Archiv für 25. Juni 2010

Der Marcus H. Rosenmüller dreht mal wieder in der bayerischen Provinz, und diesmal wurde ich zum Setbesuch eingeladen. Der Drehort lag praktischerweise nur 20 km die Straße runter von meinem Zuhause im Speckgürtel Münchens, und so begab ich mich mit großer Vorfreude und meiner kleinen Kamera ans Set von Sommer in Orange. (Fotos hier)

Wieso Vorfreude? Nun, als ich noch selber Filmemacher werden wollte, durchlief ich zwischen 1994 bis 1999 einen wahren Bewerbungsmarathon bei so gut wie allen deutschen (und einigen ausländischen) Filmhochschulen, allesamt erfolglos. Eigentlich sollte ich ja hauptberuflich mein Biologie/Chemie-Studium an der LMU München bestreiten, aber die Anziehungskraft von Hollywood war dann doch stärker, das kreative Knistern am Filmset viel faszinierender als der Zitronensäurezyklus, die RNA-Synthese und die Allen’sche Regel.

Also stand ich für diverse Hochschulfilme an diversen Sets, bewachte nachts eine Kamera im Olympischen Dorf, sperrte tapfer Straßen (ungefähr so, nur dass die Autofahrer auf dem Weg zur Arbeit meist kein Einsehen haben), fuhr Negative von Kötzschau zum Entwickeln nach München und die Muster zurück (mit einem brandneuen 525er-BMW, was für eine Rakete!), föhnte nachts Abschnitte der Sommerrodelbahn am Blomberg trocken, und schlug mich mal fast mit einem Regisseur, der meinte, seine Chefposition auch außerhalb der Dreharbeiten durchdrücken zu müssen. Den Rest des Eintrages lesen »

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Grossmeister Coppola treibt die Frage um, wieviel Genie eine gewisse Parzelle, nämlich die der Familie, ertrage; es ist die Frage, wieviel Platz oben auf dem Affenfelsen ist, oder auch, was die Falter und die Motten an der Glühbirne fasziniert. Da die Antwort eher unergiebig ist und Coppola das Thema ausserdem in lehrbuchhaftem Schwarz/Weiss mit allen möglichen verspielten Spiegel- und Blinkeffekten gedreht hat, da auch eingefügte Farbsequenzen aus der Opernwelt die 127 Minuten nicht voll machen, muss noch eine Inzestgeschichte her und auch das Gastspiel einer freien Truppe aus Buenos Aires mit einer schrillen Faustaufführung bei den Patagonienfestspielen, welche vom Prototyp einer mächtigen Kritikerin präsidial geleitet werden.

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Alles dreht sich ums Down Syndrom, welches der Hauptdarsteller, im Film Daniel genannt, auch hat. Der Film dürfte eine Insider-Veranstaltung oder eine für Gutmenschen bleiben mit dem Charme und der Verbindlichkeit eines privaten Homemovies, welches mit kindlicher Freude vor allem die Möglichkeit der Kamera zum Nah-Rangehen nutzt, in den Kühlschrank, auf ein Graffiti, auf den Teller, und das vom Fernsehen gelernt hat, dass keine Szene zu lang sein darf und es schick findet, wenn die Kamera noch dazu ständig in Bewegung ist, sich auch von schönen Licht- oder Verschwemmungseffekten verführen lässt. So tut sich immerhin und immer was auf der Leinwand. Nur tut sich keine Geschichte, denn die Aussage, dass auch ein Mensch mit Down-Syndrom nur ein Mensch sei, ist nicht abendfüllend.

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Bildschöner Versuch einer flämisch-malerischen Fortschreibung der Ikonographie der Weihnachtsgeschichte in drei Anläufen, wobei einer surrealer und verlorener anmutet als der andere und storymässig zum Scheitern verurteilt ist. Die Darsteller sind Behinderte, die auch Tramps oder Obdachlose, arme Schlucker halt sind. Dieses cineastische Triptichon wendet sich explizit gegen eine allfällige Vereinnahmung durch die Kirche, denn auch der Klerus unterscheidet sich von den armen Schluckern nur durch sein Kostüm, heisst es an einer Stelle.

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