Archiv für 12. Mai 2011

Etwa 5 Minuten vor Schluss gabs dann eine Szene, die mich fesselte, weil ein richtiger Konflikt ausbrach. Das ist natürlich zuwenig, um den Eintritt ins Kino zu rechtfertigen. Aber der Reihe nach. Sandra Trostel ging das Risiko ein, über drei Jungs aus bravem Hamburger Reihenhausvorort, die eine Band gegründet hatten, eine Langzeitdoku zu drehen. Mit offenem Ausgang.

Die Doku fängt in dem Moment an, in dem die junge Band, drei Jungs, zwei davon noch stark pickelgesichtig und alle noch vorm Abitur, kurz davor standen, mit Tapete, einem kleinen Musiklabel, ihre erste CD aufzunehmen.

Vielleicht sollte man versuchen, sich in die Regisseurin hineinzudenken, was ihr vorgeschwebt sein mag und was sie so faszinierte an den Jungs. Offensichtlich war, dass Anton, ein eher exzentrischer Alphatyp, sicher was für den Film hergibt, er dürfte auch der Spiritus Rector der Band sein, die sich “1000 Robota“ nennt. Den Namen haben sie sich ohne tiefere Gründe gegeben, sie fanden 1000 eine schöne Zahl, tausend Besucher im Konzert wäre super, 1000 Platten zu verkaufen auch. Überhaupt, wer sich nicht traut, gross rauszukommen, der sollte lieber nicht gleich anfangen mit so einem Unternehmen; das mag sich die Regisseurin gedacht haben, denn wenn die gross rauskommen, dann wäre sie im Beiboot mit dabei; auch eine solche Spekulation wäre voll legitim. Und Robota haben sie sich genannt, weil sie sich nicht Roboter nennen wollten, wohl aber an Roboter dachten, auch das sind legitime künstlerische Freiheiten. Diese nehmen sich Tausende anderer Bands auch, also darin dürften sie sich von anderen Bands ihrer Altersgruppe nicht sehr unterscheiden.

Vielleicht war ja die Regisseurin zu Beginn des Projektes genau so naiv wie ihre Jungs, war selber nicht vertraut genug mit der Branche, um zu wissen, wie routiniert und hart das abläuft mit dem Pushen und Aufstieg einer Band, vielleicht hat sie sich da ein Märchen versprochen – und dann eine nicht gerade optimistisch stimmende Praxis gefunden. Insofern erzählt ihr Film dann doch ganz schön was über die Abgefucktheit des Musikbusiness. Es gibt aber keinen Text von der Regisseurin, dass sie damit gerechnet hätte. Sie liess sich quasi unvoreingenommen auf ihr Projekt ein, liess sich treiben, schaute immer mal wieder vorbei, sie hat die Richtschnur ihrer Beobachtung ganz der Entwicklung des Projektes überantwortet.

Insofern ist ihr Film eher der Zusammenschnitt einer Art fester Kamera, die quasi immer zu bestimmten Gelegenheiten im Fortgang dieser Band angeknipst wurde, so da vornehmlich sind: Aufnahmen von Fahrten zu Auftritten, jede Menge Ankünfte, Bezug von Jugendherbergs- und Hotelzimmern, Konzertclips, Interviews, Lektüre von Kritiken, Alkoholkonsum. Das präsentiert sich fast wie ein privates Poesiealbum einer Verehrerin. Anton quasselt unendlich viel. Die beiden anderen trauen sich weniger, üben sich aber auch in der Interviewtechnik.

Der Eindruck des Mangels einer klaren Idee der Suche nach Bildmaterial stellt sich schon im impressionistischen Zusammenschnitt bunt gemischter Bilder im Anspann des Filmes dar; dieser verhilft dem Zuschauer jedenfalls weder zu einer inhaltlichen noch zu einer formalen oder regional/zeitlichen Orientierung. Ausfransung statt Rahmen für eine Geschichte. Gut, könnte man jetzt darüber philosophieren, wie weit eine Dokumentation immer auch eine Geschichte zu erzählen hat. Aber ein klarer Focus kann das Hirn des Zuschauers doch schneller packen und aktivieren.

