Archiv für Mai 2010

Was war das jetzt? War es der bieder/unbiedere Versuch eine „postmoderne Naivität“ zu postulieren unter gleichzeitiger Wahrung helvetischer Weltoffenheit und eines ebensolchen Internationalismus in den Schranken der Folklore?

Ist es vielleicht der bewusste oder unbewusste Versuch, ein grummelndes Unbehagen am Filmproduktionsland Schweiz zu artikulieren?

Ist es der Versuch zu zeigen, was man alles könnte, wenn man denn nur richtig könnte?

Man könnte ein tolles Ballett indisch verkleidet im Supermarkt inszenieren, weil wir ja gehört haben, dass es in Indien Musikfilme gibt.

Man könnte indische Gerichte werbewirksam ins Bild setzen, auch wenn es sich um die Berner Wirtschaft zum Hirschen handelt.

Man könnte mit Stefanie Glaser aus den Herbstzeitlosen einen oberverrückten Auto-Stunt mit massiv überhöhter Geschwindigkeit bei der Anfahrt zum Hirschen hinlegen und sie anschliessend mit ihrem Stock auf dem Unfallopfer herumstochern lassen.

Man könnte versuchen, die Darstellerin einer Schweizerin auf Schweizer Dialekt nachzusynchronisieren.

Man könnte versuchen, eine Zollszene zu inszenieren, nur um zu erzählen, dass indische Filmproduzenten mit nichts als Filmrollen und Bargeld in ihren Koffern um die Welt düsen.

Man könnte eine Messerstecherei in der Küche des Hirschen inszenieren, weil der indische Produzent den verliebten indischen Koch zurück haben will.

Kurz, man könnte dies und das und jenes, und Liebesgeschichte sowieso, wenn man denn könnte und wenn es darum ginge, zu erzählen, dass Film ausschauen kann wie ein überladener Souvernirladen mit einem kunterbunten Angebot an Bildern zum Thema „indische Filmcrew bringt Liebes- und Kochverhältnisse in Berner Wirtschaft zum Hirschen durcheinander“ … wenn man denn so richtig könnte.

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Nachdem ich eines der begehrten Flattr-Invites erhalten habe, befindet sich dieses Blog nun ebenfalls in der Flattr-Zone. Wer mag, kann guten Texten nun also seine anteilige Monatsgunst zukommen lassen. Wer das jetzt nicht verstanden hat, hier mehr.

Ach ja, ich bin wieder da. War toll in Irland, aber viel zu kurz…

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Der Ton macht die Musik, und wie der Schaffner den Protagonisten dieses filmischen Annäherungsversuches an ein Künstlertum mit einem „Monsieur“, dem man das Grinsen in den Mundwinkeln und das leichte Amüsement in der Stimme nur minimalsurrealistisch zudeuten darf, anmacherisch anspricht, dürfte der Schlüssel zu dieser nicht ganz Eins-zu-Eins zu nehmenden Rückbesinnung eines erfolgreichen Comic-Zeichners auf seine Ursprünge sein.

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Die ganze Welt des Surfens über den Mikrokosmos der berühmten Eisbachwelle am Rande des Englischen Gartens in München als grosse Kinowelle auf die Leinwand gerollt. Fasten your seatbelt!

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Arthouse oder Nicht-Arthouse, das ist hier die Frage, obs edler im Gemüt, sich klaglos in sein Schicksal fügen oder wenigstens einen Film zu machen über eine innere Emigration zurück in die Heimat eines unheldischen Helden nach dem Gefängnisaufenthalt.

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Nach bewährtem Muster ordentlich durchbuchstabierte Komödie über künstliche Insemination und dass der Richtige im Leben immer zu spät kommt, zum schnellen, schmerzfreien Ablachen.

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Ich brauch mal wieder frische Luft. Deswegen fahre ich heute spontan für eine Woche nach Irland. Bis die Tage!

(Ein paar Fotos vergangener Urlaube hier)

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Es sind handwerkliche Produkte, die Kindern genügend Abenteuer bieten, ihnen aber nicht gleichzeitig auch Kinobildung angedeihen lassen. Denn dieses Handwerk ist viel zu nah am Fernsehen dran. Man hat nicht die Zeit, Dinge entstehen zu lassen. Es geht einfach darum, die Zuschauer zu überschütten mit Bildern und Aktionen und Attraktionen und Fremdem und Vertrautem, ohne ihnen den Atem zu lassen, ohne ihnen die Chance zu geben, wegzuzappen.

Eine schmierige Sprecherstimme erzählt anfangs über den Mondscheinpalast in China, der vor 600 Jahren gebaut und zugesperrt worden ist, vom hell leuchtenden Elixir, was einem ewiges Leben gibt. Dazu kommen Kinobilder, die sich an großem chinesischem Kino orientieren, diesem jedoch nicht das Wasser reichen können. Schnell hingehudeltes Palastritual ohne tieferen Sinn.

Schnitt. Prater in Wien. Kinder lassen sich vom Countdown in die Höhe schießen. Sie ertappen einen Taschendieb. Abenteuerliche Jagd über die Geisterbahn. Ach, und das Ganze nur, damit sie sich vorstellen können. Denn schon sind sie in einem chinesischen Restaurant. Hier fühlen sie sich zuhause, man weiss nicht wieso.

Unglücklicherweise zerbrechen sie eine Statue, die ein zufällig anwesender Experte für Pandabären aus China mitgebracht hat. Darin ist ein Schlüssel zu oben erwähntem Palast. Das ergibt die schnelle Internetrecherche der pfiffigen Kids. Zufälligerweise gibt es gerade einen Wettbewerb, bei dem man eine Reise nach China gewinnen kann. Den manipulieren sie, Tricks fürs Leben.

