Deutsches Kopfkino, wie es offenbar die Filmförderungen, die Fernsehredaktionen und die Filmhochschulen lieben (hier sind im produzierenden Boot dabei das ZDF mit dem Kleinen Fernsehspiel und die HFF Konrad Wolf aus Berlin). Der Film gewinnt allerdings durch Ereignisse, die längst nach dessen Fertigstellung in die Nachrichten gelangt sind, einen Hauch unverhoffter Aktualität, durch die Neonazi-Killer-Gruppe aus Zwickau.

Der Autor und Regisseur David Wnendt nimmt sich ein brisantes Thema vor: Neonazis in Irgendwo in Ostdeutschland. Um das Thema zu behandeln oder vorzustellen, erfindet er eine Geschichte, zumindest Ansätze dazu. Zwei junge Frauen, die beide Mutterkonflikte haben und sofern vorhanden auch ein gestörtes Verhältnis zum Vater, geraten in eine Neonazigrupppe. Verantwortlich für die Anfälligkeit zum Extremen sind also verwahrloste familiäre Milieus.

Die eine der beiden jungen Frauen arbeitet noch als Verkäuferin im Lebensmittelladen ihrer Mutter und die andere hat einen Brutalo-Vater, der ihr das Rauchen abgewöhnen will, indem er sie in seiner Gegenwart eine Packung Cigaretten bis zum Erbrechen, den Plastikeimer hält er bereit, rauchen lässt. Die eine weigert sich, Ausländer zu bedienen, kommt aber mit einem von ihnen in Kontakt, es dürfte sich um einen örtlichen Asylbewerber handeln, Rasul heißt er und stammt aus Afghanistan. Die menschliche Beziehung zu Rasul führt bei ihr dazu, den Kontakt zu den Neonazis zu lösen.

Vorher war sie sehr brutal zu Rasul. Eine Szene am Strand wurde erfunden, bei der Rasul mit seinem Bruder schwimmen geht, derweil pisst einer der Neonazis auf seine Kleider. Sie fahren dann mit ihrem Motorrad von dannen und die schwarzhaarige Deutsche fährt ihnen mit dem Auto hinterher und drängt sie in den Straßengraben. Später findet sie dort ein Absperrband und denkt, die sind beide tot und bekommt sowas wie Gewissensbisse.

Es werden Szenen erfunden, die Gespräche beinhalten, zwischen den jungen Frauen und ihren Müttern, mit dem Opa, wie sie bei den Neonazis sind. Es gibt auch eine Koch-Szene, die belegt, dass der Filmemacher recherchehalber gewiss nicht sehr tief ins afghanische Milieu eingedrungen ist, denn dort würde Reis nie, wie hier, ungewaschen direkt in das kochende Wasser gegeben werden.

Auch kommt es mir sehr unglaubwürdig vor, dass Rasul mit seinem Bruder und ohne weitere Kumpels an den Strand geht, der Ort ist jedenfalls nicht als so groß beschrieben, dass ihnen die Neonazis nicht bekannt sein dürften, und ausgerechnet, wo diese Clique sich aufhält, da gehen die schwimmen. Aber das musste eben so erfunden werden, damit das Mädel nachher die Sache mit dem Motorrad bauen kann.

Wieder einer dieser thematischen Filme, die wie ein Film aussehen, ich würde den Vergleich mit einem Auto wagen, der wie ein Auto aussieht, sogar der Motor ist drin und auch Benzin und man kann den Motor starten, aber der Wagen bewegt sich nicht von der Stelle; selbst mit laufendem Motor nicht, weil der Keilriemen fehlt. Oder bei diesem Film: es fehlt hier an der elementarsten dramaturgischen Arbeit, die natürlich sehr mühsam ist, besonders wenn man ein anspruchsvolles gesellschaftliches Thema behandeln will, aber damit es im Kino konsumierbar wird, muss zuvor eine Konfliktanalyse stattfinden und zwar der Hauptfigur über die die Kraftübertragung (um beim Auto- und Keilriemenbild zu bleiben) stattfindet, damit das Kinoauto ins Rollen kommen kann. Wenn dies fehlt, dann habens auch die Schauspieler schwer, weil sie immer nur Szenen, die Thesen des Autors unterstützen sollen, illustrieren müssen. Dann kommt wieder andauernd diese Fernsehfrage, was denn hier los sei, was denn der oder die hier mache oder sie overacten und sind viel zu laut, wie hier andauernd. Aber das Gehör, das wird auf diesen teuren Filmschulen mit den kostspieligen Lehrkräften offenbar überhaupt nicht geschult, die lernen zwar Sounddesing, aber was mit einer Schauspielerstimme alles zu machen wäre, das Wissen scheint nirgendwo mehr vorhanden so wenig wie das in die Figuren, die betrachtet werden, hineinzuhören.

2 Antworten zu “Kriegerin”
  1. “Aber das Gehör, das wird auf diesen teuren Filmschulen mit den kostspieligen Lehrkräften offenbar überhaupt nicht geschult, die lernen zwar Sounddesing, aber was mit einer Schauspielerstimme alles zu machen wäre, das Wissen scheint nirgendwo mehr vorhanden so wenig wie das in die Figuren, die betrachtet werden, hineinzuhören.”

    Ich möchte behaupten, die lernen auch kein Sounddesign, was die häufig übersteuerten, knacksenden Schreie in deutschem Drama-Gedöns erklären würde…

  2. Für das Sounddesing wird im Abspann jedoch gerne eine Verantwortlichkeit geannt,
    für das Gehör nicht mal das….

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