Die Handlung fängt mit der Besprechung wegen der LP und der Unterschrift unter den Vertrag an und wird mit Musikaufnahmen fortgesetzt. Es gibt Diskussionen, Auseinandersetzungen, Abwägungen hinsichtlich Marktchancen gegen künstlerische Ambitionen, der Produzent will ja auch Geld verdienen, wenn er einen Einsatz zeigt, aber für einen ernsthaften Konflikt scheinen die Jungs noch zu grün, denn das Need, eine LP rauszubringen, ist doch stärker als alles andere – die Grösse des Labels spielt keine Rolle.

Die Message der Songs von “1000 Robota“ ist einfach, sie könnte einer christlichen Jugendgruppe entstammen “Ich bange um mein Leben und ich bange um Euch.“ Auch das Kämpfen spielt eine Rolle. Melodisch sind die Songs nicht, eher so eine Art Rausschreien in eintöniger Intonation mit sehr gedehnten Silben. Der Erfolg ist mässig. Sie scheinen das Publikum zu spalten in Verehrer und Verspotter.

Der interessanteste Handlungsstrang scheint mir der Nebenstrang, der später in den eingangs von mir erwähnten Konflikt mündet. Aber das konnte die Regisseurin vermutlich auch mangels Lebenserfahrung nicht absehen, dass es sich gelohnt hätte, hier gezielt Material zu sammeln um diese Entwicklung später dokumentarisch sauber freilegen zu können, ein eventuell hochspannender Bericht aus der Praxis. Anton bekommt nämlich beim Tapete-Label einen kaufmännischen Ausbildungsplatz. Er agiert also fortan einerseits als Bürolist, ist aber auch Performer. Als Bürolist bekommt er Einsichten in die Brutalität und den Zynismus des Musikgeschäftes selbst bei so einem kleinen Label. Das konnte also nicht gut gehen, denn er war jetzt als Bürolist auf der Seite derjenigen, die den Bands jedweden Gig des Geldes wegen aufoktroyierten, andererseits auf der Seite der Künstler, die dann unter Scheissauftritten völlig neben dem Zielpublikum zum Beispiel im Kaff beim Feuerwehrabend zu leiden hatten. Und als ob das nicht Konfliktstoff genug wäre, kommen hinzu die Mobbereien der Kollegen am Arbeitsplatz, die natürlich neidisch sind und sich auch nicht die freie Schnauze eines Anton erlauben.

Dieser Konflikt kommt aber erst nach etwa 85 der 90 Filmminuten und dann vor allem im Interview mit Anton auf die Leinwand. Das wäre für mich der Moment, wo es anfängt spannend zu werden. Was macht Anton weiter? Er ist ausgestiegen, hat bei Tapete hingeschmissen. Anlass dazu war, dass er bei Stefan Raab hätte auftreten sollen, dass er anfänglich nach Diskussionen zugesagt hat, den dämlichen Argumenten man brauche solche Auftritte für die PR nachgebend, dann scheint in ihm aber der Konflikt zwischen Kunst und TV-Hurerei doch hochgekocht zu sein und er hat abgesagt, er hat sich für die Freiheit der Musik und gegen den hirnlosen Mechanismus des Geschäfts entschieden.

Im Abspann erfährt man, dass seine beiden Kollegen jetzt studieren, dass die Band aber weiter an neuen Songs arbeite und man sieht sie bei einem schlecht besuchten Gig in einem nicht besonders eleganten Lokal, aber Anton kann stolz verkünden, man wäre in diesem Augenblick bei Stefan Raab, wenn man nicht abgesagt hätte.

DIE KUNST DES ABSAGENS, das könnte der Titel sein für die Fortsetzung dieses Filmes, denn der Schlusspunkt von UTOPIA LTD., das wäre der Anfangskonflikt für einen möglicherweise unglaublich spannenden modernen Künstlerfilm/Musikerfilm.

