So könnte es gewesen sein, aber so war es natürlich nicht. Papa Besson spaziert mit seinen Blagen am Louvre vorbei. Sie sehen die Glaspyramide davor. Fragt eines der Blagen, Papa, qu-est-que-c’est? Darauf fängt Papa Besson an zu flunkern, zu fabulieren und zu fantasieren was das Zeugs hält von ägyptischen Pyramiden und von Mumien und davon, dass es einen Professor gebe, der solche Mumien wieder auferwecken könne, aber nicht nur dies, er könne auch Dinosaurier-Eier, die über 100 Millionen Jahre alt seien, zum Ausbrüten bringen und Besson erfindet eine unerschrockene, taffe junge Frau Adèle (und engagiert dafür die imponierende Louise Bourgoin), die Forscherin ist und die unbedingt das medizinische Wissen einer der Mumien braucht, denn ihre Schwester ist beim Tennis-Spielen unglücklich gestürzt und … Papa Besson kommt vom Hundertsten ins Tausendste und spinnt ein Märchengarn bis er schließlich die junge Frau für ihre Verdienste auf eine bekannt luxuriöse Abschiedsreise schickt – und lässt uns mit offenem Mund zurück.
Archiv für September 2010Vermutlich einer weiterer dieser gar nicht seltenen deutschen Filme, bei denen selbst die Produzenten schon bei Drehbeginn hinter vorgehaltener Hand geflüstert haben dürften, „den Schmarren“ werde sich bestimmt niemand im Kino antun, denn besoffene Westler, die in Polen auf einer Hochzeit „ein belegtes Brot mit Schinken, ein belegtes Brot mit Ei“ grölen, reißen heutzutage niemanden vom Hocker und schon gar nicht ins Kino. Man müsste also fragen, warum der Film dann trotzdem – überflüssigerweise – produziert worden ist. Die Antwort dürfte ganz simpel die sein, weil es nämlich die Förderstruktur gibt. Und diese „Struktur“, die tickt vielleicht in etwas so: deutsch-polnisch ist immer gut, da gibt es auch Geld aus Polen und ist politisch gut wegen Versöhnung. Dem Jessen sein bisheriger Erfolg war überschaubar, wir kennen ihn und der wird uns nicht gefährlich werden. Dann kennen die Förderer vielleicht die Produzenten. Und schließlich spielt ja Ulmen mit, und der hat noch kein Geschirr zerdeppert, der ist nett, der ist politisch und auch TV-korrekt. Und ein polnischer Star ist ebenfalls dabei. Die „Förderstruktur“, die denkt nämlich in ungefähr allen Kategorien nur in einer garantiert nicht, nämlich der Kategorie, was ein guter und spannender Kinofilm sei. Weil eine Struktur sowas möglicherweise per definitionem gar nicht kann. Hier noch aus meinen Notizen zum Film: „… für ältere Semster, in denen noch Lagerfeuerromantik nachglüht … Klampfe … eisgekühlter Bommerlunder … man sollte ein Bedürfnis zum Wiederaufleben solcher Stimmungen haben, die des unkritischen Pseuoaufbruches, dann ist man beim Jugendfreizeitregisseur Lars Jessen richtig. Wenn man dann auch noch den für Südländer schwer zu dechiffrierenden Fischköppehumor versteht, da wird man sich möglicherweise sogar kaputt lachen in dieser Komödie, die ihr Handwerk nur sehr klapprig bis gar nicht versteht, jedenfalls nicht so versteht, dass ihr Fördergelder zustehen dürften … Kino von einer Strahlkraft nicht über die Ebbegrenze hinaus … Dramaturgie von einer Dürftigkeit, die selbst fürs Fernsehen kümmerliches Niveau … Auf eine Charakterisierung der Hauptfigur, ein Frieder gespielt von Christian Ulmen, wird gänzlich verzichtet. Man setzt auf den Ulmen-Effekt; der kommt jedoch abgenutzt daher. … Am Set des endlos ausufernden Gegröles, Gejohles, Gebrülles auf der Hochzeit, da dürfte Jessen für ihn glaubwürdig das Gefühl beschlichen haben, ein mächtiger Kinoregisseur zu sein …“ Der Film fängt ausgezeichnet an mit einem Schauspieler, Patrick Fabian, der den fake-dokumentarischen Charakter seiner Exorzisten-Pfarrer-Figur brilliant rüber bringt, indem er fürs