Dieser Film macht sich selbst mit einem krassen inszenatorischen Fehlentscheid den Garaus.
Die Idee ist nicht schlecht und gar nicht so neu oder unbekannt: ein Mensch hält sich eine Puppe als Alter Ego. Dieses sagt ihm die Dinge, die er nicht hören will oder sich nicht traut zu sagen. Die Puppe, in diesem Fall ein Biber, setzt somit eine Dynamik innerhalb einer Figur, die vielleicht durch ein Problem gelähmt oder handlungsunfähig oder erstarrt ist, in Gang, kann Auswege aus einer Sackgasse weisen. Das kann mitunter superkomisch werden. Es ist das Erfolgsrezept der Bauchredner. Sicher, hier ging es nicht darum, einen Bauchredner darzustellen. Aber …
Der Unternehmer Walter Black, gespielt von Mel Gibson, leidet an Depressionen und findet einen Stoffbiber, den er wie ein Handpuppe trägt und der von dem Moment an statt seiner spricht. Er selbst hat keine Stimme oder keine Worte mehr. Er verstummt und der Biber spricht. Soweit die Theorie. Aber …
In der Praxis dieses Filmes sieht das so aus, dass Gibson den Biber ganz deutlich sichtbar und auch mit seiner eigenen Stimme spricht. Das muss man erst auseinanderdividieren. Aha, jetzt spricht der Biber und nicht Mel Gibson, obwohl Mel Gibson ganz deutlich spricht. Er spricht, obwohl er nicht spricht. Denn Black selbst spricht nicht mehr. Der ganze Witz, der ganze Mechanismus des Alter Ego wird so ausser Funktion gesetzt, ihm wird die Wirkung und damit der Reiz genommen.
Das ist in etwa so, wie wenn ein Bauchredner (bei dem ist das Prinzip der Puppe als Alter Ego durch den sprecherisch-technischen Trick dargestellt) so spricht, wie er immer spricht: das hiesse: die Illusion und der Reiz seiner Darstellung verfliegt, bevor sie zu Ende ist.
Nicht anders wäre es wenn Kinder mit Puppen spielten und sie keinen Unterschied in der Stimme der Puppe und iher eigenen machen würden.
Da der Zuschauer das als Kind schon intuitiv richtig gemacht hat, so dürfte er, wovor die Produzenten womöglich Angst gehabt haben, überhaupt kein Problem damit haben, wenn Gibson zum Beispiel beim Drehen in den Phasen, wo der Biber spricht, den Mund einfach gehalten hätte und die Biber-Texte im Nachhinein als separate Tonaufnahme und hoffentlich mit verstellter Stimme oder mit einem leichten Akzent oder was auch immer so einen Biber, der noch dazu einen beweglichen Unterkiefer hat, interessant gestalten könnte, gesprochen hätte. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein einziger Zuschauer ein Problem damit hätte, dem Film zu folgen, und zwar eventuell mit Vergnügen, statt wie hier mit der Qual, sich immer wieder fragen zu müssen, halt, wer spricht denn jetzt, ist es der Biber oder ist es Black. Die Filmemacher haben sich damit ein überflüssiges, gravierendes Kommunikations- respektive Darstellungsproblem geschaffen.
Man könnte über diesen Fehlentscheid der Produktion spekulieren, wer dafür die Verantwortung trägt, wer darauf bestanden hat, dass Gibson als Black den Biber sichtbar spricht, wie das begründet worden sein mag. Vielleicht damit, dass Black vom Moment an, wo er den Biber hat, nicht mehr als Black, sondern nur noch als Biber spricht, dass er quasi nur noch Biber sei. Dann fehlt aber für die Interaktion zwischen Ego und Alter Ego der eine Partner. Das macht die Sache nicht erhellender. Es verwirrt noch mehr. Wozu braucht er den Biber, wenn er doch selber spricht. Respektive wozu braucht der Biber noch Mel Gibson, wenn er eine vollkommen andere Rolle ist.
Das wäre hier das einzig Spannende für mich, zu erfahren ob und wie das hinter den Kulissen diskutiert worden ist und warum sich die schlechtest mögliche Lösung, meiner Meinung nach, zum Nachteil des Projektes durchgesetzt hatte.
Das Konstrukt der übrigen Geschichte scheint mir zudem ziemlich verkurvt und soll dann mit Rührseligkeit smart gemacht werden. Die Sache mit dem Biber, der die übrige Familie anfänglich freundlich gegenübersteht, verselbständigt sich nämlich. Das geht soweit, dass die Familie auszieht und Gibson mit dem Biber alleine bleibt. Da erst gewinnt die Puppe Eigenleben. Das wiederum erträgt Gibson nicht. Er erträgt also genau das nicht, was die Grundlage für das Funktionieren des Spieles mit der Puppe ausmacht. Und weil Black/Gibson sein Alter Ego nicht erträgt, will er es mit der Motorsäge zerstören. Er vergisst dabei, dass die Figur an seinem Arm ist. Fazit: Biber weg, Arm weg. Dagegen hilft nun gar kein Storyline-Mittel mehr, auch keine vollkommen verquaste Nebengeschichte mit dem Sohn, der sich als Ghostwriter verdingt (was ja in reizvoller Wechselwirkung zur Bibergeschichte gesetzt werden könnte, was aber hier nicht geleistet wird), damit in eine verkorkste Liebesgeschichte mit einer derben, dominanten Blondine namens Nora hineingerät, die zu erzählen schon in einem separaten Spielfilm kaum glaubwürdig zu bewältigen wäre und der sich dann obendrein mit dem Vater moralingetränkt versöhnen wird. (Vielleicht kommen Autoren, die den Hauptkonflikt ihres Stoffes nicht gründlich genug untersuchen auf so verquere Filmfüllideen).
Was übrigens das ganze Biberspiel noch uninspirierter macht, ist der Vorgang, dass Walter jedem, der das erste Mal mit dem Biber konfrontiert wird, einen Zettel in die Hand drückt, der die Funktion des Bibers erklärt. Erklärkino. Ein sichereres Mittel zur Abtötung von Spannung ward im Kino selten gesehn.
Und noch ein Indiz zur Stützung der Behauptung der inszenatorischen Fehlentscheidungen zur Handhabung des Bibers: bei einem Radiointerview, das Black mit dem Biber, der inzwischen zum Medienenstar geworden ist, gibt, hängt Black sich weg vom Mikro und hält den Biber davor, damit man ihn nicht sehen könne und damit alle glauben der Biber spreche; irgendwer scheint mir hier irgendwas nicht so ganz kapiert zu haben. Und lustig ist es schon gar nicht. So dumm reagiert kein Kind.
Man könnte, wenn man was Positives suchte, vielleicht sagen: der ganze Film ist ein brutale Kritik an Spielzeugfabrikanten, denn um einen solchen handelt es sich bei Walter Black, zu zeigen, wie ein solcher Fabrikant selber offenbar null Ahnung vom Funktionieren von Kinderspielzeug am Beispiel einer Handpuppe hat. Er selbst verklärt den Biber an einer Stelle als ein Wunder, ein „miracle“; vielleicht ist das die andere Aussage des Filmes, Amerika, seine Film- und seine Spielzeugindustrie bräuchten dringend ein Wunder; denn im Film, das ist das Wunderbare, läuft durch die Inthronisation des Bibers auch die bedrohte Spielzeugfabrik plötzlich wieder wie am Schnürchen. Ein Film also für Wundergläubige – leider jedoch keine Wundertüte.

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