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Die erste Frage bei einem Doku könnte immer die sein, wozu, warum wurde dieser Film gemacht. Hier macht es einem der Abspann leicht, eine mögliche Lösung zu finden, es wird nämlich ein Kinderhilfswerk, das Senna ins Leben gerufen hat, gross gewürdigt. Allerdings steht nicht, dass der Erlös aus dem Film diesem Hilfswerk, das sich für Kinder in Brasilien einsetzt, zugute komme. Die Nennung dürfte jedoch der Grund oder die Bedingung gewesen sein, dass die Familie von Ayrton Senna zu diesem Film bisher unveröffentlichtes Material beigesteuert hat. Doku ein bisschen für einen guten Zweck also.

So präsentiert sich der Film denn auch als ein schönes Portrait des berühmten Rennfahrers Ayrton Senn, so ansprechend und leicht geniessbar wie eine Karte von UNICEF.

Über heutige Medienstars gibt es TV-Material in Hülle und Fülle. Das Problem für den Macher eines solchen Filmes dürfte eher die Qual der Auswahl aus all den Rennberichten, Reportagen und Interviews sein, denn es liessen sich bestimmt hundert und mehr verschiedene Filme mit durchaus unterschiedlichen Aussagen über die Person des Interesses zusammenschneiden.

Hier entsteht ein Bild von Ayrton Senna als eines Mannes der hochkonzentriert und zielbewusst ans Werk ging, aber eher wie ein Traumwandler, sozusagen nur die Sache im Kopf, das Ziel und nicht die Rivalität mit den anderen, weniger das Ellenbögeln, wie sein Hauptrivale Prost es aus dem Effeff beherrschte oder wie es einem Schumacher später zugeschrieben wurde; er selbst sah sich als ein wilder Stier, der auf sein Ziel losraste, den nicht Links und Rechts interessierte.

Ein durchgängig dramatisches Thema in diesem Film bildet die Dauerrivalität zu Alain Prost. Gerade ihm gegenüber, der sozusagen vor keinem Bodycheck zurückschreckte, vor keiner Mauschelei mit den Funktionären, hebt sich die Träumer-Eigenschaft eines Ayrton Senna besonders deutlich ab. Sachbezogenheit gegen Politbezogenheit. Der eine will auf der Ideallinie ins Ziel mit reinem Beherrschen der Technik und schneller Reaktion, der andere schreckt vor Tricks nicht zurück und beobachtet nebst dem Ziel vor allem den Rivalen und bandelt mit dem Funktionärstum an. Die reine Kunst gegen die Kunst der Verunreinigung von Resultaten durch Funktionäre. Ein Konflikt der sich durch Sport, Kunst, Politik zieht wie der Wetterwechsel durchs Klima. Mozart und Salieri.

Ein Beispiel für Prosts Mauschelei war ein Rennen, bei dem dieser bei der Rennleitung erreichte, dass Senna unverdientermassen die ungünstigere Startpositon auf der schlechteren Fahrbahnseite gegeben wurde und Prost von der günstigeren aus losrasen durfte; daraufhin zog Senna zu eng an Prost vorbei, beide landeten im Kiesbett, aber dadurch wurde Senna Weltmeister, ein unglücklicher Weltmeister.

Senna hatte es nun mal nicht mit den Funktionären; es gibt Bilder aus Fahrer-Besprechungen, in denen er nur noch den Kopf schütteln konnte über die Dämlichkeit dieser offenbar nötigen Gattung; aber er argumentierte auch heftig für die Interessen der Fahrer.

Kein Wunder, dass das schönste Rennen seines Lebens für Senna  eines in jungen Jahren war, ein Go-Cart-Rennen in Europa, da war man unbeschwert, frönte dem reinen Renngenuss, da funkten nicht die Geld- und Machtinteressen, die rennsportpolitischen Interessen, der Opportunismus von Machterhalt und der Machterweiterung hinein, denen Senna vollkommen abhold war.