Fernsehen einen letzten Exorzismus durchführen und seine Tricks offenlegen und damit Abschied von diesem zwielichtigen Handwerk nehmen will. Als dann die Chose ausser Kontrolle gerät, verliert er den pseudodokumentarischen Charakter seiner Figur, den Mitspielern ergeht es nicht anders, sie spielen jetzt nur noch überdrehte Hysterie statt glaubwürdigem Schock und machen damit den guten Anfang zunichte. Ein schönes Prekariats-Exploitation-Movie. Eine hingebungsvolle Sentimentalität mit einem bleichen Jungen mit dunkel geschminkten Augenrändern im Mittelpunkt. Eine engagierte Illustration zur aktuellen HartzIV-Debatte. Schon öfter habe ich meinen Filmblog dazu missbraucht, meine persönlichen politischen und gesellschaftstheoretischen Gedanken zu publizieren. Ich denke, dass das niemanden ernsthaft stören sollte, denn zum einen muss das ja niemand lesen und zum anderen hat ein Blog lange nicht so eine stark geprägte fachliche Ausrichtung wie eine papierne Publikation, zumidest nicht gezwungenermaßen. Grundsätzlich ist der Menschen ein soziales Wesen. Er betreibt Brutpflege im unschlagbaren Ausmaß (was an seinem großen Gehirn liegt, denn die Gehirnentwicklung kann im Körper der Mutter nicht abgeschlossen werden, sonst würde der Kopf bei der Geburt die Mutter sprengen. Daher muss der Mensch nach der Geburt überdurchschnittlich lang versorgt werden), er ist vernunftbegabt, kann also vorausplanen (zum Beispiel eine Mammutjagd nahe einer Klippe veranstalten oder Vorräte für den Winter anlegen), und er ist grundsätzlich friedliebend. Solange es ihm gut geht zumindest. Geht es dem Mensch nicht gut, kann er auch zu extremen Mitteln greifen. Der einzelne wird rabiat (von Notwehr bis Amok), Gruppen werden gefährlich (aus dem Ruder gelaufene Demonstrationen), Massen unbeherrschbar (Französische Revolution, Montagsdemonstrationen). Menschen, denen es nicht schlecht genug geht, um zum Berserker zu werden, verkümmern. Zunächst seelisch, dann auch körperlich. Dies ist vielfach zu beobachten, sei es bei Menschen, deren Lebensplanung danebengeht, die gemobbt werden, die eine schlimme Krankheit im Umfeld durchleben oder gar bei sich selbst diagnostiziert bekommen, oder auch bei existenzieller Not. Sie werden zu den sprichwörtlichen “Verbrauchern”, antriebslos, uninformiert, auf Autopilot. Geht es dem Mensch gut, wird er gemütlich, baut ein Nest, kümmert sich um seine Hobbies und sieht zu, dass er einen zufriedenstellenden, nicht zu fordernden Tagesablauf hat. Hält die Phase der Sicherheit an, beginnt der Mensch, sich zu verwirklichen, er blüht auf. Er baut eines seiner Hobbies zu “mehr” aus, er versucht, “ein gutes Leben” zu führen, manche bringen sich sogar gemeinnützig durch Ehrenämter ein. Ob das Hobby nun das Sammeln von Playmobil ist oder das Bergsteigen, ist hierbei völlig egal. Fakt ist: Der Mensch, der sich in gesicherten Umständen bewegt, führt ein gutes Leben und tut, was ihm passt. Im Idealfall entwickelt er ein Interesse an höheren Genüssen wie Bildung und Kunst. Nun gab es in früheren Zeiten die Notwendigkeit, für harte Zeiten vorzusorgen. Jeder hamsterte also, wo er konnte (Steinzeit), und wer sozial hoch genug stand, ließ hamstern (alle folgenden Zeiten). Sprich: Beutete aus. Es entstanden Stände, Klassen, Hierarchien. Mit ihnen enstanden nach und nach die modernen Wertesysteme: Freiheit, Pflicht, Staaten, Gesellschaften. Mit ihnen kamen unter anderem auch die Steuern, eine grundsätzlich gute Idee für die Finanzierung des Gemeinguts wie Straßen, Bahnlinien, Wasser- und Stromversorgung zum Beispiel. Oder auch die Menschenrechte, die Grundrechte. Abschaffung der Kinderarbeit, Schulpflicht, Wahlrecht auch für Frauen. Wir haben es weit gebracht, vom