Archiv für 29. Juli 2010

Immer wieder bekomme ich Anfragen per e-Mail, ob ich denn nicht an einem Linktausch interessiert sei. Ich werde in Zukunft auf diesen Blogeintrag hinweisen, wenn ich solche Anfragen bekomme.

Meist wird zuerst dieses Blog gelobt, dann kommt eine “wir sind auf Sie aufmerksam geworden”-Formulierung, die Professionalität und Business-Savvyness vermitteln soll, ganz so, als wäre mein Blog bei einer Sitzung von wichtigen Leuten ein eigener Tagesordnungspunkt gewesen, das Ganze ist dann garniert mit Begriffen wie “Linkpartnerschaft”, “Tauschprogramm”, was suggerieren soll, man würde gerade vom Club of Rome umworben.

Schließlich folgt eine Liste von URLs, von denen als Gegenleistung aus auf meinen Blog verlinkt werden kann.

Klickt man dann aus schierem Interesse auf eine oder mehr von den genannten Adressen, findet man sich in fast jedem Fall auf schlecht geschriebenen, schlecht recherchierten und auch sonst nicht weiter interessanten Webseiten oder Shops wieder, die vorgeben, sich jeweils auf ein Thema spezialisiert zu haben, sei dies Schmuck, Gartengestaltung, Finanzen, Gesundheit oder sonstwas.

Eines haben diese Webseiten jedoch gemein: Sie alle quellen über mit Anzeigen und sonstigem Geld-für-Klick-Nepp. In Kombination mit den stupiden, hohlen Texten voller Platitüden (“Thema X ist in der heutigen Zeit aktueller denn je“, “Willkommen bei Y, Ihrer kompetenten Adresse für Y“), grausamer Grammatik und Rechtschreibung, schrecklichen Ausdrucksfehlern und obendrein ohne echtes Fachwissen.

Worauf diese Seiten aus sind: Möglichst viele Klicks auf die Anzeigen. Die Seite soll von Leuten gefunden werden (daher der Linktausch, um Leser zu bringen), diese sollen dann von gewissen Themen angefixt werden (aber nicht zuviele Infos finden) und sich in Folge in der Hoffnung auf mehr Infos bei den Anzeigen zu weiteren Seiten und Shops usw. durchklicken, was Geld und bei Kauf sogar Provision für die weiterleitende Seite bringt.

Für mich schreit das Ganze sofort “unlauter”, denn das Systen nutzt die Idee der Werbeklick-Vergütung mit dümmlicher Motivation aus. Eine Analogie zu solchen Webseiten in der Wirklichkeit sind die abgerissenen Typen, die z.B. in den USA auf Flughäfen rumlungern und frisch Gelandeten ihre Partnerkaschemme als Hotel anpreisen (ob diese das hören wollen oder nicht, ist denen dabei egal), um dann ein paar Dollar Provision kassieren zu können. Werbung um der Werbung Willen also, zum puren Selbstzweck, absolut unterste Schublade. Kein Mensch mit Rückgrat würde ernsthaft so ein Feld auch nur als fünftes Standbein jemals in Betracht ziehen.

Meine Seite der Angelegenheit ist jedoch ein genausowichtiges Argument: Ich freue mich, wenn mein Blog Leser hat. Ich will aber nicht einfach nur irgendwelche Leser, kaum mehr als hirnlose Klicksklaven, sondern ich will die Leser, die diesen Blog hier finden, auf ihn stoßen, von ihm erzählt bekommen. Kritische Menschen mit den verschiedensten Meinungen, die austeilen und einstecken können, mit denen ein veritables Tjosten in den Kommentaren ein intellektuelles Vergnügen ist. Menschen, deren unterschiedliche, aber stets fundierte Ansichten man respektieren und mit denen man im wirklichen Leben problemlos auskommen kann.

Ich werde bestimmt nicht die treuen Leser meines Nischenangebotes (es sind vergleichsweise wenige, aber dafür kommen sie wieder) vergraulen, indem ich ihnen grenzdebile Schmuck-, Gesundheits-, oder Gartengestaltungswebseiten ohne jegliche Individualität ans Herz lege (“Tibet Style“, mich dreht’s gleich). Und im Gegenzug soll ich dann auch noch Busladungen von Leuten begrüßen, die eine Klickfarm nicht von einer Webseite mit Herzblut unterscheiden können? Nicht wirklich, echt.

Also, liebe Onlinemarketingsuchmaschinenoptimierwebzweinullsocialmediaundsoweitermanager, ich lehne dankend ab. Ich verlinke auf das, was mir gefällt, und wenn mir eines Eurer Angebote gefallen und thematisch hier irgendwie hineinpassen sollte (was bis jetzt noch nicht der Fall war), dann verlinke ich auch gern dorthin. Ihr könnt gerne auf mich verlinken, denn dies ist ein freies Land (leider noch kein freier Planet), aber bitte schminkt Euch ab, dass ich die lansgam gewachsenen Sympathien der Stammleser dieses Blogs verschleudere, indem ich zu einer von Euren Kackseiten verlinke. Nehmt es mir bitte nicht persönlich, aber ich pisse ja auch nicht in meine Badewanne.

