Archiv für Juni 2010

Die erste Viertelstunde kommt der Mexiko-Fan was Landschaft und Weite und Wüste betrifft, voll auf seine Kosten, denn unser Protgonist und Armutsflüchtling Andrés durchmisst sie in Richtung USA. Nach einem misslungenen Grenzübertrittsversuch wabert der Film eine ganze Weile in der erotisch aufgeladenen Atmosphäre subtropischen Stillstandes im Grenzort Tijuana im Spezereiwaren-Lädchen von Ela und Cata und der gut gebaute Andrés dazwischen, dessen Gesicht so wenig über seine Geschichte verrät wie die sparsamen Dialoge. Eine kurze, auf den ersten Blick absurd anmutende Performance leitet dann das Ende ein.

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Mein Eindruck: noch nicht reif fürs Kino. Empfehlung: Revision. 1. Zur Erdung der Hauptfigur mit dem norddeutsch sich anhörenden Vornamen Pit eindeutige Klärung, ob die Figur norddeutsch oder bayrisch sei. 2. Zur Erhöhung der Möglichkeit der Teilhabe des Zuschauers an der Bewältigung seiner Lebenskatastrophe, diese vom ersten Moment an krass offenlegen und sie nicht erst nach und nach verraten (den Zuschauer auf Anhieb mit einer Figur konfrontieren, die ein schier unlösbares Problem hat, das hätte zumindest die professionelle dramaturgische Beratung erkennen sollen). 3. Zur Erhöhung des Reizes der Biederkeit der Hauptfigur, sie mit mehr Rosinen, mit mehr exotischen Figuren um sie herum umgeben wie mit jener Dame mit der exaltierten Lache, die aus einem Almodovar-Film stammen könnte und die den Schrank schon voll hat mit seinen Schönheitsprodukten, denn im Moment unterscheidet Pit  sich in seiner grauen Biederkeit viel zu wenig von der grauen Biederkeit seines ihn umgebenden Castes; und Grau in Grau unterscheidet sich schlecht;  auch die Grufties bleiben seltsam grau, bis vielleicht auf seinen Sohn; die beiden Telefon-Gören wirken in ihrer künstlischen Aufgekratztheit auch nicht kontrapunktisch, denn sie spielen auf einer anderen Ebene der Ernsthaftigkeit.

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Die Sehnsucht nach Nähe, Wärme, Schönheit, Schmerz, Glück, Reichtum, Natur und Meer, das sind Ursehnsüchte des Kinos. Francois Ozon kennt sie genau, ergeht sich in ihnen und bedient sie und mixt sie aus dem Effeff. Als Vorwand dient ihm eine Narrative, die den Ansprüchen des Groschenromans genügt. Für cineastische Importance fehlt der Stachel. In der Drogerie am ehesten unter Wellness-Lotions zu platzieren.

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Der Film will  eine  Hommage an Manuel de Oliveira sein. Oliveira hatte immer ein Thema, die Hommage hat leider keines, das ist der schmerzlichste Unterschied. Bei Oliveira kommt die Reduktion als Stilisierung rüber. Green interpretiert diese Stilisierung als steife, vornehmlich alltagsbelanghafte, gelegentlich liebesthematische Dialoge, mit ausdrucksloser Mimik und aufgerissenen Augen bedeutungsheischend vorgetragen. Am erbaulichsten sind die Fadoeinlagen. Der Rest ist Füllmaterial aus unendlichen live-webcam-ähnlichen Schleifen über Lissabon.

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Langsamkeit (und Einsamkeit?) können in 90 Minuten ganz schön viel erzählen über einen erwachsenen Sohn, der bei seiner Mutter lebt, über eine Oma, die sich als Waisenkind sieht, über ein Ehepaar, das sich nach langen Jahren trennen will, über einen Untermieter, der vor die Tür gesetzt wird, über kleine Lügen und Betrügereien allerorten, schliesslich über eine illegale Beerdigung im Bergwald und im Hintergrund sind Kuhglocken und Muh.