täglichen Überlebenskampf ein paar kleiner Stämme in der Olduvai-Schlucht bis zur überaus komplexen Gesellschaft heute, verteilt über den gesamten Erdball und aufgespalten in verschiedenste Gesellschaften und Sozialstrukturen. Noch sind wir alle miteinander verwandt, die nördlichste Inuit kann vom südlichsten Maori genauso schwanger werden wie die eigene Nachbarin von einem selbst. Das soziale Verhalten war schon immer ein großer Teil des Fundaments, auf dem homo sapiens seine Gesellschaft aufbaute. Zahnlose, schwache Omas werden schon lange nicht mehr in der Wildnis zurückgelassen, genausowenig werden behinderte oder schwache Neugeborene von der Klippe geworfen. Dass sich das nicht gehört, ist für nahezu jeden Menschen fundamentalstes Selbstverständnis. Irgendwann wurden die Versicherungen erfunden, und zwar als eine Art Negativ-Lotterie. Jeder zahlte ein, und die, die dann tatsächlich vom Schicksal getroffen wurden, bekamen ihren Schaden ersetzt. Diese Versicherungen gibt es in privatwirtschaftlicher Form (Hausrat und so weiter) sowie in staatlicher Form, was einem Grundrecht gleichkommt (Krankenversicherung, Rentenversicherung, Sozialversicherung oder auch das römische Bürgerrecht in der Antike). Eine feine Idee, solange man kein (übermäßiges) Geschäft daraus macht. Tut man das, pervertiert man die Grundidee, wie man ja bei den US-Krankenversicherungen vor deren Reform sehen konnte: Bereits Erkrankte wurden erst gar nicht aufgenommen, weil man mit ihnen keinen Gewinn mehr machen konnte, und anstatt dass die gesammelten Gelder die Heilung von möglichst vielen Leuten ermöglichen sollten, wurden private Inhaber und Teilhaber der Versicherung immer reicher, während Zahlungen versagt wurden. Dies ist nicht im Sinne des Erfinders und auch nicht im Sinne einer sozialen Absicherung der Bevölkerung, insbesondere dem Garantieren von Sicherheit. Nun hatten wir in Deutschland ein recht gutes Wirtschafts- und Sozialsystem, bis die Spekuliererei im großen Stil angefangen hat. Alle möglichen Strukturen wurden privatisiert, um sie effektiver zu machen (ob diese nun effektiver sind, steht übrigens noch zu beweisen). Man verkaufte zum Beispiel dem Volk die Bahn, obwohl ihm diese jedoch schon immer gehört hatte. Dann legte man “unrentable” Strecken still, um den Verkehr zwischen den Großstädten zu intensivieren. Dasselbe passiert(e) mit der Post, der Wasserversorgnung, den Kraftwerken, den Krankenhäusern, der Telekommunikation und anderen Dingen, bei denen es höchst fraglich ist, ob es deren Hauptzweck ist, Gewinne für Inhaber und Shareholder einzufahren. Schließlich folgte der Sozialabbau. Nach über 100 Jahren Industrialisierung, begleitet von der Bildung von Gewerkschaften und dem ewigen Kampf selbiger um Rechte (also dem Sozialaufbau), hatte man endlich – zumindest in Deutschland – ein Niveau erreicht, auf dem man noch Mensch bleiben konnte, wenn man seinen Lohn verdiente, und auch, wenn man durch die Maschen rutschte. Doch die Entwicklung ging weiter. Immer mehr Arbeitsplätze wurden und werden abgebaut, die Leute ersetzt durch Maschinen oder deren Jobs ins billige Ausland abgegeben. Und nun haben wir eine Situation, die sich die Wirtschaft schon immer gewünscht hat:
