurück.

Als erstes fällt mir der wunderbare nordische Kinderfilm „Knerten“ ein, bei dem ein Zehnjähriger den Verlust seiner bisherigen Freunde durch Umzug mit einem Astgabelmännchen fantasievoll kompensiert und seine Seele dadurch gesund hält. Bei Weingartner hingegen beschäftigt mich das Thema fingierte Realität nach dem Film überhaupt nicht; mir stellt sich vielmehr die Frage, ob Hans Weingartner als Filmmensch auch nur eine ersehnte und fingierte Realität von Hans Weingartner ist. Ob er nicht viel eher ein recht sentimentaler und auch leicht verquaster, aber durchaus engagierter Intellektueller ist, der sich für Minderheiten, für Rebellen und für Gerechtigkeit einzusetzen versucht. Und darum in der öd-geförderten deutschen Filmlandschaft gleich aufgefallen ist und dann bei seinen weiteren Filmen mit einem großen Bonus leben konnte, obwohl sich längst abzeichnete, dass mit den Filmen cineastisch kein Blumentopf zu gewinnen ist.

Wie setzt sich Weingartner nun für diesen Martin ein, so heißt der Protagonist? Er lässt den Schauspieler Peter Schneider, ein an sich sympathischer Typ, so ziemlich verhungern, denn das Drehbuch gibt ihm überhaupt kein Futter; dass Peter Schneider trotzdem nicht ganz verhungert, ist eher als Hinweis auf seine Schauspielerqualitäten zu werten.

Die erste halbe Stunde lang schildert das Buch von Hans Weingartner pausenlos das soziale Elend von Martin; er war als Mathe-Genie erfolgreich in seinem Beruf und muss einen Zusammenbruch gehabt haben. Erst wird er von der Polizei in der Klinik abgeliefert, in Handschellen auf einen Rollstuhl platziert, dann lässt Weingartner uns mittels einer Szene in der Klinikapotheke erfahren, welchen Tabletten-Mix Martin zu sich nehmen muss, alles schön recherchiert, aber keine Bereicherung für den Film, dann bekommt Martin, obwohl er ein sehr schwerer Fall ist, gleich eine eigene Wohnung, er hat Hoffnung seinen Job wiederzubekommen, den bekommt er aber nicht mehr zurück, Grund dafür ist das Misstrauen des Chefs der Krankheit gegenüber.

Dann die einsetzende Verwahrlosung bis zur Zwangsräumung der Wohnung. Bis zur Obdachlosigkeit. So weit das Soziogramm wie für einen Lehrfilm, kinomässig eher in Alltagsschrift geschrieben, am Realfiktionalismus der Brüder Dardenne orientiert, aber denen nicht genau genug zugeschaut bei ihrem Handwerk oder sie nicht richtig verstanden, falls Weingartner diese überhaupt als Inspiration im Kopf hatte.

Es folgt die Erfindung des 10jährigen Russenjungen. Mit dem baut er nun die „Hütte im Wald“, wie der Filmtitel laut IMDb bis vor kurzem noch hieß. Diese Robinsonade oder dieses Pfadfinderlager, diese Traumwelt zu zweit bis in kleine Details hinein füllt die nächste Stunde im Film.

Die letzte halbe Stunde wird das wieder zerstören, Martin wird gewalttätig, die Psychiatrin erklärt ihm und damit den Zuschauern, sie heißt Frau König, was es mit ihm, dem Patienten Blunt, auf sich habe, dass sein Freund Viktor nur eingebildet sei. Aha so ist das, können wir nüchtern und ohne weiteren Kitzel feststellen.

In dieser letzen halben Stunde fängt die Schlaufe wieder von vorne an, Ablieferung in der Klinik, Zwangseinweisung; Ausbruchsversuch inkl. Kampf mit einem Polizisten und Entwenden von dessen Pistole. Dann muss noch eine kleine Revengegeschichte rein, die mit der Sache rein gar nichts zu tun hat, die eine sentimentale Revengegeschichte von Weingartner zu sein scheint, als Erinnerung an seinen Film von den fetten Jahren, die vorbei sind.

Ferner muss noch eine aus dem Ärmel gezauberte Frauengeschichte mit einer Lena, die zum Thema des Filmes auch nichts beiträgt, reingewürgt werden, ein Reise nach Portugal gebucht, der Traum von der Freiheit, und ab und an muss noch offen gelassen werden, ob Viktor nun existiert oder eben nur Fiktion ist. In der Fiktion „Kino“ war er real und Weingarnter hat nicht darauf hingewiesen, weil er vermutlich, wie viele andere auch, einen ganz groben Drehbuchfehler begangen hat, dass er nicht die Konfliktsituation von Martin genau unter die Lupe genommen und dramaturgisch urbar gemacht hat. Er beschränkt sich quasi auf Phänomenschilderung und macht es dem Zuschauer schwer, weil er keinen Grund hat, Phänomene von eingebildetem Phänomen zu unterscheiden.