Er war mehr Rennphilosoph als Trickser: Nahaufnahmen, die im Lauf der Rennsaisons zusammenkamen, erzeugen ein vielfältiges Bild von dem eher sensiblen, verträumten aber absolut zielbewussten Senna, im Sieg, in der Niederlage, bei der Beobachtung von Unfällen, verantwortungsbewusst und sorgenschwer gegen die letzten Rennen hin oder geplagt von der nie fairen Rivalität mit Prost. Und dann die Tränen und die Ausrufe beim Sieg in Brasilien, wie er sich darnach vor lauter Verspannung kaum mehr bewegen konnte und keiner ihn berühren durfte.

Um ein Zückerchen zu bieten nebst all dem bekannten Material – irgendwann kann man die ganze Starts aus TV-Archiven auf der Leinwand nicht mehr sehen – gab die Familie von Senna den Filmemachern dem guten Zweck zuliebe private Homevideos: Ayrton Senna mit Boot und Familie auf dem Meer oder auch zuhause, ein ruhiger Familienmensch.

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Die Krux von solchen deutsch-polnischen Koproduktionen scheint mir die zu sein, dass sie versöhnlerisch, verständnisweckend sein wollen. Doch der Kinozuschauer ist wie ein Kind, wenn es merkt, dass eine pädagogische Absicht hinter etwas steckt, dann langweilt es sich oder geht gar nicht erst hin.

Es sieht dann immer so aus wie eine Bemühung, die versucht passend zu machen, was nicht passt. Allein schon diese Voraussetzung, eben selbstverständlich anzunehmen dass es nicht passt und ergo der Versuch, es passend zu machen, endet noch jedes Mal in einer Komödienkatastrophe, wie sie Stoff für beste Komödie hergäbe. Aber leider wird im Film genau diese urkomische Komödie, die zur Herstellung des Filmes abläuft, nicht gezeigt.

Im Film wird mühsam ein Fall konstruiert, wie schon bei der HOCHZEITSPOLKA, wo Polen und Deutsche irgendwie zusammenkommen müssen, und damit das ein Hindernis sei, müssen eben vorher die Vorurteile breit aufgetischt werden. Müssig die deutsch-polnischen Vorurteile hier zu wiederholen. Die Polen klauen alle. Und prompt wird am Schluss dem Henry Hübchen sein Auto geklaut, wie er zur Kommunion seiner Enkelin Mathilda fahren will. Die Polen, die auf ihn warten, können sich richtig schön aufregen über einen Deutschen, der nicht pünktlich ist.

Das Konstrukt von Plot ist folgendes: Henry Hübchen, der hier einen Rendsburger Bäckermeister spielt, der im Film Grabosch heisst, hat seine Tochter bei einem Verkehrsunfall verloren. Sie war verheiratet mit einem Polen. Die beiden hatten ein Kind und wohnten in Deutschland. Nach dem Tod der Mutter zieht der Vater mit dem Kind nach Polen. Hübchen misstraut den polnischen Verhältnissen und sucht Vorwände, wie er ganz offiziell das Sorgerecht für seine Enkelin erhalten und sie zu sich zurückholen kann. Er besucht sie unangemeldet und sucht nun Belege für die für ihre Erziehung nicht akzeptablen Umstände und lernt statt dessen deren Menschlichkeit kennen. Dabei läuft die ganze Vorurteils-Vorurteilsabbau-Chose sehr vorhersehbar und gutmenschentümelnd ab. Das ist christliche Heilsgeschichte. Saulus-Paulus. (Wie man erfolgreich Filme über Vorurteile machen kann, ist zu besichtigen bei Dany Boon aus Frankreich: WILLKOMMEN BEI DEN SCH’TIS oder später in diesem Jahr NICHTS ZU VERZOLLEN).