Nun hat gestern die gegenwärtige Bundesministerin für Arbeit und Soziales, Ursula von der Leyen (CDU), die Reaktion der Regierung auf die Beanstandung der Berechnung des Satzes von Hartz IV (so der Rufname des Arbeitslosengeldes 2 (für Langzeitarbeitslose), das mit der Sozialhilfe zusammengelegt wurde, bei der Gelegenheit auch gleich auf einem Niveau unterhalb der bisherigen Sozialhilfe) durch das Bundesverfassungsgericht bekanntgegeben. Die Geldmenge, die Hartz IV-Empfängern monatlich zum Lebensunterhalt zugestanden wird, wird um ganze € 5 erhöht. Monatlich darf ein Mensch ohne weiteres Einkommen also € 364 ausgeben, und das für all seine Belange. Ich habe heute in der Zeitung eine Aufstellung der Posten der Neuberechnung gefunden, und dies ist der Grund für diesen Blogpost: Mir ist einfach der Hut hochgegangen bei einer dermaßen sinnfreien Milchmädchenrechnung. Den Rest des Eintrages lesen » Einmal mehr ein deutscher Film, bei dem mich vorrangig beschäftigt, warum der mich so gar nicht „anspringt“. Vielleicht das Gute vorneweg, es gibt wirklich eine schöne „Röhler“-Szene, das ist die Fickszene bei Gewitter und Fliegeralarm unterm offenen Dachfenster nach der Berlin-Premiere des Propaganda-Filmes. Die hat diesen abgefuckten Röhler-Charme, der mich in früheren Filmen angetörnt hat. Das war aber auch fast die einzige Szene. Sonst schien Röhler zu viel Respekt vor der heißen Kartoffel gehabt zu haben, die er leider nur mit spitzem Fingern angefasst hat. Mir war der Untertext, wir machen hier einen Film, der mit unserer Gegenwart nichts zu tun hat, das alles war einmal, viel zu laut und deutlich. Ich erwarte von einem lebenden Filmemacher, dass er Filme für uns Heutigen und nicht für Vergangene macht. Wenn dieser Verdrängungsuntertext nicht so stark gewesen wäre, hätten mich andere Dinge weit weniger gestört. Dass Moritz Bleibtreu offenbar einen fatal fehlbesetzten Sprachcoach gehabt haben muss, wodurch er sich nur noch auf den Akzent statt auf die Rolle zu konzentrieren schien. Dass Tobias Morettis primäres Interesse der Verdeckung der privaten Karriere-Wohlstandswampe galt, denn mit einer so gesättigten Figur ist schwer zu vermitteln, warum ein erfolgreicher Schauspieler wie Marian (immerhin spielte der den Jago auf einer grossen Bühne) mit einer Durchbruchsrolle noch gezöckelt werden konnte; privater Ersatzkonflikt des zentralen Rollenträgers. Dass mir nicht plausibel wurde, warum Armin Rohde in den nachgestellten Jud-Süss-Film-Szenen viel attraktiver und origineller schmiert als in den Drumherum-Szenen. Dass Hans Moser, der zwar den Moserton anständig imitiert, den Irren mimt. Angenehm wirkt immerhin, dass das Historische nicht auf übertriebenen Kostümeffekt hin präsentiert wird – wie sonst so oft schon geschehen. Ein zentrales Problem dürfte einmal mehr das Buch sein. Die Autoren heissen laut IMDb Klaus Richter und Michael Esser. Sie haben, scheint mir, bei der Hauptperson, dem Schauspieler Marian, der den Jud Süss spielen soll, nicht tief genug gebohrt, um das Interessante an der Figur zu finden und herauszuarbeiten – irgendwo muss da eine abgrundtiefe Verletzung ortbar sein, die die Annahme der Rolle plausibel macht, eine abgrundtiefe Verletzung, die wohl jeden Zwangssschauspieler ausmacht und ihn eben zwingt aus bestimmten Gründen gewisse Rollen anzunehmen. Gerade wenn man bedenkt, wieviel Mist die heutigen Schauspieler spielen und wie sie es begründen. Das erzählen die chronischen Interviews, die jede Filmpremiere und jede Erstausstrahlung eines Fernsehspiels begleiten bis zum Geht-nicht-mehr. Hier fehlt mir viel zu sehr der Bezug zum Heute. Film wird ja nicht wirkungsvoll dadurch, dass er die Vergangenheit kritisiert, sondern er muss den Finger auf wunde Punkte des Heute legen, wenn er wichtig werden will, auch wenn dies im Gewande der Vergangenheit passiert. Dagegen versucht das Drehbuch pseudosachliche Diskussionen über die Rollenbesetzung zwischen Goebbels und Harlan, da ist der Schrumpfkopfgag vielleicht als Röhlerscher „Einfall“ zu sehen, oder zwischen Frau Marian und Herr Deutscher (die einzige Figur, die mir glaubwürdig scheint, weil sie in einer existenziell bedrohlichen Situation steckt), oder zwischen