Die endlose Schilderung von Martins Elend besonders in der ersten halben Stunde wirkt fast makaber, sich delektieren am Outsider, am Erniedrigten. Ein Intellektueller hat die Güte, sich mit dem Elend der Welt zu beschäftigen und dieses uns von hoher intellektueller Warte herab zu servieren. Eindimensionale Resozialisierungs- und Absturz-erste-halbe-Stunde.

Verpiss Dich Russensau (Asoziale zum zehnjährigen Martin-Double mit den langen Haaren).
Eindruck: Sozialhelferkino.
Der Sozialfall als Opfer des Intellektuellen.
Was fehlt, ist die Handlung. Die Info, dass Martin elend dran ist, muss nicht mit Flaschensammeln und weissgott nicht mit was allem eine halbe Stunde lang gezeigt, fast doziert werden; so aber kommt mir das wie eine Art Soziallüsternheit vor, die Weingartner praktiziert, nicht unbedingt eine Vorstellung von Kino, der ich was abgewinnen kann.

Und dann immer wieder die peinlichen Fragen, die Fernsehdramaturgie-Fragen: Herr Blunt, was machen Sie hier (eine merkwürdige Unterführungsbegegnung mit seiner Psychiatrin, könnte Titel eines Sketches sein: Herr Blunt und Frau König in der Unterführung).
Weingartner fehlt der Humor und die Herzensgüte, die Kinomenschlichkeit.
Sind Sie obdachlos? Kommen Sie zurück.

Das Sentiment des Filmemachers, wenn die Obdachlosen in den Glaskontainern wühlen, dann untermalt er das mit legerer Klampfenzupfmusik. Romantisierend, sich gar ergötzend an der eigenen Kunst?

Erst nach einer dreiviertel Filmstunde, sind die beiden, die sich hier finden müssen, Martin und sein jüngeres Double Viktor „en route“, hier erst geht die fingierte Reise los und sie geht los, als ob es keine Fiktion sei, das mindert den Reiz für den Zuseher, wird ihm das Gefühl vermitteln, hinters Licht geführt worden zu sein, erweckt den Eindruck einer naiven Pfadfinderstoryfilmes, eines Nostalgiefilmes, zehnjäjhrig, die Sehnsucht nach einem Freund, die bei einem 30jährigen doch sicher auch das Thema Pädophilie dringend ansprechen müsste.

Dann der ganze Hüttenbau, wie sie die Plane von der Baustelle besorgen, wie Doku-Soap oder Realitiy-TV.

Kaum haben sie die Hütte, da bricht ein Unwetter herein, große Gefahr für die neu gefundene Freundschaft – was ist Freundschaft für einen Zehnjährigen, was die Freundschaft mit einem Zehnjährigen für einen 30-Jährigen? – ein Unwetter, das sich auf keine Weise angekündigt hatte; war es auch nur fiktional? Aber warum gibt Weingartner keinen Hinweis darauf. Hat er es nicht nötig, dem Zuschauer die unabdingbaren Parameter für sein Experiment bekannt zu geben?

Verschwurbelte Robinsonade. Aber auch der Spießertraum von der selbst gebauten Hütte.

Peinliche Szene wie Schauspielschule: die Begegnung mit Lena, die Stotterei, das Café.
Stellenweise kommte ich mir als Publikum direkt düpiert vor. Wie schwer ist der Fall von Martin wirklich, wenn es doch heißt, er sei eine Gefahr.
Kann man so einen einfach selbständig in eine Wohnung entlassen?

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Ein Coming-of-Age-Film von der lockeren Art, von der sexfrotzelnden Art, von der Sommerurlaub-Boat-Party-Art. Ein Pussy-Patrol-Film. Ein Anmach-Film. Ein Zielgruppenfilm. Ein Teeniefilm. Ein Knutsch-Film. Ein Auszieh-Film. Ein Disco-Film. Ein Erotik-Kompensations-Film. Ein Kotzfilm. Ein Sauffilm. Ein Zoten-Film. Ein Eierboxfilm. Ein Auslebfilm. Ein Film auf dem schmalen Laufsteg von Neugier und Hemmung vorm anderen Geschlecht, von Sexungeschick und Anmachungeschick. Ein Jeanrreißfestigkeitstestfilm. Ein Die-Sau-Rauslass-Film. Urlaubsfilm. Inselfilm. Man-lebt-nur-einmal-Film. Sex-Einübfilm. Ein Statt-Sex-Film.

Vier Jungs im ersten notgeilen Alter und noch recht verwirrt, was die Anmache zum und die Durchführung von Sex betrifft, buchen zusammen einen Pauschalurlaub auf Kreta. Von der britischen Insel auf die griechische Insel. Ein European Youth-Life-Style-Film. Was abgeht an so einem Ort. Disco, Strand, Alkohol, Busen, Schwänze, Ärsche, Möpse, Frauen, Griechen, die vier recht schrägen Jungs aus England mit ihren Pink-T-Shirts mit den unanständigen Worten vorn und hinten drauf. Die grauenhafte Abstiege fern vom Strand. Der tote Hund beim Empfang, den ein Angestellter des Hotels aus einem Brunnen zieht. Der Not-Geldschein in der Arschspalte versteckt. Das ganz lockere Ziel des Urlaubs auf das Tag-Party-Boot zu kommen und dort zu knutschen. Die leere Disko. Erweiterung und Anzüglichmachung des berühmten Langnese-Eiskrem-Kino-Spots.
Nicht alles, was komisch aussieht, muss auch komisch sein.