In China fängt die Abenteuer-Story endlich richtig an: den Schlüssel suchen und dabei von Iris Berben und Stipe Erceg verfolgt werden. Das ergibt viele aufregende Bilder aus China. Auch die chinesische Mauer darf nicht fehlen. Und natürlich ist es amüsant, wenn der eine der Jungen sich als Braut verkleidet, um den in der Mauer versteckten dritten Schlüssel zu finden.

Aber ein Verräter in der Mannschaft hat die Gegenpartei informiert. So dass sich schliesslich alle auf den Weg zu diesem Palast machen, die Guten verfolgt von den Bösen.

Frau Berben versucht richtig mit Stemmen der Stimme und Mundverziehen die Böse zu spielen, die böse Konzernchefin – ob sie als Präsidentin der Deutschen Filmakademie auch so viel Biss entwickeln wird?

Die Texte, die die Darsteller zu sagen haben sind nicht mehr als lieblose Fernsehdurchschnittsware. Frau Berben sagt zum Beispiel an einer Stelle „Dafür sollen wir uns die Pfoten, kleiner Scherz, die Hände, reichen“. Und wenn im Schloss das Licht angeht, sagt Stipe Erceg „sieht aus, als bräuchten wir die nicht mehr“ und meint damit die Stirn-Lampen, die sie patenterweise dabei hatten. Oder dann sagt er „Schluss jetzt mit dem Gequatsche“. Der eine der Buben, Patrick, meint an anderer Stelle „Hätte aber ins Auge gehen können“. Und nachdem der eine Junge aus dem Abgrund vor der ersten Tür gerettet worden ist, sagt er ganz ordentlich „Danke“.

Schon in Wien im chinesischen Restaurant macht der Satz der Wirtin stutzig „ich habe soviel zu tun, der Laden läuft schlecht“ – ein Lektor müsste über diesen Satz gestolpert sein, denn die Logik ist doch die, wenn ein Laden schlecht läuft, dann hat man gerade nichts zu tun..

Wie in dieser Art Kinderfilme üblich, können die Kids alles, sind fit in Karate, teilen ihren erwachsenen Gegnern schamlos Tritte in die Eier aus, sind spitze im Überlisten, im Interpretieren mathematischer Formeln, können sich problemlos gestikulierend mit den Chinesen unterhalten, abseilen sowieso, Gewinnspiele manipulieren und gewinnen, oder sie strahlen telegen-lieblich, wenn sie vor dem Panda-Gehege stehen.

Es gibt auch ziemlich bescheuerte Gags aus der Mottenkiste, wenn die Kids die leere Wohnung des chinesischen Opas erkunden und dann die beiden Buben rückwärts ineinander laufen. Schon lange nicht mehr darüber gelacht.

Außerdem beunruhigt eine gewisse Liederlichkeit dessen, was über die Kids erzählt wird. Nachdem sie schon über die Gefahren informiert sind, und ihnen der erste Schlüssel geklaut worden ist, möchte man als Zuschauer unbedingt sehen, wie sie den zweiten sicher verwahren. Nichts davon.

Solche Bildmengen halten einen jeden Zuschauer auf Trab, aber er ist mehr mit dem Sortieren der Bilder beschäftigt als mit Dran-Teilhabendürfen an Dingen, die nur das Kino bieten kann, wie die besondere Art menschlichen Ernstgenommenwerdens, wie Verständnis für andere Kulturen; hier wird eher sich mokiert darüber, zum Beispiel auf dem Markt mit dem Getier oder auch bei der Brautfotoszenerie auf der Mauer. Die Chinesen sind lediglich Versatzstücke in einer abenteuerlichen Geisterbahn.

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Im Vergleich dazu, dass es jetzt in einem Bundesland bereits eine türkischstämmige Ministerin gibt, die sich auch flott dran macht, die Kreuze abzuhängen in den Schulen, mutet dieses Werklein doch recht rückständig an; das uns noch ständig im Untertext erklären möchte, dass Türken Menschen sind wie andere auch, wobei diese hier noch dazu makel- und farbloses Hochdeutsch sprechen im Gegensatz zu Saskia Vester, die auch mit von der Partie ist, und mit ihrem breitbeinigen Bayerisch den einzigen sprachlichen Tupfer setzt.

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Filmkritikerpapst Roger Ebert hat in seinem Blog resümiert, wie es zur Zeit aussieht in unserer Branche, und kommt zu dem Schluss: Es gibt mehr Filmjournalismus denn je, und auch ambitionierteren denn je, was gut ist; aber die Zahl derer, die von diesem Beruf tatsächlich leben können (mit oder ohne Familie) geht rapide zurück, was schlecht ist. Es verhält sich also ganz so, wie es die Anzüge ja immer wollten.

Fachkollegen empfehle ich dringendst, den Blogeintrag zu lesen.

Ich werfe jetzt bestimmt nicht das Handtuch, aber ich werde mich verstärkt auf meinen Umstieg in die Filmjournalismus-Dienstleisterbranche konzentrieren.

Interessant außerdem Roger Eberts Meinung zum aktuellen 3D-Boom. Ich stimme zu, aber hauptsächlich, weil ich als Nicht-Brillenträger von dem Gestell auf meinem Gesicht fortwährend irritiert werde. Ich trage ja nichtmal Sonnenbrillen.

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