Marian (der das Buch nicht gelesen haben will) und seiner Frau. Hier wird immer ein Sachthema abgehandelt wie fürs Schulbuch, tödlich für die Spannung eines Spielfilms. Der belehrte Zuschauer. „Alles nur Bla Bla“ findet Moretti zurecht. Und damit der Zuschauer nicht vergisst, in welcher Zeit, also weit weg von uns das alles spielt, darf das Töchterchen der Marians noch das Gedicht von der Judenbrut aufsagen und Moretti darf das zur Rettung seiner Schauspielerehre „schrecklich“ finden, nur das hilft der Spannung wenig. (Die Intention dieses „schrecklich“ kommt leider schwammig rüber, ist es der Kommentar von Herrn Moretti oder von Herrn Marian oder gar der der Autoren?). Undsoweiter. Richter-Esser-Röhlers Versuch kommt mir vor wie ein Versuch, der mit dem Eifer und der Sorgfalt betrieben wird, die ein Bastler zum Bau eines Modell-Hauses aus Streichhölzern verwendet, zur Herstellung einer minutiös imaginierten historischen Realität ohne jeden Bezug zum Heute. Also bestenfalls geeignet für ein Nazizeit-Filmmuseum. Zu fragen wäre, was hielten die Autoren für das zentrale Thema ihres Filmes? Sind es die Machtmechanismen, die um die Besetzung prominenter Rollen wirksam werden? Da liegt doch auch heute einiges im Dunkeln. Der NDR-Heinze-Skandal als Indiz dafür. Da gäbe es Dinge ans Licht zu bringen. Subtile Gespinste von Macht und Abhängigkeit. So wie diese in diesem Film präsentiert werden, sind sie doch recht schematisch ausgedacht statt erforscht und untersucht. Mir scheint, da ist eben gebastelt und nicht geschürft worden. Oder war es das Thema Propagandafilm? Oder sollte einmal mehr nur gezeigt werden, wie schlimm doch die Nazis waren? (Und wie leicht man damit Filmgelder locker machen kann?) Mir scheint, da haben sich die Macher um einige entscheidende Fragen und Entscheidungen gedrückt. Es gibt gut zu Lachen in diesem Dinner für Spinner, aber zwischen den Einschlagsorten der Pointen und dem Nerv unserer Zeit bleibt eine beachtliche Spanne Spielraum, denn die Pointen scheinen mit zuviel Ehrfurcht vorm Vorbild vorgetragen, das bremst die Komödie, die vielleicht so ist, wie sie in komplizierten Etagen mehr oder weniger geldiger Produzenten gedacht und abgesegnet wird. Der langlockige Gérard Depardieu auf der titelgebenden MÜNCH Mammuth 1970 ohne Scham sein Fett raushängend ist in jedem einzelnen Bild dieser belgisch angehauchten surreal-naiven Gemäldegalerie prächtig leinwandfüllend. Junge Frau, die Hysterie und Idolaterie ihrer Mit-Teenies verschnarcht, tappt auf das Marzipantörtchen von angesagtem Teeniestar. Sie verlieben sich. Aber die Schnarcherin bleibt nicht zum Frühstück. Auch Groupies bleiben nicht. Aschenputtels sowieso nicht. So ist das halt nun mal – so viel zur geistigen Ebene des Werkes. Auf der Macherebene ist ein herrlicher Vorgang, wie die Nachricht von der Liebesnacht von Teeniestar und Schnarcherin unter dem Siegel der Verschwiegenheit rasend schnell über das Handykommunikationsnetz weiterversiegelt wird und die kalten Köche des heißen Teenie-Idols zum Kochen bringt, ein Slapstick moderner Kommunikationswege. Ob der Titel eins zu eins passt, ob es sich wirklich um Pianomanie handelt, das sei dahingestellt. Ob es sich um Cinemanie handelt ebenso. Was zu sehen ist, ist eine jedenfalls ungewöhnlich unterhaltsame Dokumentation über Vorgänge am Rande des grossen klassischen Klavierkonzert-Geschäftes mit Stars wie Pierre-Laurent Aimard, Alfred Brendel, Lang Lang, Till Fellner, Igudesmann & Joo aus der Perspektive des erstklassig entertainenden Klavierstimmers Stefan Knüpfer, eines Mannes aus der zweiten Reihe, der sich nur bückt, wenn er sich den Klaviersaiten zuneigt. |

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