Mich interessiert hier aber weniger die Frage, wieso die Franzosen das können und die Deutschen nicht, das wäre ja auch ein Vorurteilssatz. Mich interessiert viel mehr, wie ist es möglich, dass so ein schwacher Film wie POLNISCHE OSTERN überhaupt produziert wird und dann auch noch ins Kino kommen soll. Ich habe dazu eine Vermutung, und sie betrifft die von mir schon im zweiten Absatz erwähnte Groteske. Denn Film-Förderer und Film-Geförderte sind voneinander abhängig. Die einen wollen Filme machen, die anderen müssen geförderte Filme vorweisen (ihren Finanziers, dem Staat gegenüber). Und wie es in Abhängigkeitsverhältnissen nur allzu gerne geschieht: man möchte sie nicht verlieren, man möchte dem anderen nicht weh tun, ihn nicht verletzen. Man möchte sich die Abhängigkeit bewahren. Dafür nimmt man Dinge in Kauf, die man eigentlich nicht gut findet. Oder man agiert aus vorauseilenden Vorurteilen heraus (denn wie genau kennen sich Förderer und Geförderte überhaupt). So scheint es plausibel, dass die Macher, die ja nicht dumm sind, die Förderer nicht für ganz helle halten, denn die sind ja Funktionäre und dürfen von Gesetzes wegen nicht allzu autonom denken, sie müssen sich an Regularien halten. Darum halten die Macher insgeheim die Förderer möglicherweise für blöd und reichen dann entsprechende Drehbücher ein, von denen sie glauben, dass die Förderer in ihrer Blödheit sie verstehen und für gut befinden würden. Sie reichen also Bücher ein, von denen sie selbst spüren, dass sie nicht so gut sind, wie sie sie eigentlich schreiben könnten. Die Förderer nun, die ja auch nicht dumm sind, sehen durchaus die Schwäche dieser Drehbücher, halten aber die Macher vielleicht nicht für so helle, sehen jedoch die Bemühung und wollen sie honorieren, denn Förderlinge können noch keine Meister sein. Die Förderer fördern also Bücher, von denen sie sehr wohl wissen oder spüren, dass sie nicht so gut sind, wie sie eigentlich gut sein könnten und müssten.

So tun also dem Frieden zuliebe, dem Erhalt von Beziehungen und Fördergeldern und der Abhängigkeit und auch der eigenen Position zwei Seiten Dinge, die sie mit ihrem gesunden Menschenverstand nie tun würden, sie setzen ihre Kräfte für einen schwachen Film ein und reden ihn sich schön, denn der Familienfrieden darf nicht gestört werden. Man könnte es ein gegenseitiges Vorgemache nennen. Das halte ich für grotesk. Aber fragen Sie einen Paartherapeuten, was die erzählen können über Ehen, die jahrzehntelang Sexualpraktiken ausüben, die keiner der Partner mag, aber keiner traut sich was zu sagen, aus Angst vor Verlust der Partnerschaft und jeder ist voll überzeugt, dem anderen gefalle es. So viel anders wird es zwischen Förderern und Machern nicht laufen, oder haben Sie, lieber Leser, eine Erklärung, wie es möglich ist, dass ein so schwacher Filme nicht nur produziert sondern sogar noch und das allen Ernstes ins Kino gebracht werden sollen? Die Pointe der Pointen in diesem schrägen Spiel zum enormen Schaden der Kultur des Landes liefern aber jene  Kritiker, die die Schwächen sehr deutlich sehen, aber  gute Miene zum verhemmten Spiel machen und das Schwachstück noch gut schreiben. – So betrügen sich alle um ihren Erfolg. Wenn das mal keine saubere Komödie, keine perfekte Provinzposse ist!

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Am nicht allzu straff gespannten Faden einer Räuberstory werden in einem TV-serienerprobten und bewährten extra für Kinder eingerichteten Kosmos aus bösen und guten Figuren ohne Zwischentöne Szenen aneinandergereiht, die von Gut und Böse handeln, von der Gier, von Gefangennahme und von Befreiung und natürlich von der Dingfestmachung der Bösen.

