Schade, rief ein Kind, wie die kurzweilige gute Stunde in angenehmem 3D zu Ende war. Ein besseres Kompliment kann man einem Film, zumal einem Kinderfilm, nicht wünschen und dem mag man auch gar nicht widersprechen.

Der Animations-Film ist sicher für die Kleineren unter den Kindern, aber wer sich für deren Fantasie- und Angstwelten interessiert, wird auch als Erwachsener gut unterhalten. Es handelt sich allerdings nicht um ein Stück aus der Grimmschen Märchenwelt mit bösem, angstmachendem, menschenfressendem Wolf, verzaubernden Hexen, mit missgünstigen Königinnen oder in Frösche verwandelten Prinzen, es handelt sich hier um ein Stück moderner Pädagogik, das die Angstträume von Kindern  zum Thema macht und ihnen ihre Schrecken nehmen will, wenn kind denn nur keine Angst hat.

Hier sind die  furchteinflößenden Monster solche, die sich aufblasen, sobald ein Kind Angst vor ihnen hat;  es sind Stielauge, Fresso, Beule, Tentakel und deren Chef, der einen Schal aus einer doppelköpfigen Schlange um den Hals trägt. Dann gehört auf die Seite der Monster noch der Lichtfänger, der, wenn er irgendwo ein Licht sieht, dieses einfangen will mit einer Art Käscher oder mit einem rückwärts verwendeten Dudelsack oder wenns sein muss auch mit einem Staubsauger; sein Merkmal ist, dass er nicht sprechen kann, sondern nur Geräusche von sich geben und Gesten und wer sich mit ihm unterhält, muss Fragen stellen, die nur mit Ja oder Nein beantwortet werden können. Das sind spielerische Denkübungen.

Wenn das Kind aber keine Angst mehr hat vor den Monstern, wenn es sich dann sogar traut, die Monster anzufahren „haut ab“, dann fallen diese in sich zusammen wie Ballons, aus denen die Luft entweicht und die Angst der Kinder verfliegt. Dass dem so ist, das erklärt Laura ihrem kleinen Bruder Tom und so bezwingen sie auch die Monster.

Laura und Tom sind nämlich die beiden Hauptfiguren im Film. Die Monster hatten nächtens den kleinen Hund von Tom geklaut. Tom ist daraufhin erwacht und zu seiner Schwester gerannt und hat ihr das erzählt. Also musste sie ihren Stern aktivieren, der ihr immer den Weg zu solchen Unternehmungen weist und sie machten sich auf, den Hund zu suchen.

Das wird eine richtige Abenteuerexpedition über Wolkenfelder, über die sie auch spazieren können und in unterirdische Labyrinthe. Losfahren tun sie mit dem Bett von Tom, das aussieht wie ein Boot. Überhaupt ist die Welt ihrer Träume und Angstträume sehr nah an ihrer Kinderumgebung, an ihren Spiel- und Schlafzimmern, an ihrer eigenen Lebenswelt orientiert. Oder an einem Eiscornet. Dieses kann sich im Traum zum riesigen Schloss auswachsen.

Es gibt selbstverständlich eine einführende Handlung. Die Kinder spielen Fußball und der kleine Hund auf vier Rädern von Tom, der stört. Laura ärgert sich und stellt ihn abseits vor ein Kellerfenster, das der Hund dann vesehentlich eintritt, dann fällt er durch die geborstene Scheibe in den Keller. Das ist sozusagen das Setting aus dem realen Leben für den Alptraum. Denn schon in den Keller runterzugehen und nach dem Hund zu suchen, das kostet die Kinder eine Überwindung. Kellerräume sind Angsträume.

Nachts suchen die Gespenster Tom auf, wenn er nicht schlafen kann. Versuchen, ihn zu quälen. Sie wissen, dass sie ihm Angst und Schrecken einjagen können.

Das Angsttraumgebäude besteht aus einem immens hohen Treppenhaus mit aufsteigendem oder absteigendem Rundgang, überall gibts Türen und dahinter sind die Träume; dort können die Kinder ihre Träume anschauen. Außerdem sind viele verwunschene, orientalisch anmutende Interieurs zu sehen, Röhren, das Lichtlabor des Lichtfängers; und last but not least gibt’s noch den Flug auf dem Papierflieger.

Was das Hörspiel an der animierten Sache betrifft, also die Sprecherei, so kommt mir die ganz passabel vor, aber ich denke, es gäbe noch Spielraum zu mehr Sprach- und Sprechbewusstsein, sowohl was die Besetzung als auch die Performance, also Charakterisierung der Figuren als auch Modulation anlangt. Ich glaube, man darf das nicht unterschätzen, was das gerade für die Sprachbildung für Kinder bedeutet. Auch die Monster könnten ruhig profilierter sein.

Was sicher speziell für die kleineren Zuschauer von Vorteil ist, dass fast wie im Kasperltheater, die Kulisse meist ruhig und statisch ist, so dass sich die Augen voll auf die meist überschaubare Anzahl der Figuren und damit den Fortgang der Geschichte  konzentrieren können, der prima zu folgen ist.

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