Archiv für August 2010

Das größte Unglück für diesen Film ist sein Drehbuch.

Nur ein Beispiel. Der Film heisst Distanz. Heirat ist ein Indiz für eine Überwindung von Distanz, mithin in einem Film, der sich so betitelt, gewiss ein wichtiges Faktum. Dass der Protagonist, ein durch Zufall zum Serienkiller gewordener Gärtner, das Fräulein vom Institut, mit der er schon mal ins Bett gegangen ist, geheiratet hat, erfährt man im Nachhinein durch eine Befragung der Polizei. Ein drehbuchtechnische Schwerverdaulichkeit. Denn das reißt den Zuschauer, dem es hier eh nicht leicht gemacht wird, aus dem Versuch heraus, der Erzählung zu folgen, indem er sich sofort fragt: ‘Sag mal, habe ich jetzt was verpasst?’

Die Idee hinter dem Film ist löblich. Ein Schauspieler wird initiativ gegen die Rollenangebotsmisere im geisttrockenen Filmland, indem er an einem Drehbuch mit einer Traumrolle voller Abgründe, nämlich dem erwähnten Serienkiller, mitarbeitet.

Nur ergibt das weder einen Hannibal Lector noch einen Alain Delon als eiskalter Engel, wenn der Protagonist mit ausdruckslosem Gesicht in einem botanischen Garten Beete bearbeitet und dann zufälligerweise bei einem einsamen Spaziergang Jäger beobachtet, wie sie ein Tier schiessen und es achtlos liegenlassen, wie er ihnen dann hinterhergeht und sieht, dass der Kofferraum eines der Autos offen ist und eine Knarre inklusvie Munition und Fernrohr drin findet und klaut und dann anfängt wahllos auf Jogger oder Menschen auf der Parkbank zu schiessen.

Über weite Strecken im Film wird mittels des verschlossenen Gesichtes behauptet, der Protagonist leide unter einer Art Kommunikationsstörung oder schizoider Persönlichkeitsstörung; dann aber unterhält er sich urplötzlich mit anderen, als sei überhaupt nichts. Unerklärliche Inkonsequenz, die nichts erschließt. Diese plötzliche Kommunikationsfähigkeit steht in krassem Gegensatz dazu, wie die Figur eingeführt wird, durch einsame Spaziergänge, einsam vor dem Fernseher sitzen, Steine von der Autobahnbrücke werfen. Da soll einer noch mitgehen.

Auch der Übergang vom Steinewerfer zum Todesschützen bleibt im Dunkeln. Kein Motiv, kein Anlass und ergo kein Grund, sich weiter für die Figur zu interessieren.

Mein Eindruck ist, dass sich die Macher nicht so richtig getraut haben, die Hemmschwelle zum Töten bei der Hauptfigur offensiv zu überschreiten, als wollten sie den Menschen hinter diesen Handlungen irgendwie noch retten. Dabei haben sie ihn endgültig verloren. Das Movie kommt dann plötzlich wie ein Lehrfilm daher, der behauptet: ‘Leute, es gibt eben Menschen, die töten ohne Anlass.’ Um diese Info zu erhalten, brauche ich nicht ins Kino zu gehen.

Das Menschentümelnde wird fortgeführt in dem Gespräch mit seiner Frau, die behauptet, sie stehe hinter ihm, er habe nie etwas Böses getan, müsse aber mit dem Töten aufhören. Dieses psychologische Faktum, das Böse in seiner Nähe nicht wahrhaben zu wollen, ist zwar bekannt von Fällen innerfamiliärer Gewalt. Es wird hier aber ohne jede dramaturgische Funktion, eben lehrfilmhaft und nicht spannungserzeugend eingebracht.

Die Kamera trägt das ihre zur Dämpfung der Freude an diesem Film bei; so uninspiriert fotografiert wie der Patient das Gewehr auf seinem Bett auseinander nimmt oder wie seine Frau Tomaten schneidet, habe ich das schon lange nicht mehr gesehen.