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Eigentlich wollte ich die WM ja aus dem Blog weitgehend raushalten, aber nachdem ich bei Gandalf goes to the World Cup auch beim fünften Mal noch herzhaft lachen muss, hier ein Muntermacher für das Spiel am Sonntag:

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Auch das kann Eindruck machen: eine Hauptfigur, Sasha mit dem Doppelleben einer Studentin und einer über Zeitungsannoncen selbst anschaffenden Freizeitprostituierten, die eine unglückliche Figur ist, die meist schlecht aussieht mit Rändern unter den Augen und als ob sie Drogen genommen hätte, die in einen Krimi hinein gerät, wie er eher fürs Fernsehen gemacht scheint, kurz, die das Leben alles andere als professionell meistert. Ene Geschichte aus Ljubljana.

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Animation aus Frankreich, die sich zügig zu einem beinah dadaistisch-kubistischen Höhepunkt in einer Dachkammer voller Bücher hochschraubt, der uns die Macht, die Magie der Buchstaben, der Bücher und der Geschichten augenfällig illustriert, um diese dann mit einer nicht allzu ungewöhnlichen, aber doch ordentlichen Abenteuergeschichte vor der Verramschung durch den Trödler zu erretten.

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Diese Weisse Nacht auf einer roten Brücke in Lyon ist zwar ein Liebesexperiment des Regisseurs und Autors mit einem Paar, was nicht zusammengehört, bezieht sich aber explizit weder auf die Weissen Nächte von Dostojewski noch auf deren Verfilmung durch Luchino Visconti mit Maria Schell und Marcello Mastroianni von 1957; explizit erwähnt wird die Weisse Nacht nur als die von Schweden und Norwegen, bei der man nicht weiss, wann schlafen und die eben nicht kalt sei, wie der Tag und der Ort der Handlung in diesem winterlichen Lyon, in welchem gerade eine Demonstration gegen den kriegerischen Überfall Israels auf Palästina stattgefunden hat. Wer den Dostojewski und den Visconti im Hinterkopf hat, der mag schnell enttäuscht sein, hat andererseits einen wunderbaren Vergleich zur Hand, mit welchem er möglicherweise einen anregenden Zugang zu diesem eher forschenden und improvisierenden Film eines Japaners finden wird. Nachsatz: dem Thomas Willmann, so war bei artechock zu lesen, hat der Soundtrack, den ich eher für die penetrante Geräuschkulisse von Lyon hielt, das Vergnügen offenbar ziemlich vermasselt.

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Der Marcus H. Rosenmüller dreht mal wieder in der bayerischen Provinz, und diesmal wurde ich zum Setbesuch eingeladen. Der Drehort lag praktischerweise nur 20 km die Straße runter von meinem Zuhause im Speckgürtel Münchens, und so begab ich mich mit großer Vorfreude und meiner kleinen Kamera ans Set von Sommer in Orange. (Fotos hier)

Wieso Vorfreude? Nun, als ich noch selber Filmemacher werden wollte, durchlief ich zwischen 1994 bis 1999 einen wahren Bewerbungsmarathon bei so gut wie allen deutschen (und einigen ausländischen) Filmhochschulen, allesamt erfolglos. Eigentlich sollte ich ja hauptberuflich mein Biologie/Chemie-Studium an der LMU München bestreiten, aber die Anziehungskraft von Hollywood war dann doch stärker, das kreative Knistern am Filmset viel faszinierender als der Zitronensäurezyklus, die RNA-Synthese und die Allen’sche Regel.

Also stand ich für diverse Hochschulfilme an diversen Sets, bewachte nachts eine Kamera im Olympischen Dorf, sperrte tapfer Straßen (ungefähr so, nur dass die Autofahrer auf dem Weg zur Arbeit meist kein Einsehen haben), fuhr Negative von Kötzschau zum Entwickeln nach München und die Muster zurück (mit einem brandneuen 525er-BMW, was für eine Rakete!), föhnte nachts Abschnitte der Sommerrodelbahn am Blomberg trocken, und schlug mich mal fast mit einem Regisseur, der meinte, seine Chefposition auch außerhalb der Dreharbeiten durchdrücken zu müssen. Den Rest des Eintrages lesen »

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