Vor mir liegen sehe ich eine schrill aufgebretzelte, stylish-großmäulige Mumie von Charleys Tante. Nicht dass mich jetzt einer falsch versteht. Die Schauspieler hängen sich rein in ihre Rollen, sie verbrauchen Energie und sprechen Texte, oft auch ganz gezielt auf Pointe. Matthias Schweighöfer in der Hauptrolle gibt, was er kann, um die Travestie-Rolle zu bedienen (es handelt sich um eine Travestie-Geschichte, die nicht näher erläutert werden braucht, es wird aber ausdrücklich auf Charleys Tante referiert, indem Schweighöfer in eben jenem Stück die Tante spielt und also die Utensilien zur äußerlichen Geschlechtstransformierung greifbar hat und sich so bei einem Casting für einen Film im Loop der Hitlerfilmklamotten als Darstellerin melden kann und auch die Rolle noch kriegt, was dann zu Komplikationen mit seiner Partnerin führt, die er nachts zuvor noch als Mann gevögelt hat, so weit so simpel und das wars dann sowieso schon).
Schweighöfer lässt sich also zu einer wundervollen Frau schminken und herrichten, die seiner männlichen Liebheit in Nichts nachsteht und er stöckelt durch den Film und versucht ein angeregtes Gesicht, obwohl die Story so gar nicht anregend ist, dass sie schnell ermüdet; ich vermute, das hängt damit zusammen, dass gar nicht erst versucht worden ist, den Rollen Tiefe und damit Futter zu geben, sondern dass der billige Plot dazu herhalten sollte, um jede Menge Travestie-Jokes aneinander zu reihen, einer abgegriffener als der andere.
Das hätte vielleicht funktioniert, wenn Schweighöfer wirklich den Transvestiten in sich gesucht und zugelassen hätte, die Frau in sich, dieses Flirrende, Schwirrende, Vibrierende, was den ganzen Mann, der so gerne eine Frau sein möchte, aufregt, aufregend macht und ständig auf Draht hält; dem könnte man dann stundenlang zu schauen, wenn diese existenzielle Seite aufgespürt worden wäre.
Davon ist bei Schweighöfer so gar nichts zu spüren, er spielt es als eine Rolle, offenbar ohne jedes Bewusstsein für die Transvestiten-Problematik und einzig darum bemüht, die vom kruden Plot vorgegebenen Komplikationen darzustellen.
Der Film kommt mir heillos stehen geblieben vor, vielleicht irgendwo in den 70er Jahren, von der Art des Kinos her, das vorgibt, großes Unterhaltungskino sein zu wollen, schrill-plakatives Unterhaltungskino.
Für mich ist der am deutlichsten dechiffrierbare Untertext der, hey, wir machen hier was Lustiges, wir machen hier so richtig einen drauf.
Wir wollen Möpse sehen. Make me feel like you. Alex, ich brauch einen Mann, der einen Plan hat. Sag jetzt nicht, dass Du Dich verknallt hast. Dank an unser Konto. Projekte für 50 Millionen und ihr schafft es nicht, echte Titten von falschen zu unterscheiden.
Zäh zusammenfließender Schluss.
Buch: Detlev Buck, Anika Decker.
Regie: Detlev Buck.

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Ich muss ja gestehen, ich hab mir den Film gespart, weil ich nicht denke, dass Tootsie je zu toppen sein wird.