Aus dem Kino kommt man bedröppelt wie aus einer Jugenddisco. Viel zu sortieren gibt es nicht im Kopf. In England soll der Film ein Riesenerfolg gewesen sein. Scheint die Jugend zu spiegeln, einen Teil zumindest. Die vier Boys sind auch recht schräge Typen. Die deutsche Nachsynchronistion nimmt ihnen einiges davon. Die wirkt so verdammt ordentlich. Das deutsche Saurauslassen, das erzählt mir die Synchro, geschieht eben ordentlich und diszipliniert.

Sex als Gruppenthema behandelt und nicht als großes individuelles Erlebnis. Sex zerredet und zertan. Gewiss kein Film für die katholische Kirche.

Das Buch stammt von Iain Morris und Damon Beesley, die Regie führte Ben Palmer.

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Wie ein hervorragend präpariertes Exemplar einer ausgestorbenen Film-Spezies aus Zeiten des Kalten Kriegs kommt mir diese John-Le-Carré-Verfilmung vor, einer Spezies die ihre Brisanz damals daraus bezogen hat, dass es noch gesamtgesellschaftlich durchsetzbare Feindbilder gegeben hat, der böse Feind im Osten hinter dem Eisernen Vorhang, der bis in die höchsten Etagen des britischen Geheimdienstes hinein einen Maulwurf platzieren konnte. Die politische Weltsituation war der mächtige Resonanzboden für einen solchen Spionagethriller und damals, als Mini- Fernsehserie entsprechend erfolgreich.

Smiley, der sich schon aufs Altenteil zurückziehen will, soll diesen Maulwurf finden. In den frühen Achzigern hat Alec Guiness diesen Smiley gespielt. Seine entsetzten Augen hinter der schwarz-dickrandigen Brille bleiben unvergessen, vielleicht signalhafter Ausdruck für das Entsetzen über die Weltsituation (atomares Gleichgewicht) und stechend-scharf die Blicke, als würden sie wie Röntgen-Strahlen sich in den Spionagedunst bohren und die Beziehungen sichtbar machen.

Heute spielt Gary Oldman den Smiley und der erinnert eher an unseren aktuellen Bundespräsidenten Wulff oder an einen feierlichen, angenehm verrenteten Verwaltungsangestellten. Nichts von dem Schrecken, den Guiness in den Augen hatte, nichts von der durchbohrenden Schärfe. Gary Oldmans Smiley ist eher ein gemütlicher Ruheständler. Das kann man lobend zur Kenntnis nehmen, wie gut er das spiele, mehr aber nicht. Denn im Heute fehlt einer Smiley-Verfilmung der weltpolitische Background vollkommen. Einzig in John Hurt als Control, da blitzen momentweise die Vibrationen jener Zeit wieder auf.

Bleibt die Frage, warum denn der Film überhaupt gemacht worden ist. John Le Carré taucht unter den Produzenten auf. Vermutlich brauchte er Geld. Oder ihm ist seine Spionage-Region, nämlich die des Kalten Krieges, in der er schreiberische Meisterschaft entwickelt hat und Erfolg hatte, abhanden gekommen und so macht er denn ein Remake, die Neuauflage einer alten Geschichte, die in unserer Zeit nichts zu erzählen hat, vielleicht für ein Museum für die Nachgeborenen, denen zu zeigen, wie sich die Zerberst-Spannungen jener Zeit auch im Film niedergeschlagen hatten. Wobei fraglich bleibt, ob diese Lektion durch dieses Remake, das nach perfektionistischer Restauration ausschaut, überhaupt vermittelbar ist.

Die Musikuntermalung unter dieses Vergangenheitsgemälde ist entsprechend dezent, wie Barmusik, manchmal leicht untermalend. Der Vergleich des ausgestopften Exemplares einer ausgestorbenen Spezies, allerdings hervorragend präpariert, passt auch insofern, als die Dialoge doch eher steif und staatstragend inszeniert sind, und auch die Schauspieler eher getragenes Spiel bieten, es wird auch nicht wild mit Schnitten rumgealbert, es werden sorgfältig wie nach Abmessungen in einem ordentlichen Fotoalbum die Bilder aneinandergereiht und auch aufgelöst, die Kamera ist sehr ruhig, fast wie für eine erstklassige Theateraufführung und theatral sind oft die Töne der Schauspieler. Vielleicht spiegelt sich auch darin ein ganz besonderes Bemühen um Korrektheit, um historische Korrektheit. Der viele Nebel in den Innenräumen, der das Licht dämpft und mild macht, trägt das seine zur museal-feierlichen Stimmung bei.

Das Buch stammt von Bridget O’Connor und Peter Straughan nach dem Thriller von John Le Carré. Die Regie führte Tomas Alfredson.

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