Ich denke ja sowieso, dass alle, die glauben, mehr Friends auf Fecesbook, mehr Klicks auf der Webseite und so weiter wären was Gutes, nicht mehr alle Kerzen am Christbaum haben. Nichtmal mehr Geld auf dem Konto ist was Gutes. Zu wenig bzw. nicht genug ist schlecht, bei Klicks wie Friends wie echten Freunden wie auch bei Geld, aber zuviel verwässert die Sache. Hätte ich 100 Millionen Euro, könnte ich ein Leben im Luxus führen und würde schätzungsweise doch nur 5 bis 10 davon wirklich brauchen. Hätte ich 100 Freunde, wären 95 zu Recht sauer, weil ich kaum Zeit mit ihnen verbringen könnte. Das ist doch surreal. Dieses Blog ist für die, die es interessiert. Und wenn das nur ein einziger Mensch ist, hat sich’s schon gelohnt.

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Die lautstärkste Ansage dieses Filmes scheint mir zu sein: Leute, ich Dietrich Brüggemann, Autor und Regisseur dieses Filmes, bin von einem unbeugsamen Stilwillen besessen, um das Drama um einen Rollstuhlfahrer konsequent gegen den Mitleids-Strich zu bürsten.

Sein stärkster Mitstreiter in dieser Absicht ist Robert Gwisdeck, der mit unerbittlicher Konsequenz die Figur Ben, die an den Rollstuhl gefesselt ist, als Zyniker am Rande zum Feldwebel durchzieht, dadurch einen grossen Verschleiß an Zivis hat, der teils fast dozierend die Thesen über Invalidität, Potenz, Liebe und auch die oft gelegentlich als Witze beabsichtigten Texte, die nicht immer lustig sind, mit hoher Sprechpräzision hochfahrend wegspricht. Das hat durchaus etwas Faszinierendes, umso mehr, als er auch die Körperlichkeit der Figur gnadenlos durchspielt.

Der Film leidet jedoch unter der typisch deutschen Drehbuch-Krankheit. Es wird viel zu viel erklärt. Kommt jemand in eine Szene, fragt sie oder er, was los sei. Das sind meist fernsehtaugliche Dialoge, die sich daraus entspinnen, wobei hier sicher mehr Feinarbeit geleistet worden ist.

Ein Running Gag, statt „geil“ „porno“ zu sagen, kommt sehr, sehr konstruiert daher. Genau so wie der Gag mit der Mozart-Büste total aufgesetzt und verkrampft und nicht mal überzeugend dargestellt, dazu noch irgendwie sinnfrei abgespult wird.

Die Überkonsequenz im Gegen-den-Mitleids-Strich-Bürsten der Hauptfigur hat allerdings auch zur Folge, dass sie so negativ rüber kommt, dass es einem überhaupt nicht weh tut, wenn Ben mit dem Rollstuhl ins Eis einbricht. Man gönnt ihm gleich den ewigen Frieden, denn einem rein zynischen Menschen zuzuschauen ist eben nicht sehr erhebend.

Es gibt allerdings einen Augenblick, der ist Kino pur, wenn er mit der Cellistin im Bett liegt und sie ihn fragt, was er wolle und er nach einer Gedankenpause mit von ihr abgewandtem Gesicht antwortet „Liebe“, und das für seine Verhältnisse leise, und wie dann die Kamera einfach auf ihm bleibt, das ist ein schöner Kinomoment, der aber in der übrigen Feldwebelei sehr einsam dasteht.

Das kann die anderen Szenen, in denen Ben durchaus als Neonazi durchgehen würde, nicht aufwiegen. Aber die jungen Filmmenschen dürfen in ihrem Enthusiasmus Fehler machen. Sie können auch nicht, und müssen es auch nicht, alles können. Sie dürfen sich dabei zuviel vornehmen und vielleicht lernen sie die Lektion, dass auch in so ein Projekt, wenn es von mehr als nur von professionell und freiwillig mit Behinderten Befassten gesehen werden soll, eben auch Charme einfliessen muss, Anrührung, Zwischentöne; und dass Schwarzer Humor noch nicht ist, wenn Ben meint, er könne mit Behinderten nicht oder Plattitüden, dass zwei Drittel aller Männer beim Öffnen des BHs schon scheitern.

Fazit: eher eine Etüde für die Fachwelt als Futter fürs breite Publikum.

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Auf holprigerem und widrigerem Wege und ohne eine einzige Probe in den letzten 30 Jahren dürfte sich wohl kaum je zuvor ein Orchester so rasend schnell zu einem so wohlklingenden Klangkörper entwickelt haben. Was uns lehrt, wie überflüssig doch Orchesterproben sind oder dass heute allenfalls das Kino für solche Wunder zuständig sei.

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Neckische Gedankenspielereien um das Infektiöse und die Wirksamkeit von Ideen und deren Einpflanzung in den Köpfen anderer auf dem Wege des Eindringens in die verschiedenen Ebenen ihrer Träume, mit welchen Christopher Nolan Bildmaterial überwiegend aus dem Fundus der Untiefen des amerikanischen Actionkinos neu verschnürt und mit DiCaprio als unwiderstehlichem Schmerzensmann ziert. Oder: ein Bebilderungsversuch zum Satz „Im Anfang war das Wort“, und wie der Mensch damit rumtricksen möchte.

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