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Hier kennt sich das Drehbuch erst nicht so richtig aus, worüber mache ich einen Film, ah, Männer, Landhockey, nein, Wasser, Schwimmen, nein, Wasserballett, ja für die Geburtstagsparty, ja, das kann man aufführen, ah, heureka! warum nicht an die WM in Berlin, ja, mit all diesen Männern mit einem Wasserballett an die WM nach Berlin! Wenn das Drehbuch dann das Ziel und somit auch die Motivation und den Weg dahin gefunden hat, dann geht’s flott ab in Richtung Berlin. Wenn es sich jetzt, das Buch, auch noch mehr für die privaten Befindlichkeiten seiner Männer interessiert hätte, so wäre die Erinnerung an Ganz Oder Gar Nicht noch schöner geworden.

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Ich bin leicht zur Verzweiflung zu treiben. Nämlich, wenn ich mit wirtschaftlich denkenden Menschen diskutiere und mir deren Ansichten anhören muss. Da muss sich jede Alltagstätigkeit lohnen, rechnen und auszahlen, wird jeder Handgriff effektiviert, und wenn man dann in die Freizeit geht, bringt das auch noch Vorteile: Social Networking-Events mit Geschäftspartnern oder die berühmte “quality time” mit der Familie, die es zu verteidigen gilt wie das letzte Stückchen Regenwald vor der Kettensäge.

Persönlich konnte ich noch nie viel mit dem Geldmachen anfangen. Zum einen, weil es mir nie so recht gelingen wollte, zum anderen, weil ich es nie ganz verstanden habe. Sicher, mehr Geld zu haben ist besser als weniger, aber letztendlich braucht man nur ein Bett und drei Mahlzeiten, egal, wie reich man ist. Meine Eltern arbeiteten beide in künstlerischen Berufen, meine Erziehung war antiautoritär – selbstredend biss mich nicht die Karrierefee schon in der Schulzeit und trieb mich in Folge durch die Uni und in einen Anzug. Stattdessen tat ich, was mir lag, wo ich dachte, mein Glück finden zu können, und grundsätzlich tat ich’s auch nur, wenn ich es mit meinem Gewissen vereinbaren konnte. Geld wollte ich natürlich auch immer haben, und dass man es sich mühevoll erarbeiten muss, war mir auch stets klar. Nur dass man es anderen Leuten aus der Tasche ziehen muss, mit welchen Tricks auch immer, das geht dann doch zu weit.

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Es gibt sie noch, die kreativen, passenden, guten deutschen Filmtitel. Keine dümmlichen, nicht funktionierenden Eindeutschungen von englischen Wortspielen oder umgangssprachlichen Ausdrücken, die nicht übersetzt werden können. Keine plumpen Konstrukte, auf denen sich der Staub schon beim Hinschauen absetzt. Kein Grund zum Fremdschämen oder facepalmen.

Nur, leider sind das alles Pornotitel. Aber egal, wer sehen will, dass doch noch ein Hauch der Titel-Kreativität der 60er bis 80er vorhanden ist, bitteschön. (Ab 18 natürlich)

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Sehr praktisch: Journalisten wurden gefragt, was PR-Agenturen verbessern können, um möglichst effektiv zu sein. Hier die Ergebnisse, mit denen ich sehr übereinstimme. Was fehlt Euch noch?

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Man könnte, typisch deutsch, argumentieren, verweisen und sonstwie Aufmerksamkeit erregen. Viel kreativer gehen die Engländer vor, zumindest “geek comedian” Tom Scott. Er stellt einfach eine Druckvorlage für journalistische Warnungs-Aufkleber online (pdf), mir denen man sich am Zeitungskios austoben kann – und sollte. (via)

PS: stefe ist im Urlaub, daher gab’s diese Woche keine Kritiken.

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Ich kann nur noch lachen, so genial trashig ist Sharktopus!

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Teenie-TV-Kinoware mit nur spärlichen Kinofunken.

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Die Spannung beim Betrachten dieses Patchwork-Movies dürfte in etwa der Spannung entsprechen, die entsteht beim Durchblättern einer gestylten Hochglanzzeitschrift, einer Mischung vielleicht aus „Vogue“, „Schöner Wohnen“ und „Merian, Tokio und Japan“, welche die elegant arrangierten Bilder unter dem losen Thema „Fischereiverkäuferin arbeitet nachts als Profikillerin“ in einen narrativen Zusammenhang zu stellen versucht.

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