Vom Gesamtbogen der Story her ist durch den Vorrang des Bildadditiven vor der Spannungserzeugung und der Vernachlässigung stringenter Continuity eher ein Film für die ganz Kleinen, die sich an Einzelbildern vergnügen und über Slapstick lachen können, wenn die dicke Briefträgerin und der dicke Nachbar rennen und stolpern und ineinander laufen oder wenn sie ein Polizeiauto klauen, in der Kinderwelt darf man das noch.

Andererseits scheint es eher ein Film für grössere Buben, die schon dabei sind, auf den Geschmack von Abenteuergeschichten zu kommen und die heftig mitfiebern wenn Fritz Fuchs versucht ohne Hilfsmittel sich zu befreien, da rufen sie, hoffentlich schafft er das, denn der böse Roman Zenker, der Hehler und Kunstdieb, der einst sein Jugendfreund war, ist hinter dem Schatz des Hannibal her, den die beiden, Fritz und Roman, als sie noch Jugendfreunde waren, einst entdeckt hatten; aber jetzt ist Schluss mit der Freundschaft, Fritz stört als Mitwisser und wird als Feind gnadenlos eingesperrt.

Es ist auch ein Film für die Tierfreunde unter den Kleinen, speziell die Hundefreunde, es gibt einen Bernhardiner Sennenhund, ein gutmütiges Tier, das einmal in einer Fluchtsituation eine schier nicht erklimmbare Rutsche hinaufzukraxeln versucht, und es gibt drei niedliche kleine Hundewelpen, deren Mutter vom bösen blonden Mädchen, das die Helferin des bösen Roman Zenker ist, zu Tode gefahren worden ist mit dem hässlichen schwarzen Donnerwagen, wie böse Menschen und Verbrecher ihn eben fahren.

Und es gibt Fritz Fuchs, den Tüftler, der einen Gleitschirm mit einem Propellerantrieb, den man auf dem Rücken trägt, erfunden hat und mit diesem in den Bergtälern kreist. Hier gibt es extrem spektakuläre Aktionen, wenn das böse blonde Mädchen und ihre zwei männlichen Begleiter den Fritz Fuchs samt seinem Gleiter vom Himmel schiessen wollen, das tendiert in Richtung heftiges Actionkino, und man sieht den Fritz samt Gleitschirm ins Wasser abstürzen.

Und nicht wieder auftauchen. Die Bösen rasen mit einem eben schnell mal kurzgeschlossenen Motorboot vom Bootssteg los, merkwürdig ist allerdings dass der Verleiher auf dem Steg überhaupt nicht reagiert. Sie wollen sich Fuchs greifen. Doch der kann abtauchen und sich an Land retten. Der Boots-Verleiher näht ihm den Gleitschirm. Die Jagd kann weiter gehen. Denn die Bande will die Welpen ertränken, derweil das Mädchen auf der Seite von Fritz die Pneus des schwarzen Halunken-Autos durchsticht.

Im Schloss von Roman Zenker in Thüringen werden die Guten mit der Pistole bedroht und als Geiseln nach Österreich mitgenommen, dieser Sprung passiert ziemlich schnell, vom Schloss in Thüringen zur Seilbahn in Österreich, die Geisel Fritz soll den Roman zum Schatz des Hannibal führen.

Der routinierte Fernsehfilm steht jetzt definitiv im Vordergrund mit verschütteten Höhleneingängen, Explosiva, Seilwurftechniken, Freeclimbing, Motorgleitschirmwagnissen, Gleitschirmzwillingsflug, Einsperren von Menschen in Alphütten, Felsabsturz und schon nähert sich eine Armada von Polizeiautos der Talstation für den Countdown, den der gutmütige Bernhardiner mit einem Nasenschubser an einem Haltehebel für die Seilbahn in Gang setzt, hier greift das Kinderfilmelement in den Fernsehkrimi ein wie ein deus ex machina, war auch nötig, denn auf allzu soliden Füssen stand der ja nicht.

Jeder Zuschauer muss sich von diesem merkwürdig zusammen gemixten Teil aus Figuren, Genres, Storystücken und Tieren wohl selbst aussuchen, was ihm gefällt. Selbstbedienungskino.

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